Gesamtevaluation des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ in der zweiten Förderphase 2020-2024

Die Gesamtevaluation des Bundesprogramms "Demokratie leben!" in der zweiten Förderphase erfolgt durch das Deutsche Jugendinstitut e.V.

Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) fördert im Bundesprogramm "Demokratie leben!" insbesondere nichtstaatliche Organisationen, die auf der Ebene des Bundes, der Länder und/oder der Kommunen

  • sich für die Förderung demokratischen Denkens und Handelns sowie für die Stärkung demokratischer (politischer) (Alltags-)Strukturen und Verfahren einsetzen,
  • an der Gestaltung gesellschaftlicher Vielfalt mitwirken oder
  • sich der Bearbeitung von politisch-weltanschaulichem Extremismus und damit verbundener Radikalisierung widmen.

Das Programm ist ein wesentlicher Teil der Strategie der Bundesregierung zur Extremismusprävention und Demokratieförderung.

In kommunalen Gebietskörperschaften werden lokale Partnerschaften für Demokratie und auf der Ebene der Bundesländer Landes-Demokratiezentren zur Koordinierung der Programmaktivitäten sowie weitere Unterstützungsangebote für Organisationen und Einzelpersonen gefördert, die von Extremismus oder politisch vor allem rechts motivierter oder begründeter Gewalt betroffen sind. Im Bundesmaßstab fördert das BMFSFJ nichtstaatliche Träger als Kompetenzzentren oder -netzwerke zur Wahrnehmung von bundeszentralen Aufgaben. Darüber hinaus werden Modellprojekte gefördert, die neue, innovative Ansätze zur Bearbeitung der in "Demokratie leben!" behandelten Themenfelder entwickeln und erproben sollen.

Diese vier Förderfelder werden auch als die Handlungsbereiche "Kommune", "Land", "Bund" und "Modellprojekte" des Bundesprogramms bezeichnet.

Weitere Informationen zum Bundesprogramm finden sich auf dessen Homepage unter www.demokratie-leben.de.

Die Evaluation der verschiedenen Handlungsbereiche von "Demokratie leben!" erfolgt jeweils durch eigene wissenschaftliche Begleitungen. Die Gesamtevaluation hat die Aufgabe, das Bundesprogramm in seiner Gesamtheit zu evaluieren.

Dabei erfüllt sie vorrangig folgende Aufgaben:

  • die Analyse und Bewertung der Gesamtanlage sowie Erträge des Programms vor dem Hintergrund der programmgeberseitig sowie durch programmexterne und -interne Fachpraktikerinnen und -praktiker vorgenommenen Problemdeutungen und Bedarfsbestimmungen sowie entsprechender fachlicher und politischer Zielstellungen,
  • die Bereitstellung von Empfehlungen zur Fortentwicklung des Bundesprogramms und seiner Bestandteile,
  • die Koordination und Abstimmung der beteiligten wissenschaftlichen Begleitungen.

Darüber hinaus bereitet sie relevante Erkenntnisse aus der Evaluation des Gesamtprogramms sowie seiner Handlungsbereiche/-felder für die Fachöffentlichkeit auf.

Ausgangspunkt ihrer Analysen und Einschätzungen bildet die Formulierung einer Programmtheorie, die theoretisch und/oder empirisch begründete Annahmen über mögliche und erwartbare Zusammenhänge zwischen definierten Problemlagen, Zielstellungen, Handlungskontexten, Maßnahmen und individuellen, prozeduralen und strukturellen Veränderungen zum Gegenstand hat. Im Mittelpunkt des Interesses der Gesamtevaluation stehen dabei solche Zusammenhänge, die die Erreichung der Programmziele und deren Einflussfaktoren sowie sonstige programminduzierte Veränderungen betreffen und empirisch feststellbar sind.

Außerdem dient die Programmtheorie der Formulierung und Explikation von Annahmen über die Bezüge der Programmbestandteile zueinander, der Identifikation und Systematisierung von (steuerungsrelevanten) Fragestellungen und als ein Ausgangspunkt für die Ableitung von Empfehlungen für die Programmsteuerung.

Mit Blick auf die Gewinnung von Befunden über die Wirksamkeit des Programms und deren Bewertung orientiert sich die Gesamtevaluation an den Prinzipien "realistischer Evaluation". Das bedeutet, sie nähert sich empirischen Erkenntnissen dazu an, welche Maßnahmen wie und unter welchen Bedingungen welche (zielgemäßen) Veränderungen anstoßen können. Schlussfolgerungen darüber, inwieweit empirische Zusammenhänge zwischen Maßnahmen und Veränderungen tatsächlich programminduziert sind, werden von der Gesamtevaluation dabei stets kontextsensibel, gegenstandsangemessen sowie vorbehaltlich nicht erfassbarer Einflussfaktoren getroffen.

Unter Beachtung dieser Annahmen über den Evaluationsgegenstand bearbeitet die Gesamtevaluation drei Fragekomplexe:

  • Erstens beantwortet sie unter Einnahme einer "Binnenperspektive" auf das Bundesprogramm Fragen zur Entwicklung, Kohärenz und zum Zusammenspiel der einzelnen Teile (Handlungsbereiche/-felder und Maßnahmen) von "Demokratie leben!". Von Interesse ist dabei auch, in welchem Verhältnis Anlage und Rahmenbedingungen des Gesamtprogramms sowie die Umsetzung des Programms und programminduzierte Veränderungen zueinander stehen. Außerdem bewertet sie die Plausibilität und die Angemessenheit der Programmarchitektur und seiner Bestandteile unter besonderer, aber nicht alleiniger Berücksichtigung der programmgeberseitigen Zielstellungen.
  • Zweitens untersucht die Gesamtevaluation, wie sich das Bundesprogramm in den Kontext verschiedener Handlungsstrategien der Bundesregierung einordnet, die Bezüge zu den in "Demokratie leben!" verhandelten Materien haben (beispielsweise zur Bekämpfung von Rassismus und Antisemitismus, zur Herstellung von Gendergerechtigkeit etc.) und wie das Programm sowie dessen Leistungen und Erträge von relevanten Akteurinnen und Akteuren außerhalb des Programmkontextes wahr- und aufgenommen werden.
  • Drittens verfolgt die Gesamtevaluation die Frage danach, welche Aspekte sich von Nachhaltigkeit der Modellprojektförderung des Bundesprogramms in seiner ersten Förderphase nach Abschluss dieser Phase nachweisen lassen.

Die Beantwortung der komplexen Fragestellungen der Gesamtevaluation erfolgt in einem mixed methods-Design. Dabei kommen sowohl qualitative als auch quantitative Methoden zum Einsatz. Ein Teil der Daten wird von der Gesamtevaluation selbst und andere Teile von den wissenschaftlichen Begleitungen der einzelnen Handlungsbereiche/-felder für die Gesamtevaluation erhoben. Zusätzlich werden Sekundärdaten ausgewertet, beispielsweise Berichte oder Anträge.

Die Evaluation erfolgt mit unterschiedlichen jährlichen Schwerpunkten entsprechend den verschiedenen Umsetzungsphasen im Bundesprogramm und lässt Anpassungen von Forschungsfragen und -methoden zu.

Das Forschungsdesign besteht aus vier Hauptelementen:

  1. Quantitative und qualitative Erhebungen der Gesamtevaluation selbst und in Kooperation mit den wissenschaftlichen Begleitungen
    Die quantitativen Daten werden mittels standardisierter Online-Fragebögen bei umsetzenden und programmexternen Akteurinnen und Akteuren erhoben und sowohl deskriptiv als auch mittels bi- und multivariater Analyseverfahren ausgewertet. Bei den qualitativen Erhebungen kommen leitfadengestützte Experteninterviews und (Fokus-)Gruppeninterviews mit programminternen, -externen und begleitenden Akteurinnen und Akteuren zum Einsatz. Die Auswertungen erfolgen je nach Forschungsfragen sowohl inhaltsanalytisch als auch rekonstruktiv.
  2. Fallstudien in fünf Regionen
    Für die Fallstudien bedient sich die Gesamtevaluation neben den bereits im Punkt 1 beschriebenen quantitativen und qualitativen Erhebungs- und Auswertungsmethoden zusätzlich der teilnehmenden Beobachtung sowie Elementen der quantitativen und qualitativen Netzwerkanalyse.
  3. Formulierung und Visualisierung einer Programmtheorie des Bundesprogramms
    Gemeinsam mit den wissenschaftlichen Begleitungen erarbeitet die Gesamtevaluation eine Programmtheorie zum Bundesprogramm über alle Handlungsbereiche und -felder hinweg und visualisiert diese in Form eines "logischen Modells" (siehe Beispiel).
  4. Auswertung von Dokumenten
    Die Gesamtevaluation wertet Dokumente, die in der Umsetzung des Bundesprogramms eine Rolle spielen, vorwiegend inhaltsanalytisch aus. Zu diesen Dokumenten zählen die Berichte der wissenschaftlichen Begleitungen, Anträge, Förderbestimmungen, Veröffentlichungen und anderes mehr. Sie nutzt diese Daten flankierend zu ihren anderen Forschungsergebnissen oder in Vorbereitung der eigenen Erhebungen.

Zu den Ergebnissen der Gesamtevaluation werden ein Zwischen- und ein Abschlussbericht veröffentlicht. Darüber hinaus beteiligt sich die Gesamtevaluation mit Fachartikeln und Vorträgen am wissenschaftlichen und Praxisdiskurs zu den Themen des Bundesprogramms.

Kontakt

+49 345 68178-29
Deutsches Jugendinstitut Außenstelle Halle
Franckeplatz 1
Haus 12/13 06110 Halle

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