Rechtsentwicklung

Die rechtlichen Grundlagen der Pflegekinderhilfe haben sich seit Beginn der 1980er Jahre wesentlich geändert.

KJHG
1991 sind die Vorschriften des JWG von denen des KJHG abgelöst worden. Die Umgestaltung der Sozialleistungen hat wesentliche Änderungen für die Ausgestaltung der Hilfeprozesse mit sich gebracht. Die Kontrolle von Pflegekinderverhältnissen hat sich von einem obrigkeitsstaatlichen Erlaubnis- und Aufsichtsverfahren (vgl. §§ 27 ff., § 69 Abs. 3 S. 1 JWG) zu einem kooperativen Beratungs- und Unterstützungsverhältnis (§§ 37, 38 SGB VIII) gewandelt.<footnote>Hierzu Meysen, in: DIJuF, Verantwortlich handeln – Schutz und Hilfe bei Kindeswohlgefährdung. Saarbrücker Memorandum, 2004, S. 157 (162 f.).</footnote>

Die Ausgestaltung der Leistungen hat durch die Hilfeplanung nach § 36 SGB VIII eine andere Qualität bekommen. Die Entscheidung des Bundesgerichtshofs vom 21. Oktober 2004.<footnote>Siehe Fn. 7.</footnote> fordert ein Überdenken der bisherigen Praxis bei der Fortschreibung von Hilfeplänen in Dauerpflegeverhältnissen.

KindRG
Die Kindschaftsrechtsreform hat ein Umdenken in Bezug auf das Umgangsrecht von Kind und Eltern eingeleitet. Der Rechtsanspruch aus § 1684 Abs. 1 BGB hat auch Auswirkungen auf Pflegekinderverhältnisse. Immer mehr Eltern erstreiten sich das Recht auf Kontakte zu ihrem fremdplatzierten Kind.

Kontakte zur Herkunftsfamilie sind in der Pflegekinderhilfe nach wie vor Anlass für zahlreiche Konflikte. Häufig stoßen entsprechende Überlegungen auf Unverständnis und Abwehr. Nach den Empfehlungen des deutschen Familiengerichtstages soll die gesetzliche Vermutung des § 1626 Abs. 3 BGB auf Pflegekinder keine Anwendung finden. Umgangskontakte mit den leiblichen Eltern sollen ausdrücklich nur stattfinden, wenn diese dem Wohl des Kindes nicht widersprechen.<footnote>So die Empfehlungen an die Gesetzgebung des 16. Deutschen Familiengerichtstags, vgl. ZKJ 2006, 41; ebenso Salgo, Gesetzliche Regelungen des Umgangs und deren kindgerechte Umsetzung in der Praxis des Pflegekinderwesens, ZfJ 2003,362.2.</footnote>

Auch wenn die Kontakte für alle Beteiligten oftmals mit erheblichen Belastungen verbunden sind, werden in der öffentlichen Auseinandersetzung fast ausschließlich die Belastungen der Kinder und Jugendlichen thematisiert. Traumatisierung von Kindern als Folge anhaltend hochbelasteter Lebensverhältnisse vor der Fremdplatzierung wird in Fachkreisen (Medizin, Psychologie) zunehmend in ihrer Risikobedeutung für die weitere Entwicklung der Kinder anerkannt..<footnote>Vgl. Stiftung zum Wohl des Pflegekindes (Hrsg.), Kontakte zwischen Pflegekind und Herkunftsfamilie, 3. Jahrbuch des Pflegekinderwesens, 2004.</footnote> Bei einer ersten Rezeption der Veröffentlichungen aus den letzten Jahren fällt auf, dass die Belastungen und Bedürfnisse von Pflegepersonen und Herkunftseltern im Zusammenhang mit Umgangskontakten nur unzureichend untersucht und beschrieben werden. Gleiches gilt für die diesbezüglichen Anforderungen an die Beratung und Unterstützung durch die Fachkräfte in den Jugendämtern sowie in den Pflegekinderdiensten bei Trägern der freien Jugendhilfe.

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