Der Projektbereich "Versorgungsforschung" ist Teil der Fachgruppe F4 "Frühe Hilfen" in der Abteilung "Familie und Familienpolitik" im Deutschen Jugendinstitut (DJI).

Die "Versorgungsforschung" ist zentraler Bestandteil der wissenschaftlichen Begleitung der Bundesinitiative Frühe Hilfen bzw. der rechtsnachfolgenden Bundesstiftung Frühe Hilfe. Ziel ist es, Erkenntnisse über die Adressatinnen und Adressaten von Frühen Hilfen (Prävalenzforschung) mit dem Wissen über den Ausbau kommunaler Angebotsstrukturen (Implementierungsforschung) in Beziehung zu setzen. Die Zusammenführung der Ergebnisse der verschiedenen Forschungszugänge soll Aufschluss über den Stand der psychosozialen Versorgung von Familien mit Säuglingen und Kleinkindern bis zur Vollendung des dritten Lebensjahres in Deutschland geben. Auf dieser Wissensbasis können Unterstützungsangebote weiter zielgerichtet ausgebaut und auf die tatsächlichen Bedarfe von Eltern und Kindern zugeschnitten werden.

Aufbauend auf den Erkenntnissen der Versorgungsforschung wird derzeit ein Konzept für eine Interventionsforschung zu Frühen Hilfen und eine indikatorengestützte Berichterstattung zum Stand ihres Ausbaus in Deutschland ausgearbeitet.

 

Prävalenzforschung

Die nationale Hauptstudie "Kinder in Deutschland – KID 0-3“ ist eine repräsentative, epidemiologische Erhebung, die sich Familien mit Säuglingen und Kleinkindern bis drei Jahren widmet. Deutschlandweit wurden 8063 Familien zu Lebenslage, spezifischen objektiven Belastungsmerkmalen, subjektivem Belastungserleben und sozialer Unterstützung sowie Inanspruchnahme von Angeboten der psychosozialen Versorgung, insbesondere von Frühen Hilfen, befragt. Es wurden Daten zur Häufigkeit verschiedener Risikofaktoren gewonnen, die, vor allem wenn sie kumuliert auftreten, zu Entwicklungsbeeinträchtigungen, Erziehungsschwierigkeiten und der Gefährdung des Wohls von Kindern durch Erfahrungen von Vernachlässigung oder Misshandlung führen können. Ergänzend wurden Informationen über Ressourcen und konkrete Unterstützungsbedarfe ermittelt.

Im Rahmen einer Vertiefungsstudie von KiD 0-3 wurde eine Teilstichprobe von 197 Familien, die an einer Vorstudie teilgenommen hat, intensiver und über einen längeren Zeitraum wissenschaftlich begleitet. Es wurden Elternbefragungen sowie Entwicklungstests bei Kindern im häuslichen Umfeld durchgeführt, um die konkrete Lebenssituation von Familien mit unterschiedlichen Belastungen zu vergleichen und deren Auswirkungen auf die Entwicklung des Kindes ermitteln zu können.

Ein Teil der befragten Familien der Hauptstudie von KiD 0-3 hatte sich bereit erklärt, an einer zweiten Befragung mitzuwirken. Mit Blick auf die Längsschnittuntersuchungen wurde der Fragebogen inhaltlich komprimiert und um Fragen zum Erziehungsverhalten und Entwicklungsstand des Kindes ergänzt. 2017 wurden in der zweiten Welle 948 Familien befragt. Bei mehr als der Hälfte (554 Familien) füllten Mutter und Vater einen Fragebogen aus, weshalb hier sowohl Vergleichsdaten zu beiden Elternteilen als auch längsschnittliche Verlaufsdaten vorliegen.

Insgesamt liefert die Studienfolge KiD 0-3 umfangreiches empirisches Datenmaterial über die Adressatinnen und Adressaten von Frühen Hilfen. Diese werden kontinuierlich ausgewertet, um die Frühen Hilfen bedarfsgerecht und gezielt weiterzuentwickeln.

 

Implementierungsforschung

Im Rahmen der "Dokumentation und Evaluation der Bundesinitiative Frühe Hilfen" wird der Auf- und Ausbau von Frühen Hilfen in Ländern und Kommunen dokumentiert und analysiert.

Zu diesem Zweck werden regelmäßig standardisierte Onlinebefragungen aller von der Bundesinitiative bzw. der Bundesstiftung Frühe Hilfen geförderten Kommunen durchgeführt. Diese Kommunalbefragungen geben einen fortlaufenden Einblick in die strukturelle Ausgestaltung von kommunalen Systemen im Bereich Frühe Hilfen, insbesondere hinsichtlich des Auf- und Ausbaus von Netzwerken und dem Einsatz von Familienhebammen und vergleichbaren Gesundheitsfachkräften. Bisher wurden diese Erhebungen in den Jahren 2013, 2014, 2015 und 2018 durchgeführt.

Um für das zukünftige Monitoring der Bundesstiftung valide Daten zum Angebotsbereich der längerfristigen aufsuchenden Betreuung und Begleitung von Familien mit Säuglingen und Kleinkindern durch Fachkräfte erheben zu können, wird aktuell eine Machbarkeitsstudie durchgeführt. Ziel ist die Entwicklung einer fortlaufenden statistischen Erhebung von Leistungsmengen in diesem Angebotsbereich.

Ergänzend zur Kommunalbefragung wurde von 2013 bis 2015 an der Stiftung Universität Hildesheim die Vertiefungsstudie „Multiperspektivische Analyse von kommunalen Netzwerken Frühe Hilfen“ im Auftrag des DJI mit dem Ziel durchgeführt, kommunale Kooperationsbeziehungen und -strukturen sozialwissenschaftlich zu rekonstruieren und Gelingensbedingungen für die multidisziplinäre Netzwerkarbeit zu identifizieren.

Konzeptionelle und empirische Grundlagen der Implementierungsforschung lieferte die von 2008 bis 2015 in mehreren Teilprojekten im DJI durchgeführte "Bestandsaufnahme Frühe Hilfen".

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Eickhorst, Andreas/Brand, Christian/Lang, Katrin/Liel, Christoph/Neumann, Anna/Schreier, Andrea/Renner, Ilona/ Sann, Alexandra (2015): Die Prävalenzstudie „Kinder in Deutschland – KiD 0-3“ zur Erfassung von psychosozialen Belastungen und Frühen Hilfen in Familien mit 0-3-jährigen Kindern: Studiendesign und Analysepotential. In: Soziale Passagen. 7. Jg. H. 7 (2), S.  381–388

EICKHORST, ANDREAS / LIEL, CHRISTOPH (2016): Gemeinsam Risiken vermeiden. Eine Studie des Deutschen Jugendinstituts analysiert, wie unterschiedlich Väter und Mütter mit psychosozialen Belastungen umgehen: Wie wirkt sich darauf eine eher traditionelle oder gleichberechtigtere Rollenverteilung zwischen den Paaren aus? In: DJI IMPULSE, ?. Jg., H. 112, S. 26 – 28

Eickhorst, Andreas/Liel, Christoph (2017): Belastungserleben von Vätern und Müttern nach der Geburt eines Kindes. Eine Studie des Nationalen Zentrums Frühe Hilfen widmet sich der Frage, wie Väter und Mütter und wie sich die Rollenverteilung zwischen den Elternteilen auf die Wahrnehmung der Belastungen einerseits sowie auf das elterliche Risiko zur Kindeswohlgefährdung andererseits auswirkt. In: HEBAMMENINFO, 10. Jg., H. 1, S. 6–9

Eickhorst, Andreas/Schreier, Andrea/Brand, Christian/Lang, Katrin/Liel, Christoph/Renner, Ilona/ Neumann, Anna/Sann, Alexandra (2016): Inanspruchnahme von Angeboten der Frühen Hilfen und darüber hinaus durch psychosozial belastete Eltern. In: Bundesgesundheitsblatt, 19. Jg., H. 59 (10), S. 1271–1280

Fullerton, Birgit/Gniewosz, Gabriela/Eickhorst, Andreas/Walper, Sabine (2018): Psychosoziale Belastungsfaktoren und negative Emotionalität in der frühen Kindheit: die Perspektive der Mütter. In: Praxis der Kinderpsychologie und Kinderpsychiatrie, 67. Jg., H. 67, S. 405–420

Liang, Linda A./Berger, Ursula/Brand, Christian (2019): Psychosocial factors associated with symptoms of depression, anxiety and stress among single mothers with young children: A population-based study. In: Journal of Affective Disorders, 40. Jg., H. 242, S. 255­–264

Liel, Christoph/Meinck, Franziska/Steinert, Janina I./Kindler, Heinz/Lang, Katrin/Eickhorst, Andreas (2019): Is the Brief Child Abuse Potential Inventory (BCAPI) a valid measure of child abuse potential among mothers and fathers of young children in Germany? In: Child Abuse & Neglect 88, S.  432–444

Liel, Christoph (2018): Väter und familiäre Gewalt. München

 

 


Für den Bereich Prävalenzforschung

Doidge, James C./ Higgins, Daryl J./ Delfabbro, Paul/ Segal, Leonie (2017): Risk factors for child maltreatment in an Australian population-based birth cohort. In: Child Abuse & Neglect, 41. Jg., H 64, S. 47–60

Evans, Gary W./ Li, Dongping/ Whipple, Sara Sepanski (2013): Cumulative risk and child development. In: Psychological Bulletin, 109. Jg., H 139 (6), S. 1342–1396

McManus, B. M./ Carle, A. C./ Rapport, M. J. (2014): Classifying infants and toddlers with developmental vulnerability: who is most likely to receive early intervention? In: Child: Care, Health and Development, 39. Jg., H 40 (2), S. 205–214

Sidebotham, P./ Golding, J./ The ALSPAC Study Team (2001): Child maltreatment in the "Children of the Nineties": A longitudinal study of parental risk factors. In: Child Abuse & Neglect, 25. Jg., H 25, S. 1172–1200

Stith, Sandra M./ Liu, Ting/ Davies, Christopher L./ Boykin, Esther L./ Alder, Meagan C./ Harris, Jennifer M. et al. (2009): Risk factors in child maltreatment. A meta-analytic review of the literature. In: Aggression and Violent Behavior. 14. Jg., H 14 (1), S. 13–29

 

Für den Bereich Implementierungsforschung

Greve, Bent (2017): Handbook of Social Policy Evaluation. Elgar, Cheltenham

Haubrich, Karin (2010): Programme ergebnisorientiert planen und evaluierbar gestalten. Handreichung zum logischen Modell. Deutsches Jugendinstitut. München


 



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