Vier Fragen an das Projekt KiSte

Das Forschungsvorhaben „Kinder als Stakeholder in Kindertageseinrichtungen [KiSte] – Studie zu den Sichtweisen der Kinder auf institutionelle Arrangements“ wird in Kooperation von der Hochschule Düsseldorf und der Universität Kassel durchgeführt.

Im ersten Teil des Projektes führen Kinder im Alter von drei bis sechs Jahren die Forscher*innen durch ihre Kindertageseinrichtungen (Kitas) und können etwas zu dem Gezeigten erzählen. Gleichzeitig stellen die Forscher*innen Nachfragen, so dass sich ein Dialog zwischen dem jeweiligen Kind und den Forschenden entwickeln kann. Videoaufnahmen, Transkripte und ethnographische Notizen der mehrtägigen Forschungsaufenthalte sowie die von den Forscher*innen im Nachgang erstellten Bewegungsprofile bilden die empirische Grundlage, um die Sichtweisen der Kinder auf ihre Einrichtungen nachzuvollziehen.

In einer zweiten Projektphase werden die Erkenntnisse in eine zweitätige Weiterbildung für (angehende) pädagogische Fachkräfte überführt, bei der die Sensibilisierung für vielfältige Sichtweisen, Relevanzsetzungen und Bedürfnisse der Kinder im Vordergrund steht. Zentral ist dabei auch die Reflexion der eigenen Bilder von Kindern.  

Um einen Einblick in die Arbeit des Projektes zu bekommen, haben wir vier Fragen an die beiden Projektteams – bestehend aus den Wissenschaftler*innen Prof’in Dr’in Katja Gramelt, Agata Skalska und Yvonne Gormanns am Standort Düsseldorf sowie Prof. Dr. Werner Thole, Stephanie Simon und Jessica Prigge am Standort Kassel –  gestellt.

 

Was ist das Ziel Ihrer Forschung?

Ziel des Forschungsprojektes ist die empirische Erfassung der unterschiedlichen Sichtweisen von Kindern auf ihre Kita. Es wird davon ausgegangen, dass Kinder eigenständige Ideen zur Ausgestaltung der frühpädagogischen Arrangements haben, diese aber nicht durchgängig im Diskurs um die Weiterentwicklung frühpädagogischer Einrichtungen wahrgenommen werden. Kinder sind neben den Pädagog*innen die zentralen Akteur*innen und Gestalter*innen des pädagogischen und sozialen Alltags in Kitas. Gerade deshalb sollte ihre Perspektive in den Fokus rücken. Durch die videobasierte Methode können Kinder nicht nur verbal, sondern auch nonverbal ihren Sichtweisen Ausdruck verleihen.

Die gewonnenen Erkenntnisse zu den Perspektiven von Kindern können dann in die Praxis transferiert werden, so dass gemeinsam mit den Fachkräften die pädagogische Qualität in Kitas weiter ausgebaut werden kann.

 

Was macht für Sie eine gute Kita aus?

Wir versuchen zu erforschen, was für Kinder eine gute Kita ausmacht. Unsere Ergebnisse machen deutlich, dass Kinder ihre Kita ganz unterschiedlich wahrnehmen, sich unterschiedlich darin bewegen und verschiedenste Aspekte zeigen, die ihnen wichtig sind. Ergänzend erzählen sie über ihre Einrichtungen, ihre Freund*innen und Peers, über die institutionellen Arrangements, über Routinen und Regelungen. Die Forschungssituation wird auf diese Weise intensiv von den Kindern genutzt, wodurch sie als aktive Mitgestalter*innen des pädagogischen Alltags sichtbar werden. Für uns folgt daraus, dass eine gute Kita mit den Kindern gemeinsam vor Ort zu entwickeln und zu gestalten ist. Die Herausforderungen sehen wir dann vor allem darin, den Sichtweisen und Positionen der Kinder nicht nur im Forschungskontext nachzugehen, sondern auch im pädagogischen Sinne in der Ermöglichung der Mitgestaltung. Ein feinfühliger Umgang mit den Kindern, geprägt von Respekt gegenüber ihnen als Menschen, ist dabei essentiell. Daher ist es besonders wichtig zu berücksichtigen, was aus der Perspektive der Kinder eine gute Kita ausmacht.

 

Was sind aus Ihrer Sicht wichtige Baustellen für eine Verbesserung der Qualität in Kitas?

Unserer Ansicht nach sind neben der Verbesserung der Rahmenbedingungen für die Arbeit mit Kindern insbesondere ein adäquater Personalschlüssel, eine gute Ausbildung der pädagogischen Fachkräfte und die Haltung der Pädagog*innen die wichtigsten Baustellen für eine Verbesserung der Qualität in Kitas.

Die bisherigen Erkenntnisse unseres Projektes haben gezeigt, dass auch schon junge Kinder in der Lage sind ihre Bedürfnisse und Sichtweisen auf ihre Art und Weise zu kommunizieren, diese aber nicht immer von den pädagogischen Fachkräften wahrgenommen bzw. berücksichtigt werden. Daher ist die Sensibilisierung für die Positionen und Sichtweisen von Kindern unerlässlich. Wie drücken sich Kinder aus? Was davon nehmen wir wie wahr und wie können wir diese Ausdrucksformen in die tägliche Praxis als auch in pädagogische Konzepte einbeziehen? Dies sind relevante Fragen, die bearbeitet werden müssten.

 

Wie können Kitas von Ihren Ergebnissen profitieren?

Das Forschungsvorhaben bietet aufgrund seiner anwendungsbezogenen Forschung die Möglichkeit, wissenschaftliche Erkenntnisse in die pädagogische Praxis einzubringen. Im Mittelpunkt dieses Forschungsprojektes stehen die Kinder mit ihren Positionen und Sichtweisen auf institutionelle Arrangements. Die Erkenntnisse des Projektes zeigen, dass Kinder an der Herstellung von institutionellen Arrangements aktiv beteiligt sind, diese kritisieren und für sich gestalten können. Ent- und Begrenzungen werden von ihnen vollzogen und individuelle Umgangsformen geschaffen. Diese Prozesse müssen von den pädagogischen Fachkräften wahrgenommen und verstanden werden, um sie im Dialog mit Kindern für die (Um-)Strukturierung des pädagogischen Alltags sowie die Professionalisierung des Handlungsfeldes nutzen zu können.

Insbesondere der Transfer der Erkenntnisse in die Praxis mittels Workshops, Lehrvideos und Publikationen kann eine große Bereicherung für die Kitas darstellen – vor allem da die demokratische Beteiligung von Kindern für alle Akteur*innen der frühen Bildung zunehmend an Bedeutung gewinnt. Die Reflexion der eigenen Kind- und Kindheitsbilder sowie die Sensibilisierung gegenüber Perspektiven von Kindern können über das generierte Material unterstützt werden.

 

Nähere Informationen zum Projekt finden Sie hier:

Webseite des Projektstandorts Hochschule DüsseldorfWebseite des Projektstandorts Universität Kassel

 

Weitere Projektvorstellungen finden Sie hier:

Die Projekte stellen sich vor


Broschüre zur Förderrichtlinie als PDF-Datei: