Internetzugang an Kitas


Verbreitung von Internetanschlüssen an Kindertagesstätten in Deutschland

 
Recherche-Ergebnisse: Stand Januar 2005 
  

Download als PDF-Datei

 
Christine Feil, Christoph Gieger, Holger Quellenberg  
     

Ausgangspunkt: Im Vorfeld der Planung eines E-Learning-Projektes im Bereich der Fort- und Weiterbildung von Erzieherinnen erhielt das Projekt "Lernen mit dem Internet" (Deutsches Jugendinstitut München) vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend den Auftrag, durch eine Kurzrecherche zu klären, ob überhaupt davon auszugehen ist, dass Erzieherinnen im hinreichenden Umfang die Möglichkeit haben, in der Kindertagesstätte auf das Internet zuzugreifen.

Fragestellung: Wie viele Kindertagesstätten haben einen Online-Anschluss?

Methode: Befragung per Telefon und E-Mail Befragungszeitraum: 21. bis 28. Januar 2005 Stichprobe: Befragung von Fachreferentinnen und Fachreferenten für Kindertageseinrichtungen in Kommunen und Trägerverbänden der freien Wohlfahrtspflege aller 16 Bundesländer (inklusive der drei Stadtstaaten), und zwar:

  • der jeweiligen Landeshauptstadt und der Stadt mit der kleinsten Einwohnerzahl (auf Basis der Liste der "unmittelbaren Mitglieder" des deutschen Städtetages)
  • Arbeiterwohlfahrt (Landesverbände: Fachberatung Kindertagesstätten)
  • Evangelische Landeskirche/ Diakonisches Werk (Referat Tageseinrichtungen für Kinder)
  • Landes- und Diözesan-Verbände der Caritas (Referat Kindertagesstätten)
  • DPWV Deutscher Paritätischer Wohlfahrtsverband (Landesverbände)
  • DRK Deutsches Rotes Kreuz (Landesverbände; Referat Sozialarbeit/ Geschäftsfeld Kindertagesstätten)
  • Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland (Referat Kindergärten/ Schulen)
  • ergänzende Befragung der Fachreferenten für Kindertagestätten in Städten mit über 400.000 Einwohnern

Einschränkungen der Validität: Die im Folgenden dargestellten Ergebnisse sind nicht repräsentativ. Einerseits sind die Kommunen in der Befragung erheblich unterrepräsentiert, andererseits konnten die Befragten häufig den Anteil der Online-Kindertagesstätten nur schätzen. Auf der Ebene von Landkreisen bzw. kreisangehörigen Gemeinden wurde aufgrund des knappen Befragungszeitraums gar nicht recherchiert. War der Zuständigkeitsbereich der Landesverbände der freien Wohlfahrtspflege nach Anzahl der Kindertagesstätten relativ groß, so konnten von den Befragten oftmals keine oder nur sehr ungenaue Angaben über die Anzahl der Internetanschlüsse gemacht werden. In einzelnen Fällen wurden die Adressen der regionalen Fachberatungen übergeben, d.h. Summe und Durchschnitt der Bundeslanddaten wurden auf Grundlage von deren Auskünften gebildet. Da lediglich die technischen Voraussetzungen für die Internetnutzung von Erzieherinnen an Kindertagesstätten recherchiert wurden, geben die Ergebnisse keinen Aufschluss darüber, wie viele Erzieherinnen das Internet an ihrer Arbeitsstätte nutzen können. Ergebnisse: Kindertagesstätten mit Internetschluss nach Bundesländern und Trägerverbänden (Kommunen und freie Wohlfahrtspflege) In der Bundesrepublik gibt es etwas mehr als 47.000 Kindertageseinrichtungen (Krippen, Kindergärten und Horte; vgl. BMBF Grund- und Strukturdaten 2003/2004. Stand 31.12.2002). Davon befinden sich in freier Trägerschaft 64% der rund 36.700 Einrichtungen im früheren Bundesgebiet und 40% der Einrichtungen in den neuen Ländern (vgl. Statistisches Bundesamt: Kindertagesbetreuung in Deutschland 2002. http://www.destatis.de). Im Zuständigkeitsbereich der in der Stichprobe vertretenen Trägerverbände liegen ca. 26.000, also etwa 55% aller deutschen Kindertagestätten. Allerdings konnten die Träger über ca. 5.200 Kindertagesstätten keine Auskunft geben. In den nachfolgenden Berechnung sind die Daten der Träger, die keine Angaben machten, nicht berücksichtigt: rund 21.000 Kindertagesstätten bilden die Basis (100%). Im Gesamtdurchschnitt haben nach den Angaben der Träger von knapp 21.000 Kindertageseinrichtungen (100%) etwas mehr als ein Drittel (35%) Zugang zum Internet. Aufgeschlüsselt nach Bundesländern ergibt sich folgendes Bild: Tabelle 1: Kindertageseinrichtungen mit Internetanschluss nach Bundesland

Bundesland[1]Kitas gesamt Stand 31.12.2002[2]Stichprobe: Anzahl Einrichtungen der TrägerStichprobe: Einrichtungen mit Internet

gesamt

in %

gesamt

in %

Baden-Württemberg

7445

1770

24

361

20

Bayern

 7210

3466

48

 1354

 39

Berlin [3]

 2034

 2343

 115

 270

 12

Brandenburg

 1755

 171

 10

 49

 29

Bremen

 397

 239

 60

 197

 82

Hamburg [3]

 904

 930

 103

 930

 100

Hessen

 3541

 1064

 30

 471

 44

Mecklenburg-Vorpommern

 1020

 241

 24

 81

34

Niedersachsen

 4156

 1511

 36

 647

 43

Nordrhein-Westfalen

 8575

 6285

 73

 2190

 35

Rheinland-Pfalz

 2337

 811

 35

 315

 39

Saarland

 502

 43

 9

 19

 44

Sachsen

 2661

 501

 19

 149

 30

Sachsen-Anhalt

 1728

 329

 19

 63

 19

Schleswig-Holstein

 1635

 824

 50

 233

 28

Thüringen

 1379

 453

 33

 87

 19

Überregional 

 11

 

 2

 18

Gesamt

 47279

 20992

 

 7418

 35

[1] Die Zuordnung nach Bundesland ist nicht immer eindeutig, da die Daten von den Mitarbeiter/-innen des Diakonischen Werkes und der Caritas manchmal nach Landeskirchen- bzw. Bistumsgrenzen angegeben wurden. Bei der Kategorie "Überregional" handelt es sich um die Einrichtungen der Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland. [2] Quelle: Bundesministerium für Bildung und Forschung: Grund- und Strukturdaten 2003/2004. Bonn/Berlin 2004, S. 39 [3] In Berlin und Hamburg übersteigt die Anzahl der Einrichtungen, für die sich die Träger zuständig erklären, die Angaben in der amtlichen Statistik (Stand 31.12.2002). Einerseits können bis zum Erhebungszeitraum im Januar 2005 neue Einrichtungen eröffnet worden sein, andererseits können Abweichungen aber auch auf einer Doppelzählung basieren, wie sie aufgrund der Strukturreform in Berlin vermutet werden können. Die Stadtstaaten Hamburg und Bremen weisen den höchsten Anteil an Kindertagesstätten mit Online-Zugang auf, gefolgt von Hessen, Saarland, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz und Bayern. Bei den Flächenländern muss bedacht werden, dass die Anteile der Kindertagesstätten, über die Auskunft erteilt wurde, erheblich variieren. Während in den Städten Bremen und München die kommunalen Kindertagesstätten fast zu 100% online sind, sind in Hamburg alle Kindertagesstätten unabhängig von der Trägerschaft am Netz. Die Stadt Hamburg finanzierte den Einrichtungen der freien Träger auf Antrag einen Internetanschluss, unklar bleibt aber, in welchen Räumlichkeiten diese tatsächlich installiert wurden. Im Vergleich der Großstädte fällt die Hauptstadt Berlin mit geschätzten 7% Online-Kindertagesstätten nicht aus dem Rahmen, denn auch eine Reihe von Landeshauptstädten zeichnet sich durch einen sehr geringen Vernetzungsgrad der Kindertagesstätten aus. Der "Großstadteffekt" wurde durch eine Nachrecherche bei allen Großstädten mit mehr als 400.000 Einwohnern noch einmal kontrolliert. Neue Aspekte ergaben sich nicht: Die Vernetzung in kommunalen Einrichtungen ist derzeit noch sehr unterschiedlich entwickelt. Einzelnen Befragten aus den Kommunen war es peinlich, dass ihre Stadt mit der technologischen Entwicklung nicht Schritt halten kann, und wiesen auf die leeren Kassen im städtischen Haushalt hin. Tabelle 2: Kommunale Kindertageseinrichtungen mit Internetanschluss in Landeshauptstädten und Großstädten mit mehr als 400.000 Einwohnern (Schätzgrößen)

Stadt

Kindertageseinrichtungen

Anzahl

mit Internet- anschluss in %

Berlin, Hauptstadt

2000

7

Bremen, Freie und Hansestadt

 73

 100

Dortmund, Stadt

 109

 100

Dresden, Landeshauptstadt

 155

 3

Duisburg, Stadt

 74

 sehr wenige

Düsseldorf, Landeshauptstadt

 100

 50

Erfurt, Landeshauptstadt

 16

 0

Essen, Stadt

 52

 0

Frankfurt am Main, Stadt

 132

 11

Hamburg, Freie und Hansestadt

(inklusive freie)  930

 100

Hannover, Landeshauptstadt

 35

 54

Kiel, Landeshauptstadt

 34

  0

Köln, Stadt

 225

  0

Leipzig, Stadt

 60

 0

Magdeburg, Landeshauptstadt

 36

 28

Mainz, Landeshauptstadt

 43

 72

München, Landeshauptstadt

 370

 100

Nürnberg, Stadt

 125

 16

Potsdam, Landeshauptstadt

 4

 0

Saarbrücken, Landeshauptstadt

 20

 0

Schwerin, Landeshauptstadt

 keine städt. Kitas

 entfällt

Stuttgart, Landeshauptstadt

 180

 6

Wiesbaden, Landeshauptstadt

 44

 0

In der Stichprobe sind 82% der Kindertagesstätten in freier Trägerschaft (17.299 von 21.000). Von den Kindertagesstätten der freien Wohlfahrtsverbände haben 35% einen Internet-Anschluss, d.h. eine Abweichung vom Gesamtdurchschnitt ergibt sich nicht. Bei der Arbeiterwohlfahrt fällt der relativ hohe Anteil an Kindertagesstätten mit Online-Anschluss auf. Eine Erklärung hierfür könnte sein, dass die Angaben genauer als bei den anderen befragten Trägern sind, weil die Auskunft regional kleinräumiger eingeholt wurde (ca. 40 Telefonate mit Fachreferenten der AWO). Tabelle 3: Kindertageseinrichtungen mit Internetanschluss nach Trägerverbänden der freien Wohlfahrtspflege

Freie Trägerverbände

Stichprobe: Einrichtungen

Anzahlmit Internetanschlussmit Internet- anschluss in %
Arbeiterwohlfahrt

1732

828

48

Caritas

 7353

 2327

 32

DPWV

 2748

 926

 34

DRK

 670

 259

 39

Diakonisches Werk

 4796

 1732

 36

Gesamt

 17299

 6072

 35

Von Interesse für die Fragestellung ist, dass es sowohl bei den Kommunen als auch bei den freien Trägerverbänden verstärkt Anstrengungen gibt, den Kindertagestätten Internetzugänge zu finanzieren. Die Stadt Frankfurt möchte beispielsweise bis Ende April 2005 alle ihre 132 Kindertagesstätten vernetzen (derzeit 11%), die Städte Mainz (derzeit 72%) und Düsseldorf (derzeit 50%) haben sich dieses Ziel bis Ende 2005 gesetzt. Die freien Wohlfahrtsverbände haben fast durchgängig auf die "steigende Tendenz" des Vernetzungsgrades ihrer Kindertagesstätten hingewiesen. Der Landesverband der Arbeiterwohlfahrt Thüringen möchte beispielsweise über eine Kooperation mit "Jugend ans Netz" die Anzahl der Online-Kindertagesstätten erhöhen; verschiedene Diözesan-Verbände der Caritas Bayern möchten ihren Kindertagesstätten bis Ende 2005 bzw. Ende 2006 einen Internetanschluss zur Verfügung stellen. Jedoch soll auch der Einzelfall nicht unerwähnt bleiben, in dem betont wurde, dass ein Internetzugang in Kindertagesstätten (bundeslandweit) unerwünscht ist. Die Beschränkung der Erhebung auf Internetzugänge in Kindertageseinrichtungen ist zur Abschätzung der Anzahl potentieller Nutzer/-innen aus mehreren Gründen problematisch: In den 47.279 Kindertageseinrichtungen, die die amtliche Statistik ausweist, arbeiten 374.170 Personen mit pädagogischer Ausbildung (BMBF Grund- und Strukturdaten 2003/2004; Stand: 31.12.2002). Im Mittel sind dies 12 Personen pro Einrichtung, die sich im schlechtesten Fall einen PC mit Internetzugang teilen. Des Weiteren ist zu bedenken, dass in vielen Einrichtungen die EDV-Ausstattung vor allem für administrative Aufgaben angeschafft wurde und genau für diesen Zweck genutzt wird. Auch wenn während der Recherche von den Ansprechpartnern mehrfach darauf hingewiesen wurde, dass Erzieherinnen ihre privaten Anschlüsse auch beruflich nutzen, kann und sollte sich ein Fort- und Weiterbildungskonzept - schon allein aus Gründen der Privatisierung der Kosten - nicht auf die Infrastruktur in den Haushalten der Erzieherinnen stützen. Dennoch werden hier einige Anhaltspunkte zur privaten Internetnutzung genannt: Vermutet werden kann, dass sich die Anzahl der privaten Internetanschlüsse bei Mitarbeiter/-innen von Kindertagesstätten ähnlich verteilen wie in der Wohnbevölkerung. In über 45% der Haushalte ist ein Internetanschluss vorhanden (vgl. http://www.destatis.de; Informationsgesellschaft, Stand 18.11.2004). Etwas mehr als 55% der Personen über 14 Jahre verwenden das Internet zumindest gelegentlich. Aber noch immer ist die Internetnutzung geschlechtsspezifisch ausgeprägt: 64% der Männer und 47% der Frauen sind Internetnutzer. Dies ist zu berücksichtigen, da der überwiegende Teil des Personals in Kindertagesstätten weiblich ist. Allerdings relativiert sich der Geschlechterfaktor an der Altersverteilung: knapp 70% der Bevölkerung zwischen 40 und 49 Jahren besucht gelegentlich das Internet. Mit abnehmendem Alter nimmt der Anteil der Internetnutzer zu (vgl. Eimeren/ Gerhard/ Frees: ARD/ZDF Online-Studie 2004, Media Perspektiven 8/2004, S. 350-370, hier S. 352). Aufgrund der Altersverteilung des pädagogischen Personals in Kindertagestätten (68% unter 45 Jahre) kann deshalb mit einem hohen Anteil an internetaffinem Publikum gerechnet werden. Fazit: Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass derzeit schätzungsweise 35% der Kindertagesstätten Internetanschluss haben. Die Erhebung fiel in eine Zeit des Umbruchs, da viele der Befragten eine Vollausstattung planen. Mit einer erheblichen Zunahme von Internetanschlüssen kann also gerechnet werden. Ein pädagogischer Grund für die Ausstattung mit Internetzugängen darf jedoch in den wenigsten Fällen vermutet werden. Als primäres Ausstattungsmotiv kommt vielmehr die Rationalisierung der Verwaltung in Betracht. Der Internetanschluss, so vermuten die Experten, befindet sich im Leitungsbüro. Ob Erzieherinnen an diesem Computer Zugang zum Internet gewährt wird, ist nach Auskunft der Träger offen. Die befragten Experten wiesen in diesem Zusammenhang darauf hin, dass die Zugriffsmöglichkeiten der Erzieherinnen auf das Internet in Kindertagesstätten einerseits von deren Größe (Störeffekte auf die Leitungstätigkeit), andererseits aber auch von der Ausprägung der Hierarchie abhängen könnten. Grundsätzlich stellen die Fachreferenten für Kindertagesstätten weder das Interesse der Erzieherinnen an der Internetnutzung in der Kindertagesstätte noch deren Kompetenzen im Umgang mit dem Internet in Frage. Nach den Berichten der unten genannten Projekte dagegen muss ein E-Learning-Programm eine qualifizierte Einführung und Begleitung notwendig einschließen. E-Learning-Projekte in der Aus- und Weiterbildung von Erzieherinnen: E-Learning in der Erzieherinnen-Fortbildung (siehe IDW Pressemitteilung "Bildung und Bewegung", http://idw-online.de/pages/de/news84156) Kontakt: Prof. Dr. Ulrike Ungerer-Röhrich, Universität Bayreuth, Arbeitsbereich Sportwissenschaften III. 95440 Bayreuth, E-Mail: ulrike.ungerer-roehrich@uni-bayreuth.de Online-Lernsystem in der Erzieherausbildung (siehe Michael Kobbeloer: Ein Online-Lernsystem in der ErzieherInnenausbildung. In: Handbuch E-Learning, Neuwied: Verlag Wolters Kluwer, 9. Erg.-Lfg. Juli 2004; Online-Material: http://www.cjd-akademie.de/public/unser_angebot/aufgaben/institut_bild_ausbild/ausbildung_in_presse.php) Kontakt: Reinhard Hussy, Akademieleiter, CJD Arnold-Dannenmann-Akademie, Ottilienberg, 75031 Eppingen, E-Mail: reinhard.hussy@cjd.de, http://www.cjd-akademie.de

© Deutsches Jugendinstitut e.V. 2000-2005



Kontakt

+49 89 62306-204
Deutsches Jugendinstitut
Nockherstr. 2
81541 München

Mehr zum Projekt