Arbeitsangebot

Das Erwerbspersonenpotenzial stieg im Jahresdurchschnitt 2004 nach Schätzungen des IAB um 130.000 auf 45,5 Mio. Maßgeblich dafür ist besonders die in Westdeutschland anhaltend höhere Erwerbsneigung der Frauen <footnote>ANBA Nr. 1/2005, S. 15; IAB: Hans-Uwe Bach am 2.5.2005; Vgl. zum Konzept des Erwerbspersonenpotenzials Johann Fuchs, Erwerbspersonenpotenzial und Stille Reserve – Konzeption und Berechnungsweise, in: Gerhard Kleinhenz (Hrsg.), IAB-Kompendium Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, Beiträge zur Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (BeitrAB 250) Nürnberg 2002, S. 79 ff., zum gesamten Kapitel II.A: Autorengemeinschaft, Bundesrepublik Deutschland. Der Arbeitsmarkt 2003 und 2004, IAB-Kurzbericht Nr. 5 vom 11.3.2004; dies., Der Arbeitsmarkt in der Bundesrepublik Deutschland in den Jahren 2003 und 2004, in: Mitteilungen aus der Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (MittAB), 37. Jg. (2004), Heft 1. </footnote> Die Erwerbsquote misst den Anteil der Erwerbspersonen (Erwerbstätige + Erwerbslose) an der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter (15 bis unter 65 Jahren). Diese entwickelte sich bei den Frauen in den letzten Jahren deutlich besser als bei den Männern. Nach den Daten des Mikrozensus 2004 lag sie für Frauen bei 66,1 %, im Jahr 2002 bei 65,3 %, 64,0 % im Jahr 2000 und 62,1 % 1991. Für Männer stagnierte sie nahezu unverändert bei 80,3 %.

Abbildung 1. Erwerbspersonenquoten in Deutschland von 1991 bis 2004.

Quelle: Statistisches Bundesamt, Ergebnisse des Mikrozensus des Berichtsjahres. Anteil der Erwerbspersonen (erwerbstätige und Erwerbslose) an der Bevölkerung im Alter von 15 bis 65 Jahren.

Generell ist die Erwerbsquote der Frauen in den Neuen Ländern und Berlin-Ost höher als im früheren Bundesgebiet. 2004 lag sie in Ostdeutschland (ohne Berlin-West) bei 73,4 %, in Westdeutschland bei 64,5 %. Allerdings nähern sich die beiden Quoten an. Die Erwerbsbeteiligung der Frauen in den Neuen Ländern ging bis 2003 kontinuierlich zurück, in Westdeutschland stieg sie dagegen bis 2003 regelmäßig an. Dieser Trend wurde durch Wanderungsströme von Ost nach West beschleunigt. Seit 1991 sank die Erwerbsquote der Frauen in den Neuen Ländern und Berlin-Ost um 3,8 %-Punkte, während die der Frauen in Westdeutschland im gleichen Zeitraum um 6,1 %-Punkte anstieg.
Gleichwohl wird zukünftig aus demographischen Gründen – auch bei steigender Erwerbsbeteiligung im Westen und moderat sinkender Frauenerwerbsbeteiligung im Osten – das weibliche Erwerbspersonenpotenzial auf lange Frist abnehmen, wenn auch schwächer als das männliche. Selbst stärker steigende Erwerbsquoten der Frauen werden diese Entwicklung nicht aufhalten können, da natürlich auch das weibliche Erwerbspersonenpotenzial genauso wie das Potenzial insgesamt von der demographischen Alterung betroffen ist (Vgl. Fuchs/Weber, 2004). Eine Steigerung der Erwerbsquoten von Frauen (bei stagnierenden Werten für Männer) würde aber den Anteil der Frauen an allen Erwerbspersonen weiter erhöhen.
Weitere Verbesserungen bei den Erwerbsquoten der Frauen sind nur unter bestimmten Voraussetzungen zu verwirklichen. Zum einen wird eine anhaltende Steigerung der Erwerbswünsche von Frauen unterstellt und zum anderen muss eine realistische Möglichkeit zur Berufstätigkeit gegeben sein. Damit die Erwerbswünsche realisiert werden können, bedarf es deshalb weiterer Anstrengungen, die Rahmenbedingungen der Erwerbsarbeit von Frauen zu verbessern(Vgl. Thon/Fuchs, 2002).