Konzeption und Methode

Zur ersten Orientierung im Problemraum wurde je eine Tagung mit der Expertenrunde des Projektes und VertreterInnen der Projektorte durchgeführt. Darauf aufbauend erfolgte eine Feinabstimmung der Projektziele mit dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Die Erarbeitung des hierbei als zentrales Projektergebnis festgelegten Praxishandbuches erfolgte sodann in mehreren, teils parallelen Schritten. Zunächst wurden die im Rahmen des Handbuches aufzugreifenden Themen ausgewählt, wobei vorrangig Fragen und Wünsche der PraktikerInnen aus den Projektorten berücksichtigt wurden, aber auch von den Experten und in der Literatur aufgeworfene praxisrelevante Problemstellungen Eingang fanden. In mehreren Durchläufen wurden die Themen des Handbuches sodann zusammen mit Praktikern und Experten klarer gefasst und gegliedert.
Bei der Aufarbeitung des Forschungsstandes zu praxisrelevanten Fragen wurden systematische Recherchen in der internationalen Literatur und sekundäranalytische Techniken eingesetzt. So wurde etwa zur Klärung der Bedeutung von Partnerschaftsgewalt als möglicher Form von Kindeswohlgefährdung eine Meta-Analyse durchgeführt. Zu zwei anderen in ihrer Bedeutung für kindliche Entwicklungsverläufe strittigen möglichen Formen von Kindeswohlgefährdung (Entfremdung von einem Elternteil, psychische Misshandlung) wurden Analysen des Forschungsstandes durchgeführt. Im Bereich der Bearbeitung von Gefährdungsfällen erfolgte unter anderem eine Analyse des Forschungsstandes zur Vorhersagefähigkeit von Instrumenten zur Einschätzung des Risikos von Misshandlung bzw. Vernachlässigung, sowie eine Forschungsübersicht über die Effekte verschiedener Interventionen bei Misshandlung bzw. Vernachlässigung.
Zur Aufarbeitung von Erfahrungsbeständen der Praxis in der Bundesrepublik und in den Jugendhilfesystemen anderer Staaten wurde unter anderem eine Vollerhebung an allen bundesdeutschen Jugendämtern zu gegenwärtigen Innovationsprozessen bei der Bearbeitung von Gefährdungsfällen durchgeführt. Informationen aus beispielhaft erscheinenden Orten wurden einbezogen und beteiligte PraktikerInnen teilweise zu Gruppendiskussionen eingeladen. Auch zu internationalen Zentren der Praxisentwicklung im Umgang mit Kindeswohlgefährdungen wurde Kontakt aufgenommen (z.B. Dartington Social Research Unit in Großbritannien; Children’s Research Center in den Vereinigten Staaten; Longscan Projektverbund - University of Maryland) und im Rahmen einer Studienreise in die USA verschiedene Trainings und Fortbildungsveranstaltungen absolviert.
Zur näheren Analyse der rechtlichen und organisatorischen Rahmenbedingungen der Bearbeitung von Kindeswohlgefährdungen im Allgemeinen Sozialen Dienst wurden standardisierte Fragebogenerhebungen an mehreren Projektorten durchgeführt und rechtliche Fragestellungen durch eingeholte Expertisen vertiefend analysiert. Die Integration und Bündelung der gewonnenen Erkenntnisse für die Erarbeitung von Handbuchbeiträgen erfolgte überwiegend durch die Projektgruppe. Teilweise wurden KollegInnen aus der Praxis bzw. aus Forschung und Lehre mit einzelnen Handbuchbeiträgen betraut. Durch ein internes Reviewsystem und eine Diskussion ausgewählter Beiträge mit PraktikerInnen aus den Modellorten wurde die Praxistauglichkeit der Beiträge gesichert. Die Rückkopplung der Projektergebnisse in den Bereich der Kinder- und Jugendhilfeforschung soll nach der Publikation des Handbuches durch mehrere Artikel in Fachzeitschriften erfolgen.