Konzeption und Methode

Das Projekt versucht, den Entstehungshintergrund von hochstrittigen familialen Konfliktsituationen an sechs Standorten multiperspektivisch zu rekonstruieren und darauf bezogene Interventionen zu entwickeln und zu erproben.


Auswahl der Standorte

Bei der Auswahl der Standorte wurden verschiedene Kriterien berücksichtigt, zu denen auch der inhaltliche und zeitliche Umfang gehört, in dem bereits zielgruppenspezifische Maßnahmen entwickelt wurden:

  • Drei Standorte repräsentieren Anbieter mit bereits weit entwickelten zielgruppenspezifischen Interventionsstrategien.
  • Drei Standorte repräsentieren Anbieter, die sich gerade im Aufbau von zielgruppenspezifische Interventionsstrategien befinden.

An allen sechs Orten ist eine wissenschaftliche Begleitung bei der Erprobung und Anpassung von (weiteren) Diagnoseinstrumenten sowie bei der (Weiter-) Entwicklung fallbezogener Interventionsansätze und fallübergreifender Kooperationsstrukturen vorgesehen.

 

Erhebungs- und Projektstandorte

 

Rekonstruktion der Entstehungsgeschichte und Verläufe von hochstrittigen Scheidungssitationen

  • Belastungs- und Gefährdungssituation der betroffenen Kinder
  • Perspektive von Müttern, Vätern und Kindern zur Situation der Scheidung und zur Beratung, ergänzt durch Interviews mit Fachkräften; Evaluierung von Konzepten der Beratung und ihrer Wirkung auf Mütter, Väter und Kinder; Einbezug von nicht nur erfolgreich beratenen Müttern und Vätern, sondern auch von solchen, die sich beraten lassen wollten, aber die Beratung abgebrochen haben (die also nur die "Intention, sich beraten zu lassen" – "Intention-to-treat" hatten).
  • Erfolgreiche Handlungsstrategien erfahrener Fachkräfte im Sinne von „good practise“ in der Beratungssituation
  • Bedingungen gelingender Kooperation der verschiedenen, an Fällen von Hochstrittigkeit beteiligten Berufsgruppen unter Einbezug der gegenseitigen Wahrnehmungsmuster
  • Entwicklung, Erprobung und Anpassung von Diagnoseinstrumenten sowie Interventionsmodulen an ausgewählten Standorten

 

Entwicklung und Erprobung von Interventionen

Bei der Entwicklung und Erprobung der Interventionen wird ein besonderer Akzent auf den psychologischen Hintergrund der Familiendynamik aus der Perspektive der betroffenen Kinder gesetzt. Da dem Kindeswillen in hochstrittigen Trennungs- und Scheidungsprozessen etwa in Hinblick auf gerichtliche Regelungen zur Umgangsgestaltung eine besondere Bedeutung zukommt, steht in diesem Zusammenhang auch eine Auseinandersetzung mit der Frage an, ob und wie Kinder angesichts ihrer emotionalen Abhängigkeit von den Eltern gerade bei hoch strittigen Scheidungsprozessen zur Bildung einer eigenen Haltung und eines eigenen Willens kommen können und wie der Einbezug von Kindern und Jugendlichen in die Beratung und in die Entscheidungspraxis der Familiengerichte ihrem Entwicklungsstand entsprechend erfolgen kann.
Darüber hinaus machen die Erkenntnisse bezüglich der bestehenden Belastungen der Kinder es notwendig, diese nicht nur einzubeziehen, sondern bei hoch eskalierten Elternkonflikten auch für ihren Schutz und ihre Unterstützung zu sorgen. Es bedarf deshalb der Entwicklung geeigneter unterstützender und therapeutischer Instrumente, die vor allem auch das jeweilige Alter der Kinder berücksichtigen.

 

Forschungsvorgehen

Im Rahmen der Evaluation soll die breite fachliche Kompetenz und das Praxiswissen, das bei den beteiligten Fachkräften vorhanden ist, möglichst umfangreich genutzt werden. Umgekehrt versucht das Projekt die Fachkräfte unmittelbar als Beteiligte in Ihrer täglichen Arbeit sowohl mittel- als auch langfristig unterstützen, ohne sie im Verlauf der Zusammenarbeit über Gebühr zu belasten.
Geplant ist daher ein Vorgehen, das im Rahmen der wissenschaftlichen Begleitung an den sechs Projektstandorten stark auf partizipative und diskursive Elemente setzt. Darüber soll gewährleistet werden, dass die praktischen Erfahrungen und fachliche Anliegen der Fachkräfte in diesen Prozess einfließen und dass sie durch einen breiten fachlichen Austausch innerhalb dieser Zusammenarbeit die Möglichkeit haben, ihre Arbeit mit Blick von außen systematisch zu reflektieren. Zugleich bietet das Projekt den Fachkräften die Möglichkeiten zum fachlichen Austausch mit den anderen fünf Standorten, wenn möglich dem Beirat des Projektes und schließlich im Rahmen einer Fachtagung. Wir hoffen, hierdurch auch zur Weiterentwicklung der fachlichen Kompetenzen beitragen zu können.

Kernstück des Vorhabens bildet die Evaluation der Interventions- und Beratungsansätze an den sechs Standorten. Zu fünf Familien je Standort werden intensive Erhebungen mittels qualitativer und quantitativer Instrumente (Leitfadeninterviews und Fragebögen) statt, bei denen sowohl die Eltern als auch ein Kind der Familie und die zuständigen Fachpersonen einbezogen werden. Darüber hinaus sollen möglichst viele Familien mittels eines kurzen Fragenbogens erfasst werden sollen sowie vertiefte Informationen über die Familien und die Effekte der Beratung mittels eines Langfragebogens erhoben werden. Auch sollen möglichst viele Kinder hinsichtlich ihres Erlebens befragt und testdiagnostisch untersucht werden.

Unabhängig von den Standorten werden darüber hinaus Analysen von Gerichts- und Jugendamtsakten durchgeführt, Instrumente zur Diagnostik betroffener Kinder zusammengestellt, eine Expertise zu ökonomischen Folgen von Hochstrittigkeit erstellt und die Kooperationen vor Ort im Rahmen von Gruppendiskussionen untersucht.

 

Bausteine des Forschungsvorgehens

Kontakt

+49 89 62306-245
Deutsches Jugendinstitut
Nockherstr. 2
81541 München

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