Konzeption und Methodik

Die Studie „Aufwachsen von Jugendlichen mit Behinderung“ folgt der Grundhaltung, Jugendliche mit Behinderung in erster Linie als Jugendliche und nicht primär als behinderte junge Menschen zu betrachten. Sie richtet daher den Blick auf die alterstypischen Belange und persönlichen Erfahrungen von Jugendlichen mit Behinderung in ihren Alltagswelten.

Die inhaltlichen Fragestellungen richten sich auf die vier Themenfelder Freizeit, Freundschaften, Autonomie sowie Zufriedenheit und subjektives Erleben. Unter anderem werden folgende Fragestellungen untersucht:

  • Wie erleben und gestalten Jugendliche mit Behinderung ihre außerschulische Lebenssituation?

  • Welche institutionellen und gesellschaftlichen Bedingungen werden von ihnen als Unterstützung empfunden, welche als Einschränkung?

  • Welche Ansatzpunkte lassen sich für Politik und Praxis identifizieren, um die Teilhabemöglichkeiten von Jugendlichen mit Behinderung zu befördern?

Zielgruppe der Studie bilden Jugendliche im Alter von 13 bis 18 Jahren mit einem festgestellten sonderpädagogischen Förderbedarf (SPF) in einem bzw. in einer Kombination der Bereiche Sehen, Hören, Sprache, Lernen, körperliche und motorische Entwicklung, emotionale und soziale Entwicklung, und geistige Entwicklung.

Das Stichprobenkonzept ist darauf ausgerichtet, zu jeder Form von Behinderung eine für die anschließende Analyse ausreichende Anzahl von Jugendlichen in die Stichprobe einzubeziehen. Zu diesem Zweck werden ca. 2.000 Teilnehmer_innen über 60 Förder- und 30 inklusive Regelschulen rekrutiert, die so gezogen werden, dass eine relativ gleichmäßige Verteilung der SPFs in der schlussendlichen Stichprobe gewährleistet wird. An teilnehmenden Schulen, die sich in 15 regionalen Klumpen in den drei Bundesländern Baden-Württemberg, Bayern und Nordrhein-Westfalen befinden, wird eine Vollerhebung sämtlicher Jugendlicher erfolgen, die zur Zielgruppe gehören und sich zur Teilnahme an der Studie bereit erklären. Auf diese Weise wird es anhand der erhobenen Daten möglich sein, Binnenvergleiche und Differenzierungen nach festgestelltem SPF und wichtigen sozialstrukturellen Merkmalen herauszuarbeiten.

Die Jugendstudie „Aufwachsen mit Behinderung“ baut im Hinblick auf die Befragungsmethoden auf die Erfahrungen der von 2016 bis 2018 am DJI durchgeführten und von der DFG geförderten „Methodenstudie zur Entwicklung inklusiver quantitativer Forschungsstrategien in der Jugendforschung am Beispiel von Freundschaften und Peerbeziehungen von Jugendlichen mit Behinderungen“ auf (www.dji.de/InklusiveMethoden). Als methodologisches Leitprinzip gilt dabei, dass die Erhebungsmethoden und –instrumente an die Möglichkeiten der teilnehmenden Jugendlichen angepasst werden sollen (Brodersen u.a. 2019). In Erweiterung eines standardisierten unimodalen Fragebogen-Designs gehen die Forscher_innen in dieser Studie mittels eines flexiblen Einsatzes unterschiedlicher Befragungsmodi und angepasster Instrumente so auf die Teilnehmer_innen ein, dass sich möglichst viele Jugendliche mit unterschiedlichen Formen und Graden von Behinderung an der Erhebung beteiligen können.

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