1. Projektergebnisse

Aktuelle Untersuchungsberichte über die gesundheitliche Situation junger Menschen in der EU (Europäische Kommission 2000, Hackauf/Winzen 1999) zeigen, dass bereits das Kindes- und Jugendalter von erheblichen gesundheitlichen Risiken betroffen ist (z. B. von (Verkehrs-) Unfällen, Verletzungen, psychischen Beeinträchtigungen, Suizidgefahren, Fehlernährung, Übergewicht, Bewegungsmangel, Tabak-, Alkohol- und Drogenkonsum). Es stellt sich daher die Frage nach geeigneten Beeinflussungsmöglichkeiten durch gesundheitliche Prävention bzw. Gesundheitsheitsförderung, um das Gefährdungspotential für Kinder und Jugendliche zu vermindern. Einen Schwerpunkt bilden strukturelle Änderungen einerseits sowie Maßnahmen zur Bereitstellung von Informationen und zu Verhaltensänderungen andererseits.


Aktuelle Untersuchungsberichte über die gesundheitliche Situation junger Menschen in der EU (Europäische Kommission 2000, Hackauf/Winzen 1999) zeigen, dass bereits das Kindes- und Jugendalter von erheblichen gesundheitlichen Risiken betroffen ist (z. B. von (Verkehrs-) Unfällen, Verletzungen, psychischen Beeinträchtigungen, Suizidgefahren, Fehlernährung, Übergewicht, Bewegungsmangel, Tabak-, Alkohol- und Drogenkonsum). Es stellt sich daher die Frage nach geeigneten Beeinflussungsmöglichkeiten durch gesundheitliche Prävention bzw. Gesundheitsheitsförderung, um das Gefährdungspotential für Kinder und Jugendliche zu vermindern. Einen Schwerpunkt bilden strukturelle Änderungen einerseits sowie Maßnahmen zur Bereitstellung von Informationen und zu Verhaltensänderungen andererseits.

Das Ziel des Projekts war, eine empirische Untersuchung über gesundheitsbezogene Projekte, Programme und Aktivitäten für junge Menschen in den 15 EU-Mitgliedsländern mit ExpertInnen durchzuführen. Es erwies sich dabei, dass für viele Angebote eine feste Einrichtung, die Definition einer festen Zielgruppe, der Einsatz qualifizierter MitarbeiterInnen und die Wirksamkeit einer Methode, Voraussetzungen für eine gute Arbeit sind. Außerdem spielte die Wirksamkeit einer Methode eine wichtig Rolle für den Erfolg eines Projekts.

Zur Unterstützung der Arbeit und zum fortlaufenden Erfahrungsaustausch wurde mit ausgewählten ExpertInnen ein europäisches Netzwerk gegründet.1 Die mit seiner Unterstützung realisierte gemeinsame empirische Untersuchung sollte u. a. Angebote ausfindig machen, die im Sinne von "best practice" Modellen eingestuft werden können. Der Projektkoordinator hat mit den europäischen ExpertInnen und den Mitgliedern des Konsultantenkreises2 zwei Workshops organisiert, in denen die thematischen und methodischen Einzelheiten der Untersuchung festgelegt wurden. Ein weiterer Bezugspunkt war der gegenwärtige gesundheitliche Status von Kindern und Jugendlichen. Detaillierte Darstellungen der Situation der einzelnen EU-Mitglieder befinden sich in den Länderberichten.

Aus den vorliegenden Informationen zur gesundheitlichen Lage von Kindern und Jugendlichen in der EU lassen sich folgende gravierenden gesundheitspolitischen Problemzonen ablesen:

Unfälle und Verletzungen

Unfälle mit schweren Verletzungen und verkehrsbedingte Todesfälle bei Kindern und Jugendlichen sind in allen EU-Mitgliedsländern an der Tagesordnung, d. h. sie stellen eine Herausforderung für die europäische Gesellschaften dar.

Mental Health

Der o. g. Bericht der Europäischen Kommission (2000, S. 29) stellt fest, dass die Inzidenz vieler Erkrankungen (Depressionen, Suchterkrankungen, suizidales Verhalten, Ess-Störungen und psychotische Störungen) von der Kindheit bis zum Jugendalter ansteigen.3

Tabakkonsum

Junge Mädchen beginnen in einigen EU-Mitgliedsländern, häufiger und mehr zu rauchen als Jungen. Außerdem ist festzustellen, dass Kinder und Jugendliche immer früher mit dem Rauchen beginnen.

Alkoholkonsum

Das gruppenspezifische Trinkverhalten von jungen Menschen in Europa gibt laut neueren EU-Berichten.4 Anlass zu erheblicher Besorgnis. Der Konsum, vor allem von sog. "Alcopops" und Bier, steigt in den jüngeren Altersgruppen vieler EU-Mitgliedsländer an, wobei auch Mädchen und jungen Frauen eine wachsende Konsumentengruppe bilden.

Drogenkonsum

Vorrangig nimmt in den EU-Mitgliedsländern der Konsum von Cannabis zu. Danach folgt der Konsum von Amphetaminen, Kokain und Ecstasy.

Teenage-Schwangerschaften und Abtreibungen

Die zunehmende Zahl von Teenager-Schwangerschaften und Abtreibungen bei jungen, noch minderjährigen Frauen und Mädchen sind in einigen EU-Ländern ein wachsendes soziales Problem.

HIV Infektionen

Jugendliche neigen dazu, individuelle Risiken im Zusammenhang mit dem HIV-Infektionsrisiko zu unterschätzen. HIV-Infektionen bleiben ein ständiges Risiko.

Ernährung und Bewegung

Seit Mitte der 90er Jahre ist der Anteil von Jugendlichen mit starkem Übergewicht (Adipositas) in vielen EU-Mitgliedsländern deutlich angestiegen. Viele Kinder und Jugendliche ernähren sich falsch und bewegen sich zu wenig.

Sozial benachteiligte Jugendliche

Sozial benachteiligte Jugendliche leiden oft stärker als andere Jugendliche an Verhaltensstörungen, Aggressionen, Kontakt-, Alkohol- und Drogenproblemen.

MigrantInnen

Die Gesundheit von jungen MigrantInnen ist oftmals gefährdet. (Die Nutzung von Präventionsangeboten ist bei jungen MigrantInnen ist unterdurchschnittlich.)

Die Untersuchung hat 137 Projekte, Programme und Aktivitäten ermittelt, die in der EU eine große Vielfalt darstellen und die sich darum bemühen, die gesundheitlichen Probleme von Kindern und Jugendlichen zu vermindern. Viele dieser Projekte, Programme und Aktivitäten arbeiten mit wirksamen Methoden und kooperativen Konzepten der Gesundheitsförderung. Etwa zwei Drittel wird evaluiert, wobei knapp die Hälfte extern evaluiert wurde. Die Erhebung ergab, dass einige Methoden wirksam sind. Damit ergeben sich vielfältige Lösungsansätze, die für die europäische Gesundheitsförderung sehr anregend sind und genutzt werden können. Als Datenbasis dient hierzu das Compendium, das alle Projekte zusammen nach Ländern darstellt (siehe downloads).
Tabelle 1: Projekte, Programme und Aktivitäten für junge Menschen in der Europäischen Union

Nr.

Land

Datenerhebung

Länderberichte1)

Anzahl

1

Deutschland

Ja

Ja (S. 144)

24

2

Frankreich

Ja

Ja (S. 118)

13

3

Niederlande

Ja

Ja (S. 278)

12

4

Vereinigtes Königreich

Ja

Ja (S. 370)

12

5

Irland

Ja

Ja (S. 230)

12

6

Finnland

Ja

Ja (S. 86)

11

7

Griechenland

Ja

Ja (S. 201)

10

8

Spanien

Ja

Ja (S. 324)

10

9

Belgien (Flandern)

Ja

Ja (S. 45)

9

10

Dänemark

Ja

Ja (S. 66)

6

11

Portugal2)

Nein

Ja (S. 313)

(5)

12

Luxemburg

Ja

Ja (S. 249)

5

13

Österreich

Ja

Ja (S. 15)

5

14

Schweden

Ja

Ja (S. 345)

5

15

Italien3)

Nein

Nein

3

 

Total

13

14

137

1) Die ausführliche Beschreibung der Projekte ist in den jeweiligen "Country Reports" (siehe downloads) auf den oben genannten Seiten verfügbar. Siehe auch die ausführliche Dokumentation der Projekte/ Programme/ Aktivitäten im "Compendium" (siehe downloads).
2) Ausgeschlossen wegen abweichender Methoden (siehe "Country reports").
3) Der Bericht wurde nicht geliefert. Es wurden nur 3 Projekte verfügbar gemacht.

Die Grundlage erfolgreicher Gesundheitsförderung sollte in einem ganzheitlichen Anspruch,

d. h. einem Körper, Geist und Psyche umfassenden Konzept, definiert sein, wie es durch den Gesundheitsbegriff der WHO abgedeckt wird. Dieses Konzept wird in vielen Projekten, Programmen und Aktivitäten umgesetzt. Das WHO-Konzept des Netzwerk-Ansatzes wird von zwei Drittel der Projekte praktiziert. Es findet seinen Niederschlag in verschiedenen Setting Bereichen wie Kindertagesstätten, Schulen, Universitäten, Training/ Berufsausbildung, Freizeit, Gesundheitsdienste und auf der kommunalen Ebene. Einige wichtige Methoden werden in ganzheitlichen Projekten angewendet. Dazu zählen der Lebenskompetenzansatz (Life-skill Ansatz) und der Beständigkeitsansatz. Diese setzen darauf, das konkrete Verhalten von Kindern und Jugendlichen in unterschiedlichen Feldern gegen die Einflüsse der Peergroup, Werbung usw. zu stärken.

Es wurde eine große Anzahl von gesundheitsbezogenen Projekten, Programmen und Aktivitäten ermittelt, die im Sinne von "Best-Practice" empfohlen wurden. Diese Angebote können qualitativ und quantitativ sehr unterschiedliche Dimensionen aufweisen, z. B. können sie auf lokaler Ebene auf kleinere Gruppen oder auch auf der Schulebene auf sehr große Zielgruppen mit z. B. Hunderttausende von Schülern und Schülerinnen einwirken.

Aus den vorliegenden Ergebnissen der empirischen Erhebung lassen sich folgende Tendenzen ablesen:


  • Die Gesundheitsförderung junger Menschen ist eine breite gesellschaftliche Aufgabe.
  • Es besteht ein Trend zur Regionalisierung der Gesundheitsförderung.
  • Ein wichtiger Ort der Gesundheitsförderung ist die Kommune. Die Organisation auf regionaler Ebene spielt eine geringere Rolle.
  • Die Angebote der Gesundheitsförderung (Schule, kommunale Projekte u. a.) sind häufig mit kommunalen Institutionen wie (Sport-) Clubs, (Sport-) Vereinen, Jugend- und Sozialarbeit, Jugendverbänden u. a. vernetzt.
  • Zwei Drittel der Projekte wenden das Konzept "Setting" der WHO in der Organisationsentwicklung an, um zusätzliche Kräfte für die Planung und Durchführung gesundheitsfördernder Aktivitäten freizusetzen.
  • Es wird häufig ein multisektoreller Ansatz verfolgt, der hilft, neben professionellen Gesundheitsförderern (PsychologInnen, SozialarbeiterInnen, ÄrztInnen) auch andere Akteure und freiwillige Helfer auf diesem Gebiet einzubeziehen.
  • Ein auf europäischer Ebene bereits etabliertes Setting ist der Health Promoting School Ansatz. Dieses ist in den meisten EU-Mitgliedsländern verbreitet.


Möglicherweise könnte das finnische Modell beispielhaft für die Gesundheitsförderung in der EU sein. Es schafft Chancen für eine nachhaltige Gesundheitsförderung, die die Folgen von Maßnahmen auf die Veränderung von Verhalten bzw. die Wirksamkeit der Methode nachweisen kann. Die Gesetzgebung in Finnland hat die Gesundheitsförderung in das schulische Curriculum aufgenommnen. Gleichzeitig kann ein Bedarf über gesundheitsfördernde Maßnahmen anhand eines Health Promotion Survey erfasst werden, der die Schüler und Schülerinnen von Schulen befragt und der regional eingesetzt wird.

Das Netzwerk hat die Bedeutung seiner Arbeit für die am 1. Mai 2004 anstehende EU-Erweiterung erkannt. Es bietet sich an, seine Ergebnisse für die Beitrittsländer verfügbar zu machen, denn es ist absehbar, dass im künftigen Europa Forschung und Praxis der Gesundheitsförderung für Kinder und Jugendliche in großem Ausmaß benötigt wird.

Das EU-Netzwerk hat folgende gesundheitspolitischen Empfehlungen diskutiert, die sich an die PolitikerInnen der Mitgliedsländer als auch an die PolitikerInnen des EU-Parlaments richten:

  • Aufbau einer Informationsbasis über Projekte, Programme und Aktivitäten;
  • Förderung von ganzheitlichen Präventions-Ansätzen;
  • Förderung von wirksamen Projekten für junge Menschen;
  • Verbesserung der Qualität und der finanziellen Ausstattung der Projekte, Programme und Aktivitäten;
  • Förderung der vergleichenden Grundlagenforschung.

Es sollte sichergestellt werden, dass diese Empfehlungen und dieser Bericht über die Gesundheitsförderung von Kindern und Jugendlichen in die richtigen Informationskanäle geraten, um einen Beitrag zur Verbesserung gesundheitsfördernder Maßnahmen zu ermöglichen, der insgesamt die positive Entwicklung europäischer Kinder und Jugendlicher fördert.
Endbericht (137 Seiten)
Country_Reports (488 Seiten)
Compendium (179 Seiten)
__________________________________
1) Das EU-Netzwerk trägt die Bezeichnung: "Informationsnetzwerk über gesundheitsbezogene Präventionsprojekte für Jugendliche in der Europäischen Union".

2) Der Konsultantenkreis besteht aus wissenschaftlichen MitarbeiterInnen des Deutschen Jugendinstitut, München, die z. T. bereits auch an dem Konsultantenkreis des EU-Vorgängerprojekts (Hackauf/Winzen 1999) mitgewirkt haben.
3) Europäischen Kommission (2000, S. 29).

4) Ranzetta, L./Fitzpatrick, J./Seljmani, F.: Megapoles: Young People and Alcohol. Greater London Authority, 2003. London.


Kontakt

+49 89 62306-322
Deutsches Jugendinstitut
Nockherstr. 2
81541 München

Gefördert / finanziert durch

Europäische Kommission, General Direktion Gesundheit und Verbraucherschutz

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