Mit der Einrichtung des Expertise- und Forschungszentrums Adoption (EFZA) schafft das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Jugendinstitut e.V. erstmalig eine bundesweite Initiative, in deren Rahmen Akteure im Feld der Adoptionsvermittlung gemeinsam mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern verschiedener Disziplinen Erkenntnisse zu den gesetzlichen Bestimmungen im Zusammenhang mit Adoptionen, zu den Strukturen der Adoptionsvermittlung und zum Adoptionsverfahren in Deutschland bilanzieren und diskutieren.

Basierend auf der Vereinbarung im Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und SPD  ist das übergreifende Ziel des EFZA, Möglichkeiten der Weiterentwicklung des Adoptionswesens aufzuzeigen und eine adoptionsfreundliche Praxis zu fördern. Im EFZA sollen in drei Schwerpunktbereichen internationales Wissen gebündelt, Forschung initiiert und der Austausch zwischen Expertinnen und Experten im Themenfeld Adoption gefördert werden.

Ziel dieses Schwerpunktes ist es, das bereits vorhandene Wissen, d.h. aktuelle Befunde aus dem In- und Ausland, auszuwerten und aufzubereiten. Neben einer Bilanzierung der rechtlichen Grundlagen und empirischer Erkenntnisse des Adoptionswesens in Deutschland ist es von besonderer Bedeutung, den mittlerweile erreichten umfangreichen internationalen Forschungsstand zu gelingenden Adoptionsvermittlungen und evidenzbasierten Modellen der Beratung und Begleitung zu rezipieren und diese Befunde hinsichtlich ihrer Übertragbarkeit auf die deutsche Vermittlungspraxis in Deutschland zu prüfen. Dieses Wissen soll Akteuren in Politik und Praxis zur Verfügung gestellt werden.

Die wissenschaftliche Untersuchung des Adoptionswesens hat in den letzten Jahrzehnten in Deutschland nur wenig Aufmerksamkeit erfahren. Vor diesem Hintergrund scheint es zentral, die Adoptionspraxis in Deutschland zu untersuchen. Es sind drei empirische Studien geplant, auf deren Basis Verbesserungsbedarfe identifiziert und Kenntnisse für die Weiterentwicklung des Adoptionswesens gewonnen werden sollen. Im Rahmen der Studien sollen die Praxis der Adoptionsvermittlung aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet und Best-Practice-Erfahrunen diskutiert werden, die helfen können, Adoptionsvermittlung in Deutschland positiv zu gestalten und zu optimieren.

Mit der Einrichtung eines Praxisforums begleiten Expertinnen und Experten im Themenfeld Adoption die Arbeit des EFZA kontinuierlich inhaltlich und methodisch. Im Rahmen von mehreren Workshops werden Akteure aus Wissenschaft und Praxis zu einem grenzüberschreitenden Dialog und Erfahrungsaustausch zu spezifischen Fragestellungen des Adoptionswesens eingeladen. Unter anderem werden Modelle der Beratung und Begleitung von Adoptivfamilien und abgebenden Eltern, rechtliche Rahmenbedingungen von Adoptionen sowie Möglichkeiten des Umgangs mit unbegleiteten Adoptionen aus dem Ausland diskutiert.

Die Ergebnisse der vom EFZA durchgeführten empirischen Studien wurden in den Studienbefunden Kompaktsowie in einem Bericht zu den Einzelfallstudien veröffentlicht. Diese sind frei zugänglich. Die Studienbefunde kompakt stehen hier[2] zum Download zur Verfügung. Die Ergebnisse aus den Einzelfallstudien finden Sie hier[3].

Auf der Grundlage der Befragungen, der Expertisen und durchgeführten Workshops entwickelte das EFZA Empfehlungen zur Weiterentwicklung des deutschen Adoptionswesens und zu Reformen des deutschen Adoptionsrechts. Diese wurden am 24. Oktober 2017 veröffentlicht und stehen hier [4]frei zugänglich zum Download zur Verfügung.

Im Arbeitsprozess des EFZA wurden an mehreren Stellen Informations- und Orientierungsbedarfe für die Adoptionsvermittlungspraxis identifiziert, die bei der Entwicklung guter Praxis für die Vorbereitung und Beratung von abgebenden und annehmenden Eltern sowie von Adoptierten hilfreich sein können.

Für Deutschland liegen allerdings bisher keine direkt auf eine Unterstützung des Handelns der Fachkräfte abzielenden Aufarbeitungen von Forschungsständen vor. Ziel dieses Projektteils ist es daher , eine praxisorientierte, modulhaft-erweiterbare Handreichung zur Beratung und Begleitung im Bereich Adoption zu erarbeiten. Die Handreichung greift die bisherigen Ergebnisse des EFZA auf und bietet eine praktische Orientierungshilfe für das fachliche Handeln von Fachkräften, die abgebende und annehmende Eltern sowie Adoptierte vorbereiten und begleiten.

Die Handreichung besteht aus sechs Modulen. In einem Basismodul wird die Vorbereitung von Adoptierten, Adoptiveltern und abgebenden Eltern, die Nachbetreuung von Adoptierten, Adoptiveltern und abgebenden Eltern sowie die Stiefkind- und Verwandtenadoptionen als besondere Form der Adoption ausführlich behandelt. In drei Ergänzungsmodulen vertieft die Handreichung die folgenden Themen: die kommunikative und strukturelle Offenheit von Adoptionen, die Begleitung von internationalen Adoptionsverfahren sowie die Kooperation und Kommunikation im erweiterten Unterstützungsnetzwerk von Adoptierten, Adoptiveltern und abgebenden Eltern.

Zu den Handreichungen[5]

Kontakt

+49 89 62306-167
Deutsches Jugendinstitut
Nockherstr. 2
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