Konzeption und Methode

Übergeordnetes Ziel des Forschungsprojekts ist es, die Qualität und den Stellenwert der Arbeit der bayerischen Kinderschutzambulanz sowie ihre interinstitutionelle Zusammenarbeit sichtbar zu machen. Des Weiteren ist es beabsichtigt Anregungen zur Qualitätsverbesserung der interdisziplinären Kooperation – im Besonderen zwischen Gesundheitswesen und der Kinder- und Jugendhilfe ­– zur Förderung des Kindeswohls zu erhalten und auf diese Weise zur Stärkung des präventiven Kinderschutzes beizutragen.

Um die Handlungslogiken der einbezogenen Hilfesysteme (Gesundheitswesen und Kinder- und Jugendhilfe) erfassen zu können, ist das Erhebungsdesign der externen Evaluation multimethodisch sowie multiperspektivisch aufgebaut. Die Befragungen richten sich sowohl an Ärztinnen und Ärzte, als auch an Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der bayerischen Jugendämter. Aufgeteilt in vier Module, die sich auf zwei Projektphasen erstrecken, werden die verschiedenen Sichtweisen auf die Kinderschutzambulanz gebündelt und deren Aufgaben und Tätigkeitsfelder hinterfragt. Dabei geht es im Wesentlichen um die folgenden Schwerpunkte:

  • Qualität und Stellenwert der Beratung aus Sicht von Ärztinnen und Ärzten
  • Qualität und Stellenwert der Beratung aus Sicht der Jugendämter
  • Förderung der Infrastruktur im medizinischen Kinderschutz und Erfolge bei der Verbesserung der Kooperation von Ärztinnen und Ärzten mit der Kinder- und Jugendhilfe
  • Umfang, Inhalt und „Wirkungen“/Effekte der Fort- und Weiterbildungsaktivitäten

Modul 1 enthält die Befragung der Ärztinnen und Ärzte. Zu den gewählten Forschungsinstrumenten gehören standardisierte Telefoninterviews, die mit allen Ärztinnen und Ärzten durchgeführt werden sollen, die bereits Beratungsleistungen der Kinderschutzambulanz in Anspruch genommen haben. Daneben ist eine Onlinebefragung, derjenigen Ärztinnen und Ärzte geplant, die vor der Aufgabe standen eine Kindeswohlgefährdung einzuschätzen, aber auf das Angebot der Kinderschutzambulanz nicht zurückgegriffen haben.    

Um die Kooperationserfahrungen der 96 Jugendämter in Bayern zu eruieren, werden in Modul 2 sowohl qualitative als auch quantitative Daten erhoben. Auf der Grundlage von Online-Fragebögen wird die Kinderschutzambulanz aus Sicht der Jugendämter differenziert betrachtet. Zusätzlich sollen Workshops mit den angesprochenen Fachkräften stattfinden. Diese dienen der Validierung der Ergebnisse aus der Befragung sowie der Präzisierung weiterer Hinweise zur Optimierung des Angebots. 

In der nachfolgenden Projektphase – Modul 3 – sollen die Fragen geklärt werden, welchen Beitrag die Kinderschutzambulanz in Hinblick auf die örtliche Infrastruktur im medizinischen Kinderschutz und in der interdisziplinären Vernetzung mit der Kinder- und Jugendhilfe leistet und welche kooperationsfördernden Maßnahmen zur Optimierung des bestehenden Netzwerks existieren. Um die Entwicklungsbedarfe der jeweiligen Gesichtspunkte zu ermitteln, werden qualitative Interviews mit Angestellten der Kinderschutzambulanz sowie mit Adressatinnen und Adressaten und Auftraggebenden geführt. Ergänzend erfolgt eine Analyse der bestehenden Materialien (Sachberichte, Konzeptpapiere etc.).

 Modul 4 behandelt die bestehenden Qualifizierungs- und Fortbildungsangebote der Kinderschutzambulanz. Eine stichprobenartige qualitative Befragung der Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Fort- und Weiterbildungsangebote sowie gezielt der Chefärztinnen und Chefärzte, die an einer Veranstaltung teilgenommen haben, rundet die empirische Erhebung der Daten ab. 

Die kontinuierliche Auseinandersetzung mit der Fachpraxis stellt die Gegenstandsorientierung der Evaluation sowie einen multiperspektivischen Blick sicher. Der Entwicklung der Fragebögen sollen in allen Modulen qualitative Interviews sowie explorative Gruppendiskussionen mit den entsprechenden Berufsgruppen vorausgehen. Es werden Pretests durchgeführt, um die Fragebögen in Hinblick auf ihre Verständlichkeit zu überprüfen. Als systematische Qualitätssicherung dienen diverse Validierungsworkshops sowie die Gründung eines Beirats, bestehend aus Personen aus den Bereichen Wissenschaft, Praxis und Politik, der die Evaluation über die gesamte Projektlaufzeit begleiten soll. Die Ergebnisse der Studie werden zum Ende des Förderungszeitraums in einem Abschlussbericht gebündelt und aufeinander bezogen. Die im Rahmen der Evaluation gewonnenen Erkenntnisse sollen fortlaufend und nutzbringend in die Arbeit der Kinderschutzambulanz einfließen. Im Anschluss an das Projekt wird zudem geprüft, wie andere Bundesländer von den gewonnenen Erfahrungen in Bayern profitieren können.

Kontakt

+49 89 62306-385
Deutsches Jugendinstitut
Nockherstr. 2
81541 München

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