Konzeption und Methode

Theoretische Bezugspunkte

Das Projekt stützte sich für die Erfassung der Wechselwirkungen zwischen Familie und entgrenzter Arbeit zum einen auf das Konzept der alltäglichen Lebensführung. Das Augenmerk lag auf Formen und Strategien des Umgangs mit den Alltagsanforderungen. Das praktische Tun stand im Vordergrund des Interesses. Das Konzept alltägliche Lebensführung ist offen für differentielle Lebensgestaltungen. Die Modellierung des Familienlebens erfolgte anhand des Konzeptes der alltäglichen Lebensführung in seiner Erweiterung auf familiale Lebensführung. Es ermöglicht eine systematische Erfassung des gemeinsamen Familienalltags in seiner inneren Logik und nimmt die Verschränkung individueller Handlungen und gesellschaftlicher Strukturen in den Blick.

Zum zweiten ermöglichte das Konzept der Entgrenzung – verstanden als heuristisches Denkinstrument – zentrale Entwicklungen der Gesellschaft und der Arbeitswelt in ihrer Bedeutung für Familie auf der Makro-, Meso- und Mikroebene zu erfassen: Auf der letztgenannten Ebene, die im Mittelpunkt des Forschungsinteresses stand, bedeutet Entgrenzung von Arbeit eine völlig neue Qualität von Anforderungen an eine "selbstorganisierte" Gestaltung der erforderlichen Aktivitäten. Dies betrifft nicht zuletzt das Verhältnis von Erwerbstätigkeit und Privatleben, das infolgedessen eine sukzessive Auflösung der bisher typischen starren Trennung erfährt und nun verstärkt individuell bzw. in privaten Lebensformen definiert und organisiert werden muss. Hintergrund ist die These, dass wir in einer Phase forcierter Modernisierung leben, in der die Widersprüche der Moderne aufbrechen.

Zum dritten war ein gender- und generationentheoretischer Ansatz maßgeblich: Männer und Frauen sowie Kinder, Jugendliche und Erwachsene werden als Familie mit den Bedingungen des neuen Wirtschaftens konfrontiert. Aufgrund der unterschiedlichen Lebenslagen, Statuspositionen und Strukturbedingungen ist jedoch zu vermuten, dass die Veränderungen für die beteiligten Akteure in den Familien Verschiedenes bedeuten.

Methodische Umsetzung und Vorgehen

Die Fragestellungen des Projektes wurden am Beispiel von zwei unterschiedlich strukturierten Berufsfeldern – dem Einzelhandel und dem Bereich der Film- und Fernsehproduktion- untersucht, die beide von entgrenzten, aber dennoch sehr verschiedenen Arbeitsbedingungen geprägt sind.

Im Verlauf des ersten Halbjahres 2006 wurden mittels themenzentrierter erzählgenerierender Interviews insgesamt 76 erwerbstätige Mütter und Väter mit Kindern im Alter von 0 bis 16 Jahren in Leipzig und München befragt, die auf verschiedenen Hierarchieebenen tätig sind. Die befragten Familien verfügen über eine unterschiedliche Ressourcenausstattung. Im Kern der Interviews standen die alltägliche Praxis der familialen Lebensführung und die Verarbeitung der Arbeitsbedingungen in den Familien. Besonderes Augenmerk wurde nicht nur auf die zeitliche Dimension, sondern insbesondere auch auf die räumliche Dimension der Alltagsgestaltung gelegt. Die Auswertung erfolgte mittels interpretativ rekonstruktiver Verfahren der qualitativen Sozialforschung.

Für Informationen über die Branchen wurden Expertengespräche mit Vertreter/-innen der Gewerkschaft Verdi und des gewerkschaftlichen Projektes connex.av, der Zentrale für Bühnen-, Fernseh- und Filmvermittlung, des Mitteldeutschen Film- und Fernsehproduktionsverbands, des Handelsverbands Sachsen sowie mit Betriebsratsvorsitzenden und Geschäftsführungen unterschiedlicher Einzelhandelsbetriebe durchgeführt.
Eine Einordnung der Befunde erfolgte durch den systematischen Vergleich mit der internationalen Forschungsliteratur und einschlägigen Datenreihen aus der amtlichen Statistik sowie der empirischen Sozialforschung.

Kontakt

+49 89 62306-255
Deutsches Jugendinstitut
Nockherstr. 2
81541 München

Gefördert / finanziert durch

Hans Böckler Stiftung und DJI