Ergebnisse

Erwerbstätige Eltern sind heute damit konfrontiert, gleichzeitig mit Veränderungsprozessen in der Erwerbsarbeit und der Familie umzugehen. Damit stehen sie vor der Anforderung, sowohl spezifische neue Belastungskonstellationen zu bewältigen als auch neue Entlastungs- und Gestaltungspotenziale zu entwickeln und zu nutzen. Die doppelte Entgrenzung von Erwerbsarbeit und Familie ist teilweise selbst gewollt und positiv besetzt, erfordert aber mehr kreative Eigenleistung für die kontinuierliche "Herstellung" von Familienleben:

  • Eltern leben häufig an oder über der Belastungsgrenze.
  • Sie reduzieren weniger die Sorge für ihre Kinder als die Selbstsorge und Zeit für Partnerschaft.
  • Dabei bleibt die Arbeitsteilung der Geschlechter meist traditional, aber Väter geraten verstärkt unter Druck und wünschen mehr Zeit für die Familie.
  • Familiale Kopräsenz wird unter Entgrenzungsbedingungen zur knappen Ressource, sie wird z.T. auf innovative Weise neu gestaltet.
  • Doppelte Entgrenzung wirkt (für die Geschlechter unterschiedlich) sowohl leistungsmotivierend als auch -reduzierend auf den Erwerbsbereich zurück.
  • Ohne sozial-, arbeits- und familienpolitische Unterstützungen bzw. Gegensteuerungen droht eine "Reproduktionslücke" in Familien - mit Konsequenzen für Wirtschaft und Gesellschaft

Will man das heutige Spannungsfeld von Arbeit und Familie verstehen und nachhaltige Politik für erwerbstätige Eltern und Familien betreiben, dann reicht es nicht, nur auf den Erwerbsbereich und auf belastende Aspekte des doppelten Wandels zu schauen, denn die Veränderungen in beiden Bereichen und deren doppelten Wirkungen sind auf unterschiedliche Weise eng verzahnt.

Eine ausführliche Darstellung der Projektergebnisse sind im Endbericht festgehalten. Sie sind unter dem Titel: "Entgrenzte Arbeit - entgrenzte Familie. Grenzmanagement im Alltag als neue Herausforderung" bei  Edition Sigma erschienen.

Währenddessen und im Anschluss an das Projekt sind eine Vielzahl von theoretisch-konzeptionellen Artikeln sowie empirische Publikationen zu den Ergebnissen erschienen (siehe ausfühlich Literaturliste). Die EntAF-Arbeitspapiere beleuchten aktuelle Teilergebnisse des Projektes, wie den Bedarf an flexibler Kinderbetreuung von entgrenzt arbeitenden Eltern oder die Arbeitsbedingungen im Einzelhandel und in der Film- und Fernsehbranche. Empirische Ergebnisse wurde u.a. zu folgenden Schwerpunkten aufbereitet:

  • Entgrenzte Arbeit von Eltern aus der Perspektive von Kindern (Wehr 2008)
  • Belastungen für Familien aus der doppelten Entgrenzung (Jurczyk 2013; Jurczyk/Szymenderski 2012; Schier/Jurczyk/Szymenderski 2011; Jurczyk 2010; Jurczyk/Schmied 2010; Jurczyk/Lange 2010)
  • Genderaspekte (Schier 2010 a,b; Schier/Szymenderski 2009)

  • Räumliche Entgrenzung von Arbeit und Multilokalität von Familie  (Schier 2010a, b, c; Schier 2009)

Die Aktualität der Ergebnisse zeigte sich auch in den gut besuchten Tagungen im Rahmen der Projektlaufzeit. Am 6. und 7. November 2007 veranstaltete das Projekt in Zusammenarbeit mit ver.di die Tagung "Arbeitszeit = Lebenszeit? Balance von Arbeit und Leben" in Magdeburg. (hier finden Sie den Tagungsbericht). Die Konferenz richtete sich insbesondere an Betriebs- und Personalratsmitglieder, Mitglieder von Mitarbeitervertretungen sowie Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte. In Workshops wurden gemeinsam mit betrieblichen InteressenvertreterInnen betriebliche Handlungsoptionen erarbeitet und mit Expertinnen und Experten diskutiert.

Die Endergebnisse wurden auf der Fachtagung "Wenn nichts mehr zusammenpasst – Entgrenzung von Erwerbsarbeit und Familie. Folgen für Betriebe, Kommunen und Gesellschaft“, veranstaltet am DJI München, am 13. Juli 2009 dem Publikum präsentiert. Hierbei wurden mit Vertretern aus Politik und Arbeitswelt die Erkenntnisse aus der Studie diskutiert (siehe auch die Pressemitteilung zur Tagung).

Die Studie bietet Hinweise auf eine breite Palette von praxis- und politikrelevanten Handlungsfelder zur Verbesserung einer nachhaltigen Verknüpfung von Familie und Erwerbsarbeit.

Kontakt

+49 89 62306-255
Deutsches Jugendinstitut
Nockherstr. 2
81541 München

Gefördert / finanziert durch

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