Mit steigender Erwerbsbeteiligung von Müttern sowie mit—wenngleich weniger deutlich—ansteigender Familienarbeit der Väter befindet sich die Rollenverteilung von Eltern im Wandel. Dies sollte sich zunehmend auch in Veränderungen der Ausgestaltung elterlicher Verantwortungsmodelle für gemeinsame Kinder nach Trennung bzw. Scheidung zeigen. Die Orientierung des deutschen Rechts am Residenzmodell, das den Lebensmittelpunkt der betroffenen Kinder bei einem Elternteil vorsieht, läuft dabei Gefahr, unbeabsichtigt unerwünschte traditionelle Rollenverteilungen zu zementieren, die dem gesellschaftlichen Normenwandel sowie langfristig dem Kindeswohl entgegenstehen könnten. Ziel des Forschungsprojektes ist es zu untersuchen, wie die gewählten elterlichen Verantwortungsmodelle gegenüber gemeinsamen Kindern die materielle Wohlfahrtsposition getrennter Mütter und Väter beeinflussen.

Annahmen und Fokus der Studie

Das Hauptaugenmerk der Studie liegt auf der Wechselwirkung zwischen ökonomischen Trennungs-Konsequenzen für Mütter und Väter und dem gewählten Verantwortungsmodell gegenüber ihren Kindern. Politisch ist die Erforschung dieses Zusammenhanges aufgrund seiner Implikationen für die Identifizierung möglicher Reformbedarfe des aktuellen Familienrechts überaus relevant. Zentral dabei ist die Beantwortung der Frage, ob die rechtliche Orientierung am Residenzmodell mit einer Abstrafung/Mehrfachbelastung (und somit Entmutigung) familienaktiver Vaterschaft oder/und einer Abstrafung berufsaktiver Mutterschaft einhergeht. Es soll anhand der Ergebnisse gezeigt werden, welche Anreize sich aus verhandlungsökonomischer Perspektive im Status quo des deutschen Familienrechts potenziell vor und nach Trennung/Scheidung für die Zeitverwendung und Lebensgestaltung von Eltern ergeben.

Methodik

Anhand von empirischen Analysen basierend auf Längsschnitt-Daten des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) wird in diesem Projekt explorativ untersucht, wie sich die ökonomische Situation getrennter Elternpaare in Abhängigkeit von ihrem gewählten Verantwortungsmodell gegenüber ihren Kindern entwickelt. Dabei werden Verantwortungsmodelle im Sinne eines ressourcenökonomischen Ansatzes insbesondere anhand des Einsatzes der Ressourcen Zeit und Geld seitens beider Elternteile charakterisiert.

Ergebnisse

Erste explorative Ergebnisse deuten darauf hin, dass eine partnerschaftliche Verantwortungsteilung in der Gesamtbetrachtung zur besten Absicherung hinsichtlich des Nachtrennungs-Nettoäquivalenzeinkommens führt. Dies gilt für Mütter auch in der mittleren Frist, wobei sich ihre Position am Arbeitsmarkt jedoch kaum verbessert. 

Boll, C.; Schüller, S. (2021). Shared Parenting and Parents’ Income Evolution after Separation – New Explorative Insights from Germany[1], SOEPpapers on Multidisciplinary Panel Data Research No. 1131, 2021.

"Partnerschaftliche Aufteilung der Kinderbetreuung senkt Armutsrisiken von Müttern nach Trennung", in: BMFSFJ (2021). Monitor Familienforschung Nr. 43.[2] Allein- oder getrennterziehen - Lebenssituation, Übergänge, Herausforderungen", S. 51-53.

Kontakt

+49 89 62306-242
Deutsches Jugendinstitut
Nockherstr. 2
81541 München

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