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Wie unterscheiden und wo ähneln sich Vaterschaftskonzepte und -praxen in Deutschland und Polen? Wie und unter welchen Bedingungen verändern sich diese über mehrere Generationen hinweg? Was sind Kontinuitäten und wie verläuft die Transmission zur nächsten Generation? Diesen Fragen widmet sich das DFG-geförderte Projekt in Kooperation mit Kolleg:innen der Universität Breslau. Ziel ist es, durch eine deutsch-polnische, intergenerationell und interkulturell vergleichende Perspektive Brüche, Kontinuitäten und Wandel von Vaterschaftskonzepten und -praxen herauszuarbeiten und so zu einer Diskussion über Vaterschaft im Generationenverlauf beizutragen.

Der Vergleich zwischen den Nachbarländern Deutschland und Polen wurde u.a. gewählt, weil sie einerseits heute die gleichen EU-Regularien berücksichtigen, sich aber andererseits durch ihre jeweilige kulturelle und historisch-politische Prägung unterscheiden. So begünstigte die in der sozialistischen Volksrepublik (1944 – 1989) geförderte Erwerbsintegration von Frauen in Polen zeitweise eine egalitärere Erwerbsbeteiligung,während der fortwährend starke Einfluss konservativer Kräfte, wie beispielsweise der katholischen Kirche, und (fehlende) sozialpolitische Maßnahmen bis heute traditionell-patriarchale Familienstrukturen fördern (Kleinmann 2024). In Deutschland sehen wir erst in den letzten zwanzig Jahren einen sozialpolitischen Wandel hin zu einer egalitären Aufgabenteilung. Dennoch sind ein großer Anteil der deutschen Väter vollzeiterwerbstätig und bringen sich vorwiegend in den Randzeiten abends und am Wochenende aktiv in die Betreuung und Erziehung der Kinder ein (BMFSFJ 2023).

In beiden Ländern gilt das Konzept der „aktiven Vaterschaft“ mittlerweile als erstrebenswerte soziale Norm, wenngleich die familiären Praxen dies nicht immer abbilden. Für dieses fehlende Passungsverhältnis zwischen Ideal und Wirklichkeit werden in der Literatur individuelle, partnerschaftsbezogene, arbeitsmarktkulturelle und sozialpolitische Rahmenbedingungen als ursächlich beschrieben (Zerle-Elsäßer/Li 2017). Ein weiterer aktueller, wenngleich bislang in Deutschland und Polen wenig beachteter Strang der Forschung konzentriert sich auf konkrete Mechanismen sozialen Lernens, indem er das Verhältnis eines Mannes zum eigenen Vater in den Fokus rückt (Parke 2002). Diese beiden Stränge verbindend, untersucht unser Projekt erstens, wie sich Normen und Praxen von Vaterschaft aktuell gestalten, aber auch historisch und kulturell wandeln und zweitens, wie die Beziehung zum eigenen Vater, aber auch äußere Umstände dies beeinflussen.

 

Die beiden Fragen nach den Unterschieden in den Konzepten und Praxen von Vaterschaft in Deutschland und Polen sowie nach den interfamilialen Transmissionsprozessen bearbeitenwir mit einem qualitativen Forschungsdesign: Wir nutzen problemzentrierte Interviews, in die wir verschiedene verbale, bildliche und gestalterische Erzählstimuli integrieren, um in beiden Ländern Urgroßväter, deren Söhne und deren Enkel (ebenfalls bereits Väter) zum Thema eigener und erlebter Vaterschaft zu befragen.

Insgesamt sollen ca. 60 Personen, also jeweils zehn Familien (Urgroßvater, Großvater und Vater) aus Polen und Deutschland interviewt werden. Das Sample soll in beiden Ländern westliche und östliche Regionen sowie möglichst die soziale, kulturelle und geschlechtliche Vielfalt von Vätern abbilden.

 

Wer kann teilnehmen?

Wir möchten möglichst die Vielfalt von Familien und Vätern berücksichtigen. Wir laden deshalb ausdrücklich auch Väter mit Migrationserfahrung, queere und trans* Väter ein. Väter aus Kern-, Groß-, Wahl-, Regenbogen- und Patchworkfamilien sowie weitere Familienarrangements sind ebenfalls herzlich willkommen!

Wir bieten 50 Euro Aufwandsentschädigung pro Teilnehmer!

Wann und wo finden die Interviews statt?

Die etwa zweistündigen Interviews sind für das Jahr 2024 geplant. Der genaue Termin wird individuell vereinbart und Sie können den Ort dafür wählen.

Aufruf zur Teilnahme[2]

Bundesministerium für Familien, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ, Hg.) (2023). Väterreport 2023 - Entwicklungen und Daten zur Vielfalt der Väter in Deutschland. Berlin.

Kleinmann, Johannes (2024). Analyse: Debatten um die Erwerbstätigkeit von Frauen in Polen nach 1980. Polen-Analysen Nr. 325. Bundeszentrale für politische Bildung.

Parke, Ross D. (2002). Fathers and families. In: Marc H. Bornstein (Hg.), Handbook of parenting: Being and becoming a parent (2. Aufl.), S. 27-73. Mahwah: Lawrence Erlbaum Associates Publishers.

Zerle-Elsäßer, Claudia/Li, Xuan (2017). Väter im Familienalltag - Determinanten einer aktiven Vaterschaft. Zeitschrift für Familienforschung 29 (1), S. 11-31.