Angebotstypen

Die erste Systematisierung des Feldes aufgrund der Recherche der Arbeitsstelle Kinder- und Jugendkriminalitätsprävention zeigt, dass sich drei unterschiedliche Angebotstypen identifizieren lassen: Es kann unterschieden werden in personenorientierte und verfahrensorientierte Angebote sowie in Weitervermittlungsangebote für junge Menschen mit Opfererfahrung(en). Zusätzlich gibt es noch Fort- und Weiterbildungsangebote für Fachkräfte. Die einzelnen Angebotstypen werden im Folgenden entlang der oben dargestellten Aspekte zusätzlich hinsichtlich ihrer jeweiligen Besonderheiten dargestellt. Dabei werden auch die Ziele der recherchierten Angebote, die von ihnen genannten Methoden, pädagogischen Ansätze und konkreten Hilfe- und Unterstützungsmaßnahmen differenziert vorgestellt.

 

Typ 1: Personenorientierte Angebote

Personenorientierte Angebote adressieren das Opfer selbst oder das soziale Umfeld eines Opfers. Im Fokus steht die Bewältigung der Viktimisierungserfahrungen. Eine Bewältigung kann dabei in unterschiedlicher Weise unterstützt werden. Die lösungsorientierte und vielfach systemisch orientierte Bewältigung der Erfahrungen kann durch die direkte Betreuung, durch Rat und Unterstützung geschehen. Auch werden Bewältigungsstrategien erarbeitet und Hilfe zur Selbsthilfe angeboten. In anderen Fällen finden eine kurzfristige stationäre Aufnahme oder eine Krisenintervention statt. Manche Angebote verstehen sich auch als Schutzraum mit parteilicher Haltung zum Opfer.

Die personenorientierten Angebote bieten dabei die Bearbeitung der Opfererfahrung(en) in Einzelsettings an – wobei es durchaus auch die Möglichkeit gibt, eine Begleitperson mitzubringen –, andererseits auch im Gruppenkontext. Zu letzterem zählen Gruppen, die von den betrachteten Angeboten als Selbsterfahrungs-, Selbsthilfe-, Selbstverteidigungs- sowie Selbstbehauptungsgruppen bezeichnet werden. Diese Arten von Gruppen werden sowohl mit als auch ohne körperliche Selbstverteidigung angeboten. Diese Gruppen werden zumeist geschlechtersensibel und/oder geschlechterspezifisch angeboten. Das heißt es gibt geschlechtshomogen ausgestaltete Jungengruppen einerseits und Mädchengruppen andererseits, die jeweils für bestimmte Altersspannen angeboten werden und/oder dabei werden die jeweiligen geschlechtsspezifischen Themen, Rollen und Rollenmuster berücksichtigt. Die Gruppenangebote sind über mehrere Wochen angelegt, seltener nur einmalig an einem Tag oder an wenigen Tagen. Die in der Opferhilfe tätigen Mitarbeiter/innen sind überwiegend hauptamtlich tätig und weiterqualifiziert oder zertifiziert. Die Projekte sichern die Wahrung der Anonymität zu. Zusätzlich gibt es Angebote, die gänzlich ohne face-to-face-Kontakt (Telefon/E-Mail/Chat/Forum) arbeiten.

Nach einer erlittenen Opfererfahrung kann es wichtig sein, dass Handlungskompetenzen wiedererlangt werden und Handlungsalternativen aufgezeigt werden, damit auch die zum Teil erlernte Hilflosigkeit wieder verlernt werden kann. Durch diese Kompetenzerlangung können die jungen Menschen auch befähigt werden, bald wieder ohne professionelle Hilfe leben zu können.

In akuten Notsituationen wird durch personenorientierte Angebote Hilfe geleistet, die dann unter Umständen längerfristig fortgeführt wird und den Betroffenen Entlastung anbietet. Für traumatisierte junge Menschen werden therapeutische Angebote bereitgestellt. Dabei reicht das Spektrum bei den betrachteten Internetseiten von Traumaberatungen, Traumaambulanzen bis hin zur Traumatherapie. Die Traumaarbeit zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass sie in einem Einzelsetting angelegt ist und insbesondere für Jugendliche bei erlebter sexualisierter Gewalt angeboten wird.

Zur Miteinbeziehung des sozialen Umfeldes bieten personenorientierte Angebote zum Teil auch Familien- oder Elterngespräche oder -sprechstunden an, um auch denjenigen, die zumeist als erste von der Opferwerdung erfahren haben, Hilfestellungen zu geben und durch die Einbeziehung des Familiensystems auch deren Sprach- und Hilflosigkeit zu überwinden (vgl. auch Hartmann/Höltz/Priet 2015, S. 262 f.). Das soziale Umfeld kann mit dem verständnisvollen Reagieren und Unterstützen eine große Ressource für junge Menschen mit Opfererfahrung(en) darstellen (vgl. auch Hartmann/Höltz/Priet 2015, S. 262).

Personenorientierte Angebote zeichnen sich ausweislich der Internetseiten durch methodische Vielfalt aus: es kommen unter anderem erlebnispädagogische, spieltherapeutische und tiergestützte Angebote zum Einsatz. Fachlich grundlegend ist der Ressourcenansatz bei den jungen Menschen, so dass das Ziel ist, die vorhandenen eigenen Ressourcen zu mobilisieren und zu aktivieren, um weitere Viktimisierungen oder ein „Annehmen der Opferrolle“ zu vermeiden. Die Erhöhung der Konflikt- und Kommunikationsfähigkeit ist dabei ebenfalls wichtig.

Bei den personenorientierten Angeboten werden explizit Ausschlussgründe für die Teilnahme an den Angeboten, wie beispielsweise Suchtprobleme oder psychiatrische Erkrankungen, benannt.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das Ziel der personenorientierten Angebote für junge Menschen ist, Hilfe in Not- und Gefahrenlagen anzubieten und bei der Aufarbeitung des Erlebten beizustehen. Auch die Entlastung der jungen Menschen und das Wiedererlangen von Handlungssicherheit wird als Ziel der Angebote häufig genannt. Die Aufklärung und Wissensvermittlung über die möglichen psychischen Folgen mit entsprechenden Weitervermittlungsangeboten spielt bei diesen Angeboten eine besondere Rolle. Die Kontextualisierung und Einordung des Erlebten für die Betroffenen sind ebenfalls zentral.

Die Finanzierung der personenorientierten Angebote besteht weit überwiegend aus Spenden und staatlichen Zuwendungen von Land, Landkreis, Kommune und der Zuweisung von Bußgeldern.

Die personenorientierten Angebote sind diejenigen Angebote, die im Vergleich zu den anderen Angebotstypen, am häufigsten auf ihren Internetseiten angeben, evaluiert zu werden bzw. selbst zu evaluieren und die ihre Jahresberichte zum Download zur Verfügung stellen.

 

Typ 2: Verfahrensorientierte Angebote

Verfahrensorientierte Angebote bieten in unterschiedlichsten Formen Hilfe und Unterstützung an, die im Zusammenhang mit strafrechtlichen oder zivilrechtlichen Gerichtsverfahren stehen. Sie zielen damit nicht direkt auf die Bewältigung der erlittenen Opfererfahrung. Im Mittelpunkt stehen Angebote für psychosoziale Prozessbegleitung für Opferzeuginnen und -zeugen, Zeuginnen- und Zeugenbegleitungen und Täter-Opfer-Ausgleich. In diesem Zusammenhang ist bei den Angeboten für psychosoziale Prozessbegleitung davon auszugehen, dass mit den Änderungen der Strafprozessordnung und dem zum 01.01.2017 in Kraft tretenden Gesetz über die psychosoziale Prozessbegleitung im Strafverfahren (PsychPbG) mit einhergehender entsprechender Gesetzgebung der Bundesländer im Zuge des 3. Opferrechtsreformgesetzes (BGBl. I 2015, S. 2525 ff.) die verfahrensorientierten Angebote vermehrt vorkommen werden. In der Folge werden Kinder, Jugendliche und junge Volljährige als Adressatinnen und Adressaten zunehmend berücksichtigt werden, um der Intention des Gesetzgebers zu mehr psychosozialer Prozessbegleitung zu entsprechen. In welchen Fällen und unter welchen Voraussetzungen ein Anspruch auf kostenlose psychosoziale Prozessbegleitung für die/den Verletzten besteht und sie/er sich dessen bedienen kann, ist in den eben genannten Gesetzen geregelt. Durch den in der Strafprozessordnung verwendeten Begriff des Verletzten wird deutlich, dass dieses Recht auch im Strafverfahren gegen Jugendlichen gilt. Dies ist in der Diskussion im Zuge des Gesetzgebungsverfahrens nicht unumstritten gewesen. Da sich Jugendgewalt aber vor allem in der gleichen Altersgruppe vollzieht, ist es begrüßenswert, dass die Strafverfahren gegen Jugendliche nicht ausgenommen sind und auch die jeweiligen Verletzten, sofern die Voraussetzungen vorliegen, einen solchen Anspruch haben. Im Gegensatz dazu war die gleichgelagerte Frage im Zusammenhang mit Strafverfahren gegen Erwachsene nicht umstritten. Bis zur Schaffung der entsprechenden Regelungen im Zuge des 3. Opferrechtsreformgesetzes herrschte Uneinigkeit in Bezug auf die Trennung von Beratung und Therapie einerseits und Begleitung andererseits. Mit der ausdrücklich im Gesetzeswortlaut erfolgten Festschreibung des Trennungsgrundsatzes von Beratung und Begleitung in § 2 Abs. 1 S. 1 PsychPbG ist der Streit hierum obsolet geworden (Argumente für das Für und Wider der Trennung von Beratung und Begleitung können u.a. bei DGfPI o.J., AK Leipzig 2013 gefunden werden).

Im Zusammenhang mit dem bereits erwähnten Täter-Opfer-Ausgleich sollte ergänzend erwähnt werden, dass er – auch im (Jugend-)Strafvollzug – vermehrt in Frage kommen und bedacht werden sollte. Eines der recherchierten Angebote hat sich dies seit einigen Jahren bereits zum Ziel gesetzt. Opfer und ihre inhaftierten Täter können mit Hilfe und Unterstützung der erfahrenen Mitarbeiter/innen in Kontakt treten, um u.a. (gemeinsam) die Tat aufzuarbeiten und nach Möglichkeiten eines Tatausgleichs zu suchen. Durch den Täter-Opfer-Ausgleich kann der Täterin/dem Täter verdeutlicht werden, welche Folgen ihre/seine Tat auf das Opfer hatten und es gibt ihr/ihm auch die Möglichkeit, dass sie/er gegenüber dem Opfer für die materiellen Schäden sowie für das von ihr/ihm zugefügte Leid eintritt. Das Opfer wird dadurch in ihren/seinen Belangen und ihrer/seiner Perspektive berücksichtigt und ihre/seine Bedürfnisse werden anerkannt. Einige Bundesländer haben bereits Elemente eines opferbezogenen Strafvollzuges kodifiziert, so dass hier in der Zukunft mehr Angebote mit dieser Ausrichtung zu erwarten sind.

Ferner zählen zu den verfahrensorientierten Angeboten solche, die die jungen Menschen zur Polizei oder zu einem Gerichtstermin begleiten. Auch die Weitervermittlung und Begleitung zu einer Rechtsanwältin/einem Rechtsanwalt, die/der als Nebenklagevertreter/in auftreten kann, kann durch verfahrensorientierte Angebote erfolgen. Die Angebote informieren die Opferzeuginnen und -zeugen oder Zeuginnen und Zeugen über den Ablauf des gesamten Verfahrens: Es wird über die Vor- und Nachteile des Stellens einer Strafanzeige informiert und ggf. eine Einschätzung der Erfolgsaussichten einer Anzeige bzw. einer (zivilrechtlichen) Klage abgegeben. Die Rechtsberatung und -vertretung erfolgt dabei zum Teil durch ehrenamtlich tätige Rechtsanwälte und -anwältinnen. Der Ablauf des Ermittlungsverfahrens wird ebenso erläutert wie die Rolle, Aufgaben und Pflichten der Zeugin/des Zeugen, um Ängste und Unsicherheiten abzubauen. Auch geben diese Einrichtungen Hilfestellung beim Ausfüllen von Formularen und begleiten den Betroffenen zu Eltern, Lehrerinnen und Lehrern oder Vorgesetzten.

Auffällig ist, dass es bei verfahrensorientierten Angeboten – im Gegensatz zu personenorientierten Angeboten – keine Ausschlussgründen, wie Suchtprobleme oder psychiatrische Erkrankungen, für die Nutzung der Angebote gibt. Dieser Unterschied gründet sich darin, dass es bei der Nutzung dieser Angebote nicht darauf ankommt, ob jemand erkrankt ist.

Die Zeitdauer dieser Angebote orientiert sich an den jeweiligen laufenden Verfahren. Da diese zumeist über mehrere Monate andauern, ergibt sich daraus die Dauer der unterstützenden Arbeit der Fachkräfte mit den Opfern im Rahmen der Angebote. Zwischen der Entscheidung, eine Strafanzeige zu stellen, dem Ermittlungsverfahren mit anschließendem Hauptverfahren bis hin zur Urteilsverkündigung und Rechtskraft des Urteils vergeht viel Zeit: bei durchschnittlichen Verfahrensdauern in Strafverfahren knapp unter vier Monate, im Falle von Jugendstrafverfahren durchschnittlich knapp unter sechs Monaten und im Falle von zivilrechtlichen Klagen etwas weniger als sechs Monate im Durchschnitt (vgl. Statistisches Bundesamt 2015, S. 34 f.).

Die Angebote zeichnen sich hier durch einen hohen Anteil an weiterqualifizierten oder zertifizierten hauptamtlichen Beschäftigten aus, insbesondere im Bereich der psychosozialen Prozessbegleitung sind die Anforderungen an die fachlichen, persönlichen und interdisziplinären Qualifikationen durch das PsychPbG (tritt zum 01.01.2017 in Kraft) festgelegt.

Eine Kontaktaufnahme der Betroffenen ist häufig auch außerhalb der Sprechzeiten möglich. Zu den Terminen kann man oft mit einer Begleitung erscheinen. Die Fachkräfte der recherchierten verfahrensorientierten Angebote sichern auf ihren Internetseiten den Personen, die sich an sie wenden, bereits bei der Kontaktaufnahme die Wahrung der Anonymität zu.

Auch bei verfahrensorientierten Angeboten weisen die Internetseiten aus, dass sie, neben der eigentlichen Fokussierung auf das Verfahren, zur Entlastung der Betroffenen, zum Aufarbeiten der Tat sowie zur Kontextualisierung beitragen. Daneben nutzen verfahrensorientierte Angebote vereinzelt auch aktiv das Mittel der Öffentlichkeitsarbeit, um auf ihre Tätigkeiten und die Belange der jungen Menschen mit Opfererfahrung(en) aufmerksam zu machen. Hilfe in akuten Not- und Gefahrensituationen, Wiedergutmachung, Mobbingberatung und die Aufklärung über psychische Folgen der erlittenen Tat stehen bei verfahrensorientierten Angeboten weniger im Mittelpunkt.

Jugendliche und Kinder werden häufiger als Zielgruppe der verfahrensorientierten Angebote angesprochen als junge Volljährige. Überwiegend wenden sich diese Angebote an Opfer jeglichen Geschlechts. Auch Eltern und sonstige Angehörige können fallspezifisch zu den Zielgruppen der verfahrensorientierten Angebote zählen. Drittpersonen (wie Lehrer/innen, Freundinnen und Freunde) werden seltener von verfahrensorientierten Angeboten angesprochen. Überwiegend wenden sich diese Angebote an Einzelpersonen, weniger an Gruppen, allerdings besteht die Möglichkeit, dass eine Person zur Unterstützung mitgebracht werden kann. Zumeist besteht die Möglichkeit des persönlichen Kontakts, direkt vor Ort oder per Telefon. Seltener können sich die Zielgruppen per „neuer Medien“ wie E-Mail, Chat oder einem Forum an sie wenden.

Für verfahrensorientierte Angebote spielen Kooperationen eine wichtige Rolle. Am häufigsten kooperieren sie mit anderen Beratungsstellen und Angeboten der Opferhilfe, mit verfahrensbeteiligten Rechtsanwältinnen und -anwälten und Nebenklagevertretern sowie mit der Justiz, der Staatsanwaltschaft und der Polizei sowie auch mit Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe. Die Finanzierung der verfahrensorientierten Angebote besteht zu einem Großteil aus Spenden sowie staatlichen Zuwendungen von Land, Landkreis, Kommune und der Zuweisung von Bußgeldern. Eigenmittel spielen in finanzieller Hinsicht eine eher untergeordnete Rolle.

Verfahrensorientierte Angebote sind zwar selten evaluiert, allerdings sind häufig Jahresberichte zum Download im Internet zu finden.

 

Typ 3: Weitervermittlungsangebote

Ein Teil der Angebote für junge Menschen mit Opfererfahrungen zielt auf die Weitervermittlung in passende bzw. geeignete Angebote. Diese Anlaufstellen sehen sich selbst als ersten Kontakt, der die Informationen über regional oder kommunal vorhandene Hilfen sortiert und dann die Hilfesuchenden entsprechend der Bedarfe weitervermittelt. Kontakt wird zu therapeutischen Hilfen, zu Traumatherapien und zu Selbsthilfegruppen vermittelt. Die Vermittler/innen begleiten zum Teil auch zu Ärztinnen und Ärzten oder stellen den Kontakt zu Behörden her. Ein Angebot vermittelt auch zu Selbstverteidigungskursen. Weitervermittlung findet überdies in Bereiche statt, die primär weniger mit konkreten Opferhilfen zu tun haben, sondern weitere Unterstützungsbedarfe abdecken – wie z.B. die Schuldnerberatung oder Drogen- und Suchthilfen.

In methodischer Hinsicht stehen bei weitervermittelnden Angeboten vor allem der Ressourcenansatz und die Selbstwertstärkung im Vordergrund. Auch leisten diese Angebote Aufklärung und Wissensvermittlung zu den Themenbereichen, in die sie weitervermitteln. Als schrittweise Ziele dieses Angebotstyps kann zunächst die Kontextualisierung des Erlebten ausgemacht werden. Daran schließt sich die Entlastung der Betroffenen hinsichtlich des Erlebten an, worunter auch die Verminderung von Selbstvorwürfen fallen kann. Als nächster Schritt kann das Aufarbeiten der Tat und, bei Verlust von Handlungssicherheit, im Anschluss die gemeinsame Arbeit mit der/dem Betroffenen an ihrer/seiner Handlungssicherheit erfolgen. Es schließt sich dann im Idealfall die Wiedererlangung dieser an.

Die weitervermittelnden Angebote sind auch in der Öffentlichkeitsarbeit tätig. Sie thematisieren öffentlich relevante Angebote und Bedarfe von jungen Menschen mit Opfererfahrung(en). Dies geschieht auch durch Veranstaltungen in Bildungseinrichtungen, durch das Verfassen von Informationsmaterialien zu den Themen, die ihnen in ihrer Arbeit begegnen und dem Verteilen und Auslegen des Materials bei öffentlichen Veranstaltungen. So erhoffen sie sich, dass sie auf die Situation der Opfer und ihr eigenes Angebot aufmerksam machen können, um auch die Öffentlichkeit zu sensibilisieren.

Eine gute und vielgestaltige Kooperation bildet bei weitervermittelnden Angeboten die zentrale Voraussetzung für das gelingende Bearbeiten der Bedarfe der sie aufsuchenden jungen Menschen. Deshalb nennen diese Angebote auf ihren Internetseiten auch zahlreiche Kooperationspartner, darunter all jene zu denen sie weitervermitteln, wie etwa andere Angebote und Einrichtungen der Opferhilfe, aber auch beispielsweise regionale Arbeitskreise und Stiftungen.

Weitervermittlungsangebote folgen häufiger einem engen als einem weiten Opferbegriff im Hinblick auf die Delikte oder Anlässe. Die jungen Menschen können insbesondere dann die Angebote wahrnehmen, wenn sie Opfer von sexualisierter oder innerfamiliärer Gewalt geworden sind. Auch bei erlittenen Körperverletzungen, Gewalterfahrungen im Allgemeinen, Gewalt in der Schule und Mobbing/Cybermobbing können sich Betroffene an die Einrichtungen wenden.

Legen Weitervermittlungsangebote einen weiten Opferbegriff zugrunde, richten sich diese an ein vielfältiges Spektrum an jugendtypischen Problemlagen. So sind sie Anlaufstation bei Konflikten mit Freundinnen und Freunden, in der Schule, in der Ausbildung oder im Beruf. Weitervermittelnde Angebote bieten Hilfe an, wenn Personen empfinden, dass innerhalb ihrer bestehenden Beziehung kein respektvoller oder gewaltfreier Umgang erfolgt, oder sie Liebeskummer oder Probleme mit der eigenen Sexualität haben. Auch wenn sich Personen einsam fühlen und zurückgezogen leben, bieten diese Angebote Möglichkeiten der Unterstützung. In Situationen wie Trennung und Scheidung der Eltern, was mitunter auch in häusliche und gewaltförmige Konfliktsituationen münden kann, können sich die jungen Menschen an diese Angebote wenden. Bei Problemlagen im Zusammenhang mit Alkohol und Drogen bringen diese Angebote auch die damit verbundenen Gefährdungen zur Sprache. Des Weiteren bieten sie Personen mit psychosomatischen oder somatopsychischen Symptomen Hilfestellungen an, insbesondere bei Essstörungen, Depression, Suizidgedanken oder -versuch, Entscheidungs- und Krisensituationen.

Zielgruppe dieser Weitervermittlungsangebote sind vor allem Jugendliche und Kinder, seltener junge Volljährige. Zum Großteil definieren diese Angebote entweder gemischtgeschlechtliche Adressaten oder ausschließlich Jungen als Zielgruppe; die Adressierung von ausschließlich weiblichen Personen ist indes sehr selten. Überwiegend richten die Einrichtungen ihr Angebot auch an Eltern und sonstige Angehörige, sehr viel seltener auch an Lehrer/innen, Freundinnen und Freunde und bloße Zeuginnen und Zeugen.

Weitervermittlungsangebote sind zumeist längerfristig über mehrere Wochen angelegt und werden in der Regel von weiterqualifizierten oder zertifizierten, hauptamtlichen Mitarbeiter/innen durchgeführt. Die Angebote richten sich zumeist an Einzelpersonen und finden sowohl persönlich vor Ort als auch ohne face-to-face-Kontakt statt.

Weitervermittelnde Angebote finanzieren sich aus unterschiedlichen Bereichen, allerdings nie aus Eigenmitteln. Private Spenden und Unterstützungen durch Bundesländer, Landkreise oder Städte und Kommunen machen einen Großteil der Förderung aus. Auch die an sie gewendeten Bußgelder oder Geldauflagen dienen der Förderung und Finanzierung der weitervermittelnden Angebote. Daneben finanzieren sie sich zu einem kleinen Teil aus Mitgliedsbeiträgen und durch Zuwendungen von Unternehmen und Banken. Weit überwiegend sind die weitervermittelnden Angebote kostenfrei für die Betroffenen, sehr selten kostenpflichtig.

Weitervermittlungsangebote sind sehr selten evaluiert und bieten selten einen Jahresbericht zum Download an.

 

Fort- und Weiterbildungsangebote

Eine Besonderheit gibt es bei den oben identifizierten drei Angebotstypen, vor allem bei den personenorientierten – weniger bei den verfahrensorientierten und den weitervermittelnden – Angeboten: zusätzlich zu der oben dargestellten direkten Arbeit mit den jungen Menschen mit Opfererfahrung(en) werden für eben diejenigen Fachkräfte, die diese direkte Arbeit ausüben, kompetenzvermittelnde Angebote bereitgestellt. Das erworbene Wissen und die in der Arbeit erworbenen Kompetenzen werden an andere Fachkräfte, die dann auch als Multiplikatoren dienen können, weitergegeben. Die diese Veranstaltungen ausrichtenden Fachkräfte tragen zur (Weiter-)Qualifizierung der im Bereich der Opferhilfe Tätigen bei und leisten somit indirekte/mittelbare Hilfe für die Betroffenen.

Die Veranstaltungsarten sind vielfältig und umfassen Workshops, Fachberatungen, Fortbildungen, Seminare und Kurse, Informations- und Präventionsveranstaltungen. Innerhalb dieser Angebote stehen methodisch die Aufklärung, die Wissensvermittlung sowie das Konflikttraining im Vordergrund. Als Ziele der kompetenzvermittelnden Angebote für Fachkräfte kann auch die Deeskalation in konfliktträchtigen Situationen gesehen werden, ebenso wie die Öffentlichkeitsarbeit mit dem Ziel der Enttabuisierung mancher Themen sowie Entlastung bzw. Supervision.

Kontakt

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