Sozialraumbezogene Forschung

Die politische Sozialisation junger Menschen steht im Mittelpunkt des sozialräumlichen Schwerpunkts der Arbeits- und Forschungsstelle. Hierbei orientiert sich das Forschungsvorhaben an den spezifischen sozialräumlichen Eigenheiten und den Selbstverortungen junger Menschen sowie an verfügbaren Strukturen informeller Bildung und lebensweltlichen Beziehungen zwischen diesen Aspekten.

Konzeption und Fragestellung
Forschungsleitend ist die Frage nach politischen Sozialisationsprozessen, die Jugendliche auf dem Gebiet ihrer Freizeitgestaltung und ihren Peerbeziehungen durchlaufen. Dabei spielt ein gesellschaftliches Engagement und politische Beteiligung eine hervorgehobene Rolle. Beispielhaft wird in zwei kleineren Städten untersucht, welche Möglichkeiten für junge Menschen gegeben sind, sich innerhalb ihrer Stadtgesellschaft einzubringen und diese mitzugestalten. Neben non-formalen Angeboten der Jugendarbeit, der weltanschaulichen und politischen Bildung, des Sports sowie des caritativen Engagements sind hier auch informelle Selbstsozialisationsarenen von Interesse. In dieser nicht organisierten Freizeitgestaltung haben Peer- und Freundschaftsgruppen eine große Bedeutung.

Gefragt wird in dieser Studie, wie Gruppen junger Menschen freizeit- und peerbezogene Instanzen politischer Sozialisation in ihrem unmittelbaren Umfeld wahrnehmen und welche Relevanz gesellschaftspolitisch relevante Themen für Jugendliche in ihrem unmittelbaren sozialen Umfeld haben. Zentral ist für die Untersuchung dieser Fragen nach politischen Sozialisationsprozessen, wie das Wechselspiel zwischen sozialräumlich verfügbaren Gelegenheitsstrukturen und deren konkreter Aneignung durch junge Menschen verläuft.

Empirisch umgesetzt werden Konzeption und Fragestellung zunächst mittels Dokumenten- und Medienanalysen, durch die ein erster Überblick über den Forschungsgegenstand gewonnen wird. Über die Projektlaufzeit hinweg dient die Beschäftigung mit Materialien aus dem Umfeld der beiden untersuchten städtischen Räume dazu, die in den eigenen Erhebungen gewonnenen Erkenntnisse zu ergänzen.

Anschließend werden in Einzelinterviews Verantwortliche aus der kommunalen Verwaltung sowie Personen befragt, die aufgrund ihrer Tätigkeit im Freizeitkontext oder als Schulsozialarbeiterinnen und -arbeiter in einem direkten Kontakt zu jungen Menschen stehen. Innerhalb dieser Kontexte interessieren wir uns für die verschiedensten Formen der Beteiligung junger Menschen an der Gestaltung ihres unmittelbaren Umfeldes. Dabei spielen Fragen des ehrenamtlichen Engagements ebenso eine Rolle wie die gesellschaftspolitische Bedeutung dieser Aktivitäten.

Zentral für die Umsetzung des Forschungsvorhabens ist der Kontakt zu jungen Menschen, die in Gruppendiskussionen bzw. Einzelinterviews befragt werden. Darüber hinaus erfolgen teilnehmende Beobachtungen in ihrer Lebenswelt, die auf diverse Möglichkeiten der Freizeitgestaltung fokussieren. Die Auswertung der Materialien erfolgt mit rekonstruktiven, sequenzanalytischen sowie auf Einzelthemen orientierte Methoden sowie inhaltanalytischen Verfahren wie der Dokumentarischen Methode, der Grounded Theory sowie der qualitativen Inhaltsanalyse.

Tremmel, Jörg/Rutsche, Markus (Hrsg.) (2016): Politische Beteiligung junger Menschen. Wiesbaden: Springer Fachmedien.

Gürlevik, Aydin/Hurrelmann, Klaus/Palentien, Christian (Hrsg.) (2016): Jugend und Politik. Politische Bildung und Beteiligung von Jugendlichen. Wiesbaden: Springer VS.

Marco Schott, wissenschaftlicher Referent

Johanna Häring, wissenschaftliche Referentin
 

Kontakt

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Deutsches Jugendinstitut Außenstelle Halle
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