Dieser Frage ging DJI-Alumna Prof. Dr. Petra Strehmel, Professorin für Psychologie an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW) Hamburg, in ihrem Online-Vortrag für das Forum Kita-Entwicklung der gemeinnützigen Stiftung „Haus der kleinen Forscher“ nach.

Petra Strehmels Schwerpunktthemen sind Personal- und Organisationsentwicklung in Non-Profit-Organisationen, Leitung und Management im System der Kindertagesbetreuung sowie Empirische Forschung und Evaluation.

Die Erziehungswissenschaftlerin und Arbeits- und Organisationspsychologin hatte zuvor im Rahmen ihres Beitrages für das Forum Kita-Entwicklung fünf Praxisbeispiele von Organisationsentwicklung in unterschiedlichen Kitas analysiert und dabei u.a. festgestellt, dass die Dokumentation der Organisationsentwicklungsprozesse häufig unzureichend und lückenhaft ist. Laut Strehmel wird oft gar nicht dokumentiert, sondern Veränderungen treten einfach irgendwann im Alltag auf. Dies erschwere die Nachvollziehbarkeit und das Lernen für künftige Organisationsentwickler/innen, so die Expertin.

Strehmel betont, dass die Organisationsentwicklung (OE) für komplexe Gebilde von Organisationen, zu denen eben auch Kitas zählen, empirisch belegtes Wissen über Aspekte von Führung und Management bereithält, die sich für OE-Prozesse als besonders relevant herausgestellt haben und Reibungsverluste und unbeabsichtigte Nebenwirkungen vermeiden helfen. Zu den Gelingensbedingungen, die OE unterstützen, zählen, so Petra Strehmel, insbesondere ein engagiertes und veränderungsbereites Team, Unterstützung durch den Träger, Instrumente und Kompetenzen zur Organisationsanalyse, Transparenz und Partizipation im OE-Prozess, Unterstützung durch transferorientierte Fortbildungen und Fachberatung, Moderation und Steuerung, Kommunikation positiver Veränderungserfahrungen sowie Geduld und Flexibilität.

Petra Strehmel formuliert drei Thesen zur professionellen Gestaltung von Organisationsentwicklung in Kitas:

  1. „Gut geführten, "vitalen" Kitas mit einer lernfreudigen Organisationskultur gelingt es besser, sich bei neuen Herausforderungen zu verändern. Das setzt hohe Leitungskompetenzen auch in stabilen Phasen voraus.“
  2. „Für die Organisationsentwicklung in Kitas liegen bereits professionell gestaltete Konzepte und Instrumente vor, zum Beispiel für die Einführung pädagogischer Konzepte oder für das Qualitätsmanagement. Diese können für andere OE-Prozesse Vorbild sein. Defizite gibt es allerdings in der systematischen Dokumentation und Evaluation.“
  3. „Vorhaben zur OE in Kitas können auf ein breites Spektrum an theoretischem Wissen und professionellen Methoden aus dem Fachdiskurs über OE zurückgreifen, die für die spezifische Situation von Kitas adaptiert werden können.“

Prof. Dr. Petra Strehmelwar von 1993 bis 2002 wissenschaftliche Referentin und Projektleiterin am Deutschen Jugendinstitut.

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