Internationale Migration von Paaren wird häufig durch bessere Verdienstmöglichkeiten des männlichen Partners bestimmt, während viele der mitreisenden Partnerinnen trotz hoher Erwerbsneigung im Zielland nicht erwerbstätig sind. Damit bewegen sich die Paare in einem Spannungsfeld zwischen den individuellen beruflichen Chancen des (der) Einen und den ungleich schlechteren Chancen oder sogar der Aufgabe beruflicher Perspektiven der (des) Anderen, der sogenannten Tied Mover (Mincer 1978), insbesonders, wenn beide Partner/innen hochqualifiziert sind.

Vor dem Hintergrund des am 01.01.2020 in Kraft getretenen Fachkräfteeinwanderungsgesetzes haben sich Forschung und Politik in den letzten Jahren zunehmend mit der Frage beschäftigt, welches Erwerbspersonenpotenzial die mit- und nachreisenden Partner/innen aufgrund ihrer im Ausland erworbenen Bildung, beruflichen Erfahrung und hohen Erwerbsneigung in Deutschland mitbringen (Borowsky u.a. 2020; Kluß/Farrokhzad 2020). Dabei blieben jedoch die Zusammenhänge zwischen Familien- und Karrierearrangements im Migrationsprozess sowie die daraus resultierenden Herausforderungen und Bedarfe bisher nur unzureichend erforscht und verstanden.

Das Forschungsvorhaben setzt hier an und fragt danach, inwiefern und wie partnerschaftliche und familiale Aspekte der Tied Mover vonseiten unterschiedlicher Akteurinnen und Akteure im Feld der Anwerbung und Integration von Hochqualifizierten und Fachkräften sowie ihrer Familien in Deutschland wahrgenommen und berücksichtigt werden. Aus der Perspektive von Expertinnen und Experten werden sowohl die Migrationsfamilien als auch die Beratungs- und Unterstützungsangebote in den Blick genommen.

Borowsky, Christine/Schiefer, David/Neuhauser, Bastian/Düwell, Franck (2020): Erwerbskräftepotential von Personen im partnerschaftlichen Familiennachzug aus dem EU-Ausland und aus Drittstaaten. DeZIM Project Report 2/2020. Berlin

Kluß, Anno/Farrokhzad, Schahrzad (2020): Zugangswege und Unterstützungsbedarfe von Migrantinnen und ihren Familien aus dem EU-Ausland und aus Drittstaaten. Im Hinblick auf Qualifizierung und Erwerbsarbeit unter besonderer Berücksichtigung des Familiennachzugs. Expertise des Kompetenzzentrums für die Arbeitsmarktintegration von Müttern mit Migrationshintergrund im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Berlin

Mincer, Jacob (1978): Family Migration Decisions. In: Journal of Political Economy, 86. Jg., H. 5, 749-733

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