Aus geschlechterwissenschaftlicher Perspektive hat sie schon lange ausgedient: Die Geschlechtsrollentheorie aus den 1940er Jahren wird von den modernen Sozialwissenschaften und der Frauenforschung aus unterschiedlichen Gründen als unzulänglich und überholt kritisiert. Hartnäckig hält sich jedoch die Manifestierung traditioneller familialer Aufgabenteilung mit Blick auf die Ausübung von Erwerbs- und Familienarbeit, was in Ermangelung von Gleichstellungsbeauftragten für innerfamiliäre Aushandlungsprozesse oft genug zu Konflikten führt. Trotz großer Beharrungskräfte sind jedoch Ansätze erkennbar, die auf ein Aufweichen kulturell geprägter Zuschreibungen von Weiblichkeit und Männlichkeit, von Mutterschaft und Vaterschaft hindeuten. Ein Wandel, der von politischer Seite durch das Schaffen entsprechender Rahmenbedingungen unterstützt werden sollte: Frauenquote und Vätermonate sind ein Anfang.


PD DR. WALTRAUD CORNELIßEN

Wissenschaftliche Referentin in der Abteilung „Familie und Familienpolitik“ (Deutsches Jugendinstitut)

Geschlechterrollen oder die Konstruktion von Geschlecht in Wissenschaft und Praxis

Als Erklärung für die Arbeits- und Machtverteilung in Familien hat das Geschlechtsrollenmodell ausgedient. Von der Frauenforschung wird das von Parsons in den 1940er Jahren entwickelte Konzept wegen seiner Tendenz zu einer affirmativen Betrachtung der Geschlechterverhältnisse gemieden. Denn aus der Empirie lässt sich kein allgemeingültiges bipolares Bild von „Männlichkeit“ und „Weiblichkeit“ ableiten. Die Geschlechterforschung der letzten Jahrzehnte zeigt, dass die Kategorie Geschlecht in unterschiedlichen sozialen Kontexten auch unterschiedliche Deutungen erfährt. Die Familie scheint der Ort zu sein, an dem sich die von Parsons formulierten Zuschreibungen von Affektivität an Frauen und Instrumentalität an Männer besonders hartnäckig hält. Aber auch in diesem Feld zeichnen sich Veränderungen ab.

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DR. ANNA BUSCHMEYER

Wissenschaftliche Referentin der „Arbeitsstelle Gender“ (Deutsches Jugendinstitut)

Als Kind schon auf Mann geeicht? Alternative Männlichkeiten heute

Rund 20 Prozent der Ingenieur/innen in Deutschland sind Frauen, pädagogische Fachkräfte in Kindertageseinrichtungen sind hingegen nur zu maximal zehn Prozent Männer. Der jährlich veranstaltete Girls´ und Boys´ Day bemüht sich, jungen Menschen Alternativen zu den immer noch stark wirksamen Mustern bei der Berufswahl – wie Friseurin und Mechatroniker  – aufzuzeigen, mit mäßigem Erfolg. Frauen entscheiden sich zudem deutlich häufiger für eine Beschäftigung „in Teilzeit“, nicht zuletzt, um Beruf und Familie besser vereinbaren zu können, während für viele Männer eine Vollzeit-Erwerbsarbeit immer noch als das Merkmal von Männlichkeit gilt. Anna Buschmeyer zeigt jedoch, dass es zunehmend Männer gibt, die auf der Suche nach Alternativen zu traditionellen Vorstellungen von Männlichkeit sind, die Berufe wählen, die gemeinhin als ‚weiblich‘ gelten oder aktive Vaterschaft leben und so versuchen, „neue“ Formen von Männlichkeit zu etablieren. 

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DAGMAR MÜLLER

Wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Abteilung „Familie und Familienpolitik“ (Deutsches Jugendinstitut)

Karriere im Doppelpack – Egalitäre Muster bei Doppelkarrierepaaren

Die Egalitätsnorm ist Bestandteil des Selbstkonzepts junger, insbesondere höher qualifizierter Paare, allerdings in der Realität schwer einzulösen. Neben erschwerenden externen Bedingungen wie der Geschlechtersegregation am Arbeitsmarkt und der Entgeltungleichheit zwischen Frauen und Männern wirkt die oft noch traditionelle häusliche Arbeitsteilung als Hemmschuh für eine gleichberechtigte Teilhabe beider Partner an Beruf, Familie und öffentlichem Leben. Aber es gibt Lichtblicke: Einer wachsenden Zahl sogenannter Doppelkarrierepaare gelingt es, gleichberechtigt zwei berufliche Karrieren zu verfolgen und mit einem erfüllenden Privatleben zu vereinbaren.

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