Seit gut zehn Monaten haben Eltern in Deutschland ein Anrecht auf einen Platz für ihre Kleinkinder – in einer Kita oder bei einer Tagesmutter. Die befürchtete Klagewelle ist zwar ausgeblieben. Dennoch gibt es einzelne folgenreiche Urteile – besonders mit Blick auf Kostenerstattungen sowie die Vergleichbarkeit von Einrichtungen und Tagespflege. Auf jeden Fall ist aufgrund der veränderten Rechtslage ein „Ruck“ durch die kommunalen Reihen gegangen. Mancherorts wurde fieberhaft gebaut und ausgebaut, in Teilen herrscht aufgrund des demographischen Wandels und der Landflucht heute sogar ein Überangebot. Vielfach stimmen Angebot und Nachfrage hinsichtlich der Betreuungszeiten oder -umfänge nur unzureichend überein. Wie stark die Angebote und die Bedarfslage sowie die Wünsche der Eltern differieren – und zwar auf Landes- wie auf kommunaler Ebene, veranschaulicht der Betreuungsatlas 2013. Und neueste Auswertungen des DJI-Surveys AID:A untersuchen, ob der Rechtsanspruch möglicherweise einen Einstellungswandel zur Folge hat.


PROF. DR. REINHARD WIESNER

Rechtsanwalt (Berlin)

Rechtsprechung der Verwaltungsgerichte zur Durchsetzung des Rechtsanspruchs auf einen Betreuungsplatz für Kinder bis zu drei Jahren

Als im August 2013 der Rechtsanspruch von Eltern auf einen Betreuungsplatz für Kinder bis zu drei Jahren in Kraft trat, rechnete man vor allem in Großstädten mit einer Klagewelle. Die von Prof. Wiesner im Auftrag des Deutschen Jugendinstituts erstellte Expertise gibt einen Überblick über das tatsächliche Klageverhalten der Eltern und die Rechtsprechung der Verwaltungsgerichte mit besonderem Blick auf deren Auslegung des Rechtsanspruchs hinsichtlich der Entfernung zwischen Wohnort und Kita sowie Formen und Zeiten der Betreuung. DJI Online hat Prof. Wiesner zu möglichen Konsequenzen hinsichtlich Kostenerstattungen und Vergleichbarkeit von Kindertageseinrichtungen und Tagespflege befragt.
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EVA STRUNZ

Dortmunder Arbeitsstelle Kinder- und Jugendhilfestatistik im Forschungsverbund Deutsches Jugendinstitut/TU Dortmund

Betreuungsatlas 2013. Kindertagesbetreuung auf Ebene der 563 Jugendamtsbezirke

Bereits zum vierten Mal erscheint der Atlas mit zahlreichen Tabellen und kartographischem Material zur Betreuung von Kindern bis zu sechs Jahren in Kitas und Tagespflege. Auf der Basis amtlicher Daten aus dem Jahr 2013 gibt er detailliert und anschaulich Auskunft über die Inanspruchnahme, den Betreuungsumfang, die Gruppenformen und -größen sowie die Tagespflegepersonen und das eingesetzte pädagogische Personal in den Einrichtungen der einzelnen Jugendamtsbezirke. Ziel ist es, die große Nachfrage seitens Politik und Verwaltung nach regional aufgeschlüsselten Daten zu bedienen und den Planungsverantwortlichen vor Ort ein Instrument der Vergleichbarkeit und eine Grundlage für eine passgenaue Steuerung an die Hand zu geben.
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DR. ANNE BERNGRUBER, DR. CHRISTIAN ALT, SANDRA HUBERT

Zentrum für Dauerbeobachtung und Methoden (Deutsches Jugendinstitut)

Auswirkungen des Ausbaus und des Rechtsanspruchs auf die Einstellungen der Eltern zur Kindertagesbetreuung

Die beiden Befragungswellen der DJI-Surveyforschung AID:A (Aufwachsen in Deutschland: Alltagswelten) 2009 und 2013/2014 sowie jährliche Zusatzuntersuchungen des DJI zum Kinderförderungsgesetz (KiföG) geben für einen Zeitraum von fünf Jahren Aufschluss über die Einschätzungen zum „kindgerechten“ Aufwachsen im Kontext von privater und öffentlicher Betreuung von Eltern mit Kindern unter drei Jahren. Dabei ist es erstmals möglich, elterliche Einstellungen zur Betreuung von Kindern in den Jahren während des Ausbaus und kurz nach dem Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz für ein- und zweijährige Kinder im August 2013 zu untersuchen. Der Beitrag stellt dar, ob und wie sich der zunehmende Ausbau sowie die geänderte Rechtslage auf die elterliche Akzeptanz für eine öffentliche Kinderbetreuung auswirken.
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