Kinder sind teuer. An die 120.000 Euro werden im Schnitt in den Nachwuchs investiert, bis er volljährig ist. Besitzt ein Ehepaar ohne Kinder durchschnittlich ein Nettovermögen von 108.000 Euro, so verfügt ein Paar mit zwei Kindern nur über 50.000 Euro. Besonders schlecht stehen Alleinerziehende da: Ein Single mit zwei Kindern verfügt im Mittel nur über 21.000 Euro. Sind Kinder also ein Armutsrisiko? Eine an sozialer Gerechtigkeit ausgerichtete Familienpolitik müsste das verhindern. Aber greifen die rund 150 familienpolitischen Maßnahmen, für die der Staat pro Jahr rund 125 Mrd. Euro ausgibt? Was kann getan werden, um armen Familien dauerhaft aus der Arbeitslosigkeitsspirale zu helfen, aber auch Mittelstands-Familien vor dem Abrutschen in die Armut zu schützen. Ein ökonomischer Blick auf Familien in Not und eine Suche nach Alternativen und Perspektiven.


DR. KARIN JURZCYK

Leiterin der Abteilung „Familie und Familienpolitik“ am Deutschen Jugendinstitut

Ziele und Leistungen von Familienpolitik – wirksam gegen Familienarmut?

Obgleich die familienpolitischen Leistungen in Deutschland relativ hoch sind und Deutschland im Vergleich zu anderen europäischen Ländern ökonomisch gut dasteht, ist gleichzeitig die Armutsquote von Familien und Kindern erstaunlich hoch. Die Vermeidung von Kinderarmut sowie die Eröffnung von Teilhabe- und Entwicklungschancen für die Betroffenen gehören deshalb zu den größten familienpolitischen Herausforderungen. Wie trägt die Familienpolitik zur Armutsprävention und -bekämpfung bei? Bei einer genauen Betrachtung der aktuellen familienpolitischen Maßnahmen und vor allem der Zusammensetzung des Finanztableaus familienpolitischer Leistungen zeigt sich, dass etliche sinnvolle Einzelmaßnahmen nicht deren prinzipielle Webfehler aufheben können: Dies sind vor allem auf monetärer Ebene das große Gewicht auf steuerliche und ehebezogene Entlastungen sowie die auf infrastruktureller und zeitpolitischer Ebene nach wie vor mangelhafte partnerschaftliche Vereinbarkeitspolitik. Vor diesem Hintergrund werden abschließend familienpolitische Vorschläge dargestellt, wie Familienarmut effektiver und effizienter verhindert werden könnte.

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DAGMAR KOENIGSBECK UND MARIA BURSCHEL

Wissenschaftliche Mitarbeiterinnen der Abteilung „Familie und Familienpolitik“ am Deutschen Jugendinstitut

Der Arbeitslosigkeitsspirale entkommen - Kommunale Strategien gegen Armut

Das Deutsche Jugendinstitut hat drei Jahre lang zwei Modellprojekte in Nürnberg und Fürth begleitet, die eine verbesserte Zusammenarbeit von Jugendhilfe einerseits und Arbeitsmarktintegration andererseits sowie eine Unterstützung von belasteten Familienerproben. Ziel der Projekte „Perspektiven für Familien“ in Nürnberg und TANDEM in Fürth ist, von Arbeitslosigkeit betroffene Familien in der Region darin zu unterstützen, ihren Alltag zu managen, sich dem Arbeitsmarkt anzunähern und so ihre Gesamtsituation zu verbessern. Beide Projekte sind Teil des von der Bayerischen Staatsregierung aufgelegten Strukturprogramms Nürnberg-Fürth und werden unter anderem vom Bayerischen Staatsministerium für Arbeit, Soziales, Familie und Integration sowie von den Städten Nürnberg und Fürth gefördert.

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DR. WALTER BIEN

Leiter des DJI-Zentrums für Dauerbeobachtung und Methoden

Wie können Familien vor Armutsgefährdung geschützt werden?

Viele Familien, die heute in relativem Wohlstand in Deutschland leben, sind permanent von Armut bedroht. Als Faktoren, die ein Abrutschen aus dem „prekären Wohlstand“ in die Armut begünstigen nennt Dr. Walter Bien neben dem Verlust des Arbeitsplatzes eine Trennung der Eltern. Er plädiert daher dafür, Beratungsangebote für Eltern zu konzipieren und diese auch zu nutzen, und insgesamt für mehr Gelassenheit und realistischere Ansprüche sowohl gegenüber dem Ehepartner als auch gegenüber der Gesellschaft, da Deutschland im internationalen Vergleich sehr gut dastehe.

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LINKS UND LITERATUR

Hintergrundmaterial und Lektüretipps aus DJI-Forschungskontexten