Gespräch mit Dr. Andrea G. Müller, DJI

 Frau Dr. Müller, was hat sich an der Rolle von Kindern verändert?

Die Sensibilität für die Perspektiven von Kindern hat insbesondere in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Es werden zunehmend mehr Studien durchgeführt, die an der Sicht von Kindern auf die Welt interessiert sind und die nach den Einstellungen und Einschätzungen von Kindern fragen – wie beispielsweise unsere Längsschnittstudie, das DJI-Kinderpanel und kürzlich die 1. World Vision Studie zu aktuellen Wünschen der Kinder.

Haben Kinder heute mehr Freizeit als früher?

In der kindlichen Entwicklung hat die Freizeit einen besonderen Stellenwert. Dabei handelt es sich um Zeiträume, in denen Kinder ihren Interessen nachgehen, sich ausprobieren etc. Neben weniger strukturierten Aktivitäten, nehmen viele Kinder zunehmend auch an organisierten Freizeitaktivitäten teil. Dazu gehört der Besuch von Sportvereinen ebenso wie die Teilnahme am Unterricht in einer Musikschule. Wichtig ist es hier, für jedes einzelne Kind die richtige Balance zwischen organisierten und freien Zeiten zu finden.

Wie gestaltet sich das Verhältnis zwischen Freizeit und Schule?

Insgesamt kann man davon ausgehen, dass die Erwartungen an Kinder gestiegen sind. Eltern formulieren hohe Anforderungen an ihre Kinder und wünschen sich und ihnen, dass sie später erfolgreich in Studium und Beruf sind. Für einige Kinder können diese Anforderungen mit zusätzlichem Stress verbunden sein. Bereits in der Schule gibt es viele Aktivitäten, die einen Ausgleich zum Lernen bereitstellen. Das können interessante Unterrichtsprojekte oder kreatives Arbeiten und Bewegung sein. Die richtige Freizeitgestaltung mit Sport und Bewegung aber auch mit musischen Tätigkeiten trägt ebenfalls dazu bei, dass Kinder mit diesen Anforderungen besser umgehen können.

Welche anderen Entwicklungen sind gegenwärtig zu beobachten?

Wie der aktuelle Kinder-Report 2007 des Deutschen Kinderhilfswerks zeigt, leben zunehmend mehr Kinder in Armut. Diese Beobachtung sollte uns aufhorchen lassen. Für Kinder, die in Armut leben, ist mit langfristigen Benachteiligungen zu rechnen. Kinder, die in ungünstigeren Lebensverhältnissen aufwachsen, haben in der Regel geringere Bildungschancen als Kinder, die in vergleichsweise besseren Umwelten aufwachsen. Sie besuchen häufig schlechtere Schulen und haben schlechtere Ausbildungschancen.

Zusätzlich zu der schlechteren ökonomischen Situation besteht für benachteiligte Kinder auch ein höheres gesundheitliches Risiko. Diese Kinder ernähren sich in der Regel ungesünder und bewegen sich weniger als Kinder in vergleichsweise besseren Lebenslagen. Diese Unterschiede scheinen sich über die Zeit weiter zu verfestigen. Es ist dringend zu überlegen, wie die Lebenslage von Kindern mit Armutsrisiko verbessert werden kann.

Frau Dr. Müller, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.

UN-Konvention zu Kinderrechten DJI Abteilung Kinder und KinderbetreuungDJI KinderpanelDJI Thema: Kinderarmut DJI Thema: Kinderschutz verbessern DJI Thema: Kinder-Krippen-Kosten

 

 

DJI Online / Stand: 20. November 2007

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