Menschen im Profil

Dr. Susanne Nothhafft, DJI

Susanne Nothhafft wächst in der fränkischen Metropole Nürnberg auf. Dort wird sie 1968 geboren, besucht Grundschule und Gymnasium. Während der Kollegstufenzeit fährt sie bereits nach München, um an der Universität Vorlesungen zu besuchen. Besonders die von Philosophie-Professor Robert Spaemann beeindrucken die Schülerin. Nach dem Abitur schreibt sie sich 1987 an der Ludwig-Maximilians-Universität in München für die Fächerkombination Germanistik, Romanistik und Philosophie ein. Ausgelöst durch das Gefühl, dass die Philosophie zu sehr im "Elfenbeinturm" sitzt, von dem aus sich die Welt nicht wirklich verbessern lässt, wechselt Susanne Nothhafft nach zwei Jahren und beginnt 1989 mit dem Studium der Rechtswissenschaften - verbunden mit der Hoffnung, sich in dieser Disziplin mit Steuerungsinstrumenten vertraut zu machen, die in der Praxis effektiver "der Verteidigung der weniger Privilegierten" dienen können.

Obwohl der jugendliche Weltverbesserer-Schwung mit den Jahren mit einer größeren Realismus-Portion angereichert wird, zieht das Interesse an sozio-politischen Fragestellungen durch ihr gesamtes Jurastudium, was nicht immer leicht ist, weil Grenzgänger in der doch eher konservativen Disziplin auch Irritationen erzeugen. Ihre Studienschwerpunkte liegen dort, wo sich Schnittstellen zwischen rechtlichen und psycho-sozialen Fragestellungen ergeben. Dies zeigt sich auch an den Wahlfachgruppen für die Staatsexamina: Im ersten Staatsexamen ist die Fachgruppe Kriminologie / Soziologie vertiefter Prüfungsbereich, im zweiten Examen sind es die Bereiche Justiz und Jugendstrafrecht.

Als Rechtsreferendarin arbeitet Susanne Nothhafft von März 1995 bis Juni 1997 in unterschiedlichen Kontexten, u.a. für die Staatsanwaltschaft am Landgericht München I, in einer Fachanwaltskanzlei für Strafrecht, am Lehrstuhl für die gesamten Strafrechtswissenschaften der LMU, in der Stelle für interkulturelle Angelegenheiten (damals Ombudsstelle) der Stadt München und dem Sozialreferat der Stadt München. Hier kann Susanne Nothhafft neben "klassischen" juristischen Fragestellungen immer wieder ihr soziologisches Wissen einbringen. Diese Schnittstellen-Expertise erweist sich in der Praxis als besonders wertvoll.

Nach dem 2. juristischen Staatsexamen beginnt Susanne Nothhafft 1997 mit der Dissertation bei ihrem Doktorvater Professor Horst Schüler-Springorum, den sie als Lehrer, Wissenschaftler und Mensch sehr schätzt: diese Arbeit verbindet die Felder Rechtstheorie und Soziologie bei der Suche nach Formen alternativer Rechtsfindungsprozesse wie etwa der Partizipation am Beispiel der Peer Mediation.

Um die Prozesse autonomieorientierter Konfliktlösung nicht nur wissenschaftlich zu untersuchen, sondern auch praktisch umzusetzen, beginnt Susanne Nothhafft schon während des Studiums an den ersten in Deutschland dazu angebotenen Fortbildungen teilzunehmen. In der Zeit des Referendariats absolviert sie die einjährige, berufsbegleitende Grundqualifikation der Deutschen Bewährungshilfe (DBH) zur Konfliktberaterin, knüpft internationale Arbeitskontakte (Mediation UK, iiSjL OHati, Berghof Stiftung) und kann diese durch einen Studien- und Arbeitsaufenthalt in Frankreich vertiefen. So arbeitet sie in Chambery bei einem Rechtsanwalt und in einer gerichtsnahen Beratungsstelle (ARESO). Ziel dieser dort angeregten, beraterischen Intervention ist eine umfassende, nachhaltige Konfliktlösung in familiären wie strafrechtlich relevanten Auseinandersetzungen. Im Jahr 2001 erhält sie vom Bundesverband Mediation e.V. die Anerkennung als Mediatorin und Trainerin für Mediation.

Parallel zur Arbeit an ihrer Dissertation beginnt Susanne Nothhafft 1997 ihre Tätigkeit bei der BRÜCKE e.V. und baut dort die Fachstelle für Täter-Opfer-Ausgleich und Konfliktsschlichtung maßgeblich mit auf. Die Fachstelle ist bundesweit eine der ersten Einrichtungen, die den Täter-Opfer-Ausgleich nicht nur für Jugendliche, sondern auch für Erwachsene anbietet. Aufgrund stark anwachsender Fallzahlen vor allem aus dem Bereich des sozialen Nahraums (Ehe/Partnerschaft/Familie) entwickelt Susanne Nothhafft mit einem interdisziplinären Team (SozialarbeiterInnen, FamilientherapeutInnen, Juristin/Mediatorin) eine für diesen Bereich spezifische Methodik. Die hohe Komplexität der Konfliktlagen erfordert eine Erweiterung des mediativen Prozesses durch Beratungs- und Clearingmodule sowie eine Vertiefung der Methodik durch Strukturelemente wie z. B. das reflecting team, durch Elemente aus der lösungsorientierten Kurzzeittherapie sowie aus der systemischen Familientherapie.

Diesen Methodenansatz sowie die aus der Anwendung erwachsenden Erfahrungen gibt Susanne Nothhafft seit 1998 regelmäßig in Trainings und Vorträgen im gesamten deutschsprachigen Raum weiter.

Um sich noch intensiver mit dem Thema der Gewalt im Geschlechterverhältnis und in der Familie zu beschäftigen, absolviert Susanne Nothhafft 1998 und 1999 praxisorientierte Fortbildungen zur Traumatologie.

Ihre zahlreichen Veröffentlichungen reflektieren die intensive Bearbeitung von psycho-sozialen und rechtlichen Fragestellungen, die sich u. a. aus dem Querschnittsbereich der Häuslichen Gewalt ergeben: so u.a. zur anwendungsorientierten Umsetzung des Gewaltschutzgesetzes, zur Problematik mediativer Interventionen bei gewaltbelasteten Paarbeziehungen und Familien, zu Verteidigungsstrategien für Frauen, die ihren Peiniger töten und zur Verbesserung des Opferschutzes in strafrechtlichen Verfahren.

Auf Einladung des Deutschen Juristinnenbundes (DJB) ist Susanne Nothhafft seit 2000 Mitglied des Arbeitsstabes "Gewalt gegen Frauen und Kinder", der für den Gesetzesentwurf und die bundesweite Umsetzung des neuen Gewaltschutzgesetzes zuständig ist. Im Rahmen dieses Arbeitsauftrags entstehen zahlreiche Stellungnahmen für den Rechtsausschuss des Bundestages und des Bundesrates.

Darüber hinaus bewertet Susanne Nothhafft seit 2001 als Expertin im Rahmen der Strafrechtskommission u.a. den Entwurf der Bundesregierung zur Reform des Sanktionenrechts und des Sexualstrafrechts, die Umsetzung der EU-Richtlinien zum Menschenhandel und zur Verbesserung des Opferschutzes.

2004 gründet Susanne Nothhafft das Institut für Mediation, Konfliktmanagement und Ausbildung (IMKA). In Referaten und Trainings sowie als Lehrende an Fachhochschulen und Universitäten vermittelt Susanne Nothhafft zum einen die rechtlichen Zugänge aufbereitet für die beraterische Arbeit. Zum anderen sensibilisiert sie JuristInnen für die psycho-sozialen Dynamiken, die hinter den herkömmlichen rechtlichen Fragestellungen z. B. des Familienrechts stehen.

Seit Januar 2007 verstärkt Susanne Nothhafft das Team des Informationszentrums Kindesmisshandlung/Kindesvernachlässigung (IzKK) am Deutschen Jugendinstitut in München. In ihren Zuständigkeitsbereich fallen insbesondere die nationalen und internationalen Rechtsgrundlagen für den Schutz von Kindern vor Gewalt, Vernachlässigung und sexueller Ausbeutung.

Susanne Nothhafft ist verheiratet und hat einen Sohn.


Kontakt
Dr. Susanne Nothhafft

DJI Online / Stand: 1. Mai 2010

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