Gespräch mit Peggy Szymenderski

Foto Peggy SzymenderskiFrau Szymenderski, Sie sind im September letzten Jahres als Stipendiatin ans DJI nach München gekommen. Wie sind Sie auf das Stipendiaten-Programm aufmerksam geworden?
Durch den Verteiler an der Technischen Universität Chemnitz, Professur für Industrie- und Techniksoziologie. Mein Professor an der TUC, Günter Voß, und Frau Jurczyk vom DJI haben früher in der Projektgruppe Alltägliche Lebensführung zusammen gearbeitet. So kam der Kontakt zustande.

Und warum haben Sie sich beworben?
Das Thema, also Familienleben und Erwerbsarbeit in Ost- und Westdeutschland, hat mich sehr interessiert. Ich habe mich schon während meines Studiums im Schnittfeld von Familien- und Arbeitssoziologie bewegt. Zudem war ich leider nach dem Abschluss des Studiums bei der Jobsuche erfolglos. Daher habe ich mir durch das Praktikum auch einen möglichen Berufseinstieg erhofft.

Welche Leistungen umfasste das Stipendium?
Das Praktikum lief über drei Monate. Jetzt kann man auch für sechs Monate ein Praktikum am Institut machen. Das Stipendium beträgt für unter 30jährige 600 Euro monatlich plus 100 Euro Sach- und Reisekosten. Aufgrund der prekären Wohnsituation in München erhält man außerdem eine einmalige Wohnbeihilfe von 500 Euro.

Welches Thema hatte Ihr Forschungsprojekt?
Mein Praktikum war im Kontext des Projekts "Zukunftsfähigkeit von Familie" angesiedelt. Es hatte zum Thema: "Zwei Welten? Leben und Arbeiten in Ost- und Westdeutschland". Ziel der Praktikumsarbeit war einerseits, Einblicke in die familiale Situation der DDR bis 1989 zu vermitteln und andererseits markante Veränderungen seit der Wiedervereinigung von DDR und alter Bundesrepublik zu skizzieren.

Hat denn eine Annäherung zwischen Ost- und Westdeutschland stattgefunden? Oder leben die deutschen Familien immer noch in "getrennten Welten"?
Es haben seit der Wiedervereinigung von DDR und alter Bundesrepublik Annäherungen stattgefunden, insbesondere bei den Kindern und Jugendlichen. Daneben gibt es aber immer noch deutliche Differenzen in der Lebensführung von ost- und westdeutschen Familien. Insbesondere die verstärkten Beharrungstendenzen ostdeutscher Frauen und Mütter in Hinblick auf Erwerbsarbeit, -orientierung und die bevorzugten Konstellationen in der Balance von Erwerbsarbeit und Familie fallen auf. Diese Differenzen sind Folge zweier unterschiedlicher Erwerbskulturen in Deutschland, die in den unterschiedlichen Situationen in beiden deutschen Staaten vor der Wende begründet liegen.

Wer war während des Forschungsstipendiums Ihr Betreuer am DJI?
Vorrangig PD Dr. Andreas Lange, aber auch Dr. Karin Jurczyk, die Leiterin der Abteilung Familie und Familienpolitik.

Wie haben Sie die "Zusammenarbeit" empfunden?
Beide haben mich mit zahlreichen hilfreichen und kritischen Anmerkungen und Anregungen bei der Erstellung meiner Praktikumsarbeit unterstützt. Ich habe mich sehr gut betreut gefühlt.

Sie sind noch während des Stipendiums als wissenschaftliche Hilfskraft vom DJI übernommen worden. Ein Glücksfall?
Für mich ja, gerade weil ich mich weiterhin in meinen beiden Interessensgebieten - Soziologie der Arbeit und Familie - bewegen kann.

Woran arbeiten Sie jetzt?
Derzeit arbeite ich zusammen mit Frau Jurczyk sowie Herrn Lange und in Kooperation mit der Technischen Universität Chemnitz (Günter Voß und Cornelia Brinkhoff) an der Beantragung des Projekts "Entgrenzte Arbeit - entgrenzte Familie. Neue Formen der praktischen Auseinandersetzung mit dem Spannungsfeld Arbeit und Familie". Außerdem habe ich mit meiner Promotionsarbeit begonnen. Dabei möchte ich die Bedeutung von Gefühlen und emotionalen Prozessen in der familialen Lebensführung und im Spannungsfeld von Familie und Erwerbsarbeit genauer unter die Lupe nehmen.

Das Gespräch führte DJI-Themen-Redakteurin Susanne John.