DJI Pressemitteilungen https://www.dji.de/presse-rss.xml Pressemitteilungen des Deutschen Jugendinstitut e.V. de-de Deutsches Jugendinstitut e.V. Sat, 10 Dec 2022 02:38:36 +0100 Sat, 10 Dec 2022 02:38:36 +0100 TYPO3 EXT:news news-1221 Thu, 08 Dec 2022 12:32:00 +0100 Aufwachsen von Jugendlichen mit Behinderung https://www.dji.de/veroeffentlichungen/pressemitteilungen/detailansicht/article/aufwachsen-von-jugendlichen-mit-behinderung.html Deutschlandweite Befragung von fast 2.700 Jugendlichen mit Behinderung zeigt Vielfalt ihrer Lebenswelten Jugendlichen mit geistiger Behinderung droht es, von der digitalen Transformation der Gesellschaft ausgeschlossen zu werden. Und inklusiv beschulte Jugendliche erleben häufiger Ausgrenzung oder Diskriminierung in der Schule als diejenigen in Förderschulen. Dies sind zwei Ergebnisse der breit angelegten Studie „Aufwachsen und Alltags­erfahrungen von Jugendlichen mit Behinderung“, die das Deutsche Jugendinstitut (DJI) im Auftrag der Baden-Württemberg Stiftung durch­geführt hat. Fast 2.700 Jugendliche mit Behinderung der siebten bis zehnten Klasse wurden hierfür deutschlandweit zu den Themenbereichen Freizeit, Freundschaften und soziale Beziehungen sowie Autonomie und Verselbst­ständigung befragt.

Als Hinweis auf die Form der Beeinträchtigung wurde der sonderpäda­gogische Förderbedarf herangezogen. Dieser gliedert sich in die Kategorien Sehen, Hören, Sprache, Lernen, körperliche und motorische Entwicklung, emotionale und soziale sowie geistige Entwicklung. Etwa ein Drittel der Teilnehmenden hat zwei oder mehr Förderbedarfe.

„Unsere Ergebnisse zeigen, dass Jugendliche mit Behinderung eine heterogene Gruppe darstellen, deren Lebenssituationen sehr vielfältig sind“, betont Dr. Shih-cheng Lien, die gemeinsam mit George Austin-Cliff und Johann Hartl die Studie am DJI leitete.  „Wir sehen schon an vielen Stellen einen Zusammenhang zwischen den Erfahrungen der jungen Menschen einerseits und der Form und dem Grad der Beeinträchtigung andererseits; aber auch andere Faktoren wie zum Beispiel die Wohn­situation können eine erhebliche Rolle spielen. Jugendliche, die in einem Wohnheim oder Internat wohnen, berichten häufiger als diejenigen, die mit ihrer Familie leben, dass sie zu viel Freizeit alleine verbringen; die gleiche Tendenz zeigt sich auch bei Jugendlichen mit emotionalen und sozialen Schwierigkeiten im Vergleich zu Jugendlichen mit anderen Formen von Beeinträchtigung.“ Um Barrieren zu erkennen und anschließend abzu­bauen, ist daher immer eine differenzierte Betrachtung der konkreten Lebenslagen erforderlich.

Die Baden-Württemberg Stiftung hatte die Studie in Auftrag gegeben, um Jugendliche mit Behinderung stärker in den Fokus zu rücken und erstmals eine überregionale Beschreibung von deren Lebenssituation zu erhalten. „Die Studie liefert wichtige Erkenntnisse, um die Alltags-, Bildungs- und Freizeiterfahrungen junger Menschen mit Behinderung zu verbessern“, sagt Christoph Dahl, Geschäftsführer der Baden-Württemberg Stiftung. „Wir werden uns die Ergebnisse ganz genau anschauen und überlegen, wo wir programmatisch anknüpfen können.“

Jugendliche mit geistiger Behinderung sind häufig von digitaler Teilhabe ausgeschlossen

93 Prozent der Befragten sagen, dass sie ein eigenes Smartphone haben. Andere, allgemeine Jugendstudien kommen auf einen vergleichbar hohen Anteil, was nahelegt, dass dieses für soziale Teilhabe unverzichtbare Gerät genauso wie bei allen anderen auch zu einem Bestandteil des Alltags von Jugendlichen mit Behinderung geworden ist. Dennoch zeichnen sich Hürden bei der digitalen Teilhabe vor allem bei Jugendlichen mit geistiger Behinderung sowie bei Jugendlichen mit mehreren Formen von Beein­träch­tigung ab. Zum einen besitzen sie seltener als der Durchschnitt der Befragten ein eigenes Smartphone und sind im Internet weniger aktiv. Zum anderen wird ihr Internetverhalten häufiger von Erwachsenen überwacht. „Heutzutage setzt soziale Teilhabe digitale Teilhabe voraus, weswegen eine stärkere und differenzierte Förderung der Medienkompetenzen der Jugendlichen notwendig ist“, meint George Austin-Cliff. Um technische Benachteiligungen abzubauen, sollte zudem bei der Entwicklung neuer Hard- und Software Barrierefreiheit konsequenter mitgedacht werden, etwa durch alternative Darstellungs- und Steuermöglichkeiten.

Ausgrenzung oder Diskriminierung erfolgen häufig in der Schule

Wichtige soziale Orte Jugendlicher sind Schulen. Wenn Jugendliche mit Behinderung Ausgrenzung oder Diskriminierung erfahren, erleben sie diese meist dort. Davon sind Jugendliche in inklusiven Regelschulen häufiger betroffen als Jugendliche in Förderschulen. „Vor allem in den Regelschulen müssen Lehr- und Fachkräfte unterstützt werden, um Ausgrenzung frühzeitig zu erkennen und dem entgegenzuwirken. Auch braucht es tragfähige Schutzkonzepte, damit etwa Schülerinnen und Schüler, mit und ohne Behinderung, lernen, mit Vielfalt und Differenz umzugehen“, erklärt Johann Hartl. Zentral hierfür ist ebenfalls die Förderung einer allgemeinen Haltung, die gesellschaftliche Vielfalt wertschätzt und Menschen mit Behinderung in ihrer Gleichberechtigung anerkennt.

An Kolleginnen und Kollegen richten die DJI-Forschenden die Empfehlung, Inklusivität als Gütekriterium für das eigene Forschungshandeln anzuer­kennen und bisher nicht berücksichtigte Gruppen junger Menschen künftig systematisch einzubeziehen. Sozialwissenschaftliche Jugendforschung, die den Anspruch erhebt, soziale Wirklichkeit empirisch zu beschreiben, kann davon nur profitieren. Bisher galt es beispielsweise als schwer umsetzbar, Jugendliche mit unterschiedlichen Formen von Beeinträchtigungen in großer Zahl direkt zu befragen. Die Forschenden des DJI entwickelten des­halb einen Fragebogen, der in unterschiedlichen Modi angeboten und in Umfang und Komplexität angepasst werden konnte.


Ergebnisbericht der Studie "Aufwachsen und Alltagserfahrungen von Jugendlichen mit Behinderung"Ergebnisfolien der Abschlusstagung im Mai 2022Projekt-Website des DJIProjekt-Website der Baden-Württemberg Stiftung


Kontakt
Dr. Shih-cheng Lien
Abteilung Jugend und Jugendhilfe
lien@dji.de
Tel.: 089/62306-389

Martin Kern
Abteilung Medien und Kommunikation
mkern@dji.de
Tel.: 089/62306-397

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news-1209 Tue, 08 Nov 2022 13:30:00 +0100 Die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen stärken https://www.dji.de/veroeffentlichungen/pressemitteilungen/detailansicht/article/die-psychische-gesundheit-von-kindern-und-jugendlichen-staerken-1.html Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des DJI stellen bei der Jahrestagung am 8. und 9. November 2022 aktuelle Forschungsergebnisse und -projekte vor Die COVID-19 Pandemie hat insbesondere die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen mitunter stark beeinträchtigt und soziale Unterschiede verschärft. Dies zeigt sich auch an wichtigen Weichenstellungen in Bildungsverläufen, wie zum Beispiel am Übergang von der Grundschule auf die weiterführende Schule und von der Schule in die Ausbildung. Die wissenschaftliche Jahrestagung 2022 des Deutschen Jugendinstituts (DJI) am 8. und 9. November 2022 in Berlin befasst sich mit Risiken für junge Menschen in verschiedenen Lebensphasen und mit wirksamer Prävention vor sich verstetigender Benachteiligung – von der Familie über die Kita und die offene Jugendarbeit bis zum Internet.

„Viele junge Menschen und ihre Eltern haben in den letzten Jahren stark unter den Einschränkungen der Pandemie gelitten. Deshalb gilt es nun, das Thema psychische Gesundheit in allen Bildungsangeboten aufzugreifen – in den Kitas, in den Schulen und auch in der Kinder- und Jugendhilfe“, sagt DJI-Direktorin Prof. Dr. Sabine Walper. „In der Forschung untersuchen wir, ob sie die Alltags-, Gesundheits- und digitalen Kompetenzen haben, die sie für ein gesundes Aufwachsen benötigen und entwickeln Ansätze, diese zu stärken“. Sabine Walper hält den Eröffnungsvortrag der wissenschaftlichen Jahrestagung des DJI und tauscht sich mit Ekin Deligöz, Parlamentarische Staatssekretärin bei der Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, in einem Podiumsgespräch darüber aus, wie Forschung für politische Entscheidungen nutzbar gemacht werden kann.

Die im Folgenden ausgewählten Forschungsergebnisse, die neben vielen weiteren auf der DJI-Jahrestagung präsentiert werden, geben anhand empirischer Daten wichtige Impulse für Politik und Praxis.

Verhaltensprobleme bei Kindern und Jugendlichen haben erneut zugenommen

Wie das psychische Wohlbefinden von Kindern und Jugendlichen während der COVID-19 Pandemie beeinträchtig wurde und immer noch beeinträchtigt wird, zeigen Daten aus der DJI-Studie „Kind sein in Zeiten von Corona“ und neue Auswertungen des DJI-Surveys „Aufwachsen in Deutschland: AIltagswelten“, kurz AID:A. Bei den 3- bis 17-Jährigen haben während der Pandemie im Jahr 2020 und erneut im Herbst 2021, also lange nach den strikten Lockdowns, Verhaltensprobleme zugenommen. Mehr emotionale Reaktionen wie Weinen, Rückzug, Kopf- und Bauchmerzen, Probleme mit Gleichaltrigen, Hyperaktivität und Konzentrations­schwierigkeiten stellen die befragten Eltern bei ihren Kindern im Vergleich zur Befragung vor Corona im Jahr 2019 fest.

Dies betrifft diejenigen jungen Menschen am stärksten, die bereits zuvor benachteiligt waren, weil ihre Eltern finanziell belastet sind, über einen geringeren Bildungsabschluss verfügen, oder einen Migrationshintergrund haben und deshalb mit der deutschen Sprache und dem Bildungssystem hierzulande weniger vertraut sind. „Da für die Bewältigung emotionaler Probleme insbesondere bei jüngeren Kindern die Eltern eine wichtige Rolle spielen, kommt die Benachteiligung hier doppelt zum Tragen“, sagt DJI-Wissenschaftlerin und Studienleiterin Dr. Alexandra Langmeyer. Deshalb plädiert die Leiterin der Fachgruppe „Lebenslagen und Lebenswelten von Kindern“ für eine gezielte Entlastung von benachteiligten Familien und den Ausbau der Familienhilfe.

Trotz Anstrengungen werden Familien in prekären Lebenslagen an Grundschulen kaum erreicht

Wie schwierig es ist, benachteiligte Familien zu erreichen, zeigt auch die soeben veröffentlichte DJI-Studie „Zusammenhänge zwischen prekären Lebenslagen und Bildungsverläufen“ zum Übergang von Grundschul­kindern auf weiter­führende Schulen. Im Rahmen der Studie wurden Schulleitungen, Lehrkräfte und Schulsozialarbeiterinnen und -arbeiter an vier Münchner Grundschulen unter anderem zur Gestaltung des Übertritts und zur Zusammenarbeit mit finanziell belasteten Familien befragt. Eltern und Kinder gaben Auskunft zu ihren Bildungszielen, ihrer Lebenslage sowie zur Kenntnis und Nutzung von unterstützenden Angeboten.

Die Ergebnisse zeigen, dass sich Kinder aus diesen Familien zwar häufig einen Übertritt auf die Realschule oder das Gymnasium wünschten und ihre Eltern eignen Angaben nach versuchten, sie dabei zu unterstützen. Sie stießen dabei jedoch an ihre Grenzen, unter anderem aufgrund mangelnder Sprachkenntnisse, fehlendem Wissen über die für den Übertritt aufs Gymnasium zu erbringenden Leistungen und erschwertem Zugang zu Übungsmaterialien und Nachhilfe. Die Kinder erreichten den gewünschten Übertritt letztlich nicht oder nur schwer, obwohl seitens der Schulen Anstrengungen unternommen wurde, auch Kinder aus finanziell belasteten Familien zu erreichen.

Die Interviews mit den Befragten geben Aufschlüsse über die Hintergründe der mangelnden Zusammenarbeit: So beklagten die Schulakteure, die Eltern nicht zu erreichen. Diese fühlten sich wiederum mit den schulischen Anforderungen alleingelassen. Armut und Ressourcenknappheit bei den Familien wurde häufig nicht wahrgenommen und die Familien gingen aus Angst vor Stigmatisierung nicht offen damit um. Zudem fehlten aus Sicht der Lehrkräfte und der Eltern unterrichtsbezogene und lernunterstützende Angebote wie Nachhilfe, Förder- und Sprachkurse.

„Letztlich kann nur sichergestellt werden, dass die Angebote zur Förderung der Kinder genutzt werden, wenn sie für möglichst alle Kinder verfügbar sind“, konstatieren die Studienleiterinnen Dr. Claudia Zerle-Elsäßer und Dr. Christine Steiner. Sie empfehlen daher beispielsweise Standardangebote zur Förderung an Schulen zu etablieren, außerunterrichtliche Angebote stärker mit dem Fachunterricht zu verbinden sowie eine intensivere Vernetzung der Schulen mit der Jugendsozialarbeit, Horten, Vereinen, anderen Schulen und auch Migranten-Selbstorganisationen im jeweiligen Sozialraum.

Berufswahlprozesse wurden in Pandemiezeiten verzögert

Eine wichtige Weiche in der Bildungsbiografie junger Menschen ist auch der Übergang von der Schule in Ausbildung und Beruf. DJI-Forschende untersuchten, wie sich Übergangswege bei Jugendlichen an Haupt- und Realschulen durch die Pandemie verändert haben, indem sie Befragungsdaten zweier Kohorten vor und während Corona miteinander verglichen. Die Ergebnisse zeigen, dass Berufswahlprozesse in Pandemiezeiten verzögert wurden: Während die Nachfrage nach Ausbildungsplätzen abnahm, stieg der Anteil an Jugendlichen, der eine weiterführende Schule besuchte.

Gleichzeitig trafen die jungen Menschen die Übergangsentscheidung weniger selbstbestimmt: Der Anteil derjenigen, der diese Wahl als Notlösung bezeichnete, hat sich in der Corona-Kohorte verdoppelt. Mehr Autonomie und Kontinuität im Berufswahlprozess empfanden hingegen diejenigen, die einen konkreten Berufswunsch und Wissen über Berufe hatten. „Folglich sind bei der individuellen Bewältigung der Krise gerade persönliche Ressourcen entscheidend“, erklärt DJI-Wissenschaftler Dr. Frank Tillmann, der zusammen mit Irene Hofmann-Lun und Dr. Karen Hemming die Analysen vornahm.

Die Studie zeigt auch, dass die Schulleistungen bei vielen Jugendlichen nachgelassen haben und sich mehr als jeder dritte junge Mensch an Haupt- und Realschulen an der Schwelle des Übergangs ins Berufsleben Sorgen über seine Zukunft macht. Während der Corona-Pandemie betraf dies überproportional Mädchen und Jugendliche mit Migrationshintergrund, die beim Online-Unterricht verstärkt auf Sprachbarrieren stießen. „Dadurch kam es während der Pandemie zu einer Verstärkung der Bildungsbenachteiligung“, sagt Dr. Frank Tillmann. Gleichzeitig zeige sich auch an dieser Stelle der große Einfluss von persönlichen Ressourcen wie eine gefestigte berufliche Perspektive und Wissen über Ausbildungsberufe. „Diese Kompetenzen müssen künftig gezielter bei den Jugendlichen gefördert werden“, empfiehlt Tillmann.


DJI-Projekt "Kind sein in Zeiten von Corona"DJI-Projekt "Zusammenhänge zwischen prekären Lebenslagen und Bildungsverläufen"DJI-Projekt "Übergänge im Jugendalter"

Programm der DJI-Jahrestagung 2022


Kontakt
Uta Hofele
Abteilung Medien und Kommunikation
089/62306-446
hofele@dji.de

Dr. Alexandra Langmeyer
Leiterin der Fachgruppe „Lebenswelten und Lebenslagen von Kindern“
089/62306-592
langmeyer@dji.de

Dr. Claudia Zerle-Elsäßer
Leiterin der Fachgruppe „Lebenslagen und Lebensführung von Familien“
089/62306-317
zerle@dji.de

Dr. Frank Tillmann
Forschungsschwerpunkt „Übergänge im Jugendalter“
0345/68178-13
tillmann@dji.de

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Pressemitteilung
news-1159 Wed, 10 Aug 2022 08:42:00 +0200 Der lange Weg aus der Pandemie https://www.dji.de/veroeffentlichungen/pressemitteilungen/detailansicht/article/der-lange-weg-aus-der-pandemie.html Die Folgen der Coronakrise belasten Jugendliche immer noch stark – neue Studienergebnisse des Deutschen Jugendinstituts im Forschungsmagazin DJI Impulse erschienen Die Folgen der Pandemie belasten Jugendliche und junge Erwachsene in fast allen Lebensbereichen weiterhin stark. Das zeigen erste Ergebnisse einer bislang unveröffentlichten Untersuchung im Rahmen des Surveys des Deutschen Jugendinstituts (DJI), die in der neuen Ausgabe des Forschungsmagazins DJI Impulse erschienen sind. In der Langzeitstudie werden regelmäßig etwa 1.500 junge Menschen im Alter von 15 bis 25 Jahren befragt. Viele sehen demnach eine der größten Herausforderungen in Schule, Studium und Beruf: Lediglich 55 Prozent der Befragten waren im Herbst 2021 – also lange nach den Phasen der strikten Lockdowns und des Homeschoolings – mit ihrer (Aus-)Bildungssituation zufrieden. Das sind 16 Prozentpunkte weniger als im Jahr 2019 vor der Pandemie. Auch die Freundschaftsbeziehungen litten in diesem Zeitraum stark: Zwar messen die 15- bis 25-Jährigen ihren Freund:innen nach wie vor hohe Bedeutung zu, doch der Anteil, der mit dem eigenen Freundeskreis zufrieden ist, reduzierte sich gegenüber 2019 um fast 20 Prozentpunkte.

„Die Lebenszufriedenheit der Jugendlichen und jungen Erwachsenen bleibt in vielerlei Hinsicht massiv beeinträchtigt“, bilanziert DJI-Direktorin Prof. Dr. Sabine Walper auf Basis der neuen Forschungsdaten aus AID:A 2021. Zwar sei Corona wegen weiterer aktueller Krisen medial in den Hintergrund gerückt, doch der Bedarf an Unterstützung sei nach wie vor hoch. „Gerade junge Menschen mussten aufgrund der Pandemie auf vieles verzichten, was Jugend ausmacht“, betont Walper: Der über lange Zeit eingeschränkte Aktionsradius, die ins Digitale verlagerten Beziehungen zu Gleichaltrigen, die veränderten Lernbedingungen, die Hürden beim Auszug aus dem Elternhaus und beim Einstieg in Ausbildung, Studium und Beruf – all dies wirke sich immer noch negativ auf das Wohlbefinden der Altersgruppe aus. Besonders betroffen seien junge Menschen aus finanziell benachteiligten Familien.

Bundesfamilienministerin Lisa Paus im Interview über politische Konsequenzen

Im Mittelpunkt der aktuellen Doppelausgabe von DJI Impulse mit dem Titel „Der lange Weg aus der Pandemie“ stehen deshalb die Erfahrungen Jugendlicher und junger Erwachsender. Auf Grundlage von vielfältigen Forschungsbefunden und Praxiserfahrungen analysieren Wissenschaftler:innen des DJI, aber auch profilierte Forscher:innen aus ganz Deutschland und Großbritannien sowie Expert:innen aus Fachpraxis und -politik in 17 Beiträgen die Situation der jungen Menschen. Und nicht zuletzt kommen auch Jugendliche selbst zu Wort.
In einem Interview bezieht Bundesfamilienministerin Lisa Paus politisch Stellung zu den Ergebnissen der aktuellen Studien. Sie setzt sich unter anderem dafür ein, jungen Menschen mehr Gehör zu verschaffen und ihre Beteiligung zu stärken. Hierfür sei der Nationale Aktionsplan Kinder- und Jugendbeteiligung wichtig, genauso wie die Absenkung des Wahlalters auf 16 Jahre. „Für mich ist ganz klar, wir dürfen die Pandemiebekämpfung nicht weiter zulasten der Kinder und Jugendlichen betreiben“, sagt Paus im Gespräch mit DJI Impulse.

Neue Videoreihe begleitet ab sofort jeden Schwerpunkt von DJI Impulse

Neben einer stärkeren Jugendbeteiligung in Politik und Gesellschaft fordert Walper im neuen DJI-Videocast Perspektiven differenzierte, gut vernetzte Angebote für professionelle Unterstützung, Beratung und Therapie. In der Videoreihe, die ab sofort die thematischen Schwerpunkte in DJI Impulse begleitet, benennen DJI-Wissenschaftler:innen auf Basis der wissenschaftlichen Analysen im Forschungsmagazin zentrale Herausforderungen und formulieren Lösungsansätze. Ziel ist es dabei, die wissenschaftliche Perspektive crossmedial zu verbreiten und in gesellschaftliche Debatten einzubringen, um lösungsorientierte Diskussionen anzustoßen.

Das Forschungsmagazin DJI Impulse berichtet allgemein verständlich über die wissenschaftliche Arbeit am DJI, einem der größten sozialwissenschaftlichen Forschungsinstitute in Deutschland. Regelmäßig informieren Wissenschaftler:innen über relevante Themen aus den Bereichen Kindheit, Jugend, Familie sowie Bildung und liefern Impulse für Politik, Wissenschaft und Fachpraxis.

Die aktuelle Ausgabe (2/2022) „Der lange Weg aus der Pandemie: Wie sich die Coronakrise auf Jugendliche auswirkt und welche Unterstützung sie benötigen“ (Download PDF)

Die neue Videoreihe zum Impulse-Schwerpunkt startet mit DJI-Direktorin Prof. Dr. Sabine Walper: www.dji.de/videocast-perspektiven-folge1

Mehr Angebote zum aktuellen Impulse-Schwerpunkt: www.dji.de/corona

Die aktuelle Ausgabe von DJI Impulse kann kostenlos bestellt und heruntergeladen werden, auch ein Abonnement des Forschungsmagazins ist möglich: www.dji.de/impulse

Kontakt
Birgit Lindner
Abteilung Medien und Kommunikation
Tel.: 089/62306-180
blindner@dji.de

Twitter: @DJI_Redaktion
Deutsches Jugendinstitut e.V.
Nockherstraße 2
81541 München

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news-1149 Thu, 23 Jun 2022 11:51:00 +0200 Bildungsbericht 2022: Fachkräftemangel drängendstes Problem der Frühen Bildung https://www.dji.de/veroeffentlichungen/pressemitteilungen/detailansicht/article/1149-bildungsbericht-2022-fachkraeftemangel-draengendstes-problem-der-fruehen-bildung.html Für den Bericht „Bildung in Deutschland 2022“ analysiert das DJI die Situation von Früher Bildung, Ganztagsbetreuung und non-formalen Lernwelten neben der Schule Obwohl in den vergangenen 15 Jahren über 800.000 neue Betreuungsplätze in Kindertageseinrichtungen in Deutschland geschaffen wurden, kann der vorhandene Bedarf aktuell immer noch nicht gedeckt werden. Das größte Hemmnis beim Ausbau ist neben den Plätzen das fehlende Fachpersonal, vor allem in Westdeutschland. Dies ist eines der Ergebnisse der Auswertungen des Deutschen Jugendinstituts (DJI) im Rahmen des Berichts „Bildung in Deutschland 2022“.

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news-1116 Wed, 06 Apr 2022 07:25:00 +0200 Ungleiche Elternschaft https://www.dji.de/veroeffentlichungen/pressemitteilungen/detailansicht/article/ungleiche-elternschaft.html Die wachsende soziale Kluft zwischen Familien ist Thema der aktuellen Ausgabe des Forschungsmagazins DJI Impulse Mehr als zwei Drittel der Eltern haben das Gefühl, nicht ausreichend Zeit für ihre Kinder zur Verfügung zu haben, berichtet Prof. Dr. Sabine Walper, Direktorin des Deutschen Jugendinstituts (DJI) in der neu erschienenen Ausgabe des Forschungsmagazins DJI Impulse. Hinter diesem Studienergebnis verbergen sich steigende Anforderungen an Eltern: Immer öfter sind Vater und Mutter berufstätig, gleichzeitig wachsen aber die Ansprüche an die Förderung und Bildung der Kinder. Eltern investieren deshalb immer mehr Zeit und Geld in die Kindererziehung. „Dieser Trend der Intensivierung der Elternschaft bietet für Kinder durchaus positive Chancen, verschärft aber auch soziale Ungleichheiten“, warnt die DJI-Direktorin, die auch Vorsitzende der Sachverständigenkommission des Neunten Familienberichts war. Deutlich zeige das auch die Coronapandemie, die den Eltern einen ungeahnt intensiven Einsatz abverlangt habe. Sozial besser gestellte Familien konnten auf die Schul- und Kita-Schließungen leichter reagieren.

Die Anforderungen an Eltern steigen

Unter dem Titel „Ungleiche Elternschaft: Warum die soziale Kluft zwischen Familien wächst und was der Neunte Familienbericht empfiehlt“ analysieren in der neuen DJI-Impulse-Ausgabe Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus ganz Deutschland aktuelle familienpolitische Herausforderungen. Die Autorinnen und Autoren des Schwerpunkts wirkten beim 2021 erschienenen Neunten Familienbericht mit. In ihren Analysen für das Forschungsmagazin fassen sie nicht nur ausgewählte Befunde des Berichts zusammen, sondern formulieren notwendige gesellschaftliche und politische Konsequenzen. Darüber hinaus äußert sich die profilierte Familienpolitikexpertin Petra Mackroth im Interview zu wirksamen Instrumenten gegen Kinderarmut. Sie bezeichnet es als „großartigen Erfolg“, dass sich die Ampelkoalition aus SPD, Grünen und FDP für eine Kindergrundsicherung ausgesprochen hat.

„Der wachsende Druck auf Eltern birgt ein beträchtliches Belastungspotenzial“, sagt DJI-Direktorin Walper. Um den unterschiedlichen finanziellen, zeitlichen und kommunikativen Möglichkeiten der Eltern zu begegnen, bedürfe es einerseits einer Entlastung durch eine qualitativ hochwertige Betreuungs- und Bildungsinfrastruktur. Andererseits müsse stärker in die Familienbildung und -beratung investiert werden, um Eltern zu befähigen, auf die veränderten Anforderungen kompetent zu reagieren.

Nachteile für unverheiratete oder getrennte Paare beseitigen

Anhand differenzierter Forschungsdaten zeigen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in DJI Impulse auf, dass die Lebensbedingungen von Eltern und Kindern nicht nur vielfältiger geworden sind, sondern auch ungleicher. Die Chancen für einen sozialen Aufstieg von Kindern aus einkommensschwachen Familien sind in Deutschland demnach gering. Das betrifft insbesondere zugewanderte Menschen, Alleinerziehende, aber auch Trennungsfamilien. Die Rechtswissenschaftlerin Prof. Dr. Nina Dethloff fordert deshalb ein gesetzliches Ausgleichsregime für nichteheliche Lebensgemeinschaften. Neben den Forschenden kommen in Interviews auch eine Lehrkraft und eine Elternvertreterin einer Grundschule in Hessen zu Wort, die für die lebendige Erziehungs- und Bildungspartnerschaft mit dem Deutschen Schulpreis ausgezeichnet wurde. Abseits des Schwerpunkts beschäftigt sich die neue Ausgabe unter anderem mit Themen wie der digitalen Mediennutzung von Familien und dem Ausbaubedarf der Ganztagsbetreuung für Grundschulkinder.

Das Forschungsmagazin DJI Impulse berichtet allgemein verständlich über die wissenschaftlichen Themen des DJI, einem der größten sozialwissenschaftlichen Forschungsinstitute in Deutschland. Regelmäßig informieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in einem Schwerpunkt sowie in einer themenübergreifenden Rubrik über aktuelle Forschungsergebnisse aus den Bereichen Kindheit, Jugend, Familie und Bildung.

Die aktuelle Ausgabe (1/2022) „Ungleiche Elternschaft: Warum die soziale Kluft zwischen Familien wächst und was der Neunte Familienbericht empfiehlt“ (Download PDF)

Analysen, Berichte und Interviews zum Thema Elternschaft gibt es auch online: www.dji.de/eltern

Die aktuelle Ausgabe von DJI Impulse kann kostenlos bestellt und heruntergeladen werden, auch ein Abonnement des Forschungsmagazins ist möglich: www.dji.de/impulse


Kontakt
Birgit Lindner
Abteilung Medien und Kommunikation
089/62306-180
blindner@dji.de

Twitter: @DJI_Redaktion
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Nockherstraße 2
81541 München

 

 

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news-920 Tue, 21 Dec 2021 14:05:00 +0100 Wie Beratung für Stieffamilien gelingt https://www.dji.de/veroeffentlichungen/pressemitteilungen/detailansicht/article/wie-beratung-fuer-stieffamilien-gelingt.html Aktuelle Publikation bietet Unterstützung bei der Beratung von Stieffamilien in Bayern und will für Anliegen und Herausforderungen von komplexen Familienkonstellationen sensibilisieren Familienformen sind in den vergangenen 50 Jahren deutlich vielfältiger geworden und auch Stieffamilien haben sich gewandelt. Früher entstanden Stieffamilien häufig nach dem Tod eines Elternteils. Heute gibt es andere Entstehungsgründe und verschiedene Lebensformen sind möglich. So bleiben Kinder nach Trennungen häufig beiden Eltern verbunden. Damit haben sich Stieffamilien zu einer komplexen Familienform entwickelt und stehen vor zahlreichen Herausforderungen. Mit rund zehn Prozent Anteil an Haushalten mit minderjährigen Kindern stellen sie eine bedeutsame Gruppe dar, jedoch ist über ihre Beratungsbedarfe und -ansprüche bislang wenig bekannt.

Forscherinnen und Forscher des Deutschen Jugendinstituts (DJI) haben nun gemeinsam mit dem Staatsinstitut für Familienforschung an der Universität Bamberg (ifb) die Handreichung „Beratungsbedarfe von Stieffamilien in Bayern“ erarbeitet. Gefördert wurde das Projekt durch das Bayerische Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales. Zentrales Anliegen war es, Erkenntnisse über die Herausforderungen und Themen, mit denen Stieffamilien in die Beratung kommen, zu erhalten und diese Informationen bereitzustellen.

„Wir konnten zeigen, dass es aufgrund der komplexen Familiensituationen und der Vielfältigkeit der Konflikte für Fachkräfte ratsam ist, sich der jeweiligen Perspektiven und der damit verbundenen Herausforderungen bewusst zu werden. Die Veränderung von einer Ein-Eltern-Familie hin zur Stieffamilie kann vor allem für Kinder sehr herausfordernd sein,“ erläutert DJI-Wissenschaftlerin Dr. Claudia Zerle-Elsäßer.

Die Handreichung will konkrete Hinweise zur Herangehensweise bei der Beratung von Stieffamilien geben. Die Familienkonstellation zum Beispiel über eine Checkliste oder ein Genogramm gezielt zu erfassen, ist einer der wichtigsten Schritte, um gut in den Beratungsprozess einsteigen zu können. Bei den Fortbildungen wünschen sich rund die Hälfte der Fachkräfte eine Weiterbildung zu Rollenkonflikten des Stiefelternteils, zur Akzeptanz der Rolle des Stiefelternteils oder zur Zusammenarbeit in der Erziehung mit der neuen Partnerin oder dem neuen Partner. Bei der Gesamtzahl gewünschter Fortbildungen geben die Fachkräfte aus den Beratungsstellen einen höheren Umfang an Weiterbildungsbedarf an als Fachkräfte aus den Jugendämtern. 

Zahlreiche Facetten der Stieffamilien

Unter einer einfachen Stieffamilie verstehen die DJI-Wissenschaftlerinnen und -Wissenschaftler einen Haushalt, in dem ein Elternteil nicht das leibliche Elternteil der Kinder ist. Dies kann ein Stiefvater oder eine Stiefmutter sein. In seltenen Fällen sind beide Eltern Stiefeltern. Das bedeutet, dass beide Elternteile Kinder in die neue Beziehung mitbringen. Von einer komplexen Stieffamilie spricht man, wenn zusätzlich noch gemeinsame Kinder vorhanden sind.

Ferner wird nach dem Hauptwohnort der Kinder unterschieden. Der Haushalt, in dem die Kinder überwiegend leben, bildet die primäre Stieffamilie. Die Familie, in der das außerhalb lebende, leibliche Elternteil in einer neuen Partnerschaft wohnt, wird als sekundäre Stieffamilie bezeichnet. Dort halten sich die Kinder beispielsweise an den Wochenenden, an einigen Werktagen oder auch im Wechsel auf. Die sekundäre Stieffamilie kann ebenfalls einfach oder komplex sein, je nachdem, ob der neue Partner oder die neue Partnerin Kinder mitbringt oder es gemeinsame Kinder gibt.

Stieffamilien in Zahlen

Die komplexen Familiensituationen sind bislang kaum Gegenstand der Forschung, auch, weil oft keine geeigneten Daten zur Verfügung stehen. In Deutschland gibt es derzeit drei Datensätze, die auch Daten zu Stieffamilien zur Verfügung stellen: der Gender and Generation Survey (GGS), das Beziehungs- und Familienpanel pairfam und der DJI-Survey „Aufwachsen in Deutschland: Alltagswelten“ AID:A 2019. Die Daten aus AID:A 2019 beziehen sich zunächst nur auf primäre Stieffamilien und zeigen, dass einfache Stiefvaterfamilien mit 37 Prozent sowie komplexe Stiefvaterfamilien mit 45 Prozent den Großteil der Stieffamilien in Deutschland ausmachen. Der Anteil der einfachen Stiefmutterfamilien liegt bei 7 Prozent und der der komplexen Stiefmutterfamilien bei 5 Prozent. Dass Stiefvaterfamilien deutlich überwiegen, ist darauf zurückzuführen, dass die Kinder nach einer Trennung der Eltern in den meisten Fällen im Haushalt der Mutter verbleiben.

Anliegen der Familienberatungen

Eine Befragung unter Fachkräften aus Familien- und Erziehungsberatungsstellen zeigt, dass 27 Prozent aller Familienberatungen Stieffamilienberatungen sind. In 32 Prozent haben es die Beraterinnen und Berater mit Kernfamilien zu tun, in 28 Prozent mit Alleinerziehenden und in 13 Prozent mit sonstigen Familienkonstellationen. Dies zeigt, dass die Beratungsstellen und Jugendämter überproportional häufig mit Anliegen von Stieffamilien beschäftigt sind.

Laut dieser Befragung kommen komplexe Stiefmutter- oder Stiefvaterfamilien am häufigsten in die Beratung. An zweiter Stelle nennen die Fachkräfte fast gleichauf die Alleinerziehendenfamilien, bei denen die Kinder in eine sekundäre Stieffamilie pendeln. Auf Rang drei finden sich die einfachen Stiefvater- oder Stiefmutterfamilien. Die leibliche Mutter ist das Elternteil einer Stieffamilie, das mit deutlichem Abstand am häufigsten eine Beratung in Anspruch nimmt. 

Bei den Beratungsanliegen der Stieffamilien sind häufig Konflikte mit der Ex-Partnerin oder dem Ex-Partner zentrale Themen. Dabei kann es um die Zeit gehen, die mit den gemeinsamen Kindern verbracht wird, um Erziehungsfragen, Sorgerechts-, Umgangs- und finanzielle Fragen. Bei den Kindern sind es oft emotionale und soziale Auffälligkeiten, die in der Beratung thematisiert werden. Auch Auseinandersetzungen zwischen dem Stiefelternteil und den Stiefkindern in Erziehungsfragen werden genannt.

 

Projekt „Beratungsbedarfe von Stieffamilien in Bayern“

Staatsinstitut für Familienforschung an der Universität Bamberg (ifb)

Bayerisches Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales 

Kontakt

Dr. Claudia Zerle-Elsäßer
Fachgruppe „Lebenslagen und Lebensführung von Familien“
Tel.: 089/62306-317
zerle@dji.de

Sonja Waldschuk
Abteilung Medien und Kommunikation
Tel.: 089/62306-173
waldschuk@dji.de

 

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news-913 Fri, 03 Dec 2021 14:21:39 +0100 Was das Erwachsenwerden Jugendlicher heute ausmacht https://www.dji.de/veroeffentlichungen/pressemitteilungen/detailansicht/article/was-das-erwachsenwerden-jugendlicher-heute-ausmacht.html Publikation und begleitende Podcasts beschreiben Lebenslagen und Lebensführung junger Menschen jenseits pauschalisierender Jugendbilder Wie wachsen junge Menschen in Deutschland auf und wie gestaltet sich ihr Erwachsenwerden? Der aktuelle Herausgeberband „Erwachsenwerden heute – Lebenslagen und Lebensführung junger Menschen“ setzt sich mit diesen Fragen auseinander und gibt einen breiten Einblick in die Lebensphase Jugend sowie die verschiedenen Formen des Ausprobierens, der Identitätsentwicklung und des Selbstständigwerdens.

Die Herausgeberinnen und Wissenschaftlerinnen des Deutschen Jugendinstituts (DJI) Anne Berngruber und Nora Gaupp legen in der Publikation einen Schwerpunkt darauf, unter welchen gesellschaftlichen und institutionellen Rahmenbedingungen Jugendliche heute heranwachsen. Es werden zum Beispiel demografische Entwicklungen vorgestellt und ihre Auswirkungen auf das Aufwachsen Jugendlicher diskutiert.

Die Beiträge im Hauptteil der Publikation thematisieren die unterschiedlichen Aspekte von Verselbstständigung als zentrale Schritte des Erwachsenwerdens. „Wir richten den Blick auf die Lebensführung und Alltagspraktiken junger Menschen. Es geht darum, was Jugendliche ganz konkret tun,“ erläutert Anne Berngruber. Die Auswahl der Themen reicht von ökonomischen und sozialen Aspekten des Erwachsenwerdens über räumliche Verselbstständigung bis hin zu politischem Engagement und zur Beteiligung junger Menschen in digitalen sozialen Netzwerken.

„Das Aufwachsen Jugendlicher und junger Erwachsener beschreiben wir dabei jenseits von pauschalisierenden Jugendbildern und einer in den Medien weit verbreiteten Defizitperspektive auf Jugend. Grundlegend für das Verständnis der Lebensphase Jugend ist vielmehr das Anerkennen der unterschiedlichen Lebenssituationen junger Menschen und der vielfältigen Anforderungen an sie in dieser wichtigen Zeit ihres Lebens,“ fasst Nora Gaupp die Grundhaltung des Buches zusammen.

Podcast als digitales Begleitmedium zum Buch

Begleitend zu ausgewählten Kapiteln des Buchs haben die Forscherinnen zusammen mit ihrem studentischen Kollegen Philipp Stachowiak zwölf Podcast-Folgen erstellt, die die wissenschaftlichen Perspektiven mit der konkreten Alltagspraxis von Jugendlichen verbinden. Die jeweiligen Autorinnen und Autoren der Kapitel und junge Erwachsene selbst kommen dabei zu Wort. Die Jugendlichen berichten von ihren persönlichen Erfahrungen im Prozess des Erwachsenwerdens, wie zum Beispiel von ihrem ersten Erleben von Partnerschaft oder Sexualität, ihrem Alltag im Jugendwohnen oder ihrem Aufwachsen auf dem Land. Die Podcasts verfolgen das Ziel, abwechslungsreich und anschaulich über die vielfältigen Aspekte der Lebensphase Jugend und des Erwachsenwerdens zu informieren und zu sensibilisieren.

Das DJI veröffentlicht die Podcasts in Zusammenarbeit mit dem Kohlhammer Verlag. Die Erzählungen der Jugendlichen und die wissenschaftlichen Einführungen ergänzen sich. Die einzelnen Podcasts bilden unterschiedliche Aspekte der Verselbständigung von Jugendlichen ab und machen diese über den Einblick in die persönliche Lebensführung der jungen Menschen lebendig. Die Folgen erscheinen wöchentlich und haben eine Dauer von 20 bis 30 Minuten.

Inhalte der ersten drei Podcast-Folgen

Folge 1: Erwachsenwerden heute – eine Einleitung
Einleitend stellen die Herausgeberinnen Anne Berngruber und Nora Gaupp ihr Verständnis des Begriffs Jugend vor. Dabei skizzieren sie das Konzept der biografischen Selbstwahrnehmung sowie bedeutende (Alters-)Grenzen und Differenzierungen in der Jugendforschung. Luca, ein junger Erwachsener aus Murnau, erzählt, was für ihn Erwachsenwerden bedeutet.

Folge 2: Politische Beteiligungsformen
Wie hat sich politische Beteiligung von Jugendlichen verändert und weshalb kann heute nicht pauschal von einer Politikverdrossenheit junger Menschen gesprochen werden? Die Autorinnen Maruta Herding und Maren Zschach gehen diesen Fragen nach. Sie zeichnen „moderne“ Formen der Beteiligung nach und verdeutlichen das heutige Zusammenspiel von Online- und Offline-Partizipation. Die Jugendliche Sonja beschreibt, wie bei „Fridays For Future“ Demonstrationen organisiert werden und skizziert ihre persönlichen Gründe, sich politisch zu beteiligen.

Folge 3: Strukturen der Kinder- und Jugendhilfe
Die DJI-Wissenschaftlerin Liane Pluto gibt einen Überblick über die vielfältige Landschaft der Kinder- und Jugendhilfe und erläutert die Kernprämissen, die dieses Arbeitsfeld kennzeichnen. Der Fokus liegt hier auf der offenen Jugendarbeit. Der Jugendliche Santino berichtet davon, wie er seit der 5. Klasse mit „seiner“ Jugendorganisation aufgewachsen ist und welche Aspekte ihn dabei besonders geprägt haben.

 

Die Autorinnen

Dr. Anne Berngruber ist wissenschaftliche Referentin in der Fachgruppe „Lebenslagen und Lebensführung Jugendlicher“ am Deutschen Jugendinstitut in München. Sie hat an der FAU Erlangen-Nürnberg Sozialwissenschaften studiert und zum Thema des Auszugs und der Rückkehr ins Elternhaus promoviert. Sie forscht zu den Lebenslagen Jugendlicher und junger Erwachsener sowie zu verschiedenen Verselbstständigungsprozessen beim Übergang vom Jugend- ins Erwachsenenalter.

Dr. Anne Berngruber

Dr. Nora Gaupp leitet die Fachgruppe „Lebenslagen und Lebensführung Jugendlicher“ am Deutschen Jugendinstitut in München. Sie hat Psychologie an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt studiert und darin auch promoviert. Ihre Arbeits- und Forschungs­schwerpunkte sind: Jugendforschung unter einer Diversitätsperspektive, Verselbst­ständigungsprozesse Jugendlicher und junger Erwachsener, Erfahrungen und Lebens­situationen von queeren Jugendlichen, Aufwachsen und Alltagserfahrungen von jungen Menschen mit Behinderung.

Dr. Nora Gaupp

 

Podcastreihe „Erwachsenwerden heute“Erwachsenwerden heute – Lebenslagen und Lebensführung junger Menschen, Herausgegeben von Anne Berngruber und Nora Gaupp, 264 Seiten, ISBN: 978-3-17-036869-9Abteilung „Jugend und Jugendhilfe“

 

Kontakt

Dr. Anne Berngruber
Tel.: 089/62306-591
berngruber@dji.de

Dr. Nora Gaupp
Tel.: 089/62306-324
gaupp@dji.de

Sonja Waldschuk
Abteilung Medien und Kommunikation
Tel.: 089/62306-173
waldschuk@dji.de

 

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news-911 Tue, 23 Nov 2021 15:46:54 +0100 Aufwachsen in Deutschland https://www.dji.de/veroeffentlichungen/pressemitteilungen/detailansicht/article/aufwachsen-in-deutschland.html Wissenschaftliche Jahrestagung: Etwa 450 Expertinnen und Experten aus Praxis, Politik und Wissenschaft diskutieren am 23. und 24. November 2021 online über Rahmenbedingungen des Aufwachsens in Deutschland Die unterschiedlichen Lebens- und Entwicklungs­bedingungen in Kindheit, Jugend und jungem Erwachsenenalter und Veränderungen im Zuge der Corona-Pandemie sind Themen der dies­jährigen wissenschaftlichen Jahrestagung des Deutschen Jugendinstituts (DJI). Die Referentinnen und Referenten betrachten dabei auch Akteure und Institutionen, die für das Gelingen des Aufwachsens Verantwortung tragen. Staatssekretärin Juliane Seifert vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend eröffnet die Jahrestagung  mit einem Grußwort.

Anschließend geht Prof. Dr. Sabine Walper, seit 1. Oktober 2021 Direktorin des Instituts, in ihrem Eröffnungsvortrag auf zentrale Trends und verschiedene Aspekte des Aufwachsens in Familien, Kita, Schule und mit Peers vor und während der Corona-Pandemie ein.

„Die Bedingungen des Aufwachsens von Kindern und Jugendlichen haben sich beträchtlich verändert. Dies betrifft vor allem die letzten beiden Jahre, in denen die Corona-Pandemie mit deutlichen Einschränkungen des sozialen Lebens und der Bildungsangebote, mit Ungewissheiten über Zukunftschancen und vielfach mit Belastungen des Familienklimas verbunden war“, sagte Sabine Walper in ihrer Eröffnungsrede. „Aber auch in längerer Perspektive haben der demographische Wandel, Migration, Digitalisierung und der Wandel von Leitbildern der Erziehung, Bildung und Betreuung zu Veränderungen in den Alltagswelten von Kindern und Jugendlichen beigetragen“. Die DJI-Direktorin illustriert die damit verbundenen Chancen und Herausforderungen für das Wohlergehen von Kindern und Jugendlichen mit Blick auf die Familie, Bildungsinstitutionen und Gleichaltrige als zentrale Kontexte des Aufwachsens.

In insgesamt neun Foren referieren und diskutieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an beiden Tagen mit den etwa 450 Gästen der wissenschaftlichen Jahrestagung über aktuelle Forschungsergebnisse und deren Bedeutung für Politik und Fachpraxis. Beispiele sind Themen wie „Elterliches Wohlergehen in verschiedenen Familienformen“, „Potenziale der Kinder- und Jugendarbeit“, „Kinderschutz in Pandemiezeiten“, „Digitalisierungsprozesse in Familien und Institutionen“, „Kitas und Familien in der Pandemie“.

Programm der DJI-Jahrestagung 2021

Themen

Familie, Kindheit, Jugend 2030 – Lösungsansätze für eine lebenswerte ZukunftCorona und die gesellschaftlichen Folgen – Ergebnisse und Analysen aus der DJI-ForschungAufwachsen in Deutschland: Alltagswelten - Dritte Welle der integrierten DJI-Surveyforschung

Kontakt

Marion Horn
Abteilung Medien und Kommunikation
Tel.: 089/62306-311
horn@dji.de

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news-900 Thu, 28 Oct 2021 07:02:00 +0200 Familie, Kindheit, Jugend 2030 https://www.dji.de/veroeffentlichungen/pressemitteilungen/detailansicht/article/familie-kindheit-jugend-2030.html Die neue Sonderausgabe des Forschungsmagazins DJI Impulse wirft einen Blick in die Zukunft bis 2030 und geht der Frage nach, welche Unterstützung junge Menschen und ihre Familien benötigen Megatrends wie Globalisierung, demografischer Wandel, Migration und Digitalisierung, aber auch Krisen wie die Coronapandemie beeinflussen das gesellschaftliche Zusammenleben tiefgreifend. Für Familien, Kinder und Jugendliche gehen diese Entwicklungen mit Chancen, aber auch mit Herausforderungen einher. Vor diesem Hintergrund wirft das Forschungsmagazin DJI Impulse in der neu erschienenen Sonderausgabe einen Blick in die Zukunft bis 2030 und geht der Frage nach, welche Unterstützung junge Menschen und ihre Familien angesichts der aktuellen und bereits absehbaren gesellschaftlichen Entwicklungen benötigen.

Lebensbedingungen werden nicht nur vielfältiger, sondern auch ungleicher

„Die Pandemie traf auf eine Gesellschaft inmitten vielfältiger Wandlungsprozesse, die im Verlauf der vergangenen Jahrzehnte die Lebensbedingungen von Kindern, Jugendlichen und ihren Familien markant verändert haben“, schreibt die neue Direktorin des Deutschen Jugendinstituts (DJI), Prof. Dr. Sabine Walper, in ihrer einführenden Analyse. In diesen Entwicklungen zeichneten sich bereits zentrale gesellschaftliche Herausforderungen des kommenden Jahrzehnts ab, wie etwa die notwendige Anpassung von Gesetzen und Unterstützungssystemen für Familien.

Anhand differenzierter Forschungsdaten zeigen die leitenden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des DJI und des Forschungsverbunds DJI/TU Dortmund im aktuellen Schwerpunkt mit dem Titel „Familie, Kindheit, Jugend 2030“ unter anderem auf, dass die Lebensbedingungen von Kindern, Jugendlichen und ihren Familien nicht nur vielfältiger geworden sind, sondern auch ungleicher. Diese sozialen Disparitäten offenbaren sich demnach besonders deutlich bei den gewachsenen Bevölkerungsanteilen mit Migrationsgeschichte. Erwerbsintegration von Eltern und ganz besonders die Bildungsintegration ihrer Kinder nennen die Autorinnen und Autoren als zentrale Stellschrauben für mehr Chancengerechtigkeit in Deutschland und analysieren die damit verbundenen Zukunftsherausforderungen, wie beispielsweise den Ausbau der Frühen Bildung und den damit verbundenen Fachkräftebedarf bis 2030.

„Der Bund muss dauerhaft in die Finanzierung von Bildung einsteigen“

„Bildung ist das Startkapital für die Zeit nach Corona“, betont auch der scheidende DJI-Direktor Prof. Dr. Thomas Rauschenbach in seinem Gespräch mit DJI Impulse über die Bildung der Zukunft. Da sich das Aufwachsen von Kindern und Jugendlichen fundamental verändert habe, und öffentliche Institutionen eine deutlich bedeutendere Rolle dabei spielten, müsse der Bund dauerhaft in die Finanzierung von Bildung einsteigen, fordert er. In der aktuellen Sonderausgabe wird der fast 20 Jahre lang amtierende DJI-Direktor zudem in einem Porträt und in der Rubrik „Mein Rauschenbach-Moment“ gewürdigt.

Das Forschungsmagazin DJI Impulse berichtet allgemein verständlich über die wissenschaftliche Arbeit am DJI, einem der größten sozialwissenschaftlichen Forschungsinstitute in Deutschland. Regelmäßig informieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler über relevante Themen aus den Bereichen Kindheit, Jugend, Familie und Bildung.

Die aktuelle Ausgabe (2/2021) „Familie, Kindheit, Jugend 2030. Eine Sonderausgabe mit einem Blick nach vorne anlässlich des Abschieds von DJI-Direktor Prof. Dr. Thomas Rauschenbach – Forscher und Vordenker“ (Download PDF)

Den Impulse-Schwerpunkt und weitere Berichte gibt es auch online: www.dji.de/gesellschaft2030

Das Forschungsmagazin DJI Impulse kann kostenlos bestellt und heruntergeladen werden, auch ein Abonnement ist möglich: www.dji.de/impulse

Kontakt

Birgit Taffertshofer
Abteilung Medien und Kommunikation
089/62306-180
taffertshofer@dji.de

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news-898 Tue, 19 Oct 2021 08:26:00 +0200 Ganztag für Grundschulkinder: Ausbaubedarf insbesondere in den westdeutschen Flächenländern https://www.dji.de/veroeffentlichungen/pressemitteilungen/detailansicht/article/ganztag-fuer-grundschulkinder-ausbaubedarf-insbesondere-in-den-westdeutschen-flaechenlaendern.html Erstmals liegen Vorausberechnungen für die einzelnen Bundesländer zur Umsetzung des Rechtsanspruchs auf Ganztag für Grundschulkinder vor. Insgesamt ist der zusätzliche Ausbaubedarf geringer als bislang angenommen Anders als zu Beginn der Verhandlungen zwischen Bund und Ländern über die Einführung eines Rechtsanspruchs für Grundschulkinder angenommen, zeigen neue Vorausberechnungen des Forschungsverbunds DJI/TU Dortmund, dass weniger Plätze notwendig sind, um dieses Projekt zu realisieren. Bundesweit müssten bis zum Schuljahr 2029/30 rund 600.000 zusätzliche Ganztagsplätze für die Kinder im Grundschulalter geschaffen werden. Zuletzt besuchten bereits über 1,6 Mio. Grundschulkinder ein Ganztagsangebot. Das bedeutet, dass drei von vier der benötigten Plätze aktuell bereits vorhanden sind. Die Situation in den Bundesländern ist jedoch sehr unterschiedlich. Während in den ostdeutschen Flächenländern und Hamburg nur noch ein kleiner Teil der Plätze fehlt, zeigen die Vorausberechnungen, dass in den westdeutschen Flächenländern im Mittel noch zwischen 30 und 40 Prozent der Plätze geschaffen werden müssen.

Erstmals Vorausberechnungen für das zusätzlich benötigte Personal

In der neu vorgelegten Studie wird erstmals auch der Personalbedarf für die zusätzlich zu schaffenden Plätze ausgewiesen. Bundesweit werden dafür rund 35.000 Vollzeitstellen zusätzlich benötigt. Da in diesem Bereich jedoch von einem hohen Teilzeitanteil auszugehen ist, müssten dafür bis zum Schuljahr 2029/30 rund 57.000 Personen gewonnen werden. „Damit ist der Personalbedarf deutlich geringer als derjenige, der noch für den Ausbau für die Kinder im Kita-Alter bis Mitte des Jahrzehnts benötigt wird. Für den Kita-Bereich konnten wir bereits Ende letzten Jahres Ergebnisse vorlegen. Hier gehen wir von einem zusätzlichen Personalbedarf für die fehlenden Plätze von rund 138.000 Personen aus. Das zeigt, dass die Anstrengungen für den Ganztag im Grundschulalter deutlich geringer sein dürften,“ erläutert Dr. Christiane Meiner-Teubner, Mitautorin der Studie.



Anstrengungen erforderlich, um Personalbedarf in westdeutschen Flächenländern zu erfüllen

Die Höhe des zusätzlichen Personalbedarfs für die noch zu schaffenden Plätze für die Grundschulkinder variiert stark zwischen den Bundesländern. „In den westdeutschen Flächenländern, vor allem in Nordrhein-Westfalen und Bayern, werden noch deutliche Anstrengungen notwendig sein, um ausreichend qualifiziertes Personal zu finden, damit der vollständige Rechtsanspruch auf einen Ganztagsplatz im Grundschulalter ab dem Schuljahr 2029/30 erfüllt werden kann“, sagt Prof. Dr. Thomas Rauschenbach, wissenschaftlicher Leiter des Dortmunder Forschungsverbunds und bis vor kurzem Direktor des Deutschen Jugendinstituts (DJI). Für diese beiden Länder geht die Autorengruppe der Studie jeweils von einem zusätzlichen Bedarf von rund 7.000 beziehungsweise 7.500 zusätzlichen Vollzeitstellen aus.

In den ostdeutschen Flächenländern kaum zusätzlicher Personalbedarf

In den ostdeutschen Flächenländern besteht nur noch ein geringer Personalbedarf. Hier ist das Angebot bereits gut ausgebaut und die Kinderzahlen gehen teilweise in wenigen Jahren zurück. Der zusätzliche Personalbedarf liegt mit Ausnahme von Thüringen – wo bis zum Schuljahr 2029/30 kein zusätzlicher Bedarf erwartet wird – pro Bundesland bei im Mittel zwischen 400 und 500 zusätzlichen Vollzeitstellen.

Ausbaukosten geringer als bislang angenommen

Der geringere Bedarf an zu schaffenden Plätzen führt auch dazu, dass die anfallenden Kosten geringer sein werden, als bislang angenommen, obwohl der Zeitpunkt des vollständigen Inkrafttretens des Rechtsanspruchs im Rahmen der Verhandlungen zwischen Bund und Ländern nach hinten verschoben wurde. Bundesweit wird nun von Investitionskosten zur Schaffung neuer Plätze von rund 4,6 Mrd. Euro ausgegangen.

Die jährlichen Betriebskosten hängen maßgeblich von der Anzahl der Kinder ab, für die das Personal zuständig ist. Da hierzu bislang große Unklarheit besteht, hat die Autorengruppe verschiedene Modelle gerechnet. In einer Maximumvariante kommen sie zu dem Ergebnis, dass für das Schuljahr 2029/30 mit zusätzlichen Betriebskosten von rund 2,6 Mrd. Euro zu rechnen ist. Die höchsten Kosten entstünden in Nordrhein-Westfalen und Bayern mit etwa 575 Mio. Euro beziehungsweise 531 Mio. Euro, während in Thüringen keine zusätzlichen Betriebskosten in diesem Schuljahr anfallen würden.

„Insgesamt wird damit deutlich, dass das Projekt Ganztag eine bildungspolitische Herausforderung ist, allerdings im Lichte der noch ausstehenden Vorbereitungszeit machbar erscheint,“ resümiert Prof. Dr. Thomas Rauschenbach.


Der Forschungsverbund DJI/TU Dortmund führt Forschungsprojekte zu den Themen Kindertagesbetreuung, Hilfen zur Erziehung, Kooperation von Jugendhilfe und Schule, Familien und Frühe Hilfen, Kinder- und Jugendarbeit, Personal und Qualifikation sowie Freiwilliges Engagement durch. Zu den Aufgaben des Forschungsverbunds gehören wissenschaftsbasierte Dienstleistungen sowie die Beratung von Politik und Fachpraxis auf allen föderalen Ebenen.

Publikationen

Thomas Rauschenbach, Christiane Meiner-Teubner, Melanie Böwing-Schmalenbrock, Ninja Olszenka (2021): Plätze. Personal. Finanzen. Bedarfsorientierte Vorausberechnungen für die Kindertages- und Grundschulbetreuung bis 2030. Teil 2: Ganztägige Angebote für Kinder im Grundschulalter (PDF-Download)

Thomas Rauschenbach, Christiane Meiner-Teubner, Melanie Böwing-Schmalenbrock, Ninja Olszenka (2020): Plätze. Personal. Finanzen. Bedarfsorientierte Vorausberechnungen für die Kindertages- und Grundschulbetreuung bis 2030. Teil 1: Kinder vor dem Schuleintritt (PDF-Download)

Weiterhin ist ein dritter Teil der Studie in Planung, in dem auch für die Kinder vor dem Schuleintritt Analysen auf Bundeslandebene vorgelegt werden sollen.

Weitere Informationen

Forschungsverbund DJI/TU DortmundDer Bildungspodcast mit Jan-Martin Wiarda: Interview mit Prof. Dr. Thomas Rauschenbach

Kontakt
Prof. Dr. Thomas Rauschenbach
089/62306-279
rauschenbach@dji.de

Dr. Christiane Meiner-Teubner
Forschungsverbund DJI/TU Dortmund
0231/755-8188
christiane.meiner@tu-dortmund.de

Marion Horn
Abteilung Medien und Kommunikation, DJI
089/62306-311
horn@dji.de

 

 

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news-897 Mon, 04 Oct 2021 09:04:00 +0200 Prof. Dr. Sabine Walper startet als DJI-Direktorin https://www.dji.de/veroeffentlichungen/pressemitteilungen/detailansicht/article/prof-dr-sabine-walper-startet-als-dji-direktorin.html Prof. Dr. Sabine Walper ist seit dem 1. Oktober 2021 neue Direktorin und Vorstandsvorsitzende am Deutschen Jugendinstitut Ein neues und gleichzeitig bekanntes Gesicht: Seit fast zehn Jahren ist die Psychologin und Professorin für Allgemeine Pädagogik und Bildungsforschung als Forschungsdirektorin am DJI tätig. Prof. Dr. Sabine Walper folgt in ihrer neuen Funktion auf Prof. Dr. Thomas Rauschenbach, der sich in den Ruhestand verabschiedet.

Forschungsschwerpunkt von Sabine Walper ist die Familienforschung, immer mit engem Bezug zur Kindheits- und Jugendforschung. So wirkte sie beispielsweise als Vorsitzende der unabhängigen Sachverständigenkommission entscheidend an der Erstellung des kürzlich erschienenen Neunten Familienberichts der Bundesregierung mit dem Titel „Eltern sein in Deutschland“ mit. Ein wichtiger Schwerpunkt ihrer Tätigkeit ist zudem die Survey-Forschung, insbesondere die regelmäßigen Erhebungen des DJI-Surveys „Aufwachsen in Deutschland: Alltagswelten – AID:A“. Die Daten liefern wertvolle Erkenntnisse zu den Lebensbedingungen, Alltagspraxen, Orientierungen und zum Wohlergehen junger Menschen und Familien.

Den Herausforderungen am DJI – wissenschaftliche Expertise an der Schnittstelle von Wissenschaft, Fachpraxis und Politik – stellt sich die neue Direktorin gerne: „Am DJI habe ich stärker als im universitären Bereich die Möglichkeit, die Praxis mitzugestalten, die Politik zu beraten und bei der Ausgestaltung der Kinder- und Jugendhilfe mitzuwirken. Für mich ausgesprochen reizvolle Aufgaben!“

Abschied von Prof. Dr. Thomas Rauschenbach

Mit der Übernahme der Institutsleitung durch Prof. Dr. Sabine Walper verabschiedet sich Prof. Dr. Thomas Rauschenbach nach fast 20 Jahren als Leiter des DJI in den Ruhestand. Unter seiner Führung expandierte das DJI stark und war entscheidend an gesellschaftspolitischen Weichenstellungen wie Kita-Ausbau, dem Anspruch auf Ganztagsbetreuung für Grundschulkinder, dem Kinderschutz und vielen weiteren Themen beteiligt. Zudem wirkte das DJI mit seiner integrierten Surveyforschung maßgeblich an der Sozial- und Bildungsberichterstattung in Deutschland mit. Ende September wurde Rauschenbach in der Leitungskonferenz des DJI verabschiedet. Seine ausführliche Würdigung und Verabschiedung im Rahmen einer Fachtagung im Präsenzformat musste pandemiebedingt auf das Frühjahr 2022 verschoben werden.

Das DJI ist eines der größten sozialwissenschaftlichen Forschungsinstitute Europas. Seit dem Jahr 1963 erforscht es die Lebenslagen von Kindern, Jugendlichen und Familien, berät Bund, Länder sowie Kommunen und liefert wichtige Impulse für die Fachpraxis. Träger des Instituts ist ein gemeinnütziger Verein mit Mitgliedern aus Politik, Wissenschaft, Verbänden und Einrichtungen der Kinder-, Jugend- und Familienhilfe. Die Finanzierung erfolgt überwiegend aus Mitteln des Bundesministeriums für Familie. Aktuell arbeiten und forschen knapp 500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an den beiden Standorten München und Halle (Saale). „Mit unseren vielen hoch engagierten und sehr gut qualifizierten Kolleginnen und Kollegen, die ihre vielfältige Expertise in unsere Arbeit einbringen, sind wir gut gerüstet, den hohen Ansprüchen gerecht zu werden“, erklärt Walper.

Porträt Prof. Dr. Sabine WalperDie neue DJI-Direktorin Sabine Walper im InterviewDer scheidende DJI-Direktor Thomas Rauschenbach im PorträtPressemitteilung des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und JugendVita, Arbeitsgebiete und Publikationen von Sabine WalperDas Deutsche Jugendinstitut


Kontakt

Prof. Dr. Sabine Walper
Direktorin und Vorstandsvorsitzende
Tel.: 089/62306-289
walper@dji.de

Marion Horn
Abteilung Medien und Kommunikation
Tel.: 089/62306-243
horn@dji.de

 

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Pressemitteilung Position 3 (klein)
news-885 Tue, 10 Aug 2021 10:00:00 +0200 Studien zeigen bislang wenig beachtete Folgen der Pandemie für Jugendliche https://www.dji.de/veroeffentlichungen/pressemitteilungen/detailansicht/article/studien-zeigen-bislang-wenig-beachtete-folgen-der-pandemie-fuer-jugendliche.html DJI-Publikation schließt Forschungslücken und behandelt vernachlässigte Aspekte von Jugend und Jugendhilfe in Corona-Zeiten Diskussionen über die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf Jugendliche haben oft Bildungsthemen, psychische Belastungen oder Feiern und Party machen im Blick. Zentrale Fragen nach Verselbstständigung, Beteiligungsformen oder Freiräumen im Alltag blieben bisher weitgehend außen vor. Die aktuelle Publikation „Jugend ermöglichen – auch unter Bedingungen des Pandemieschutzes“ des Deutschen Jugendinstituts (DJI) trägt nun dazu bei, das bisher gezeichnete Bild über Lebenslagen und Alltag junger Menschen zu erweitern. Auch zeigt sie auf, wie die Institutionen der Kinder- und Jugendhilfe mit den teils radikal veränderten Rahmenbedingungen während der Pandemie umgegangen sind.

„Die Texte stellen pragmatische wissenschaftliche Schritte dar, die Lebenssituationen junger Menschen und institutionelle Dynamiken besser zu verstehen“, erläutert DJI-Wissenschaftlerin Dr. Nora Gaupp das Ziel der Publikation. Gemeinsam mit den DJI-Kollegen Bernd Holthusen, Dr. Björn Milbradt und Dr. Mike Seckinger sowie Dr. Christian Lüders, ehemaliger Abteilungsleiter am DJI, gibt Gaupp die Publikation heraus.

 

Studien zeigen auch positive Folgen der Pandemie
In zehn Studien beleuchten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die soziale und gesellschaftliche Bedeutung der Corona-Pandemie für Jugendliche. Dabei werden nicht nur krisenhafte, sondern auch mögliche positive Folgen, wie etwa die Weiterentwicklung einer digitalen Jugendarbeit, betrachtet.

Neben den Auswirkungen auf Jugendliche mit Behinderungen und queere junge Menschen untersuchen die Forschenden, wie Jugendliche und junge Erwachsene durch eigenes Engagement zur Bewältigung der Krise beitragen. Dr. Nora Gaupp und Dr. Anne Berngruber zeigen in ihrer Untersuchung etwa vielfältige Formen der Hilfe junger Menschen für andere auf. Die 12- bis 32-jährigen leisteten besonders häufig Unterstützung, indem sie anderen zuhörten, bei technischen Fragen halfen oder Einkaufen gingen. Auch fanden sie selbst bei Belastungen Rückhalt in ihren sozialen Netzwerken.

Auch die Folgen auf die Angebote und Institutionen der Kinder- und Jugendhilfe werden analysiert und dargestellt. Hierbei erläutern die Autorinnen und Autoren, wie Angebote der Jugendhilfe im Strafverfahren, der Extremismusprävention oder die Allgemeinen Sozialen Dienste ihre Adressatinnen und Adressaten unter „Lockdown-Bedingungen“ erreichten.

 

Gewalttätige Ausschreitungen Jugendlicher lediglich Einzelfälle
Dr. Sabrina Hoops, Dr. Diana Willems, Annalena Yngborn und Bernd Holthusen befassten sich mit dem häufig diskutierten Thema Jugendgewalt in Pandemie-Zeiten. Sie kommen zum Ergebnis, dass sich problematisches Verhalten Jugendlicher verstärkt in öffentliche Räume verlagert hat und hierdurch in der Öffentlichkeit höhere Aufmerksamkeit erfährt. Junge Menschen müssen bei geschlossenen Bars, Diskotheken oder Jugendclubs auf öffentliche Räume ausweichen, was zu Konflikten sowohl zwischen unterschiedlichen Gruppen Jugendlicher als auch mit der Polizei führen kann. Ausschreitungen wie im Jahr 2020 in Frankfurt oder Stuttgart stellen Ausnahmen dar.

 

Eine Vielzahl an Datensätzen wurde ausgewertet
Die Daten, die den Studien zugrunde liegen, reichen von einer Institutionenbefragung auf Basis einer Vollerhebung aller Jugendämter in Deutschland über eine Corona-spezifische Zusatzbefragung im Rahmen des DJI-Surveys „Aufwachsen in Deutschland: Alltagswelten" (AID:A), exemplarische Interviews mit Jugendlichen, Befragungen von Fachkräften bis hin zu Literaturübersichten.

 

Download der Publikation "Nora Gaupp, Bernd Holthusen, Björn Milbradt, Christian Lüders, Mike Seckinger (Hrsg.) Jugend ermöglichen – auch unter den Bedingungen des Pandemieschutzes"Forschungsthemen des DJI mit Schwerpunkt CoronaPandemie macht Jugendliche unzufriedener mit Möglichkeiten, ihre Zukunft selbst zu gestalten Stellungnahme der Leopoldina „Kinder und Jugendliche in der Pandemie“DJI-Survey AID:A 2019 "Aufwachsen in Deutschland: Kinder, Jugendliche und Familien vor und während Corona"Abteilung "Jugend und Jugendhilfe" des DJI


Kontakt
Bernd Holthusen
Abteilung Jugend und Jugendhilfe
089/62306-101
holthusen@dji.de

Dr. Björn Milbradt
Abteilung Jugend und Jugendhilfe
0345/68178-37
milbradt@dji.de

Marion Horn
Abteilung Medien und Kommunikation
089/62306-311
horn@dji.de

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Pressemitteilung Startseiten Position Position 5 (klein)
news-882 Wed, 21 Jul 2021 09:00:00 +0200 Ein Zuhause für alle Lebenslagen https://www.dji.de/veroeffentlichungen/pressemitteilungen/detailansicht/article/ein-zu-hause-fuer-alle-lebenslagen.html Ergebnisse einer Studie der Hochschule Karlsruhe und des Deutschen Jugendinstituts zeigen Vorteile gemeinschaftlicher Wohnformen für Familien auf, beleuchten aber auch deren Schattenseiten Bezahlbarer und langfristig verfügbarer Wohnraum für Familien ist in deutschen Großstädten und Ballungszentren knapp. Und die Coronapandemie verlangte den Familien zuletzt ab, zusätzlichen Platz für Homeoffice- und Homeschooling zu schaffen. Einen vielversprechenden Lösungsansatz bieten gemeinschaftliche Wohnprojekte, von denen es Schätzungen zufolge bundesweit aktuell circa 3.000 gibt. Forschende der Hochschule Karlsruhe (HKA) und des Deutschen Jugendinstituts (DJI) haben diese Wohnform aus raum- und sozialwissenschaftlicher Perspektive anhand verschiedener Methoden untersucht: Neben einer Online-Befragung von mehr als 400 Haushalten in etwa 90 Wohnprojekten wurden zwölf Fallstudien und 16 Experteninterviews durchgeführt.

Fürsorgenetzwerke entstehen

Laut der Studie fördert gemeinschaftliches Wohnen generationenübergreifende Netzwerke, die das Familienleben bereichern und bei der Sorgearbeit entlasten: Mehr als 60 Prozent der Befragten mit Kindern im Haushalt sind der Ansicht, dass die Vereinbarkeit von Familie und Beruf durch das Wohnprojekt erleichtert wird, etwa durch Kinderbetreuung oder Hilfen im Alltag. Außerdem bietet diese Wohnform den Befragten zufolge Kindern und Jugendlichen ein erweitertes Umfeld mit Beziehungen zu Menschen außerhalb der eigenen Familie mehr Möglichkeiten, in einer vertrauten Umgebung eigenständig zu spielen. Auch im Alter erleichtern gemeinschaftliche Wohnformen laut der Studie ein selbstbestimmtes Leben.

Die Bewohnerinnen und Bewohner unterstützen sich regelmäßig im Alltag, etwa durch kleinere Instandsetzungen oder Einkäufe sowie in kritischen Lebenssituationen wie bei Krankheit oder Trennung. „Diese Unterstützungsleistungen sind eng verwoben mit familialer Fürsorge und teils mit professionellen Dienstleistungen und stellen somit eine Ergänzung im Care-Mix dar“, erklärt DJI-Wissenschaftlerin Dr. Martina Heitkötter und betont: „Netzwerke in gemeinschaftlichen Wohnformen werden mitunter als Erweiterung der Familie erlebt“.

Räume lassen sich veränderten Bedürfnissen von Familien anpassen

Die Geburt, der Auszug von Kindern, Trennungen oder neue Familienkonstellationen führen immer wieder zu veränderten sozialen und räumlichen Anforderungen. Die Befunde zeigen, dass die Wohnprojekte bei solchen biografischen Übergängen die erforderliche räumliche Anpassung ermöglichen können. Ein Beispiel dafür sind sogenannte Optionsräume, deren Funktion durch den Gebrauch definiert wird und die an verschiedenen Orten des Gebäudes platziert sind, so dass sie etwa von Heranwachsenden oder Großeltern vorübergehend genutzt und wieder freigegeben werden können.

Darüber hinaus sind innerhalb des Projekts Wohnungswechsel oder bauliche Anpassungen zur Vergrößerung oder Verkleinerung der Wohnungen möglich. Dies ermöglicht Familien, über verschiedene Lebensphasen hinweg in ihrem vertrauten Umfeld zu bleiben. „Die abgeschlossene Wohnung mit einer Hierarchie der Räume und ihrer funktionalen Zuordnung passt nicht mehr zur heutigen Vielfalt familialer Lebensformen“, erklärt die Leiterin des Forschungsprojekts, Professorin Susanne Dürr, von der Hochschule Karlsruhe. „So wie sich Familien verändern können, sollten sich auch Räume für Familien umwandeln lassen“.

Gemeinschaftliche Räume und Quartiersbezüge haben hohe Bedeutung

Wichtige Orte des gemeinschaftlichen Wohnens für Familien sind der Studie nach auch Räume zwischen privater und öffentlicher Sphäre: für Kommunikation, alltägliche Begegnungen oder als wohnungsnahe Spielräume für Kinder. Darüber hinaus spielen Bezüge zum jeweiligen Stadtviertel in den untersuchten Wohnprojekten eine wichtige Rolle. Sie zeigen sich vor allem in der Gestaltung der Erdgeschosse, aber auch an Freiflächen für soziale Aktivitäten.

Bezahlbarer und verlässlicher Wohnraum wird geschaffen

Die Befragung der Bewohnerinnen und Bewohner ergab, dass sich die Hälfte der Haushalte in gemeinschaftlichen Wohnformen nicht durch die Wohnkosten finanziell belastet fühlt. Das trifft nach aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamtes im Bundesdurchschnitt nur auf ein knappes Drittel aller Miethaushalte zu. 18 Prozent aller Wohnungen in den befragten Projekten wurden mit finanzieller Förderung realisiert, während der Anteil an gefördertem Wohnraum im Bundesgebiet stetig zurückgeht. Damit tragen gemeinschaftliche Wohnprojekte – insbesondere in Großstädten – dazu bei, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen.

Mehr als zwei Drittel der Wohnprojekte mit Mietwohnungen sind zudem als Rechtsform des gemeinschaftlichen Eigentums organisiert, beispielsweise als Genossenschaft, was den Mitgliedern ein lebenslanges Wohnrecht zusichert. Da gemeinschaftliches Wohnen Familien viele Vorteile bietet und die Nachfrage derzeit das Angebot übersteigt, fordern die Forschenden, die Rahmenbedingungen für Wohnprojekte zu verbessern, etwa durch Zugang zu bezahlbaren Grundstücken bzw. Immobilien, aber auch durch Beratung der Projekte.

Mitgestaltung von Wohnprojekten birgt Konflikte und erfordert Zeit

Die Potenziale gemeinschaftlicher Wohnprojekte entfalten sich insbesondere dann, wenn Abstimmungsprozesse schon während Planung und Bau, und nicht erst nach Einzug, gepflegt werden. Die Studie macht aber auch Herausforderungen der Wohnform deutlich: Räumliche Nähe kann demnach verstärkt Konflikte mit sich bringen und setzt bei den Bewohnerinnen und Bewohnern Offenheit und Toleranz voraus. Viele Projekte bieten daher Konfliktbegleitung an und eröffnen damit persönliche Entwicklungs- und Lernräume für die Beteiligten.

Außerdem empfinden einige Befragte Entscheidungsprozesse, beispielsweise zur Weiterentwicklung des Wohnprojekts, als langwierig. Und die Mitgestaltung kostet Zeit, die gerade bei Familien mit jungen Kindern ohnehin bereits knapp ist, da sie Erwerbstätigkeit und Sorgearbeit vereinbaren müssen. Die Möglichkeit, das familiäre Netzwerk zu erweitern, stellt sie den Studienergebnissen zufolge zusätzlich vor die Aufgabe, die verfügbare Zeit für Familie, Gemeinschaft und soziale Beziehungen außerhalb des Wohnprojekts auszubalancieren. Da die Planung und der Bau gemeinschaftlicher Wohnprojekte nur über einen längeren Zeitraum zu realisieren sind, werden diese auch nicht immer der Lebenswirklichkeit junger Familien gerecht. Denn befristete Arbeitsverträge und Jobwechsel in der Berufseinstiegsphase erfordern Mobilität, was der langfristigen Bindung an ein Wohnprojekt entgegensteht.


Die aktuellen Ergebnisse der Studie mit Handlungsempfehlungen zur Förderung gemeinschaftlicher Wohnprojekte stehen als kostenloser Download zur Verfügung.

Dürr, Susanne; Heitkötter, Martina; Kuhn, Gerd; Lien, Shih-cheng; Abraham, Nanni; unter Mitarbeit von Jungmann, Alexander: Familien in gemeinschaftlichen Wohnformen. BBSR-Online-Publikation 5/2021, Bonn, 05 2021.ISSN 1868-0097


Projektseite Hochschule KarlsruheProjektseite Deutsches Jugendinstitut

Das Projekt "Familien in gemeinschaftlichen Wohnformen" wurde gefördert vom Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung im Auftrag des Bundesministeriums des Innern, für Bau und Heimat aus Mitteln der „Zukunft Bau Forschungsförderung“; ebenso vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend sowie von der Wüstenrot Stiftung.


Kontakt
Prof. Susanne Dürr
Fakultät für Architektur und Bauwesen der Hochschule Karlsruhe
Projektleitung, raumwissenschaftlicher Teil der Studie
0721/925-2782
susanne.duerr@h-ka.de

Dr. Martina Heitkötter
Abteilung Familie und Familienpolitik am DJI
Sozialwissenschaftlicher Teil der Studie
089/62306-408
heitkoetter@dji.de

Uta Hofele
Abteilung Medien und Kommunikation am DJI
089/62306-173
hofele@dji.de

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Pressemitteilung
news-879 Thu, 08 Jul 2021 09:36:50 +0200 Der sozioökonomische Hintergrund von Kindern sowie Gruppentrennungen in Kitas wirken sich auf Infektionsgeschehen aus https://www.dji.de/veroeffentlichungen/pressemitteilungen/detailansicht/article/der-soziooekonomische-hintergrund-von-kindern-sowie-gruppentrennungen-in-kitas-wirken-sich-auf-infektionsgeschehen-aus.html Die Corona-KiTa-Studie bietet Anhaltspunkte für Empfehlungen: Beschäftigte in Kitas, die vorwiegend von Kindern mit sozioökonomisch benachteiligtem Hintergrund besucht werden, sollten vorrangig geimpft werden, Kita-Gruppen weiterhin möglichst getrennt werden Aufgrund der Coronapandemie standen Kindertageseinrichtungen in ganz Deutschland vor der Herausforderung, ihr Angebot kurzfristig und grundlegend an die neue Situation anzupassen. Im Zuge dessen wurden Öffnungszeiten gekürzt, die Anzahl an betreuten Kindern begrenzt und der pädagogische Alltag umgestaltet.

Während des Beobachtungszeitraums von September 2020 bis Juni 2021 im Rahmen der gemeinschaftlich vom Deutschen Jugendinstitut (DJI) und dem Robert Koch-Institut (RKI) geführten Corona-KiTa-Studie, wurden insgesamt jeweils nur sehr wenige neue bestätigte Corona-Fälle pro Woche unter den anwesenden Kita-Kindern und Kita-Beschäftigten beobachtet. Dennoch konnten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler anhand statistischer Modellierungen Merkmale identifizieren, die mit einem erhöhten Auftreten von COVID-19-Infektionen in Kitas einhergingen.

Kinder sowie Erzieherinnen und Erzieher haben ein erhöhtes Infektionsrisiko, wenn viele Kinder mit sozioökonomisch benachteiligtem Hintergrund in der Einrichtung betreut werden

So zeigte die statistische Auswertung der Infektionszahlen im Zeitraum von September 2020 bis Juni 2021, dass die Wahrscheinlichkeit, eine Corona-Infektion bei Kindern oder Erzieherinnen und Erziehern zu beobachten, in Einrichtungen mit einem größeren Anteil an Kindern mit sozioökonomisch benachteiligtem Hintergrund signifikant höher war. Für Einrichtungen mit einem Anteil von 60 Prozent und mehr an sozioökonomisch benachteiligten Kindern war die Wahrscheinlichkeit, dass sich Kinder oder das pädagogische Personal mit SARS-CoV-2 infizieren, etwa doppelt so hoch wie in Einrichtungen mit einem niedrigeren Anteil mit bis zu 10 Prozent.

Kontaktbeschränkungen senken das Infektionsrisiko

Zudem zeigte sich im Zeitverlauf, dass strikte Kontaktbegrenzungen durch die Trennung der Kindergruppen und die feste Zuweisung des pädagogischen Personals zu ihren Gruppen das Infektionsrisiko für Kinder und Beschäftigte reduzierten. Kitas, die nach eigenen Angaben ihr Gruppenkonzept hin zu mehr Kontakten zwischen den Kindern öffneten, berichteten in der Folge signifikant höhere Infektionsraten. Einrichtungen, die hingegen eine strikte Gruppenzuweisung des Personals zu den jeweiligen Gruppen einführten, hatten in der Folge ein nur halb so großes Infektionsrisiko.

Beide beschriebenen Effekte, der sozioökonomische Status sowie die Einführung beziehungsweise Aufhebung von kontaktreduzierenden Maßnahmen, waren tendenziell in der dritten Welle größer als in der zweiten. Für die Autorinnen und Autoren der Corona-KiTa-Studie könnte dies auf die seit Anfang 2021 zunehmende Verbreitung der infektiöseren Alpha-Variante (B.1.1.7) zurückzuführen sein.

Angesichts der aktuellen Ausbreitung der Delta-Variante des SARS-CoV-2-Virus leitet die Forschungsgruppe auf der Basis aktueller Auswertungen der Erhebungen die Empfehlung ab, soweit personell möglich, weiterhin auf die Trennung der Kita-Gruppen zu achten. Zudem sollte das Personal von Kitas in sozial belasteten Quartieren vorrangig geimpft werden und auch priorisiert Zugang zu möglicherweise notwendigen Auffrischungsimpfungen erhalten. „Kinder aus sozioökonomisch schwachen Familien sind besonders auf frühe Förderung angewiesen. Das Personal in den entsprechenden Einrichtungen sollte darum priorisiert geschützt und unterstützt werden, um weitere Kita-Schließungen in einer möglichen vierten Welle zu vermeiden und die sozialen Folgen der Pandemie nicht noch größer werden zu lassen,“ sagt DJI-Wissenschaftler Dr. Franz Neuberger.

Zur Corona-KiTa-Studie

Das Deutsche Jugendinstitut (DJI) und das Robert Koch-Institut (RKI) erheben mit der Corona-KiTa-Studie seit Ende August 2020 Daten zum Infektionsgeschehen in Kitas und in Kindertagespflegestellen. Im Rahmen des KiTa-Registers werden wöchentlich alle teilnehmenden Kitas und Kindertagespflegepersonen gebeten, unter anderem Angaben zum Öffnungs- und Schließgeschehen, zu Verdachts- und Infektionsfällen, dem Betreuungskonzept, zur Anzahl betreuter Kinder sowie zum Einsatz des pädagogischen Personals abzugeben. Seit dem Start des KiTa-Registers haben sich über 11.400 Kitas und knapp 2.200 Kindertagespflegestellen für das KiTa-Register angemeldet (Stand: 10.06.2021). Dies entspricht etwa 20 Prozent der deutschlandweit bestehenden Kindertageseinrichtungen beziehungsweise 5 Prozent der Kindertagespflegestellen. An den wöchentlichen Abfragen seit Ende August nehmen durchschnittlich etwa 6.000 Kitas und 1.000 Kindertagespflegestellen teil.

Veröffentlichung dieser ErgebnisseWöchentlich aktuell: Corona-KiTa-DashboardQuartalsbericht I/2021 TwitterWeitere Informationen
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news-872 Mon, 14 Jun 2021 11:18:07 +0200 Kontakt von Eltern und pädagogischen Fachkräften in der Pandemie erschwert https://www.dji.de/veroeffentlichungen/pressemitteilungen/detailansicht/article/kontakt-von-eltern-und-paedagogischen-fachkraeften-in-der-pandemie-erschwert.html Kooperation von Kitas und Kindertagespflege mit Eltern sowie die Medienausstattung der Kitas sind Themen des aktuellen Quartalsberichts der Corona-KiTa-Studie Intensive Zusammenarbeit und guter Kontakt zwischen pädagogischen Fachkräften und Eltern sind entscheidende Voraussetzungen dafür, Kinder in Kindertageseinrichtungen oder Kindertagespflegestellen zu fördern, zu betreuen und zu erziehen. Dieser wichtige Austausch fand seit Beginn der Coronapandemie unter sich laufend verändernden Rahmenbedingungen statt. Aktuelle Forschungsergebnisse unter anderem zu diesem Thema sowie zur Medienausstattung der Einrichtungen präsentieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Deutschen Jugendinstituts (DJI) und des Robert Koch-Instituts (RKI) im 4. Quartalsbericht (II/2021) der Corona-KiTa-Studie.

Kommunikation von Kitas und Eltern

„Während im Oktober und November 2020 noch über 90 Prozent der Kita-Leitungen angaben, mindestens wöchentlich persönlichen Kontakt zu Eltern zu haben, lag deren Anteil im Zeitraum Dezember bis April 2021 nur noch bei etwa 60 Prozent“, erklärt Dr. Susanne Kuger, Projektleiterin der Corona-KiTa-Studie am DJI. Auffallend sei, wie die Einrichtungen ihr Repertoire an Kommunikationsformaten an die Pandemiebedingungen angepasst haben. So wurden zu Beginn der Pandemie zum Austausch mit Eltern nur sehr vereinzelt Textnachrichten, selbst gedrehte Videos sowie soziale Netzwerke oder Videochats genutzt. Mit Beginn des zweiten Lockdowns im Dezember 2020 und dem Übergang in den eingeschränkten Regelbetrieb haben jedoch bis zu einem Drittel der Kitas monatlich Videobotschaften für Familien erstellt oder Videokonferenzen für den Kontakt mit Kindern und Eltern angeboten, auch um den Austausch mit den Familien zu halten, deren Kinder nicht in die Kita kamen.

Aus Sicht jener Eltern, deren Kind die Kita zum Befragungszeitpunkt besuchte, lief der Kontakt vor allem über Tür- und Angelgespräche beim Bringen oder Abholen der Kinder. Diese fanden häufig im Freien vor der Tür statt – so ein Ergebnis der repräsentativen Elternbefragung zwischen Februar und März 2021 im Rahmen der Corona-KiTa-Studie.

Medienausstattung der Kindertageseinrichtungen

„Auch wenn nahezu alle Einrichtungen zwar grundsätzlich mit einem Computer, Internetzugang und Telefon ausgestattet sind, gibt etwa die Hälfte der Leitungen an, zusätzliche Geräte zu benötigen. Weitere Zugangsmöglichkeiten zum Internet wünschen sich ein Drittel der Leitungen,“ sagt Dr. Susanne Kuger. „Die Ergebnisse der Leitungsbefragung weisen darauf hin, dass durch die neuen Rahmenbedingungen während der Pandemie die digitale Kommunikation in den Kitas einen enormen Innovationsschub erhalten hat. Es besteht jedoch weiterer Handlungsbedarf, um die digitale Kommunikation mit Kindern und Eltern zu verbessern“, erklärt Kuger. Nach Aussagen der befragten Kita-Leitungen werden derzeit in etwa einem Drittel der Kitas neue technische Geräte beschafft. Knapp 30 Prozent der Kitas fehlen die finanziellen Mittel für neue technische Geräte.

Medienausstattung der Kindertageseinrichtungen

Herausforderungen der Kindertagespflege

Auch die Zusammenarbeit der Kindertagespflegepersonen mit den Eltern wurde seit Beginn der Pandemie vor große Herausforderungen gestellt, vor allem durch vielfältige Maßnahmen zum Infektionsschutz und große Verunsicherungen, die die neue Situation mit sich brachte. Um zu untersuchen, wie Tagespflegestellen und Familien in dieser Ausnahmesituation zusammenarbeiten, wurde von Dezember 2020 bis Januar 2021 eine Befragung durchgeführt, an der sich insgesamt 2.807 Kindertagespflegepersonen beteiligt haben.

Im Zeitverlauf der Pandemie kam es zu wechselnden Zugangsregelungen, die in den Monats- und Quartalsberichten regelmäßig beschrieben werden. Bereits nach dem ersten Lockdown im März 2020 durfte die Tagespflege im überwiegenden Teil der Bundesländer deutlich früher wieder in den Regelbetrieb übergehen als die Kitas, zahlreiche Angebote waren sogar durchgängig verfügbar. Die Gründe hierfür dürften insbesondere auch in der aus Sicht des Infektionsschutzes günstigen Betreuungssituation in kleinen Gruppen von maximal fünf Kindern mit fest zugeteiltem Personal liegen. Dass die Kindertagespflege trotz dieser Schwierigkeiten insgesamt betrachtet gut mit den Herausforderungen umgehen konnte, ist auch auf diese Besonderheit der Betreuungsform zurückzuführen.

Bei den Großtagespflegestellen werden tendenziell etwas größere Schwierigkeiten gemeldet, was vermutlich auf das größere Betreuungssetting zurückzuführen ist. Die Kooperation und Kommunikation mit den Eltern wurde von etwa 40 Prozent der antwortenden Kindertagespflegepersonen als deutlich schwieriger eingeschätzt, verglichen mit der Zeit vor der Pandemie.

Insbesondere der Umgang mit verschnupften Kindern, aber auch die Auswahl von Kindern mit Anspruch auf eingeschränkte Betreuung schienen für Konfliktpotential zwischen Eltern und den Kindertagespflegepersonen zu sorgen. Auch hier bewerteten die Großtagespflegestellen die Situation weniger positiv als die singulär Arbeitenden. Es lag letztlich im Ermessen der betreuenden Person zu entscheiden, ob es sich um eine „harmlose Schnupfnase“ handelte oder um einen ernstzunehmenden Infekt – ob das Kind also betreut werden konnte, oder weitere, teils aufwändige Maßnahmen umgesetzt werden mussten. Dieser Aspekt wurde insbesondere von den Großtagespflegestellen als besonders schwierig für die Zusammenarbeit mit den Eltern eingeschätzt. Bei den singulär Arbeitenden fanden knapp 40 Prozent, dass die Betreuung von Kindern mit Schnupfen zu Schwierigkeiten bei der Zusammenarbeit mit den Eltern führte.
 

Wöchentlich aktuell: Corona-KiTa-DashboardQuartalsbericht II/2021

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news-867 Wed, 09 Jun 2021 09:15:00 +0200 Wenn unterhaltspflichtige Elternteile nicht zahlen https://www.dji.de/veroeffentlichungen/pressemitteilungen/detailansicht/article/867-wenn-unterhaltspflichtige-elternteile-nicht-zahlen.html Ergebnisse einer DJI-Studie informieren über die Gründe und zeigen, dass weitere Nachbesserungen beim staatlichen Unterhaltsvorschuss nötig sind Der Anteil von Alleinerziehenden in Deutschland steigt: Knapp ein Fünftel aller Familien mit minderjährigen Kindern waren im Jahr 2017 Ein-Eltern-Familien. In diesen lebten neun von zehn Kindern überwiegend bei ihrer Mutter, zeigen Daten des Statistischen Bundesamts. Der leibliche Elternteil, bei dem das Kind nicht wohnt, ist in der Regel gegenüber dem Kind zu Unterhalt verpflichtet. Manche getrenntlebende Elternteile kommen dieser Pflicht jedoch nicht oder zumindest nicht vollständig nach. Wie viele Kinder davon betroffen sind und was die Gründe für den Zahlungsausfall sind, haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Deutschen Jugendinstituts (DJI) und der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt (KU) anhand von Daten der DJI-Alleinerziehendenstudie aus dem Jahr 2016 untersucht. Für die Studie wurden mehr als 1.000 alleinerziehende Mütter und knapp 100 alleinerziehende Väter mit einem Kind unter 15 Jahren befragt.

Nur jedes vierte Kind von Alleinerziehenden erhält Mindestunterhalt

Die Analysen zeigen: Von den Kindern, für die laut Auskunft der befragten Alleinerziehenden Unterhaltszahlungen vereinbart oder festgelegt wurden (81 Prozent), erhalten mehr als ein Drittel (37 Prozent) keinen oder nur unvollständigen Unterhalt vom anderen Elternteil. Bei ungefähr der Hälfte von diesen kommt gar kein Unterhalt an. „Für die kindliche Entwicklung und das Wohlergehen der Kinder spielt die soziökonomische Situation der Familie eine entscheidende Rolle und diese wird durch ausbleibende Unterhaltszahlungen negativ beeinflusst“, sagt Studienautorin Dr. Sandra Hubert vom DJI. Die Sozialwissenschaftlerin hält das Ergebnis aus einem weiteren Grund für alarmierend: Insgesamt erhält nur knapp jedes vierte Kind, das in einer Alleinerziehendenfamilie lebt, Unterhalt vom anderen Elternteil, dessen Höhe dem Mindestunterhalt gemäß der sogenannten Düsseldorfer Tabelle entspricht. Diese zeigt auf, wie viel Unterhalt je nach Einkommen des unterhaltspflichtigen Elternteils und nach Alter des Kindes gezahlt werden sollte.

Häufigster Grund für ausbleibende Zahlungen: Der getrenntlebende Elternteil ist wirtschaftlich nicht leistungsfähig

Im Rahmen der DJI-Alleinerziehendenstudie wurden auch die Ursachen für den Zahlungsausfall erfragt, allerdings nur einseitig, also bei dem Elternteil, bei dem das Kind hauptsächlich lebt. Ausbleibende Unterhaltszahlungen erklärten die Alleinerziehenden am häufigsten damit, dass der getrenntlebende Elternteil wirtschaftlich nicht leistungsfähig sei: Knapp zwei Drittel der Befragten (64 Prozent) sprechen von einem sehr geringen Einkommen, etwa durch Arbeitslosigkeit, Bezug von Sozialleistungen, Verschuldung oder Privatinsolvenz des Ex-Partners oder der Ex-Partnerin. Fast die Hälfte (48 Prozent) der Befragten, die für ihr Kind nicht den vollständigen Unterhalt erhält, gab an, dass der andere Elternteil sich weigere, den Unterhaltsverpflichtungen (vollständig) nachzukommen. Mehr als ein Drittel (35 Prozent) verzichtet auf Unterhalt, um das Verhältnis zwischen den Eltern nicht zu belasten.

Kinder, die auf staatlichen Unterhaltsvorschuss angewiesen sind, werden benachteiligt

Da es vielen Alleinerziehenden, die eine Zahlungsverweigerung des anderen Elternteils annehmen, nicht zu gelingen scheint, Unterhaltszahlungen durchzusetzen, fordert Hubert: „Alleinerziehende sollten bei der juristischen Klärung beziehungsweise Durchsetzung der Unterhaltszahlungen besser unterstützt werden, da die dafür aufgewendete Zeit, Energie und das Geld nicht mehr dem Kind zur Verfügung stehen“. Zudem sieht sie beim staatlichen Unterhaltsvorschuss politischen Handlungsbedarf. Zwar können diesen Alleinerziehende beantragen, die für ihr Kind keinen oder unregelmäßigen Unterhalt bekommen. Doch der DJI-Studie zufolge hat den Unterhaltsvorschuss letztlich nur etwas mehr als ein Drittel der betroffenen Familien bezogen. Die staatliche Leistung konnte im Befragungszeitraum nur für längstens 72 Monate und bis zum 12. Geburtstag des Kindes in Anspruch genommen werden.

Auch wenn die Reform des Unterhaltsvorschusses im Jahr 2017 dazu geführt hat, dass insgesamt mehr als doppelt so viele Familien diese Unterstützungsleistung erhalten wie zuvor, sieht Dr. Sandra Hubert weiteren Nachbesserungsbedarf. Denn der Anspruch auf Unterhaltsvorschuss gilt aktuell nur bis zum Ende des 18. Lebensjahres, obwohl unterhaltspflichtige Eltern bis zum Abschluss der ersten Berufsausbildung Zahlungen leisten müssen. Außerdem kann der Bezug nur unter der Bedingung erfolgen, dass der alleinerziehende Elternteil monatlich mindestens 600 Euro brutto erwirtschaftet und nicht von Sozialtransfers abhängig ist. Schließlich wird beim Unterhaltsvorschuss das Kindergeld vollständig auf den Mindestunterhalt angerechnet, und nicht zur Hälfte wie im Unterhaltsrecht. „Durch diese Regelungen werden Unterhaltsvorschussbeziehende Kinder immer noch benachteiligt“, kritisiert Hubert.

Die Ergebnisse der Studie wurden in einem Fachartikel in der „Zeitschrift für Soziologie der Erziehung und Sozialisation“ im Jahr 2020 veröffentlicht. Der Artikel und das ganze Magazin stehen nun „Open Access“ zur Verfügung und können damit kostenlos heruntergeladen werden.
 

Hubert, Sandra/Neuberger, Franz/Sommer, Maximilian (2020): Alleinerziehend, alleinbezahlend? Kindesunterhalt, Unterhaltsvorschuss und Gründe für den Unterhaltsausfall. In: Zeitschrift für Soziologie der Erziehung und Sozialisation, Jahrg. 40, H. 1, S. 19-38Schwerpunktheft "Trennung und Scheidung" der Zeitschrift für Soziologie der Erziehung und Sozialisation“, Jahrg. 40, H. 1DJI-Alleinerziehendenstudie


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Dr. Sandra Hubert
Zentrum für Dauerbeobachtung und Methoden
089/62306-342
hubert@dji.de

Uta Hofele
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089/62306-173
hofele@dji.de

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Pressemitteilung
news-858 Mon, 17 May 2021 10:41:00 +0200 Zu jung für Politik? Von wegen! https://www.dji.de/veroeffentlichungen/pressemitteilungen/detailansicht/article/zu-jung-fuer-politik-von-wegen.html Politische Bildung im Kindes- und Jugendalter ist Thema der aktuellen Ausgabe des Forschungsmagazins DJI Impulse Die Demokratie steht vor großen Herausforderungen: Krisen wie die aktuelle Corona-Pandemie oder der Klimawandel, aber auch Globalisierung, Migration und Digitalisierung verlangen der demokratischen Lebens- und Gesellschaftsform vieles ab. „In diesem Kontext bekommt die politische Bildung, die jahrzehntelang ein Schattendasein führte, neue Relevanz“, betont Prof. Dr. Thomas Rauschenbach, Direktor des Deutschen Jugendinstituts (DJI), anlässlich der neu erschienenen Ausgabe des Forschungsmagazins DJI Impulse.

Demokratisches Handeln und kritische Urteilskraft fördern
Unter dem Titel „Politische Bildung von Anfang an: Wie Kinder und Jugendliche Demokratie lernen und erfahren können“ analysieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die Herausforderungen in der politischen Bildung. Entscheidende Weichen für demokratisches Handeln und kritische Urteilskraft werden demnach in der Familie gestellt. Doch auch weil Kinder und Jugendliche immer mehr Zeit in schulischen und außerschulischen Bildungseinrichtungen verbringen, steigt deren Bedeutung in der politischen Bildung.

Der These des aktuellen 16. Kinder- und Jugendberichts folgend, dass politische Bildung auf ganz unterschiedliche Weise in der gesamten Kindheit und Jugend stattfindet, zeigen die Autorinnen und Autoren des Forschungsmagazins Potenziale auf, die in Kindertageseinrichtungen, Schulen und der außerschulischen Kinder- und Jugendarbeit bislang nicht ausreichend genutzt werden. So spielt die politische Bildung in Kitas und Grundschulen noch immer ein eher untergeordnetes Thema. Nachholbedarf identifizieren die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aber auch in weiterführenden Schulen und der Kinder- und Jugendarbeit.

bpb-Präsident Thomas Krüger im Interview über zeitgemäße politische Bildung
Durch den geplanten Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung im Grundschulalter sowie den generellen Ausbau der Ganztagsbetreuung in Kitas und Schulen entsteht nicht nur die Chance, sondern auch die Notwendigkeit politische Bildung in den Institutionen stärker zu verankern, lautet ein zentrales Fazit der Autorinnen und Autoren. Zudem fordert der Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb), Thomas Krüger, im Interview, politische Bildung zur „kritischen politischen Medienbildung“ weiterzuentwickeln, da demokratiegefährdende Inhalte durch soziale Medien früh auf Kinder zukommen.

Das Forschungsmagazin DJI Impulse berichtet allgemein verständlich über die wissenschaftliche Arbeit am DJI, einem der größten sozialwissenschaftlichen Forschungsinstitute in Deutschland. Regelmäßig informieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler über relevante Themen aus den Bereichen Kindheit, Jugend, Familie und Bildung.

Aktuelle Ausgabe (1/2021) „Politische Bildung von Anfang an: Wie Kinder und Jugendliche Demokratie lernen und erfahren können“ (Download PDF)Mehr Angebote zum aktuellen Impulse-Schwerpunkt
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Birgit Taffertshofer
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News Pressemitteilung Position 1 (groß)
news-855 Thu, 29 Apr 2021 08:00:00 +0200 Aufwachsen in Deutschland: Kinder, Jugendliche und Familien vor und während Corona https://www.dji.de/veroeffentlichungen/pressemitteilungen/detailansicht/article/aufwachsen-in-deutschland-kinder-jugendliche-und-familien-vor-und-waehrend-corona-1.html Mit den Daten des DJI-Surveys „Aufwachsen in Deutschland: Alltagswelten – AID:A“ lassen sich wertvolle Erkenntnisse darüber gewinnen, was junge Menschen bewegt, wie sie leben und welche Einflüsse ihre Lebensumstände prägen Seit über zwölf Jahren bietet der Survey „Aufwachsen in Deutschland: AIltagswelten“ (AID:A) des Deutschen Jugendinstituts (DJI) umfangreiche Informationen über die Lebenslagen und Erfahrungen von Kindern, Jugendlichen, jungen Erwachsenen und ihren Eltern, aktuell auch vor und während der Pandemie. Mit bundesweiten, repräsentativ angelegten Befragungen informiert diese Panel-Erhebung über Veränderungen der Lebensformen und Lebenslagen und stellt hierbei breite Facetten des Wohlergehens junger Menschen und ihrer Familien in unterschiedlichen Alltagskontexten in den Vordergrund. AID:A dient der Sozialberichterstattung und anwendungsorientierten Grundlagenforschung und richtet sich damit an Wissenschaft, Fachpraxis und Politik.

Mit der im Jahr 2019 gestarteten neuen Erhebungsserie, die knapp 14.300 Zielpersonen ab der Geburt bis zum Alter von 32 Jahren und ca. 9.900 Eltern von minderjährigen Zielpersonen erfasst, liegen breite Informationen zur Situation direkt vor der Corona-Pandemie vor. Daran schließt eine Corona-Befragung im Jahr 2020 sowie eine derzeit beginnende Wiederholungsbefragung der Teilnehmenden im Jahr 2021 an. Mit diesen erweiterten Datensätzen rückt AID:A nun die veränderte Situation von Kindern, jungen Menschen und Familien während der Corona-Pandemie in den Mittelpunkt und erlaubt Vergleiche zur Ausgangslage im Jahr 2019. Die Daten geben Aufschluss darüber, unter welchen wirtschaftlichen, sozialen und familialen Bedingungen Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene in Deutschland aufwachsen, wie ihr Alltag vor der Pandemie aussah und wie sich seit der Corona-Pandemie ihre Lebenswelten, Erfahrungen und ihr Wohlergehen verändert haben.

Einen Überblick über aktuelle Forschungsergebnisse auf Grundlage der Datenerhebung AID:A 2019 über die Zeit vor Corona bietet die Publikation „Aufwachsen in Deutschland 2019. Alltagswelten von Kindern, Jugendlichen und Familien“. Darüber hinaus ermöglichen aktuelle Analysen breite Einblicke in Veränderungen seit dem Beginn der Pandemie zu vielfältigen Themen wie Peerbeziehungen und soziales Engagement junger Menschen, Anregungs- und Lernbedingungen ab der frühen Kindheit, die Gestaltung des Familienlebens zwischen Homeoffice und Distanzlernen und vieles mehr.
 

Aktuelle Forschungsergebnisse zu Veränderung der Lebenslagen während der Pandemie

Die DJI-Forscherinnen und Forscher gehen etwa der Frage nach: Sind Homeoffice und Notbetreuung wirksam gegen elterlichen Stress in der COVID-19-Pandemie? Ihr Fazit: Homeoffice im Lockdown konnte nur bedingt Vereinbarkeitskonflikte zwischen Familie und Beruf verringern, wobei Mütter nicht im gleichen Maße profitieren konnten wie Väter. Notbetreuungsmaßnahmen können den Pandemie-Druck auf das elterliche Wohlbefinden nicht mindern, verhindern aber effektiv den Anstieg negativen Erziehungsverhaltens wie häufiges „Wütend werden“. Diese Wirkung ist auch Monate nach dem ersten COVID-19 Lockdown im März/April 2020 deutlich und statistisch signifikant messbar.

Freundinnen und Freunde gehören weiterhin zu den wichtigsten Bezugssystemen von Jugendlichen. Sie knüpfen ihre Freundschaften vor allem in der Schule, gestalten diese dann aber ebenso online wie offline aus. Analoge und digitale Welten stehen sich somit nicht gegenüber, sondern ergänzen und verbinden sich. Auch zu den Peerbeziehungen Jugendlicher vor und während Corona liegen Daten vor. Während des ersten Lockdown im Frühjahr 2020 haben sich junge Menschen vor allem an ihre Eltern und Peers gewandt. Sie haben sich auf vielfältige Weise engagiert, sich gegenseitig und andere unterstützt.

Ein weiteres Forschungsbeispiel sind Herausforderungen für Kinder und ihre Familien vor und während der Pandemie. So spielt etwa beim Distanzlernen das Elternhaus insbesondere bei der technischen Ausstattung eine zentrale Rolle für das Zurechtkommen. Die Ausstattung ist bei Schülerinnen und Schülern in benachteiligteren Lebenslagen jedoch seltener vorhanden.
 

Konzept des Wohlergehens

„Bei unseren Erhebungen schlagen wir eine Brücke vom jüngsten Säuglings- bis zum mittleren Erwachsenenalter von 32 Jahren. Ab einem Alter von neun Jahren kommen die Kinder und jungen Menschen selbst zu Wort. Für Minderjährige können wir differenziert das Familienleben und die Situation der Eltern aus Perspektive von Müttern und Vätern beleuchten“, erklärt DJI-Forschungsdirektorin Prof. Sabine Walper. Besonders hervorzuheben ist das breit angelegte Konzept des Wohlergehens (Well-Being), das dem Survey zugrunde liegt. Es umfasst neben der materiellen Situation Aspekte der sozialen Eingebundenheit, Bildungsgelegenheiten und Kompetenzerleben, Autonomiespielräume und die Verselbständigung junger Menschen, Fragen der psychischen und körperlichen Gesundheit sowie gewaltfreies Aufwachsen.

Hierbei werden unterschiedliche Kontexte und das breite Altersspektrum in den Blick genommen. „Ein Beispiel: Das Thema Verselbständigung untersuchen wir bei Kindern und jungen Menschen ab der Einschulung mit jeweils altersspezifischen Schwerpunkten. Den Kindern stellen wir etwa die Frage: Was machst Du schon alleine, ohne Deine Eltern? Bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen thematisieren wir Übergänge in Ausbildung oder Studium, die erste Partnerschaft und die ökonomische Verselbstständigung“, sagt Dr. Susanne Kuger, Leiterin der DJI-Studie. „Wir haben – im Unterschied zur Shell-Jugendstudie – auch die Eltern mit an Bord und somit mehrere Perspektiven, aus denen heraus wir die Situation von Kindern und Jugendlichen beschreiben können. Nicht zuletzt die Informationen zur Inanspruchnahme von Unterstützungsleistungen wie Familienhebammen in den Frühen Hilfen, Erziehungsberatung oder Eltern-Kind-Gruppen sind für die Politik hochrelevant.“

Nach den früheren AID:A-Befragungen in den Jahren 2009 und 2014, die als Personenbefragung konzipiert waren, entwickelten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler für die dritte Hauptbefragungswelle 2019 ein neues Forschungsdesign. Sie haben dieses Mal Daten von allen Personen im Altersspektrum bis einschließlich 32 Jahre und von allen Eltern von Minderjährigen in über 6.300 Haushalten erhoben. Diese Haushaltsbefragungen ermöglichen auch einen Vergleich von Geschwistern, die bestimmte Erfahrungen in der Familie teilen, aber auch in unterschiedliche Kontexte – andere Schulklassen, andere Freundesgruppen – eingebunden sind. Ähnliche Ansätze verfolgen auch das Panel pairfam („Panel Analysis of Intimate Relationships and Family Dynamics“) der Ludwig-Maximilians-Universität LMU und das SOEP („Sozio-Ökonomisches Panel“) des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung e.V. (DIW), die jedoch den Fokus auf Partnerschaft und Familie beziehungsweise auf die Erwerbstätigkeit legen und weniger als AID:A auf Kinder und Jugendliche.

Neuerscheinung Publikation: Überblick und Einblicke in Forschungsthemen

Die aktuelle Publikation „Aufwachsen in Deutschland 2019“ soll Appetit machen, sich mit den Daten auseinanderzusetzen. „Wir erheben die Daten nicht nur für eigene Forschungsprojekte, sondern geben sie frei an alle Forschende, die sie nach ihren Fragestellungen auswerten möchten“, sagt Susanne Kuger. Die gewonnenen Daten stehen über das Forschungsdatenzentrum des DJI der Fachöffentlichkeit zur Verfügung. Finanziert wird das Projekt vor allem aus Fördermitteln des Bundesministeriums für Familien, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) sowie aus Eigenmitteln des DJI.

Susanne Kuger, Sabine Walper, Thomas Rauschenbach (Hrsg.): „Aufwachsen in Deutschland 2019. Alltagswelten von Kindern, Jugendlichen und Familien“. Print-Publikation und pdf-download (Website wbv-Verlag)

Projekt „AID:A 2019. Aufwachsen in Deutschland: Alltagswelten. Dritte Welle der integrierten DJI-Surveyforschung“

Weitere Forschungsergebnisse: Corona und die gesellschaftlichen Folgen – Ergebnisse und Analysen aus der DJI-Forschung

 

 

Kontakt

Prof. Dr. Sabine Walper
Forschungsdirektorin Deutsches Jugendinstitut
Tel.: 089/62306-289
walper@dji.de

Dr. Susanne Kuger (Projektleitung)
Leiterin des Zentrums „Methoden der Dauerbeobachtung“
Tel.: 089/62306-322
kuger@dji.de

Marion Horn
Abteilung Medien und Kommunikation
Tel.: 089/62306-311
horn@dji.de

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news-840 Wed, 03 Mar 2021 11:00:00 +0100 Familien krisenfest machen https://www.dji.de/veroeffentlichungen/pressemitteilungen/detailansicht/article/familien-krisenfest-machen.html Die Kommission des Neunten Familienberichts unter dem Vorsitz von DJI-Forschungsdirektorin Sabine Walper empfiehlt unter anderem, Familien wirtschaftlich zu stabilisieren und bei ihren gestiegenen Anforderungen zu entlasten Die wirtschaftliche Stabilität von Familien zu sichern, steht angesichts der Corona-Pandemie an erster Stelle der Empfehlungen des Neunten Familienberichts mit dem Titel „Eltern sein in Deutschland“. Er wurde von einer unabhängigen Sachverständigenkommission unter dem Vorsitz von DJI-Forschungsdirektorin Prof. Dr. Sabine Walper verfasst und heute im Kabinett beschlossen. Neben monetären Leistungen wie etwa einer eigenständigen Kinderabsicherung fordern die sieben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Kommission insbesondere, die Förderung der substanziellen Beteiligung beider Elternteile am Erwerbsleben. „Die beste Absicherung gegenüber einem Armutsrisiko sind zwei erwerbstätige Eltern, die gemeinsam zum Familieneinkommen beitragen“, sagt Kommissionsvorsitzende und Forschungsdirektorin am Deutschen Jugendinstitut (DJI), Prof. Dr. Sabine Walper. Die Corona-Krise habe gezeigt, wie schnell ein Elternteil unerwartet den Job beziehungsweise Aufträge verlieren könne oder von Kurzarbeit betroffen sei.

Die meisten Väter arbeiten in Vollzeit weiter, während Mütter in Teilzeit gehen

Für den Neunten Familienbericht haben die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus unterschiedlichen Disziplinen die soziale, ökonomische sowie rechtliche Situation von Familien in Deutschland untersucht. Demnach praktizieren insbesondere in Westdeutschland immer noch viele Eltern das sogenannte modernisierte Ernährermodell mit Vätern, die nach der Familiengründung in Vollzeit – oft mit Überstunden – weiterarbeiten und Müttern, die in stark reduzierte Teilzeit gehen. Das hat nicht nur negative Konsequenzen für die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung von Frauen, sondern auch zur Folge, dass viele getrennte und geschiedene Mütter von Armut betroffen und auf Transferbezug angewiesen sind, heißt es in dem Bericht. Dabei entspricht diese Arbeitsaufteilung nicht immer den elterlichen Präferenzen: Väter wünschen sich häufig, ihre Arbeitszeit zu reduzieren während Mütter gerne ihren Erwerbsumfang ausweiten würden. Ökonomische Zwänge und Anreize stehen dem jedoch oft strukturell entgegen.

Einkommenssicherung und Sorgearbeit gleichmäßiger auf Mütter und Väter verteilen

Vor diesem Hintergrund empfehlen die Sachverständigen, Anreize für eine geringfügige Erwerbstätigkeit von Müttern zu mindern und aus dem Ehegattensplitting auszusteigen, indem zunächst die Steuerklassen drei und fünf abgeschafft werden. Vergünstigungen für die sogenannten Minijobs sollen zurückgefahren werden. Als Anreiz für eine egalitäre Arbeitsteilung setzt die Kommission auf eine Reform des Elterngelds: „Aus Studien wissen wir, dass die frühe Familienphase die Weichen stellt für die spätere Erwerbsbeteiligung von Müttern und die Beteiligung der Väter an der Sorgearbeit“, erklärt Kommissionsvorsitzende Walper und ergänzt: „Damit Väter sich für eine längere Elternzeit entscheiden, muss die Höhe der Einkommensersatzleistung und die Zahl individuell gewährter Elternzeitmonate steigen“. Deshalb fordert die Familienberichtskommission drei exklusive individuelle Elterngeldmonate mit einem höheren Einkommensersatz von 80 Prozent für jeden Elternteil und acht frei aufteilbare Monate, in denen sich der Einkommensersatz pro Elternteil im Zeitverlauf verringert.

Kindertagesbetreuung und Ganztagsangebote für Grundschulkinder weiter ausbauen

Damit Müttern und Vätern die Vereinbarkeit von Beruf und Familie besser gelingt, empfiehlt die Kommission neben erweiterten Möglichkeiten zum Home-Office – auch über die Pandemie hinaus – den Ausbau ganztägiger, qualitativ hochwertiger Bildungsangebote für Kinder vom Krippenalter bis zum Ende der Grundschulzeit weiter voranzutreiben. Außerdem unterstreichen die Sachverständigen, wie wichtig ein Rechtsanspruch auf eine Ganztagsbetreuung für Grundschulkinder ist – sowohl für eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie als auch für gerechtere Bildungschancen der Kinder. Sie empfehlen den Ausbau teilgebundener Ganztagsschulen, die eine verbindliche Nutzung an drei Tagen pro Woche vorsehen.

Eltern entlasten und gerechte Bildungschancen bei Kindern fördern

Einen Fokus legt der Familienbericht auch auf eine angemessene Förderung der Kinder und gerechte Bildungschancen unabhängig von ihrer Herkunft. Denn in der Corona-Pandemie verschärfen sich soziale Ungleichheiten, nicht zuletzt, weil Bildungsaufgaben – während der Schul- und Kita-Schließungen und auch noch bei der schrittweisen Öffnung – in die Familie verlagert wurden. Ohnehin ist Elternschaft laut dem Bericht anspruchsvoller geworden und hat eine Intensivierung erfahren, die sich schon darin zeigt, dass Väter wie auch Mütter mehr Zeit in die Betreuung und Erziehung ihrer Kinder investieren. Damit besteht jedoch die Gefahr, dass sich soziale Ungleichheiten zusätzlich verschärfen. Denn obwohl sich vor allem Eltern aus niedrigen Einkommensgruppen und Migrantenfamilien Aufstiegschancen für ihre Kinder erhoffen, erleben sie häufiger, dass sie ihr Kind zu Hause nicht ausreichend fördern können. Entsprechend plädiert die Kommission dafür, Unterstützungsangebote für Familien im gesamten Bildungsverlauf der Kinder zu etablieren, beispielsweise über Familienzentren an Schulen. Außerdem sollen multiprofessionelle Teams an Schulen mit Sozialarbeiterinnen und -arbeitern sowie Gesundheitsfachkräften die Vermittlung insbesondere gesundheitsbezogener, digitaler, sozialer und persönlicher Kompetenzen der Kinder fördern. Darüber hinaus empfiehlt die Kommission, Erziehungs- und Bildungspartnerschaften durch einen intensiveren Austausch zwischen Lehrkräften und Eltern zu stärken, und schlägt dafür eine einstündige Reduktion der wöchendtlichen Lehrverpflichtung vor.
 
Rechtliche Anpassungen für neue Familienformen

Schließlich werden im Familienbericht eine Reihe von rechtlichen Anpassungen gefordert, die der Realität neuer Familienformen besser gerecht werden. So wird beispielsweise mittlerweile jedes dritte Kind in eine nichteheliche Lebensgemeinschaft geboren. „Wir schlagen vor, dass unverheiratete Paare, die bei der Geburt des Kindes zusammenleben, automatisch das gemeinsame Sorgerecht erhalten. Auch darüber hinaus sollen rechtliche Regelungen geschaffen werden, die Kinder unverheirateter Eltern im Fall einer Trennung wie die Kinder von verheirateten Paaren rechtlich absichern“, sagt Walper.

Auch Elternteile, die nicht die biologischen Eltern des Kindes sind, aber im Alltag Verantwortung übernehmen und häufig auch substanziell zur Finanzierung beitragen, sollen rechtlich besser anerkannt werden. Dies betrifft etwa Stief-, Patchwork- und Pflegefamilien sowie Regebogenfamilien, in denen sich gleichgeschlechtliche Paare dazu entscheiden, gemeinsam ein Kind zu bekommen. „Für diese immer häufiger vorkommenden Familienkonstellationen regen wir an, ein echtes Sorgerecht für mehr als zwei sorgende Elternteile zu ermöglichen“, sagt Walper.


9. Familienbericht (PDF-Download)Kurzfassung des 9. FamilienberichtsAusführliche Informationen zum 9. Familienbericht auf der Website des Familienministeriums
Bericht in der Süddeutschen Zeitung vom 3. März 2021Bericht in der Frankfuter Allgemeinen Zeitung vom 3. März 2021Interview mit Sabine Walper auf Deutschlandfunk Kultur am 3. März 2021

Der 9. Familienbericht:
Mit der Erstellung des 9. Familienberichts beauftragte Bundesfamilienministerin Franziska Giffey im Juli 2018 eine aus sieben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern bestehende Kommission. Unter dem Vorsitz von Prof. Dr. Sabine Walper untersuchte das Gremium die veränderten Lebensrealitäten von Eltern und Kindern und erarbeitete Empfehlungen an die Politik. Bei der redaktionellen Erstellung des Berichts sowie bei der Auswertung von Daten unterstützte die Geschäftsführung am Deutschen Jugendinstitut (DJI). Der aktuelle Bericht mit dem Titel „Eltern sein in Deutschland“ wurde im August 2020 der Regierung vorgelegt. Zusammen mit einem Gutachten der Bundesregierung wurde der Neunte Familienbericht am 3. März 2021 im Kabinett verabschiedet. In jeder zweiten Legislaturperiode legt die Bundesregierung im Auftrag des Deutschen Bundestags einen Bericht über die Lage der Familien vor.

Mitglieder der Kommission:
Dr. Helen Baykara-Krumme, Universität Duisburg-Essen
Prof. Dr. Miriam Beblo, Universität Hamburg
Prof. Dr. Nina Dethloff, Universität Bonn
Prof. Dr. Michaela Kreyenfeld, Hertie School, Berlin
Prof. Dr. Axel Plünnecke, Institut der Deutschen Wirtschaft, Köln
Prof. Dr. Reinhard Pollak, GESIS Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften, Mannheim
Prof. Dr. Sabine Walper, Deutsches Jugendinstitut (DJI), Vorsitzende


Kontakt
Prof. Dr. Sabine Walper
Forschungsdirektorin am DJI
089/62306-289
walper@dji.de

Uta Hofele
Abteilung Medien und Kommunikation
089-62306-173
hofele@dji.de

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Pressemitteilung
news-835 Tue, 23 Feb 2021 09:00:00 +0100 Eltern wünschen sich flexiblere Betreuungsangebote https://www.dji.de/themen/kinderbetreuung/eltern-wuenschen-sich-flexiblere-betreuungsangebote.html Nicht alle Familien wollen einen Ganztagsplatz für ihr Grundschulkind. Wie stark der Betreuungsbedarf variiert, zeigen aktuelle Ergebnisse der DJI-Kinderbetreuungsstudie Eltern von Grundschulkindern sollen ab 2025 das Recht auf einen ganztägigen Betreuungsplatz haben, das haben Bund und Länder zumindest im Koalitionsvertrag vereinbart. Diskutiert wird der Anspruch auf acht Stunden täglich pro Woche – inklusive der Unterrichtszeit. Dafür müsste der Staat hunderttausende zusätzliche Ganztagsplätze schaffen und Milliarden investieren. Die aktuellen Ergebnisse der Kinderbetreuungsstudie (KIBS) des Deutschen Jugendinstituts (DJI) zeigen allerdings: Insgesamt haben zwar 74 Prozent der befragten Eltern einen Betreuungsbedarf, doch nur etwa jede fünfte Familie wünscht sich einen solchen Ganztagsplatz. Stattdessen würden 23 Prozent der befragten Eltern eines Grundschulkinds einen kleineren Betreuungsumfang pro Tag bevorzugen. Weitere 14 Prozent der Eltern gaben an, nur an drei oder vier Tagen pro Woche eine Betreuung zu benötigen. Demgegenüber stehen Familien, deren Bedarf deutlich höher liegt: 10 Prozent der Eltern eines Grundschulkinds brauchen laut der Studie eine Betreuung von mehr als acht Stunden pro Tag. „Gefragt sind zeitlich flexiblere, aber auch kürzere Angebote“, sagt KIBS-Projektleiterin PD Dr. Susanne Kuger. „Dies ist bei der Planung des weiteren Ausbaus zu berücksichtigen.“

Die DJI-Kinderbetreuungsstudie erhebt jährlich für alle Bundesländer repräsentativ den Betreuungsbedarf der Eltern mit Kindern unter 12 Jahren. Im Jahr 2019 wurden mehr als 8.000 Eltern von Kindern im Grundschulalter befragt und dabei neben Ganztagsschulen und Horten als Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe auch die Übermittagsbetreuung einbezogen. Letztere wird in der amtlichen Statistik bislang nicht als eigenständiges Angebot erfasst und damit im Rahmen der Förderung des Bundes für den Ganztagsausbau bisher nicht berücksichtigt.

Jede sechste Familie in Deutschland hat einen Betreuungsbedarf, der nicht oder nicht ausreichend gedeckt ist
Die Analysen zeigen auch die Lücke zwischen Bedarf und Nutzung: Aktuell haben deutschlandweit 6 Prozent der Eltern von Grundschulkindern keinen Betreuungsplatz, obwohl sie einen bräuchten. Dies betrifft mehr Eltern in Westdeutschland als in Ostdeutschland (6 Prozent versus 3 Prozent). 11 Prozent der befragten Eltern nutzen zwar bereits ein Angebot, benötigen aber eigentlich einen größeren zeitlichen Umfang von mindestens 5 Stunden mehr pro Woche. Ihr Anteil ist in den ostdeutschen Ländern größer als in den westdeutschen (13 Prozent versus 10 Prozent). Etwa die Hälfte der Grundschulkinder in Deutschland wird bedarfsdeckend betreut, ein Viertel der Eltern von Grundschulkindern hat keinen Betreuungsbedarf.


Übermittagsangebote erfassen und in die Diskussion einbeziehen
Von den Eltern, die bei der DJI-Kinderbetreuungsstudie einen Betreuungsbedarf geäußert haben, wünscht sich zwar ein knappes Drittel einen Platz in einer Ganztagsschule und ein Viertel in einem Hort, jeweils mit einem wöchentlichen Umfang von durchschnittlich 37 bis 39 Stunden inklusive Unterricht. Etwa jede fünfte Familie bevorzugt aber eine kürzere Betreuung mit durchschnittlich 30 Stunden pro Woche. „Dieser Elternwunsch sollte in die Diskussion über die Planung des weiteren Ausbaus der Ganztagsbetreuung für Grundschulkinder einbezogen werden“, fordert Kuger. Übermittagsangebote sollten zudem als eigenständiges Angebot in der amtlichen Statistik erfasst werden.

In Ostdeutschland werden Ganztagsplätze, in Westdeutschland kürzere Betreuungszeiten bevorzugt
Die Übermittagsbetreuung wird der DJI-Kinderbetreuungsstudie zufolge vor allem in westdeutschen Bundesländern nachgefragt, während in Ostdeutschland der Hort bevorzugt wird. Neben den Formaten unterscheidet sich auch die gewünschte Dauer: Eltern in den ostdeutschen Bundesländern benötigen für ihr Grundschulkind eine Betreuung von durchschnittlich 40 Stunden pro Woche, in Westdeutschland sind es im Schnitt nur 35 Stunden. Ausschlaggebend für den Bedarf ist häufig die Erwerbstätigkeit der Mütter, die in Ostdeutschland historisch bedingt höher liegt als in Westdeutschland. Außerdem benötigen Alleinerziehende eher als Paarfamilien einen Betreuungsplatz für ihr Grundschulkind.

Qualität der Angebote stärker berücksichtigen
Neben der Vereinbarkeit von Familie und Beruf, die der Ganztagsausbau den Eltern erleichtern soll, plädiert Kuger dafür, die Qualität der Angebote nicht aus dem Blick zu verlieren: „In der Grundschule, im Hort und in der Übermittagsbetreuung müssen wie in Kindertageseinrichtungen Fachkräfte eingesetzt werden und neue pädagogische Konzepte erarbeitet werden. Nur so kann der Rechtsanspruch dazu beitragen, die Lern- und Entwicklungschancen aller – und vor allem die der benachteiligten – Kinder zu verbessern“. Auch der Personalschlüssel, also die Frage, wie viele Kinder auf eine Fachkraft kommen, sei zu diskutieren.

Weitere Analysen der DJI-Kinderbetreuungsstudie sind im DJI-Kinderbetreuungsreport 2020 (Heft 1 und 2) neu erschienen. Erste zentrale Ergebnisse der Elternbefragung, die das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) finanziert, erscheinen zudem regelmäßig in der Broschüre „Kindertagesbetreuung kompakt“.

Weitere zentrale Ergebnisse aus der DJI-Kinderbetreuungsstudie 2019/20> Der Betreuungsbedarf bei U3- und U6-Kindern. DJI-Kinderbetreuungsreport 2020 (Heft 1)
> Der Betreuungsbedarf bei Grundschulkindern. DJI-Kinderbetreuungsreport 2020 (Heft 2)
> Projekt DJI-Kinderbetreuungsstudie 2019/2020
> Weitere Berichte zum Thema Ganztagsschule
> Weitere Berichte zum Thema Kinderbetreuung


Kontakt
PD Dr. Susanne Kuger
Projektleitung KIBS und Leitung der Abteilung Zentrum für Dauerbeobachtung und Methoden
089-62306-322
kuger@dji.de

Uta Hofele
Abteilung Medien und Kommunikation
089-62306-173
hofele@dji.de

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News Pressemitteilung Startseiten Position Position 1 (groß)
news-829 Thu, 21 Jan 2021 12:46:16 +0100 BNE-Kompetenzzentrum rückt Bildung für Nachhaltige Entwicklung für und mit Kommunen in den Fokus https://www.dji.de/veroeffentlichungen/pressemitteilungen/detailansicht/article/das-bne-kompetenzzentrum-rueckt-bildung-fuer-nachhaltige-entwicklung-bne-fuer-und-mit-kommunen-bundesweit-in-den-fokus.html Digitale Auftaktveranstaltung des Verbundprojekts findet am 26. Januar 2021 statt Unter dem Motto „Regionale Bildungslandschaften – gemeinsam BNE gestalten" feiert das BNE-Kompetenzzentrum Bildung – Nachhaltigkeit – Kommune am 26. Januar seinen Auftakt mit einer digitalen Veranstaltung. Geladen sind Akteurinnen und Akteure aus Politik, Verwaltung und Zivilgesellschaft in Kommunen sowie Forschende, die sich dem Thema Bildung für Nachhaltige Entwicklung (BNE) widmen. BNE gilt als ein Schlüssel für den gesellschaftlichen Wandel. Das Bildungskonzept hat zum Ziel, dass jeder Mensch Nachhaltigkeit beziehungsweise nachhaltiges Verhalten erlernt und sein Handeln daran ausrichten kann.

Kommunen kommt dabei eine besondere Rolle zu. Dazu erklärt Christian Luft, Staatssekretär im BMBF: „Bildung für nachhaltige Entwicklung ist ein wesentlicher Schlüssel für Nachhaltigkeit und das Erreichen der Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen. Daher baut das Bundesbildungsministerium sein Engagement auch lokal weiter aus. Denn unsere Kommunen gehören zu den wichtigsten Entscheidungsebenen für die Bildung in unserem Land. Daher fördert das BMBF mit dem BNE-Kompetenzzentrum Bildung – Nachhaltigkeit – Kommune einen neuen wesentlichen Baustein zur Umsetzung des Nationalen Aktionsplans BNE auf kommunaler Ebene.“

Künftig wird das BNE- Kompetenzzentrum 50 Modellkommunen dabei begleiten, BNE systematisch weiterzuentwickeln und in der eigenen Bildungslandschaft zu verankern. Dafür werden Wissen und Erfahrungen gebündelt und zielgerichtet zugänglich gemacht: Eine Prozessbegleitung vor Ort setzt fachliche und methodische Impulse, organisiert Vernetzungs- sowie Peer-Learning-Situationen und qualifiziert Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in kommunalen Bildungslandschaften. Gleichzeitig evaluiert eine wissenschaftliche Begleitforschung die Prozesse vor Ort und lässt die Ergebnisse laufend in die Prozessbegleitung einfließen. „Mit dieser Verknüpfung von praktischer und wissenschaftlicher Expertise verstehen wir uns als Katalysator für BNE in kommunalen Bildungslandschaften“, sagt Dr. Jörg Eulenberger, Projektleiter des BNE-Kompetenzzentrums am Standort Nord-Ost und Verbundkoordinator. Er ergänzt: „Die vielen Herausforderungen im Bereich BNE haben gemeinsam, dass die Lösungsansätze in einem gemeinsamen Verständnis münden – sowohl bei politischen Akteuren, der Kommunalverwaltung, zivilgesellschaftlichen Gruppen und in der Wissenschaft. Durch die Zusammenarbeit auf nationaler als auch auf lokaler Ebene können Wissen generiert und Erfahrungen ausgetauscht werden. Deshalb freue ich mich besonders, viele interessierte Teilnehmende bundesweit bei unserer Auftaktveranstaltung zu sehen.“

Das BNE-Kompetenzzentrum ist ein Verbundvorhaben, das von drei Partnern gemeinsam umgesetzt wird. Dem Verbund gehören das Deutsche Jugendinstitut e. V. (DJI), der Trägerverein Kommunales Bildungsmanagement Niedersachsen e. V. und das Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ Leipzig) an.

Wenn Sie auch künftig über die Aktivitäten des BNE-Kompetenzzentrums informiert werden möchten, dann schreiben Sie bitte eine kurze Mail an info@bne-kompetenzzentrum.de und wir tragen Sie in den BNE-Presseverteiler ein.
 

BNE-Kompetenzzentrum Bildung - Nachhaltigkeit - Kommune

Projektwebsite

 

Kontakt
Antje Müller
Öffentlichkeitsarbeit | BNE-Kompetenzzentrum Bildung – Nachhaltigkeit – Kommune
Tel.: 0345 68178-94
amueller@dji.de

Marion Horn
Abteilung Medien und Kommunikation, DJI
Tel.: 089 62306-311
horn@dji.de

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Pressemitteilung Startseiten Position
news-823 Mon, 21 Dec 2020 08:44:18 +0100 Mehr Kinder aus finanziell schlechter gestellten Familien fühlen sich einsam https://www.dji.de/veroeffentlichungen/pressemitteilungen/detailansicht/article/823-mehr-kinder-aus-finanziell-schlechter-gestellten-familien-fuehlen-sich-einsam.html Wie unterschiedlich sich die erste Phase der Krise auf das Wohlbefinden der Kinder auswirkte und welche Lehren sich daraus für die aktuelle Situation ziehen lassen, zeigt eine DJI-Studie Kinder aus Familien in schwieriger finanzieller Lage traf die Pandemie im Frühjahr 2020 besonders stark: Unter ihnen fühlten sich mehr Kinder einsam als in Familien, die angaben, von ihrem Einkommen gut leben zu können (48 vs. 21 Prozent). Außerdem hatte ein größerer Anteil der Kinder aus finanziell schlechter gestellten Familien in auffälligem Maße mit emotionalen Problemen wie Niedergeschlagenheit, Ängsten und Sorgen (44 Prozent vs. 18 Prozent) sowie Hyperaktivität (39 Prozent vs. 22 Prozent) zu kämpfen – und zwar umso mehr, je angespannter die Eltern ihre wirtschaftliche Situation empfanden. Das zeigen die Ergebnisse der Studie „Kind sein in Zeiten von Corona“ des Deutschen Jugendinstituts (DJI), an der sich zwischen Ende April und Ende Mai 2020 deutschlandweit mehr als 12.000 Eltern von Kindern im Alter von drei bis 15 Jahren beteiligt haben. Im Anschluss an die Online-Befragung interviewten die Forschenden in 21 Familien ein Kind im Alter von sechs bis 14 Jahren und jeweils ein Elternteil ausführlich.

„Familien mit finanziellen Sorgen haben sich an unserer Studie nur unterdurchschnittlich stark beteiligt. Dennoch zeigen die Daten, dass sie mehr unter der Pandemie leiden“, sagt Studienleiterin Dr. Alexandra Langmeyer. Sie führte zusammen mit weiteren Forschenden aus der Fachgruppe „Lebenslagen und Lebenswelten von Kindern“ des DJI die Studie durch und fordert: „Gerade jetzt sind politische Maßnahmen wichtig, die Familien finanziell entlasten und sozialen Unterschieden entgegenwirken“. Auch der Bildungsgrad der Eltern spielt eine Rolle dabei, wie Kinder einen Lockdown bewältigen: Bei der DJI-Befragung gaben mehr Eltern mit maximal mittlerem formalem Bildungsabschluss an, dass ihre Kinder Schwierigkeiten hatten, als Eltern mit hohem Bildungsabschluss (42 Prozent vs. 29 Prozent).

Gegen Einsamkeit hilft der Kontakt zu Bezugspersonen in Kita und Schule

Die Studienergebnisse machen deutlich, was zu einer guten Krisen-Bewältigung betragen kann: Der Anteil der Kinder, die mit der Situation gut zurechtkamen, war unter denjenigen höher, die Geschwister zum Spielen und zum Aufmuntern haben (70 vs. 66 Prozent) und bei denjenigen, die in regelmäßigem Kontakt mit ihren Großeltern standen (71 vs. 56 Prozent). Unter den Kindern in der Sekundarstufe hatten diejenigen Vorteile, die mit Freunden (70 vs. 66 Prozent) und Lehrkräften (73 vs. 64 Prozent) im Austausch blieben. Alle Kinder und Jugendlichen fühlten sich durch häufige Kontakte zu pädagogischen Fachkräften und Lehrkräften zudem weniger einsam (20 vs. 35 Prozent). Das zeigen die Einschätzungen der Eltern ebenso wie die der Kinder und Jugendlichen selbst.

Auf dieser Basis empfehlen die Studienautorinnen und -autoren in ihrem Ergebnisbericht: „Kitas und Schulen sollten bei Schließungen verstärkt versuchen, auf kreative und kindgerechte Weise im direkten Kontakt mit den Kindern zu bleiben“. Dafür sei die digitale Ausstattung ebenso wichtig, wie Fortbildungsmaßnahmen für Fach- und Lehrkräfte sowie Leitungen. Der Austausch mit Bezugspersonen aus Kita und Schule ist den Analysen nach nicht nur für die Kinder und Jugendlichen hilfreich: Auch Eltern profitierten davon und fühlten sich mit der Doppelbelastung durch Homeschooling und Erwerbsarbeit weniger überfordert. „In Zeiten, in denen das Infektionsgeschehen keinen Präsenzunterricht zulässt, muss der Wechsel- oder Distanzunterricht so konzipiert werden, dass Kinder im Austausch mit den Lehrkräften und weitgehend selbstständig lernen können, ergänzt Langmeyer.

Am wichtigsten für die Bewältigung der Krise ist die Familie

Kinder und Jugendliche machten den Studienergebnissen nach insbesondere die Trennung von Freunden, das Fehlen des gewohnten (Schul-)Alltags und der Mangel an Freizeitaktivitäten zu schaffen. Aus den Interviews geht zudem hervor, dass sie durch Corona verstärkt mit Ängsten konfrontiert sind. Mehr gemeinsame Zeit mit der Familie und einen weniger eng getakteten Alltag erlebten viele hingegen positiv. Gemeinsame Aktivitäten und Mahlzeiten sowie mehr Zeit mit den Vätern hoben viele Kinder in diesem Zusammenhang hervor. Insgesamt kamen die meisten gut mit dem Lockdown zurecht, immerhin ein Drittel hatte aber Schwierigkeiten. Standen zu Hause Konflikte und Chaos an der Tagessordnung, waren es noch weitaus mehr: Unter den Familien, bei denen häufig oder sogar sehr häufig ein konflikthaltiges Klima herrschte, gaben mehr als die Hälfte der befragten Eltern (53 Prozent) an, dass ihr Kind nicht gut mit den Pandemie-bedingten Veränderungen zurechtgekommen sei. Mehr Konflikte gehen auch mit verstärkten Gefühlen der Einsamkeit und Verhaltensauffälligkeiten bei den Kindern sowie einer stärker empfundenen Belastung der Eltern einher.

Hilfestellung für Familien gefordert

„Einerseits hatten belastete Eltern vermutlich weniger Ressourcen, um sich intensiv um ihre Kinder zu kümmern, zum anderen führten Probleme der Kinder sicher auch zu mehr Konflikten und Chaos in der Familie“, erklärt Langmeyer. „Treffen schwierige Lebensverhältnisse, belastete Eltern und anspruchsvolle Kinder aufeinander, verstärken sich bereits vor der Pandemie bestehende Nachteile. Dies ist vor allem vor dem Hintergrund des Kinderschutzes besorgniserregend“. Deshalb sei es wichtig, Familien in dieser Zeit vermehrt Beratung anzubieten. Denn das Wohlbefinden der Kinder hänge während der Krise noch mehr als sonst von der Familie ab – einerseits durch die finanzielle Situation, andererseits durch das Familienklima.

Die wichtige Rolle der Familie komme ganz besonders zum Tragen, wenn Kinder – durch eine eigene Infektion oder durch Infektionsfälle in der Kita-Gruppe oder Klasse – in Quarantäne müssen, schreiben die Studienautorinnen und -autoren in ihrem Fazit. Zur besseren Unterstützung fordern sie standardisierte, altersdifferenzierte Informationen der Gesundheitsämter für Eltern, die beschreiben, wie sie die Zeit der Quarantäne ihrer Kinder gestalten können, und ihnen aufzeigen, wo sie sich Hilfe holen können.


Weitere Studienergebnisse mit Grafiken und Ergebnisbericht Website des Forschungsprojekts
Interview mit Dr. Alexandra Langmeyer im Spiegel, 19.12.2020 (€)Bericht in der Süddeutschen Zeitung, 21.12.2020Interview mit Dr. Alexandra Langmeyer auf Deutschlandfunk Kultur, 04.01.2021

Kontakt
Dr. Alexandra Langmeyer, Leiterin der Studie und der Fachgruppe "Lebenswelten und Lebenslagen von Kindern"
089/62306-592
langmeyer@dji.de

Uta Hofele, Abteilung Medien und Kommunikation
089/62306-173
hofele@dji.de

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Pressemitteilung
news-817 Thu, 10 Dec 2020 13:57:00 +0100 Wie das Coronavirus den Alltag von Eltern und Kindern verändert https://www.dji.de/veroeffentlichungen/pressemitteilungen/detailansicht/article/817-wie-das-coronavirus-den-alltag-von-eltern-und-kindern-veraendert.html Das Deutsche Jugendinstitut zieht im Forschungsmagazin DJI Impulse Zwischenbilanz auf Basis von aktuellen Studienergebnissen Die Eindämmung des Coronavirus verlangt nicht nur Familien in Deutschland viel ab. Auch Kindertageseinrichtungen und Schulen müssen sich häufig komplett neu organisieren. Wie Eltern, Kinder und Fachkräfte die Krise bisher bewältigen, analysiert die neue Ausgabe des Forschungsmagazins DJI Impulse auf Basis von aktuellen Forschungsergebnissen des Deutschen Jugendinstituts (DJI).

Unter dem Titel „Im Krisenmodus: Wie das Coronavirus den Alltag von Eltern und Kindern verändert“ gehen die Autorinnen und Autoren unter anderem der Frage nach, welche Konsequenzen sich aus den Erfahrungen während des Lockdowns im Frühjahr 2020 und der folgenden schrittweisen Öffnung der Kindertageseinrichtungen und Schulen ziehen lassen. So weisen die ersten Ergebnisse der bundesweiten Corona-KiTa-Studie, bei der das DJI und das Robert Koch-Institut (RKI) die Rolle der Kindertagesbetreuung bei der Ausbreitung von SARSCoV-2 untersuchen, in dieselbe Richtung wie die internationale Forschungslage. Demnach sind infizierte Kinder möglicherweise weniger ansteckend als Erwachsene: An den 108 Corona-Ausbrüchen zwischen Februar und Oktober 2020 in den bundesweit 57.600 Kitas waren zu etwa zwei Dritteln Erwachsene und nur zu ungefähr einem Drittel Kinder im Alter von unter sechs Jahren beteiligt.

Bundesfamilienministerin Franziska Giffey im Interview über politische Konsequenzen

In einem Interview bezieht Bundesfamilienministerin Franziska Giffey politisch Stellung zu den Ergebnissen aus verschiedenen aktuellen DJI-Studien. Sie setzt sich unter anderem dafür ein, Schulen und Kindertageseinrichtungen auch bei steigenden Infektionszahlen möglichst lange offen zu halten. Und um zumindest teilweise zu kompensieren, was Kindern in der ersten Phase der Pandemie an Förderung verloren ging, hält sie mehr Qualität in der Kindertagesbetreuung und eine Aufwertung der sozialen Berufe für notwendig.

Vor welchen großen Anforderungen Kita-Leitungen während der ersten Corona-Phase standen, macht beispielsweise die bislang unveröffentlichte DJI-Notbetreuungsstudie deutlich: Laut Angaben der befragten Kita-Leitungen waren die ministeriellen Aufnahmekriterien unpräzise. Dadurch ließen sie unterschiedliche Auslegungen sowohl von Eltern sowie Arbeitgeberinnen und -gebern als auch von Trägervertretungen zu. Die Kita-Leitungen mussten deshalb zuweilen aufwendige Abstimmungsprozesse steuern. Die Hälfte der Befragten berichtete von Problemen, etwa von Telefonaten mit Eltern in Konkurrenzsituationen. Außerdem weist die Studie darauf hin, dass der Unterstützungsbedarf von Eltern während des Lockdowns mehr Beachtung fand als der von den Kindern selbst.

Familienalltag, Freundschaftsbeziehungen und Kinderschutz während der Pandemie


Der aktuelle Impulse-Schwerpunkt richtet den Blick zum einen auf die Kindertagesbetreuung während der Pandemie, zum anderen aber auch auf die veränderten Rollenaufteilungen der Eltern, die Freundschaftsbeziehungen von Kindern und den Kinderschutz. Eine aktuelle Studie des Forschungsverbunds DJI/TU Dortmund zeigt beispielsweise, dass sich die Zahl der bearbeiteten Kinderschutzfälle zwar bislang nicht erhöhte. Doch es gibt Hinweise auf unerkannte Gewalt. „Die Bewältigung der Corona-Pandemie bleibt eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die auch Kinder, Jugendliche und Familien sowie die unterstützenden Institutionen und Organisationen vor allergrößte Herausforderungen stellt“, bilanziert Prof. Dr. Thomas Rauschenbach, DJI-Direktor und Leiter des Forschungsverbundes DJI/TU Dortmund.

Das Forschungsmagazin DJI Impulse berichtet allgemein verständlich über die wissenschaftliche Arbeit am DJI, einem der größten sozialwissenschaftlichen Forschungsinstitute in Deutschland. Regelmäßig informieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler über relevante Themen aus den Bereichen Kindheit, Jugend, Familie und Bildung.

Die aktuelle Ausgabe (2/2020) „Im Krisenmodus: Wie das Coronavirus den Alltag von Eltern und Kindern verändert“
  (Download PDF)

Mehr Angebote zum aktuellen Impulse-Schwerpunkt:
www.dji.de/corona

Das Forschungsmagazin DJI Impulse kann kostenlos bestellt und heruntergeladen werden, auch ein Abonnement ist möglich:
www.dji.de/impulse


Kontakt
Birgit Taffertshofer
Abteilung Medien und Kommunikation
Tel.: 089/62306-180
taffertshofer@dji.de

 

 

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Pressemitteilung
news-819 Thu, 10 Dec 2020 08:42:34 +0100 Infektionsfälle in Kindertageseinrichtungen – Stabilisierung auf hohem Niveau https://www.dji.de/veroeffentlichungen/pressemitteilungen/detailansicht/article/819-infektionsfaelle-in-kindertageseinrichtungen-ndash-stabilisierung-auf-hohem-niveau.html Personalengpässe und die Gruppenstruktur der Kitas sowie die Studienlage zur Ansteckung von Kindern sind die Themen des zweiten Quartalsberichts Personalengpässe und die Gruppenstruktur der Kitas sowie die Studienlage zur Ansteckung von Kindern sind die Themen des zweiten QuartalsberichtsSeit Ende September 2020 sind die laborbestätigten COVID-19-Infektionen bei Kindern unter 6 Jahren stark angestiegen und liegen um ein Vielfaches höher als in der Erkrankungswelle im Frühjahr. Dies hängt mit dem allgemeinen Anstieg des Infektionsgeschehens in der Gesamtbevölkerung zusammen. Mitte November zeichnet sich bei dieser Altersgruppe ein leichter Rückgang der Fallzahlen ab. Dies zeigen die ans Robert Koch-Institut (RKI) übermittelten Daten der Gesundheitsämter, die für den aktuellen Quartalsbericht der interdisziplinären Corona-KiTa-Studie ausgewertet wurden.

Kindertagesbetreuung unter Pandemiebedingungen: Auswertung der Daten des bundesweiten KiTa-Registers

Die Daten des KiTa-Registers des Deutschen Jugendinstituts (DJI) spiegeln diese Zahlen, sagt Dr. Susanne Kuger, DJI-Projektleiterin der Corona-KiTa-Studie. „Bei den Infektionszahlen von Kindern erkennen wir eine Plateaubildung. Die Zahl der Verdachts- und Infektionsfälle in Kindertageseinrichtungen pendelt sich auf erhöhtem Niveau ein. Sowohl bei den Kitas als auch bei den Kindertagespflegestellen war zuletzt ein Anstieg der Gruppen- und Einrichtungsschließungen zu verzeichnen. In Kalenderwoche 45, also vom 02. bis 08. November, waren 5,5 Prozent der fürs KiTa-Register befragten Einrichtungen und 3,5 Prozent der befragten Tagespflegestellen von Schließungen betroffen.“ Die Wissenschaftlerin ergänzt: „Es ist auf der Grundlage aktueller Entwicklungen zu befürchten, dass sich die Situation nicht so schnell entspannen wird. Wichtig wird es vor allem sein zu beobachten, wie sich die Pause um den Jahreswechsel auswirken wird.“

Für das KiTa-Register haben sich mittlerweile rund 13.000 Kindertageseinrichtungen und Kindertagespflegepersonen bundesweit registriert. Durch die Teilnahme an wöchentlichen Abfragen trägt eine Großzahl der KiTas dazu bei, die Situation zu dokumentieren. Die Erhebungen haben das Ziel, rasche Lösungsansätze zu identifizieren, wie die Kindertagesbetreuung gestaltet werden kann, um einen bestmöglichen Infektionsschutz zu gewährleisten. Die Auswertungen sind unter www.corona-kita-studie.de/results.html online abrufbar; dort werden jede Woche die aktuellen Zahlen veröffentlicht.

Rund 23 Prozent der Kitas haben Personalprobleme

Seit dem Beginn der Pandemie haben bis zur ersten Novemberwoche zwei von fünf (41%) Kitas ihr Gruppenkonzept hin zu einem weniger offenen, strikter gruppenbezogenen Konzept geändert. Insbesondere großen Einrichtungen bereitete dieser Wechsel Probleme. Je strengere, festere Gruppenstrukturen das neue Konzept vorsieht, desto mehr Probleme zeigen sich aktuell etwa bei der Gewährleistung einer bedarfsgerechten Betreuung. Generell zeigen aber die Daten, dass die Kindertageseinrichtungen (84% Inanspruchnahme der Betreuung verglichen mit der Auslastung vor der Corona-Pandemie) und die Kindertagespflege (82%) nahe am Regelbetrieb arbeiten. Gleichwohl fällt seit Anfang Oktober in den Einrichtungen immer mehr Personal aus. „Hatten im September mehr als 90 Prozent der Kitas keine Engpässe und konnten einen hohen Anteil ihres pädagogischen Personals auch unmittelbar am Kind einsetzen, so hat sich die Situation zuletzt verschlechtert. Rund 23 Prozent der Kitas melden mittlerweile Personalprobleme. Fielen in der Woche vom 5. bis 11. Oktober circa 25.000 Fachkräfte aus, waren es zwischen 2. und 8. November rund 37.500. Das entspricht einem Anstieg um die Hälfte innerhalb eines Monats“, erklärt DJI-Projektleiterin Dr. Susanne Kuger weiter.

Internationale Studien zur Infektiosität von Kindern und Jugendlichen

Einen weiteren Schwerpunkt dieses neuen Quartalsberichts bildet eine Literaturübersicht. Dafür wurden 291 internationale Studien herangezogen, die die Infektiosität von Kindern und Jugendlichen untersuchen und die insgesamt ein heterogenes Bild zeichnen: Generell gibt es nur wenige aussagekräftige Studien, die das Übertragungsrisiko speziell von Kindern untersuchen. Auch die Zahl der für die Studien berücksichtigten Fälle ist meist niedrig. Dennoch scheint das Übertragungsrisiko bei Kindern insgesamt geringer zu sein als bei Erwachsenen.

Über die Studie
Mit der Corona-KiTa-Studie erforschen das Deutsche Jugendinstitut und das Robert Koch-Institut aus sozialwissenschaftlicher und medizinisch-epidemiologischer Sicht, welche Folgen das neuartige Coronavirus für Kitas, Kinder, Betreuungspersonen und Eltern hat. Die Erhebung läuft bis Dezember 2021. Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend und das Bundesministerium für Gesundheit finanzieren die Studie.

Quartalsbericht IV der Corona-KiTa-Studie, Dezember 2020

Das RKI hat mit  KiCoS eine Plattform zum Austausch von Studien über COVID-19 Erkrankungen bei Kindern etabliert.

Einrichtungen und Kindertagespflegepersonen, die sich noch nicht fürs KiTa-Register angemeldet haben, können jederzeit einsteigen.

Projektwebsite Corona-KiTa-Studie


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Pressemitteilung
news-815 Mon, 07 Dec 2020 09:00:00 +0100 Akuter Personalmangel in westdeutschen Kitas, Potenzial für Qualitätsverbesserungen in Ostdeutschland https://www.dji.de/veroeffentlichungen/pressemitteilungen/detailansicht/article/815-akuter-personalmangel-in-westdeutschen-kitas-potenzial-fuer-qualitaetsverbesserungen-in-ostdeutschland.html Für einen Kita-Ausbau, der den Elternbedarf deckt, fehlen in Westdeutschland zwischen 20.400 und 72.500 Fachkräfte, zeigt eine neue Vorausberechnung bis zum Jahr 2030 durch den Forschungsverbund DJI/TU Dortmund Für einen Kita-Ausbau, der den Rechtsanspruch auf einen Platz in der Kindertagesbetreuung ab dem vollendeten ersten Lebensjahr erfüllt und den Bedarf der Eltern deckt, fehlen in den westdeutschen Bundesländern in den kommenden fünf Jahren mindestens 20.400, gegebenenfalls sogar bis zu 72.500 Kita-Fachkräfte. Das entspricht vier bis 15 Prozent des Personalbestands in Kindertageseinrichtungen für Kinder bis zum Schuleintritt im Jahr 2019. In den ostdeutschen Ländern werden hingegen bald schon mehr Fachkräfte ausgebildet als benötigt werden. Zu diesem Ergebnis kommt die Autorengruppe einer Studie des Forschungsverbundes Deutsches Jugendinstitut/Technische Universität Dortmund.

Kurzfristige und schnell wirkende Lösungsansätze sind gefragt

Den Berechnungen zufolge reichen in Westdeutschland die gegenwärtig absehbaren Neuzugänge für das Arbeitsfeld Kita bei weitem nicht aus, um den Personalbedarf zu sichern: Die Spannbreite zwischen 20.400 und 72.500 fehlenden Fachkräften ergibt sich durch die Kombination wahrscheinlicher Szenarien: Angenommen, der Personalbedarf ist niedrig und eine hohe Anzahl an Erzieherinnen startet nach der Ausbildung tatsächlich in das Arbeitsfeld Kita, wächst die Personallücke bis zum Jahr 2023 auf einen Wert von 20.400 fehlenden Fachkräften. Geht man jedoch von einem höheren Bedarf aus bei gleichzeitig weniger neu ausgebildeten Erzieherinnen, die in die Kitas einmünden, würde die Personallücke 2025 mit 72.500 fehlenden Fachkräften den Höchststand erreichen. In beiden Fällen verringert sie sich danach zwar wieder leicht. Zumindest bis zum Jahr 2026 muss allerdings mit einem ungedeckten Personalbedarf gerechnet werden. Hinzu kommt, dass für die Kindertagespflege bis 2030 voraussichtlich weitere 13.000 bis 17.000 Personen benötigt werden.


„Da in den westdeutschen Ländern der Personalbedarf kurzfristig sehr hoch ist, sind vor allem schnell wirkende Lösungsansätze gefragt, um weiteres Personal zu gewinnen“, fordert Prof. Dr. Thomas Rauschenbach, DJI-Direktor und Mitglied der Autorengruppe: „Geplante Qualitätsverbesserungen sind in diesen Szenarien noch nicht berücksichtigt, beispielsweise beim Personalschlüssel in den Kita-Gruppen, sodass sich der Personalbedarf unter diesen Gesichtspunkten weiter erhöhen dürfte. Die Vorausberechnungen beziehen sich allein auf die Bereitstellung eines bedarfsdeckenden Angebots für Kinder vor dem Schuleintritt – ein Versprechen, das seit Einführung der Rechtsansprüche seiner Umsetzung harrt.“

Schere zwischen Platzangebot und Nachfrage ist in westdeutschen Ländern weiter auseinandergegangen
Der Personalbedarf ergibt sich unter anderem aus dem weiterhin bestehenden Bedarf an zusätzlichen Kita-Plätzen für Kinder bis zum Schuleintritt. Dieser wird maßgeblich durch zwei Größen beeinflusst: die demografische Entwicklung und den unerfüllten Elternbedarf. Um diesen bis zum Jahr 2025 zu decken, werden in Westdeutschland für Kinder bis zum Schuleintritt rund 462.000 bis 630.000 zusätzliche Plätze in der Kindertagesbetreuung benötigt. Das entspricht zwischen 18 und 24 Prozent der im Jahr 2019 vorhandenen Kita-Plätze. Bis zum Jahr 2030 dürfte der Bedarf allerdings wieder um 90.000 bis 95.900 Plätze zurückgehen.

„Es müssten demnach mehr als 500.000 Plätze zusätzlich geschaffen werden, von denen aber knapp jeder fünfte Platz nur vorübergehend benötigt wird“, erklärt Dr. Christiane Meiner-Teubner aus der Autorengruppe der Studie. Obwohl in Deutschland seit 2006 etwa 700.000 neue Plätze in Kitas und Tagespflege für Kinder bis zur Einschulung geschaffen wurden, ist die Schere zwischen Angebot und Nachfrage in den westdeutschen Ländern zuletzt weiter auseinandergegangen. „Die Dynamik des Ausbaus muss deshalb noch einmal deutlich gesteigert werden“, fordert Meiner-Teubner. Würde sich lediglich die bisherige Ausbaugeschwindigkeit fortsetzen, könnte der Platzbedarf für Kinder unter drei Jahren erst viele Jahre später, zwischen den Jahren 2028 und 2030, gedeckt werden und für Kinder zwischen drei Jahren und dem Schuleintritt erst in den Jahren 2023 bis 2026. Wichtig seien außerdem kluge Übergangslösungen für die zwischenzeitlichen Spitzen.

In den ostdeutschen Bundesländern können Personalschlüssel verbessert werden
Deutlich anders stellt sich die Lage in Ostdeutschland dar: Sofern die Ausbildungszahlen weiterhin stabil und die aktuellen Personalschlüssel unverändert bleiben, werden dort deutlich mehr Fachkräfte ausgebildet, als für die Bildung, Betreuung und Erziehung von Kindern bis zum Schuleintritt benötigt werden. „In den ostdeutschen Ländern könnte daher eine Qualitätsoffensive gestartet werden, mit der die immer wieder kritisierten Personalschlüssel verbessert werden könnten“, schreibt die Autorengruppe in der Studie. Weiterhin könnten für künftige Berufseinsteigende Anreize geschaffen werden, dort zu arbeiten, wo Personal dringend gebraucht wird. Von einer Senkung der Ausbildungskapazitäten rät die Autorengruppe ab, nicht zuletzt, weil von den verfügbaren Fachkräften andere Arbeitsfelder profitieren könnten, beispielsweise die ganztägige Betreuung von Grundschulkindern.

Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung im Grundschulalter erhöht Platz- und Personalbedarf sowie Kosten
Der mit dem hier skizzierten Kitaplatz- und Personal-Ausbau verbundene Finanzbedarf wäre erheblich: Bis zum Jahr 2030 ist jährlich mit zusätzlichen Betriebskosten von deutschlandweit bis zu 9 Milliarden Euro und Investitionskosten in Höhe von jährlich maximal knapp 3 Milliarden Euro zu rechnen. Der Platz- und Personalbedarf und die damit verbundenen Kosten werden noch steigen, wenn die geplante Einführung eines Rechtsanspruchs auf einen Ganztagsplatz im Grundschulalter für West- und Ostdeutschland berücksichtigt wird.


Publikation

Thomas Rauschenbach, Christiane Meiner-Teubner, Melanie Böwing-Schmalenbrock, Ninja Olszenka (2020): Plätze. Personal. Finanzen. Bedarfsorientierte Vorausberechnungen für die Kindertages- und Grundschulbetreuung bis 2030. Teil 1: Kinder vor dem Schuleintritt (PDF-Download)

Es folgen Teil 2 zur Ganztagsbetreuung im Grundschulalter und Teil 3 mit Analysen auf Bundeslandebene.

Der Forschungsverbund Deutsches Jugendinstitut/Technische Universität Dortmund führt Forschungsprojekte zu den Themen Kindertagesbetreuung, Hilfen zur Erziehung, Kooperation von Jugendhilfe und Schule, Familien und Frühe Hilfen, Kinder- und Jugendarbeit, Personal und Qualifikation sowie Freiwilliges Engagement durch. Zu den Aufgaben des Forschungsverbundes gehören wissenschaftsbasierte Dienstleistungen sowie die Beratung von Politik und Fachpraxis auf allen föderalen Ebenen.


Bericht in der Süddeutschen Zeitung, 6. Dezember 2020


Kontakt

Prof. Dr. Thomas Rauschenbach, DJI-Direktor
089/62306-280
rauschenbach@dji.de

Dr. Christiane Meiner-Teubner
Forschungsverbund DJI/TU Dortmund
0231/755-8188
christiane.meiner@tu-dortmund.de

Uta Hofele
Abteilung Medien und Kommunikation, DJI
089/62306-173
hofele@dji.de

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Pressemitteilung
news-850 Mon, 30 Nov 2020 10:15:00 +0100 Wie Kita-Fachkräfte gewonnen und gehalten werden können https://www.dji.de/veroeffentlichungen/pressemitteilungen/detailansicht/article/wie-kita-fachkraefte-gewonnen-und-gehalten-werden-koennen.html Zweiter Ergebnisbericht der OECD-Fachkräftebefragung in neun Ländern zeigt, wie zufrieden das pädagogische Personal ist und welche Belastungen es empfindet Eine überwiegende Zahl von Fachkräften in der frühkindlichen Bildung, Betreuung und Erziehung ist sehr zufrieden mit der eigenen Tätigkeit, nicht aber mit den beruflichen Rahmenbedingungen. Das zeigt eine Befragung in Deutschland und acht weiteren OECD-Ländern im Rahmen der Studie TALIS Starting Strong 2018. Die nun erschienene zweite Ergebnisauswertung "Building a High-Quality Early Childhood Education and Care Workforce" fasst zusammen, wo es Verbesserungsbedarf gibt, wenn man hochqualifizierte Fachkräfte gewinnen und im Beruf halten möchte, die ihren Beruf gerne ausüben und fachlich auf dem Stand der Zeit sind.

Über 15.000 Fachkräfte und 3.000 Leitungskräfte in Kindertageseinrichtungen aus Deutschland, Chile, Dänemark, Island, Israel, Japan, Korea, Norwegen und der Türkei haben an der Befragung teilgenommen. Die Erhebungen in Deutschland wurden vom Internationalen Zentrum Frühkindliche Bildung, Betreuung und Erziehung (ICEC) am Deutschen Jugendinstitut (DJI) durchgeführt. Dem Bericht zufolge wünschen sich die Fachkräfte weit mehr als nur ein höheres Gehalt: Es geht ihnen auch darum, den Beruf intellektuell aufzuwerten, mehr Unterstützung zu erfahren, mehr Weiterbildungsmöglichkeiten nutzen zu können und innerhalb von kollegialen Teamstrukturen ein hohes Maß professioneller Autonomie zu erfahren.

In allen teilnehmenden Ländern klagen viele Befragte über begrenzte Weiterentwicklungsmöglichkeiten sowie Personal- und Ressourcenmangel. Kommt dazu das Gefühl, nicht angemessen für die verantwortungsvolle Tätigkeit entlohnt zu werden (das sagen in Deutschland etwa zwei von drei Befragten), kann dies zu dem Entschluss führen, den Beruf aufzugeben. Unter den Fachkräften in Deutschland erklärt knapp jede*r Dritte – 33 Prozent derer im Vorschulbereich (Ü3) und 27 Prozent derer im Kleinkindbereich (U3) –, unter Stress zu leiden, weil Kolleg*innen abwesend sind. Rund jede*r Vierte – 25 Prozent im Ü3-Bereich, 22 Prozent im U3-Bereich – berichtet, dass gesundheitliche Probleme für sie der wahrscheinlichste Grund wären, ihren Job aufzugeben, was unter anderem auf ein mögliches Burnout-Risiko hinweist. Jede fünfte Leitungskraft sorgt sich wegen Personalmangels um die Qualität ihrer Betreuungseinrichtung.

„Jetzt, da in den meisten Ländern der finanzielle Druck durch die COVID-19-Pandemie zunimmt, könnten Investitionen in die frühe Bildung, Betreuung und Erziehung auf der Prioritätenliste zurückfallen“, so OECD-Bildungsdirektor Andreas Schleicher. „Die fragile finanzielle Lage dieses Sektors kann dabei abschreckend wirken – auf bestehendes Fachpersonal wie auch auf jene, die überlegen, den Beruf zu ergreifen. Das wäre eine Gefahr für die Fortschritte, die wir in den vergangenen Jahren bereits gemacht haben – und die eine wichtige Grundlage für die zukünftige Entwicklung unserer Kinder darstellen.“

„Wie wichtig Kitas sind, um wirtschaftliches und gesellschaftliches Leben am Laufen zu halten, zeigt die aktuelle Pandemie“, sagt Bernhard Kalicki, Leiter der Abteilung Kinder und Kinderbetreuung am DJI. „Deshalb ist jetzt der richtige Zeitpunkt, mehr Geld zu investieren – einerseits um die pädagogischen Fachkräfte angemessen zu bezahlen und andererseits für dringend benötigtes zusätzliches Personal. Denn die dünne personelle Ausstattung belastet die Erzieherinnen und Erzieher in hohem Maße und wir können nicht in Kauf nehmen, dass sie aus gesundheitlichen Gründen das Arbeitsfeld verlassen.“

„Für mehr Qualität in der frühen Bildung müssen wir unsere Kitas und Kindertagespflegeeinrichtungen gut aufstellen, denn sie sind die ersten Stationen in unserem Bildungssystem“, so Juliane Seifert, Staatssekretärin im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. „Dafür benötigen wir dringend die Fachkräfte, die jeden Tag – und auch jetzt in der Corona-Pandemie – mit viel Einsatz und Kompetenz dafür arbeiten, Kinder zu fördern und auf ihrem Weg zu begleiten. Daher müssen wir die Wünsche und Sorgen der Fachkräfte ernst nehmen. Um die Arbeitsbedingungen in der frühen Bildung weiter zu verbessern, fördern wir mit dem Gute-KiTa-Gesetz in Höhe von 5,5 Milliarden Euro hochwertige Angebote in der frühen Bildung. Mit dem Bundesprogramm 'Fachkräfteoffensive für Erzieherinnen und Erzieher' setzt das Bundesfamilienministerium zusätzliche wichtige Impulse."

Positiv sticht Deutschland im Ländervergleich bei der beruflichen Ausbildung seiner Fachkräfte hervor. 97 Prozent derer im Ü3-Bereich und 96 Prozent im U3-Bereich sind speziell für die Arbeit mit Kindern ausgebildet. Bei den allermeisten hatte die Ausbildung einen praktischen Teil. Auch fühlen sich die Fachkräfte in Deutschland nach eigener Aussage besonders gut darauf vorbereitet, die Kinder in ihrer sozialen und emotionalen Entwicklung zu fördern. Etwa zwei Drittel der befragten Fachkräfte fühlen sich von ihrer Einrichtungsleitung ausreichend unterstützt – ein im Ländervergleich hoher Wert.


Weitere Ergebnisse der Studie mit Fokus auf DeutschlandVollständige Studie "Building a High-Quality Early Childhood Education and Care Workforce" und Ländernotiz für Deutschland
Burn-Out-Risiko in der Kita, Bericht in der Süddeutschen Zeitung vom 30. November 2020

Kontakt
OECD Berlin Centre
Nadja Nolting
Berlin.Centre@oecd.org
+49 (0)30 28 88 35 43

Deutsches Jugendinstitut
Uta Hofele
hofele@dji.de
+49 (0)89 62306-173

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Pressemitteilung
news-811 Wed, 25 Nov 2020 13:41:44 +0100 20 Jahre Arbeits- und Forschungsstelle Demokratieförderung und Extremismusprävention (AFS) https://www.dji.de/veroeffentlichungen/pressemitteilungen/detailansicht/article/811-20-jahre-arbeits-und-forschungsstelle-demokratiefoerderung-und-extremismuspraevention-afs.html Extremismus als Herausforderung für Jugend, Pädagogik und Wissenschaft ist das Thema der Arbeits- und Forschungsstelle am Deutschen Jugendinstitut Die multimediale Fachtagung der Arbeits- und Forschungsstelle Demokratieförderung und Extremismusprävention (AFS) des Deutschen Jugendinstituts (DJI) zum 20-jährigen Jubiläum bietet mit Videobeiträgen und einer live übertragenen Podiumsdiskussion Einblicke in Themen wie Rechtsextremismus, Fremdenfeindlichkeit, islamistischer Extremismus und linke Militanz. Der Titel der Tagung lautet „Extremismus als Herausforderung für Jugend, Pädagogik und Forschung: Reflexion und Ausblicke“.

Seit dem Start der AFS im Jahr 2000 setzen sich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit Phänomenen des Rechtsextremismus, des Linksextremismus, des Islamismus im Jugendalter und ihrer pädagogischen Bearbeitung auseinander. „Seit ihrer Gründung hat sich die AFS als feste Größe in der Forschung wie auch in der Präventionsarbeit etabliert“, sagt Bundesfamilienministerin Franziska Giffey in ihrer Videobotschaft zur Veranstaltung.

Die Themen hätten nichts an Dringlichkeit verloren, betont der Soziologe und Leiter der DJI-Fachgruppe „Politische Sozialisation und Demokratieförderung“ Dr. Björn Milbradt, in dessen Fachgruppe die AFS organisatorisch angesiedelt ist. Sind die Herausforderungen durch Radikalisierung und Extremismus seit der Gründung gleichgeblieben, so haben sich die Phänomene jedoch im Laufe der Zeit gewandelt und somit auch die Forschungsthemen der Mitarbeitenden der AFS in Halle (Saale). „Unsere Alleinstellungsmerkmale sind nach wie vor, tiefgreifende Entwicklungs- und Umbruchsprozesse der Fachpraxis zu begleiten und zu erforschen, und die Funktion als Anlaufstelle für Politik, Fachpraxis und Öffentlichkeit, die Unterstützung der Fachpraxis mit der Aufarbeitung wissenschaftlicher Befunde und Expertisen“, erklärt Björn Milbradt.

Aktuell erforschen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der AFS Prozesse der politischen Sozialisation, Hinwendungs- und Radikalisierungsverläufe junger Menschen sowie Maßnahmen und Ansätze der (sozial-)pädagogischen Präventions- und Förderpraxis. Hierbei steht die pädagogische Praxis vor der Aufgabe, sich immer wieder neu zu verorten, anzupassen, umzujustieren und Antworten auf neue Fragen zu finden.

Konflikte um Migration und Religion in Kommunen

Ein Beispiel ist die Bearbeitung lokaler Konflikte um Migration und Religion. Sally Hohnstein, wissenschaftliche Referentin, stellt erste Forschungsergebnisse vor: „Unsere Annahme war und ist, dass die Realität der deutschen Einwanderungsgesellschaft auch in den kommenden Jahren, nicht nur in der Auseinandersetzung mit Fluchtzuwanderung, sich im lokalen Raum findet. Diese Konflikte um Migration und Religion sind Ausdruck von gesellschaftlicher Veränderung und sozialer Realität,“ erklärt die Expertin. Jedoch würden Konflikte von institutionellen Akteuren, kommunalen Entscheidungsträgern und Verwaltungen, Bewohnerinnen und Bewohnern häufig als emotionaler „Konflikt“ im Sinne eines Gegenpols von Harmonie, Ordnung und Sicherheit und damit als Problem dargestellt. Für Politik und Verwaltung bedeutet dieser Ansatz, die jeweilige Situation zu reflektieren und somit Konfliktbearbeitung als selbstverständliches Arbeitsfeld in der Kommune anzuerkennen und bei mangelnder Konfliktkompetenz zu unterstützen.

Islamismusprävention, Ausstiegs- und Distanzierungsarbeit

Ein weiteres Forschungsbeispiel ist die pädagogische Auseinandersetzung mit islamistischem Extremismus. Mit dem Erstarken islamistischer Bewegungen und Terrororganisationen begann auch eine dynamische Entwicklung der islamismusbezogenen Präventions- und Ausstiegsarbeit. Die Bundesprogramme zur Demokratieförderung und Extremismusprävention legten dabei einen deutlichen Schwerpunkt auf Rechtsextremismus sowie allgemeine Angebote zur Vorurteilsprävention und Stärkung demokratischer Kompetenzen. Mit der Auflage des ersten Bundesprogramms „Demokratie leben!“ im Jahr 2015 wurden zahlreiche Projekte der Islamismusprävention sowie Ausstiegs- und Distanzierungsarbeit gefördert. In den Jahren 2017 und 2018 wurde diese Förderung unter dem Eindruck – oftmals von jungen Menschen begangener – islamistischer Gewalttaten verstärkt. In dieser Situation bearbeitete die AFS etwa die Frage, ob pädagogische Ansätze und Projektformate, die für die Prävention vor Rechtsextremismus gut funktionieren, entwickelt und etabliert sind, ohne große Anpassungen geeignet sind, zur Bearbeitung und Prävention islamistischer Radikalisierungstendenzen im Jugendalter beizutragen. Sie untersuchten auch, wie die Fachpraxis mit diesen Herausforderungen umgehen könnte.


Programm der Jubiläumsveranstaltung
Vorträge und Podiumsdiskussion
Arbeits- und Forschungsstelle Demokratieförderung und Extremismusprävention
Religion und islamistischer Extremismus

DJI-Außenstelle Halle
Kontakt

Dr. Björn Milbradt
Leiter der Fachgruppe „Politische Sozialisation und Demokratieförderung“
Tel.: 0345 6817837
milbradt@dji.de

Marion Horn
Abteilung Medien und Kommunikation
Tel.: 089 62306-311
horn@dji.de
 

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news-794 Fri, 11 Sep 2020 09:30:00 +0200 Erster Quartalsbericht der Corona-KiTa-Studie: Erfahrungen mit der Notbetreuung im Fokus https://www.dji.de/veroeffentlichungen/pressemitteilungen/detailansicht/article/794-erster-quartalsbericht-der-corona-kita-studie-erfahrungen-mit-der-notbetreuung-im-fokus.html Hohe Beteiligung beim neuen KiTa-Register – Aktuelle Zahlen zu Betreuungskapazitäten, Schließungen und Infektionsgeschehen jetzt online

Das Deutsche Jungendinstitut (DJI) und das Robert Koch-Institut (RKI) veröffentlichen heute den ersten Quartalsbericht der interdisziplinären Corona-KiTa-Studie. Schwerpunktthema sind die Erfahrungen der Kitas während der Notbetreuung im Frühjahr 2020, die das DJI im Rahmen einer explorativen Befragung von 83 Kita-Leitungen ab Ende April untersucht hat. Die Ergebnisse zeigen, dass die Kita-Leitungen in der Phase der Notbetreuung mit einer Fülle neuer organisatorischer Anforderungen konfrontiert waren, die sie in einer Situation der Unsicherheit bewältigen mussten. Insbesondere bei den Leitungen führte dies zu einer hohen zusätzlichen Belastung. Sorgen bereitete den Einrichtungen zudem die Aussicht auf eine Rückkehr zum Regelbetrieb unter zu dem Zeitpunkt nicht endgültig geklärten Umständen, etwa hinsichtlich der geltenden, aber noch nicht in der Praxis erprobten Hygienerichtlinien.

Die Ergebnisse der Pilotbefragung sind in die Konzeption der Corona-KiTa-Studie und der wöchentlichen Abfragen des KiTa-Registers eingeflossen. Für das KiTa-Register sind alle Kindertageseinrichtungen und Tagespflegepersonen in Deutschland aufgerufen, über Online-Erhebungen regelmäßig zum Beispiel über Corona-bedingte Schließungen und die Betreuungskapazitäten zu berichten. Nach dem Start am 11. August haben sich mittlerweile mehr als 9.900 Kitas und rund 1.500 Tagespflegepersonen bundesweit angemeldet. Seit Anfang September laufen die wöchentlichen Abfragen.

Dr. Susanne Kuger, Projektleiterin der Corona-KiTa-Studie am DJI: „Die Erfahrungen der Einrichtungsleitungen während der Notbetreuung machen deutlich, wie die Kitas den Spagat von Betreuungsauftrag und Infektionsschutz gemeistert haben. Dies wollen wir im Rahmen der Corona-KiTa-Studie weiter beobachten. Wir freuen uns daher sehr über die hohe Beteiligung am KiTa-Register und hoffen, dass die Teilnahmebereitschaft bei den wöchentlichen Abfragen so hoch bleibt. Über die nächsten Monate können wir so aktuell und heruntergebrochen auf die Regionen über die organisatorischen Herausforderungen in der Kindertagesbetreuung berichten.“

Erste Ergebnisse des KiTa-Registers sind online unter www.corona-kita-studie.de/results.html abrufbar, zum Beispiel – nach Ländern ausgewiesen – der Anteil der Kinder, die wieder in Kitas und Tagespflege betreut werden. Dargestellt wird auch der Prozentsatz des pädagogischen Personals in den Kitas, das zurzeit nicht eingesetzt werden kann: Etwa zwei Prozent der Fachkräfte in den am KiTa-Register teilnehmenden Einrichtungen arbeiten aufgrund der Corona-Pandemie aktuell nicht mehr im Gruppendienst mit den Kindern, weitere zwei Prozent können ihrer Tätigkeit zurzeit gar nicht mehr nachgehen.

Der Blick auf die Surveillance-Daten des Robert Koch-Instituts zeigt, dass sich die Häufigkeit akuter Atemwegserkrankungen in den letzten Wochen dem Vorjahresniveau angeglichen hat. Schätzungsweise haben in Kalenderwoche 33 (10. bis 16. August 2020) rund 65.000 Kinder von null bis fünf Jahren wegen akuter Atemwegserkrankungen eine Arztpraxis aufgesucht. Bei den neu übermittelten laborbestätigten COVID-19-Fällen bei Kindern gab es in derselben Kalenderwoche einen neuen Höhepunkt: Es wurden (in KW 33) 266 Fälle bei Kindern im Vorschulalter (0-5 Jahre) übermittelt. Zum Vergleich: Den höchsten Wert an neu übermittelten Fällen erreichte diese Altersgruppe im März mit 290 Fällen (in KW 13).

Alle Daten, eine ausführliche Beschreibung der Corona-KiTa-Studie sowie die aktuellen Zahlen vom August 2020 finden Sie im Quartalsbericht unter: www.corona-kita-studie.de


Über die Studie

Mit der Corona-KiTa-Studie erforschen das Deutsche Jugendinstitut und das Robert Koch-Institut aus sozialwissenschaftlicher und medizinisch-epidemiologischer Sicht, welche Folgen das neuartige Coronavirus für Kitas, Kinder, Betreuungspersonen und Eltern hat. Die Erhebung läuft bis Dezember 2021. Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend und das Bundesministerium für Gesundheit finanzieren die Studie.


Medienberichte


Bericht auf Spiegel Online vom 11.09.2020

Bericht auf Focus Online vom 11.09.2020

Quartals- und Monatsberichte der Corona-KiTa-Studie


Quartalsbericht der Corona-KiTa-Studie, August 2020

Monatsbericht der Corona-KiTa-Studie Ausgabe 03/2020, Juli 2020

Monatsbericht der Corona-KiTa-Studie Ausgabe 02/2020, Juni 2020

Monatsbericht der Corona-KiTa-Studie Ausgabe 01/2020, Mai 2020

 
Anmeldung zum KiTa-Register und weitere Informationen unter www.corona-kita-studie.de


Kontakt
Annemarie Schuldt
Öffentlichkeitsarbeit Corona-KiTa-Studie, DJI
089/62306-249
schuldt@dji.de

Uta Hofele
Abteilung Medien und Kommunikation, DJI
089/62306-173
hofele@dji.de

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Pressemitteilung
news-785 Mon, 10 Aug 2020 11:30:25 +0200 Jetzt starten die wöchentlichen Abfragen https://www.dji.de/veroeffentlichungen/pressemitteilungen/detailansicht/article/785-jetzt-starten-die-woechentlichen-abfragen.html Deutsches Jugendinstitut und Robert Koch-Institut erfassen erstmals im bundesweiten KiTa-Register, wie Kitas und Tagespflege auf das Corona-Infektionsgeschehen reagieren

Die Befragungen für die bundesweite Corona-KiTa-Studie, durchgeführt vom Deutschen Jugendinstitut (DJI) und dem Robert Koch-Institut (RKI), beginnen am 11. August. Alle Kindertageseinrichtungen und Tagespflegepersonen in Deutschland sind aufgerufen, sich auf www.corona-kita-studie.de im KiTa-Register zu registrieren und an regelmäßigen Online-Erhebungen zu beteiligen. „Mit dem KiTa-Register bauen wir eine einmalige bundesweite Datenbasis auf. Wir setzen auf das Fachwissen und die Erfahrungen der Kindertageseinrichtungen und der Tagespflege. Nur mit ihrer Hilfe können wir sichtbar machen, vor welchen Herausforderungen die Kindertagesbetreuung aktuell steht und klären, wie wir in Krisen künftig handlungsfähig bleiben“, sagt DJI-Direktor Prof. Dr. Thomas Rauschenbach.

Auf einer breiten Datenbasis werden das DJI und das RKI in den kommenden Wochen und Monaten Erkenntnisse zusammentragen, wie die Einrichtungen und die Tagespflege auf die organisatorischen, hygienischen und pädagogischen Herausforderungen während der Pandemie reagieren und wie sich das Infektionsgeschehen auf die Kindertagesbetreuung auswirkt. Ziel ist es, Erkrankungsrisiken in den Kitas und der Tagespflege besser einschätzen und Lösungsansätze identifizieren zu können. Die Studie soll zudem klären, wie stark das bisherige und weitere Öffnungsgeschehen mit gehäuften Infektionen von Kindern und Erwachsenen einhergeht und solle dazu beitragen, Familien und Fachkräfte gezielter zu schützen. Die Daten unterstützen Träger, Kommunen, Länder und Bund dabei, die regionale Situation genauer einschätzen und steuern zu können.

„Ich bin sehr froh, dass wir diese Studie gemeinsam auf den Weg gebracht haben,  denn sie ist für uns alle sehr wichtig. Die Daten aus dem KiTa-Register sind eine hervorragende Ergänzung zu den Meldedaten, die nach dem Infektionsschutzgesetz von den Gesundheitsämtern erhoben werden“, unterstreicht Prof. Lothar H. Wieler, Präsident des Robert Koch-Instituts. „Damit gewinnen wir wichtige Erkenntnisse über die ergriffenen Maßnahmen und welche Auswirkungen sie tatsächlich auf die Kitas haben.“

Die wöchentlichen Umfragen sollen nur wenige Minuten in Anspruch nehmen. Abgefragt werden zum Beispiel die Betreuungszeiten, die aktuellen Hygienemaßnahmen, die Anzahl der betreuten Kinder sowie Informationen zur Raum- und Personalsituation in den Einrichtungen. Die Ergebnisse werden regelmäßig aktualisiert und auf der Projektwebsite www.corona-kita-studie.de sowie in den Monatsberichten des DJI veröffentlicht.

Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend und das Bundesministerium für Gesundheit finanzieren die Studie.

Über die Studie

Mit der Corona-KiTa-Studie erforschen das Deutsche Jugendinstitut und das Robert Koch-Institut aus sozialwissenschaftlicher und medizinisch-epidemiologischer Sicht, welche Folgen  das neuartige Coronavirus für Kitas, Kinder, Betreuungspersonen und Eltern hat. Die Erhebung läuft bis Dezember 2021.

Anmeldung zum KiTa-Register und weitere Informationen unter www.corona-kita-studie.de

Monatsbericht der Corona-KiTa-Studie Ausgabe 03/2020, Juli 2020

Monatsbericht der Corona-KiTa-Studie Ausgabe 02/2020, Juni 2020

Monatsbericht der Corona-KiTa-Studie Ausgabe 01/2020, Mai 2020

 

Kontakt

Marion Horn
Abteilung Medien und Kommunikation
Tel.: 089/62306-311
horn@dji.de

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Pressemitteilung
news-781 Thu, 06 Aug 2020 09:40:28 +0200 In welchem Umfang Mütter erwerbstätig sind, wirkt sich kaum auf ihr Stresslevel aus https://www.dji.de/veroeffentlichungen/pressemitteilungen/detailansicht/article/781-in-welchem-umfang-muetter-erwerbstaetig-sind-wirkt-sich-kaum-auf-ihr-stresslevel-aus.html Neben dem Job übernehmen Mütter in Deutschland den Hauptanteil der familiären Arbeit. Eine DJI-Studie zeigt, was Mütter dabei stresst und welche Faktoren sie entlasten. Die Erwerbstätigenquote unter Müttern hat zwar stark zugenommen, die Mehrheit arbeitet jedoch in Teilzeit und übernimmt zusätzlich den Hauptanteil an Kinderbetreuung und Hausarbeit. Wenn Väter sie bei diesen Aufgaben unterstützen, entlastet das Mütter, aber nur bis zu einem gewissen Grad – zeigt eine Studie von Magdalena Gerum, Dr. Valerie Heintz-Martin und Dr. Claudia Zerle-Elsäßer vom Deutschen Jugendinstitut (DJI).

Den Studienergebnissen nach wirkt sich das Engagement der Väter bei Hausarbeit und Kinderbetreuung nur solange ausgleichend auf das Stressempfinden der Mütter aus, bis eine egalitäre Aufgabenteilung erreicht ist: Sobald Väter einen größeren Anteil übernehmen als die Mütter, fühlen sie sich wiederum mehr gestresst. „Mütter scheinen sich von traditionellen Rollenbildern, die ihnen die Hauptzuständigkeit für Care-Arbeit zuweisen, offenbar noch nicht befreien zu können“, erklärt Dr. Claudia Zerle-Elsäßer. „Selbst dann nicht, wenn sie in höherem Umfang erwerbstätig sind als ihre Partner“. Ursache für dieses stärkere Stressempfinden sei möglicherweise, dass Modelle, bei denen der Vater den überwiegenden Anteil der Sorge-Arbeit übernimmt, häufig nicht auf Basis einer gemeinsamen Überzeugung, sondern aufgrund ökonomischer Zwänge gelebt werden. 

Die Soziologin Zerle-Elsäßer und ihre Kolleginnen analysierten Daten des DJI-Surveys „Aufwachsen in Deutschland: Alltagswelten“, kurz: AID:A. Die Stichprobe umfasst Datensätze aus dem Jahr 2014 von mehr als 12.000 Müttern mit Kindern zwischen 0 und 17 Jahren, die zusammen mit den Vätern in einem gemeinsamen Haushalt leben. Die subjektive Stressbelastung der Mütter wurde anhand des WHO-5-Wohlbefindens-Indexes gemessen, der einen Summenwert von 0 (geringes Stressempfinden) bis 25 (hohes Stressempfinden) annehmen kann.

Mehr als ein Viertel der Mütter fühlt sich gestresst

Den Forschungsergebnissen nach hat jede zweite Mutter (50 Prozent) ein mittleres Stresslevel mit Skalenwerten zwischen 9 und 14, rund 23 Prozent der Mütter schildert sogar eine eher hohe Stressbelastung und etwa 3 Prozent berichten von einem sehr hohen Stresslevel. Mithilfe eines statistischen Analyseverfahrens wurde im Rahmen der Studie untersucht, ob und inwiefern potenzielle Faktoren das mütterliche Stresslevel beeinflussen.

Der Umfang der Berufstätigkeit beeinflusst das Stresslevel kaum
Ein Vergleich der befragten Mütter nach Haushaltsnettoeinkommen zeigt, dass ihnen vor allem finanzielle Engpässe der Familie große Sorgen bereiten. Auch pflegebedürftige Familienmitglieder oder zu wenig Zeit für Rituale wie gemeinsame Mahlzeiten erhöhen den Stress. Der Umfang der Erwerbsstunden wirkt sich den Ergebnissen nach hingegen kaum auf ihr Stressempfinden aus. „Um die Belastung beider Elternteile zu minimieren, sind nicht nur qualitativ gute Angebote der Kinderbetreuung und zusätzliche vereinbarkeitsfördernde Maßnahmen in Unternehmen notwendig, sondern auch eine stärkere gesellschaftliche Akzeptanz gegenüber nicht der Norm entsprechenden Modellen der Arbeitsteilung in Familien“, fordert Zerle-Elsäßer vor dem Hintergrund der Studienergebnisse.

„Was Mütter stresst“ Online-Artikel aus der aktuellen Ausgabe des Forschungsmagazins DJI ImpulseDJI-Survey „Aufwachsen in Deutschland: Alltagswelten“, kurz: AID:A

Kontakt
Dr. Claudia Zerle-Elsäßer
Leiterin der Fachgruppe Lebenslagen und Lebensführung von Familien
Tel.: 089/62306-317
zerle@dji.de

Uta Hofele
Abteilung Medien und Kommunikation
Tel.: 089/62306-173
hofele@dji.de

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