DJI Pressemitteilungen https://www.dji.de/presse-rss.xml Pressemitteilungen des Deutschen Jugendinstitut e.V. de-de Deutsches Jugendinstitut e.V. Mon, 09 Mar 2026 03:32:38 +0100 Mon, 09 Mar 2026 03:32:38 +0100 TYPO3 EXT:news news-1717 Mon, 02 Mar 2026 14:06:00 +0100 Ausbau des Ganztags kommt voran, Qualität bleibt zentrale Aufgabe https://www.dji.de/veroeffentlichungen/pressemitteilungen/detailansicht/article/1717-rechtsanspruch-auf-ganztag-im-grundschulalter-ausbau-kommt-voran-qualitaet-bleibt-zentrale-aufgabe.html Der Rechtsanspruch auf ganztägige Bildung und Betreuung im Grundschulalter kommt: Mit welchen Herausforderungen und Chancen er verbunden ist, thematisiert die neue Ausgabe des Forschungsmagazins DJI Impulse Ab dem Schuljahr 2026/2027 haben alle neu eingeschulten Kinder in Deutschland Anspruch auf Ganztagsbetreuung – ein wichtiger Schritt für mehr Bildungsgerechtigkeit und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Die bundesgesetzliche Platzgarantie wird von den Bundesländern und Kommunen umgesetzt – und beim Ausbau der Ganztagsplätze sind deutliche Fortschritte erkennbar. Nur noch 4 Prozent der Eltern in Westdeutschland haben einen Bedarf an Ganztagsbetreuung für ihr Grundschulkind, der vollständig ungedeckt ist, in Ostdeutschland liegt der Wert sogar noch niedriger, zeigt die Kinderbetreuungsstudie (KiBS) des Deutschen Jugendinstituts (DJI), bei der jährlich etwa 33.000 Eltern mit Kindern bis zum Ende der Grundschulzeit befragt werden. Dennoch betont Forschungsdirektorin Prof. Dr. Susanne Kuger: „Ein Platz allein reicht nicht aus. Fragen der Qualität, der Verlässlichkeit, der Ferienbetreuung und der Erreichbarkeit für sozial benachteiligte Familien bleiben zentral.“

73 Prozent der Eltern in Westdeutschland und 90 Prozent in Ostdeutschland wünschen sich einen Ganztagsplatz

Der neue gesetzliche Anspruch auf ganztägige Bildung und Betreuung für Grundschulkinder umfasst fünf Tage pro Woche bis zu acht Stunden täglich, inklusive Unterricht. Ab dem Schuljahr 2026/2027 gilt dies zunächst für Erstklässler:innen, bis 2029/2030 wird der Anspruch stufenweise auf alle vier Klassenstufen ausgeweitet. Durchschnittlich 73 Prozent der Eltern in Westdeutschland und 90 Prozent in Ostdeutschland wünschen sich der DJI-Kinderbetreuungsstudie KiBS zufolge eine Ganztagsbetreuung für ihre Grundschulkinder. Immer mehr Grundschulen sind inzwischen auch ganztägig organisiert, jedoch nicht in allen Bundesländern. Ausbaubedarf besteht beispielsweise noch in Bayern, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen. 

Die aktuelle Ausgabe des Forschungsmagazins DJI Impulse mit dem Titel „Ganztag für alle“ beleuchtet, welche hohen Erwartungen sich mit dem kommenden Rechtsanspruch verbinden: mehr Bildungsgerechtigkeit, eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf und eine Schule, die Kinder in ihrer ganzen Lebenswirklichkeit ernst nimmt. Gleichzeitig beschreiben die Autor:innen auf Basis von aktuellen Forschungsbefunden die Herausforderungen, vor denen die beteiligten Akteur:innen bei der Umsetzung stehen. „Schulen sind gefordert, den Ganztag nicht nur organisatorisch anzudocken, sondern ihn als Impuls für eine ganzheitliche Weiterentwicklung von Schule und Unterricht zu nutzen“, sagt Bildungsforscherin Kuger. 

Prekäre Arbeitsverhältnisse an Grundschulen: Viele Beschäftigte haben keine Ausbildung, sind befristet oder in Teilzeit tätig

Multiprofessionelle Teams gelten als Schlüssel für die Weiterentwicklung von Schule und Unterricht. Lehrkräfte, Fachkräfte der Kinder- und Jugendhilfe, Quereinsteigende und Ehrenamtliche sollen eine breite Förderung der Kinder ermöglichen. Sie stoßen in der Realität jedoch auf strukturelle Grenzen: Personalmangel, unterschiedliche Berufslogiken, Arbeitsweisen und Zeitstrukturen. Bislang existieren keine bundesweit verbindlichen Regelungen zu Qualifikationsanforderungen für die Ganztagsbetreuung von Grundschulkindern.

Aktuelle Datenauswertungen des DJI und des Forschungsverbunds DJI/TU Dortmund machen deutlich, dass der schulische Ganztag in erheblichem Umfang durch prekäre Beschäftigung geprägt ist. Jede fünfte Person, die im Jahr 2022 in der Kinderbetreuung an Grundschulen tätig war, verfügte über keinen beruflichen und damit auch keinen pädagogisch einschlägigen Ausbildungsabschluss. Der Anteil an nicht fachlich ausgebildetem Personal ist damit doppelt so hoch wie in Einrichtungen der Kindertagesbetreuung. 

Zugleich zeigen die Daten, dass befristete Beschäftigung und Teilzeitarbeit an Grundschulen nicht nur weitaus ausgeprägter sind als in der Kindertagesbetreuung, sondern auch mit einem deutlich geringeren Stundenumfang einhergehen. So haben 13 Prozent der dort Beschäftigten einen Stundenumfang unter zehn Stunden im Hauptberuf; in der Kindertagesbetreuung sind es lediglich 2 Prozent. „Das erfordert die Entwicklung von tragfähigen Personalkonzepten, die auch zeitweise oder geringfügig Beschäftigte einbeziehen“, betont Kuger. 

Die Bedürfnisse der Kinder müssen bei der Entwicklung des Ganztags im Mittelpunkt stehen

Trotz der aktuellen Herausforderungen sieht der Experte für Ganztagsschulentwicklung, Dr. Stephan Kielblock, eine große Chance im kommenden Rechtsanspruch. Im DJI-Impulse-Interview beschreibt der Bildungsforscher von der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, worauf es bei der Qualitätsentwicklung ankommt und wieso die Bedürfnisse der Kinder immer im Mittelpunkt stehen müssen. „Wenn Ganztagsentwicklung gut gelingt, erleben Kinder in der Grundschule einen Schulalltag, der Lernen, Leben und Beziehungen sinnvoll miteinander verbindet“, erklärt Kielblock. 

Empirische Hinweise darauf, was Kindern im Ganztag wichtig ist und welche Potenziale sie mit ihm verbinden, geben verschiedene Forschungsprojekte des DJI. In der DJI-Impulse-Ausgabe schildern Forschende ihre Studienergebnisse und kommen zu dem Schluss: Die Entwicklung eines Ganztags, der pädagogisch hochwertig und kindgerecht ist, hängt wesentlich davon ab, ob auch die Stimmen der Kinder systematisch gehört und ihre Perspektiven in Praxis und Forschung aktiv integriert werden. 

Das Forschungsmagazin DJI Impulse berichtet über die wissenschaftliche Arbeit am DJI, einem der größten sozialwissenschaftlichen Forschungsinstitute in Deutschland. Regelmäßig schreiben Forschende über relevante Themen aus den Bereichen Kindheit, Jugend, Familie sowie Bildung und liefern Impulse für Politik, Wissenschaft und Fachpraxis. 

Alle Artikel aus dem DJI-Impulse-Schwerpunkt „Ganztag für alle. Der neue Rechtsanspruch auf ganztägige Betreuung für Grundschulkinder – Chancen und Herausforderungen“ digital

Gesamtausgabe DJI Impulse 1/2026 „Ganztag für alle“ (kostenloser Download oder Print-Bestellung) 
DJI-Videocast Perspektiven mit Prof. Dr. Susanne Kuger „Chancen und Herausforderungen des neuen Rechtsanspruchs“ 


Kontakt
Birgit Lindner
Abteilung Medien und Kommunikation
089/62306-180
blindner@dji.de

Prof. Dr. Susanne Kuger
DJI-Forschungsdirektorin
089/62306-322
kuger@dji.de

]]>
Pressemitteilung Startseiten Position Position 1 (groß)
news-1678 Wed, 10 Dec 2025 09:00:00 +0100 Ungleiche Chancen auf Beteiligung https://www.dji.de/veroeffentlichungen/pressemitteilungen/detailansicht/article/1678-ungleiche-chancen-auf-beteiligung-junge-menschen-stossen-auf-vielfaeltige-barrieren.html Aktuelle Forschungsdaten des DJI zeigen, dass strukturelle Hürden und soziale Ungleichheit die Partizipation junger Menschen erschweren. Wie gelingt echte Jugendbeteiligung, fragt die neue Ausgabe von DJI Impulse Demokratische Beteiligung muss erlernt werden. Wer politische Prozesse verstehen, die eigene Meinung ausdrücken, im Dialog vertreten und Kompromisse gestalten soll, benötigt Kompetenzen, die eingeübt werden müssen. Gerade deshalb sind frühe Beteiligungschancen in Kindertages­einrichtungen, Schulen sowie Angeboten der Kinder- und Jugendhilfe zentral für eine lebendige Demokratie. Doch aktuelle Forschungsbefunde des Deutschen Jugendinstituts (DJI) machen deutlich, dass insbesondere strukturelle Hürden und soziale Ungleichheit verhindern, dass Kinder und Jugendliche ihre gesetzlich verankerten Beteiligungsrechte wahrnehmen können. „Aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen machen die Einbindung junger Menschen dringlicher denn je“, betont Prof. Dr. Susanne Kuger, Forschungsdirektorin des Deutschen Jugendinstituts (DJI), im Editorial der neu erschienenen Ausgabe des Forschungsmagazins DJI Impulse. 

Die Autor:innen der Doppelausgabe 3+4/2025 beschäftigen sich mit der Frage, wie eine stärkere Mitbestimmung von Kindern und Jugendlichen im pädagogischen Alltag sowie in politischen Prozessen ermöglicht werden kann. Wissenschaftler:innen analysieren in ihren Beiträgen Chancen und Grenzen einer Jugendbeteiligung – und zeigen auf Basis aktueller Forschungsdaten die komplexen Voraussetzungen für echte Partizipation auf. In einer Sonderrubrik mit exemplarischen Good-Practice-Projekten am DJI schildern sie zudem, wie die Einbindung junger Menschen in die Forschungsarbeit gelingen kann. 

Fast die Hälfte der Kinder aus Familien mit niedrigem Bildungsstatus beteiligt sich weder gesellschaftlich noch politisch

Die aktuellen Analysen zeigen deutlich: Junge Menschen wollen sich einbringen, doch ihre Möglichkeiten dazu unterscheiden sich stark. Den Auswertungen des DJI-Surveys „Aufwachsen in Deutschland: Alltagswelten“, kurz AID:A, zufolge hängt das Engagement vor allem vom Bildungsniveau und der finanziellen Lage der Eltern ab. Fast die Hälfte (45 Prozent) der befragten 12- bis 17-Jährigen mit geringem Bildungshintergrund und gut ein Drittel (34 Prozent) der jungen Menschen aus armutsgefährdeten Familien sind in den erhobenen Bereichen weder gesellschaftlich noch politisch aktiv. Bei Gleichaltrigen aus Familien mit hohem Bildungsstatus und ohne Armutsrisiko liegen diese Anteile bei lediglich 12 beziehungsweise 14 Prozent. Abgefragt wurden Aktivitäten in verschiedenen Vereinen oder aus politischen Gründen, wie etwa die Teilnahme an öffentlichen (digitalen) Diskussionen, Demonstrationen oder Bürgerinitiativen.

Mit der UN-Kinderrechtskonvention und ihrer Umsetzung im Kinder- und Jugendhilfegesetz (SGB VIII) ist die Beteiligung junger Menschen rechtlich festgeschrieben. Wie groß die Lücke zwischen Anspruch und Praxis jedoch bleibt, machen die Beiträge der neuen DJI-Impulse-Ausgabe deutlich. Sowohl in Kindertageseinrichtungen, Schulen und Angeboten der Kinder- und Jugendhilfe, als auch in politischen Beteiligungsprozessen von Kommunen, Ländern und Bund mangelt es an Ressourcen und an verbindlichen Standards, die echte Mitgestaltung ermöglichen. Studien verweisen zum einen auf methodische Unsicherheiten der Fachkräfte, auf hierarchische Institutionenkulturen und erwachsenenzentrierte Strukturen sowie Machtasymmetrien.

Nur symbolische Beteiligung schwächt das Vertrauen in die Demokratie

„Damit junge Menschen politische Selbstwirksamkeit erfahren und Vertrauen in demokratische Prozesse entwickeln, braucht es ausreichende Ressourcen und Erwachsene, die bereit sind, Entscheidungsmacht zu teilen“, sagt Dr. Frank, Greuel, Experte für Demokratieförderung und Partizipation am DJI. Zugleich macht er darauf aufmerksam, dass eine lediglich symbolische Beteiligung von Jugendlichen negative Folgen für deren demokratische Haltungen haben kann. Auch das Bundesjugendkuratorium (BJK), dessen Geschäftsstelle am DJI angesiedelt ist und das die Bundesregierung in Querschnittsfragen der Kinder- und Jugendpolitik berät, betont in seinem Beitrag die Bedeutung altersgerechter, transparenter Rückmeldungen an junge Menschen darüber, wie sich ihre Beteiligung tatsächlich auswirkt.

Das Forschungsmagazin DJI Impulse berichtet über die wissenschaftliche Arbeit am DJI, einem der größten sozialwissenschaftlichen Forschungsinstitute in Deutschland. Regelmäßig informieren Forschende über relevante Themen aus den Bereichen Kindheit, Jugend, Familie sowie Bildung und liefern Impulse für Politik, Wissenschaft und Fachpraxis. 

Alle Artikel aus dem DJI-Impulse-Schwerpunkt „Besser beteiligen. Warum die Mitbestimmung von Kindern und Jugendlichen wichtig ist – und wie sie gelingen kann“ digital

Gesamtausgabe DJI Impulse 3+4/2025 „Besser beteiligen“ (kostenloser Download oder Print-Bestellung) 

DJI-Videocast Perspektiven mit Dr. Frank Greuel „Warum Beteiligung von Kindern und Jugendlichen anspruchsvoll und zugleich unverzichtbar ist“ (YouTube)


Kontakt
Birgit Lindner
Abteilung Medien und Kommunikation
089/62306-180
blindner@dji.de

Prof. Dr. Susanne Kuger
DJI-Forschungsdirektorin
089/62306-322
kuger@dji.de

Dr. Frank Greuel
DJI-Experte für Demokratieförderung und Partizipation
0345/68178-29
greuel@dji.de

]]>
Pressemitteilung Startseiten Position Position 6 (groß)
news-1662 Wed, 12 Nov 2025 09:10:34 +0100 Kinder und Jugendliche aus armutsgefährdeten Familien sind in allen Lebensbereichen benachteiligt https://www.dji.de/veroeffentlichungen/pressemitteilungen/detailansicht/article/1662-kinder-und-jugendliche-aus-armutsgefaehrdeten-familien-sind-in-allen-lebensbereichen-benachteiligt.html Wie sehr in Deutschland die materielle Situation der Familie über die Chancen von Kindern entscheidet, zeigt der von DJI-Forschenden erstellte UNICEF-Bericht zur Lage der Kinder in Deutschland 2025 Wenngleich Deutschland zu den wohlhabendsten Ländern der Welt gehört, wächst bundesweit fast jedes zehnte Kind unter 18 Jahren mit erheblichen materiellen und sozialen Entbehrungen auf. Das entspricht rund 1,3 Millionen Kindern und Jugendlichen, bei denen grundlegende Bedürfnisse nicht gestillt werden, da beispielsweise ein zweites Paar ordentliche Schuhe fehlt, eine einwöchige Urlaubsreise im Jahr nicht bezahlt oder die Wohnung nicht ausreichend beheizt werden kann. In Deutschland leben damit relativ viele Kinder und Jugendliche in armutsgefährdeten Familien – sowohl im Vergleich zu wirtschaftlich starken Ländern wie Finnland oder Norwegen als auch im Vergleich zu wirtschaftlich schwächeren wie Slowenien oder Portugal. Dieses zentrale Ergebnis des neu erschienenen UNICEF-Berichts zur Lage der Kinder in Deutschland 2025 ist besonders alarmierend, weil sich Armut auf alle Lebensbereiche betroffener Kinder und Jugendlicher negativ auswirkt. 

Der 155-seitige Bericht, der im Auftrag von UNICEF Deutschland von Forschenden des Deutschen Jugendinstituts (DJI) erstellt wurde, liefert umfassende empirische Ergebnisse und Analysen zu sechs zentralen Dimensionen des kindlichen Wohlbefindens: materielle Situation, Bildung, soziale Beziehungen, sicheres Aufwachsen und Risiken, Gesundheit sowie subjektives Wohlbefinden. „Die Befunde machen deutlich, wie sich Armut auf wirklich alle Lebensbereiche von Kindern nachteilig auswirkt“, sagte Prof. Dr. Sabine Walper auf der Bundespressekonferenz am 12. November 2025 in Berlin. Sie hat den Bericht als DJI- Direktorin und Herausgeberin begleitet. „Die negativen Folgen von Armutslagen zeigen sich in den Bildungschancen, der Gesundheit, der gesellschaftlichen Teilhabe und selbst in den sozialen Beziehungen. Umso wichtiger ist es, Strukturen so zu reformieren, dass alle Kinder unabhängig von ihrer Herkunft faire Chancen auf ein gutes Aufwachsen haben.“

Georg Graf Waldersee, Vorsitzender von UNICEF Deutschland, sagte bei der Vorstellung der Forschungsergebnisse: „In Deutschland bewegt sich zu wenig für Kinder. Eine gute Kindheit darf nicht nur ein hehres Bekenntnis bleiben. Die neue Bundesregierung steht in der Verantwortung, deutlich mehr für Kinder zu tun. Wer den gesellschaftlichen Zusammenhalt und Deutschlands Zukunft sichern will, muss jetzt gezielt in Kinder investieren – insbesondere in diejenigen, die von Armut, Ausgrenzung oder fehlenden Chancen betroffen sind.”

Betroffenen Kindern fehlen Rückzugsorte und sie sind weniger aktiv als Gleichaltrige 

Auswirkungen von Armutslagen zeigen sich dem Bericht zufolge an der angespannten Wohnsituation der betroffenen Familien: 44 Prozent der armutsgefährdeten Kinder und Jugendlichen leben in Wohnungen, in denen individuelle Rückzugs- und Lernräume fehlen – fast dreimal so viele wie Gleichaltrige ohne Armutsgefährdung (15 Prozent). Erhebliche finanzielle Einschränkungen wirken sich aber auch auf die Gestaltung der Freizeitaktivitäten aus: Nur gut die Hälfte der betroffenen Kinder treibt regelmäßig Sport, nur ein Drittel liest regelmäßig Bücher und nur 42 Prozent treffen sich regelmäßig mit Freund:innen. Gleichaltrige aus besser gestellten Familien sind deutlich aktiver und nutzen zudem universell zugängliche Angebote wie Sportstätten, Bolzplätze und auch Ferienfreizeiten häufiger.

Große soziale Unterschiede bei Lese- und Medienkompetenzen sowie Bildungszielen

Der UNICEF-Bericht verweist darauf, dass ein beträchtlicher Anteil von Kindern und Jugendlichen nicht ausreichend gefördert wird: 41 Prozent der Achtklässler:innen verfügen lediglich über rudimentäre Kompetenzen im Umgang mit digitalen Medien. Ein Viertel aller 15-Jährigen in Deutschland gilt zudem als besonders leseschwach. In beiden Bereichen zeigen sich dem Bericht zufolge große soziale Unterschiede. So liegt der Anteil der besonders leseschwachen 15-Jährigen, die Eltern mit einem niedrigen sozioökonomischen Hintergrund haben, sogar bei 39 Prozent. Und während 80 Prozent der 9- bis 17-Jährigen aus finanziell unbelasteten Haushalten das Abitur anstreben, trifft das auf lediglich gut die Hälfte (56 Prozent) der armutsgefährdeten Kinder und Jugendlichen dieser Altersgruppe zu. 

Materiell benachteiligte Jugendliche erleben häufig Mobbing 

Bundesweit erleben im Durchschnitt 9 Prozent der 12- bis 17-Jährigen mindestens ein bis zwei Mal pro Monat Mobbing, wobei insbesondere digitale Beleidigungen und Angriffe eine große Rolle spielen. Am stärksten betroffen sind wiederum Jugendliche aus materiell deprivierten Haushalten: Sie erfahren ungefähr doppelt so häufig (Cyber-)Mobbing wie Gleichaltrige aus bessergestellten Familien. Die Folgen sind den Daten zufolge erheblich: Jugendliche, die gemobbt wurden, zeigen deutliche Anzeichen von Rückzugsverhalten und sozialer Isolation bis hin zu depressiven Stimmungen. 

Belastungen beeinträchtigen die Gesundheit der Kinder

„Die Belastungen in den verschiedenen Lebensbereichen wirken sich nachweislich negativ auf das psychische Wohlbefinden und die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen aus und führen zu einer systematischen Einschränkung ihrer Zukunftschancen“, warnt DJI-Forschungsdirektorin Prof. Dr. Susanne Kuger.

Immer mehr Kinder und Jugendliche in Deutschland leiden laut dem Bericht unter gesundheitlichen Beschwerden: 40 Prozent der 11- bis 15-Jährigen berichten demnach von wöchentlich mehrfachen oder sogar täglichen Beschwerden wie Kopfschmerzen, Bauchschmerzen oder Schlafproblemen. Dieser Wert ist in den vergangenen zehn Jahren deutlich angestiegen, am stärksten seit der Covid-19-Pandemie. Und auch hier zeigt sich: Jugendliche aus materiell benachteiligten Verhältnissen sind stärker betroffen.

Auch ihr psychisches Wohlbefinden bewerten junge Menschen in Deutschland eher negativ: Die Werte für 11- bis 15-Jährige liegen zwischen 51 und 67 Punkten von insgesamt 100 Punkten, ein – wie in vielen anderen europäischen Ländern – bedenklich geringer Wert. Am schlechtesten fällt die Beurteilung des psychischen Wohlbefindens bei finanziell benachteiligten Mädchen aus. Deutschland ist neben Portugal, Lettland, Ungarn und Österreich eines der wenigen europäischen Länder, in denen sich der Zusammenhang zwischen Armut und psychischem Wohlbefinden so stark zeigt.

Der UNICEF-Bericht zur Lage der Kinder in Deutschland 2025

Seit dem Jahr 2006 bündelt UNICEF mit seinen Berichten zur Lage der Kinder in Deutschland die wichtigsten verfügbaren Erkenntnisse über das Aufwachsen von Kindern und Jugendlichen. In diesem Jahr wurde der Bericht durch Forschende des Deutschen Jugendinstituts (DJI) erarbeitet. Grundlage bilden unter anderem Daten und Analysen des DJI-Surveys „Aufwachsen in Deutschland: Alltagswelten“ (AID:A), der „EU-Statistik zu Einkommen und Lebensbedingungen“ (EU-SILC), der Kinder- und Jugendgesundheitsstudie „Health Behavior in School-aged Children“ (HBSC) der Weltgesundheitsorganisation WHO sowie der Schulleistungsvergleichsstudie PISA.

Kinder und Jugendliche bringen sich in beratender Funktion ein

Dem Grundgedanken der UN-Kinderrechtskonvention folgend, konnten Kinder und Jugendliche bei dem aktuellen Bericht stärker als bisher Einfluss nehmen. Sie wurden bereits in der Konzeptionsphase beteiligt, nämlich bei Entscheidungen über die thematische Ausrichtung des Berichts und bei der Auswahl seiner zentralen Indikatoren. Zudem wurden die Analysen des Projektteams durch Diskussionen mit Jugendlichen in einem Workshop validiert.

Video-Interview mit DJI-Forschungsdirektorin Prof. Dr. Susanne Kuger

UNICEF-Bericht 2025 „Eine Perspektive für jedes Kind“, Anhang zur Datengrundlage und Zusammenfassung wichtiger Ergebnisse und Handlungsempfehlungen von UNICEF

UNICEF-Pressemitteilung “Weiterhin zu viele Kinder ohne Perspektive” vom 12.11.25

Phoenix-Mitschnitt der Vorstellung des Berichts auf der Bundespressekonferenz, 12.11.25

“Kinderarmut immer noch auf hohem Niveau”, Tagesschau 12.11.25

“Eine Million Kinder wächst laut Unicef deutschlandweit in Armut auf”, ZEIT-Online 12.11.25

“Grundbedürfnisse von mehr als einer Million Kindern nicht gedeckt”, SPIEGEL-Online 12.11.25

Kontakt
Prof. Dr. Susanne Kuger
DJI-Forschungsdirektorin
089 62306-322
kuger@dji.de

Marion Horn
Abteilung Medien und Kommunikation 
089/62306-311
horn@dji.de

Uta Hofele
Abteilung Medien und Kommunikation
089/62306-446
hofele@dji.de 

]]>
Startseiten Position Position 1 (groß)
news-1661 Tue, 11 Nov 2025 14:33:00 +0100 Welche Veränderungen werden durch wissenschaftliche Erkenntnisse angestoßen? https://www.dji.de/veroeffentlichungen/pressemitteilungen/detailansicht/article/welche-veraenderungen-werden-durch-wissenschaftliche-erkenntnisse-ueber-die-lebenslagen-junger-menschen-angestossen.html Wie Analysen der Sozial- und Bildungsberichterstattung zum Aufwachsen junger Menschen in Fachpraxis und Politik aufgegriffen werden, diskutieren die Teilnehmenden der aktuellen DJI-Jahrestagung in Berlin Armutsgefährdung, finanzielle Resilienz von Familien, Kinderschutz, Rechtsansprüche auf Ganztagsbetreuung, berufliche Bildung und vieles mehr sind Themen der diesjährigen Jahrestagung des Deutschen Jugendinstituts (DJI). Eine Vielzahl von DJI-Surveys zeigt auf, wie sich die Lebenssituationen junger Menschen verändern. Die jeweiligen Befunde bereiten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des DJI für die Forschung und für Entscheidungs­trägerinnen und -träger aus Politik und (Fach-)Praxis auf. Sie beraten Politik und Verwaltung von Bund, Ländern und Kommunen, analysieren gesellschaftliche Trends, begleiten neue fachliche Entwicklungen wissenschaftlich, erarbeiten Prognosen für die Zukunft und liefern wichtige Impulse für die Fachpraxis.

„Bei der Planung und Umsetzung dieser Erhebungen müssen dabei, um den Wandel beobachten zu können, dieselben Themen und Inhalte mit denselben Methoden erfasst werden, da sonst keine Vergleiche im Zeitverlauf möglich sind. Andererseits sind die Messinstrumente inhaltlich und methodisch kontinuierlich an gesellschaftliche Wandlungsprozesse anzupassen, um diesen gerecht zu werden“, erklärt DJI-Forschungsdirektorin Prof. Dr. Susanne Kuger anlässlich der aktuellen DJI-Jahrestagung 2025 in Berlin. 

Die Forschungsarbeit in diesem Spannungsfeld und aktuelle Fragestellungen stellen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des DJI sowie Referentinnen und Referenten aus der Fachpraxis in acht Foren vor. Sie präsentieren und diskutieren Befunde, Empfehlungen sowie Umsetzung und Gelingen einzelner Maßnahmen.

Die Staatssekretärin im Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ), Dr. Petra Bahr, eröffnet die wissenschaftliche Jahrestagung des DJI mit einem Grußwort. Im Anschluss hält Prof. Dr. Karin Böllert von der Universität Münster die Keynote „Aufwachsen können mit Vertrauen und Zuversicht – was die Kinder- und Jugendhilfeberichterstattung wirkungsvoll macht“. 

Die Themen der Foren im Kurzüberblick

Forum 1: Finanzielle Resilienz von Familien und ökonomische Eigenständigkeit von Frauen
Dieses Forum beleuchtet, wie Trennung und Scheidung finanzielle Risiken verstärken können und warum die ökonomische Eigenständigkeit von Frauen zentral für die familiale Krisenresilienz ist. Es wird diskutiert, durch welche politischen Rahmenbedingungen diese gefördert werden kann.

Forum 2: Ganztag – Rechtsansprüche und offene Bedarfe. Planung, Steuerung, Realisierung ganztägiger Bildung
Hier wird diskutiert, inwiefern die Kindertagesbetreuung mit Blick auf die Betreuungsumfänge bedarfsgerecht sind. Zudem gehen wir der Frage nach, inwiefern die Jugendämter bei der kommunalen Bedarfsplanung die elterlichen Betreuungsbedarfe berücksichtigen.

Forum 3: Berufliche Bildung – Zugang gestalten, Teilhabe ermöglichen
Das Forum thematisiert den Übergang von der Schule in Ausbildung und warum viele Jugendliche im Übergangssektor verbleiben. Besonders betrachtet wird die Rolle der Arbeitsagentur sowie die Wirkung der neuen Ausbildungsgarantie.

Forum 4: Beiträge formaler und non-formaler Bildungskontexte zur Integration und Inklusion
Diskutiert wird, warum inklusive Einschulung in Deutschland nur langsam vorankommt und welche Hürden es im Bildungssystem gibt. Auch die Jugendarbeit steht vor Herausforderungen, insbesondere in Bezug auf Barrierefreiheit und Ressourcen.

Forum 5: Digitalisierung der Kinder- und Jugendhilfe
Hier geht es um Chancen digitaler Medien für Bildung und Teilhabe, aber auch um Risiken für Kinder und Jugendliche. Beispiele aus der Praxis zeigen, wie Medienkompetenzen gezielt gestärkt werden können.

Forum 6: Leistungsfähige Organisationen und Schnittstellen – Qualitätsentwicklung in und über Systemgrenzen hinweg
Im Fokus steht die Zusammenarbeit zwischen Jugendhilfe, Justiz und weiteren Akteuren. Untersucht wird, wie Reformen in der Praxis ankommen und wie die Qualität der Angebote gesichert werden kann.

Forum 7: Schutz vor Gewalt
Dieses Forum widmet sich der Prävention und Intervention bei häuslicher Gewalt sowie Schutzkonzepten in Schulen und Betreuungseinrichtungen. Dabei wird deutlich, dass Schutzstrukturen vielerorts ausgebaut, aber noch nicht flächendeckend verankert sind.

Forum 8: Resilienz pädagogischer Fachkräfte durch Professionalisierung
Das Forum zeigt, dass gute Arbeitsbedingungen und professionelle Ausbildungswege entscheidend für die Zufriedenheit und Belastbarkeit pädagogischer Fachkräfte sind. Angesichts des Fachkräftemangels rückt die Frage nach nachhaltiger Personalentwicklung in den Mittelpunkt.
 

Programm der DJI-Jahrestagung 2025 (PDF) Ausführliche Informationen zu den Foren der DJI-Jahrestagung (PDF)

Kontakt
Marion Horn
Abteilung Medien und Kommunikation
Tel.: 089/62306-311
horn@dji.de

Sonja Waldschuk
Abteilung Medien und Kommunikation
Tel.: 089/62306-173
waldschuk@dji.de
 

]]>
News Pressemitteilung Startseiten Position Position 2 (klein)
news-1660 Wed, 05 Nov 2025 09:33:00 +0100 Weiteres Personalwachstum in westdeutschen Kitas – Stagnation im Osten https://www.dji.de/veroeffentlichungen/pressemitteilungen/detailansicht/article/1658-fruehe-bildung-im-umbruch-weiteres-personalwachstum-in-westdeutschen-kitas-stagnation-im-osten-1.html Das neu erschienene Fachkräftebarometer Frühe Bildung 2025 präsentiert aktuelle Befunde zu Personal, Arbeitsmarkt und Ausbildung in der Kindertagesbetreuung Rund 895.000 Personen arbeiteten im Jahr 2024 in Kindertageseinrichtungen und damit etwa 54.000 mehr als 2022. Hinter dieser bundesweiten Dynamik verbergen sich ungleiche Entwicklungen: Während in Westdeutschland das Personal in diesem Zeitraum um 7 Prozent gewachsen ist, wurden im Osten nur wenige neue Stellen geschaffen (+2 Prozent). Im Vergleich zu 2023 gab es in Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt sogar leichte personelle Rückgänge. Ein Grund sind die Geburtenzahlen, die im Osten seit einem Höchststand im Jahr 2016 um 29 Prozent gesunken sind. Im Westen setzte der Rückgang erst nach 2021 ein. Seitdem hat sich die Zahl der Neugeborenen dort um 14 Prozent verringert. Dieser Trend wird sich in den kommenden Jahren aller  Voraussicht nach verstärken, wie empirische Analysen des neu erschienenen Fachkräftebarometers Frühe Bildung 2025 der Weiterbildungsinitiative Frühpädagogische Fachkräfte (WiFF) zeigen.

„Die Nachfrage nach Kita-Plätzen und Fachkräften wird in den kommenden Jahren regional stark variieren und die Situation für Träger und Kommunen schwer planbar machen“, sagt Professor Dr. Thomas Rauschenbach, Leiter der Autor:innengruppe Fachkräftebarometer. „Es ist wichtiger denn je, diese Entwicklung kleinteilig zu beobachten, damit Verantwortliche angemessen und rechtzeitig reagieren können.“

Ungleiche Voraussetzungen für Bildung und Betreuung

Nicht nur die zukünftigen Personal- und Platzbedarfe variiert zwischen den Landesteilen, sondern auch die Rahmenbedingungen für die pädagogische Arbeit. So ist im Westen eine Fachkraft im Durchschnitt für 3,4 Krippen- und 7,0 Kindergartenkinder zuständig. Im Osten ist der Personal-Kind-Schlüssel mit 5,3 Krippen- und 9,6 Kindergartenkindern pro Fachkraft deutlich schlechter. Bei den Anteilen der hoch qualifizierten Kräfte, die über einen einschlägigen Fachschul- oder Hochschulabschluss verfügen, liegen die ostdeutschen Länder vorne: Mit Ausnahme Berlins reicht die Spannbreite von 88 Prozent in Mecklenburg-Vorpommern bis hin zu 94 Prozent in Thüringen. In den westdeutschen Ländern variiert dieser Anteil zwischen 54 Prozent in Bayern und 75 Prozent in Hessen und Rheinland-Pfalz. Angesichts der gestiegenen Anforderungen an die Frühe Bildung fordern Expert:innen eine Quote von mindestens 72,5 Prozent.

„Der nachlassende Ausbaudruck eröffnet die Chance, die Kita-Qualität in allen Bundesländern entsprechend fachlich empfohlener Standards anzuheben“, so WiFF-Leitung Professorin Dr. Kirsten Fuchs-Rechlin, die die Autor:innengruppe gemeinsam mit Professor Rauschenbach leitet. „Dies ist dringend notwendig, um den Kindern bundesweit gleiche Bildungschancen und Fachkräften vergleichbare Rahmenbedingungen für ihre Arbeit zu ermöglichen.“ 

Verschiebungen bei der Qualifikation des Kita-Personals

Mit Blick auf die gesamtdeutsche Zusammensetzung des pädagogischen Personals in Kitas zeigen sich leichte Veränderungen innerhalb des Qualifikationsgefüges. Der Anteil ausgebildeter Erzieher:innen ist in den letzten zehn Jahren von 68 auf 63 Prozent zurückgegangen. Während im Osten der Anteil einschlägig akademisch Qualifizierter von 6 auf 7 Prozent (gegenüber zuletzt 5 Prozent im Westen) leicht zugenommen hat, wurden im Westen mehr Personen ohne einschlägige Berufs- oder Hochschulabschlüsse eingestellt – ihr Anteil stieg von 5 auf 6 Prozent (gegenüber zuletzt 3 Prozent im Osten). Letztere bilden dennoch eine kleine Gruppe von bundesweit rund 60.000 Personen. Eine vergleichbare Anzahl an Personen, nämlich 54.000, waren 2024 noch in einer einschlägigen Ausbildung und zugleich in einer Kita tätig. Im Zehnjahresvergleich ist ihr Anteil deutschlandweit von 4 auf 7 Prozent angestiegen. Dies ist auf die Einführung praxisintegrierter, vergüteter Ausbildungsformate zurückzuführen, die mittlerweile auf allen Ausbildungsebenen für die Frühe Bildung angeboten werden. Trotz dieser Verschiebungen sind Kindertageseinrichtungen nach wir vor von einer hohen Fachlichkeit geprägt: 86 Prozent des pädagogisch und leitend tätigen Personals verfügen über einschlägige Berufs- und Hochschulabschlüsse.

Hohe Bindung an das Arbeitsfeld Frühe Bildung

Auch wenn sich die Zusammensetzung des Personals leicht verändert hat, bleibt die Bindung der einzelnen Beschäftigten an das Arbeitsfeld hoch, wie Analysen zur beruflichen Mobilität frühpädagogischer Fachkräfte zeigen. Im Jahr 2023 ergriffen nur 5 Prozent der Fachkräfte bei einem Jobwechsel einen Beruf außerhalb der Kindertagesbetreuung. Zahlenmäßig sind sogar etwas mehr Personen aus anderen Arbeitsfeldern in die Kindertagesbetreuung eingemündet, als sie Personen verlassen haben. 

Das Fachkräftebarometer Frühe Bildung liefert alle zwei Jahre auf Basis amtlicher Daten ausführliche Informationen über Personal, Arbeitsmarkt, Erwerbssituation sowie Ausbildung und Qualifizierung in der Frühpädagogik sowie im Ganztag. 

Die Weiterbildungsinitiative Frühpädagogische Fachkräfte (WiFF) wurde 2008 vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und der Robert Bosch Stiftung in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Jugendinstitut initiiert, um die Elementarpädagogik als Basis des Bildungssystems zu stärken. WiFF wird in Kooperation mit dem Forschungsverbund DJI/TU Dortmund durchgeführt und aus Bundesmitteln gefördert. 

Publikation Fackräftebarometer Frühe Bildung 2025
Weiterbildungsinitiative Frühpädagogische Fachkräfte (WiFF)

Kontakt
Julia Pollert
Weiterbildungsinitiative Frühpädagogische Fachkräfte
089/62306-248
pollert@dji.de 

]]>
Pressemitteilung Startseiten Position Position 2 (klein)
news-1632 Wed, 17 Sep 2025 14:40:00 +0200 Wie viel Taschengeld ist für Kinder und Jugendliche angemessen? https://www.dji.de/veroeffentlichungen/pressemitteilungen/detailansicht/article/wie-viel-taschengeld-ist-fuer-kinder-und-jugendliche-angemessen.html Die neuen Empfehlungen des DJI zum Taschengeld und Budgetgeld liegen vor Süßigkeiten, Zeitschriften, Kinobesuche oder In-App-Käufe – mit dem Taschengeld lassen sich für Kinder und Jugendliche individuelle Wünsche erfüllen. In einer zunehmend digital geprägten Alltagswelt können Kinder und Jugendliche Einkäufe mit einem Click erledigen. Waren sind in Online-Shops jederzeit verfügbar, Influencer-Werbung mischt sich in Freizeit und Kommunikation und die Bezahlung läuft im Hintergrund über Karte oder App. Diese digitale Umgebung beschleunigt Entscheidungen, verschleiert Folgekosten und schafft neue Risiken. Deshalb sind früh finanzielle Basiskompetenzen notwendig, um den Überblick zu behalten, sich Ziele zu setzen, digitale Einkäufe zu prüfen sowie Daten zu schützen. 

Das Deutsche Jugendinstitut (DJI) hat nun die Expertise „Taschengeld und Gelderziehung“ veröffentlicht, die im Rahmen eines vom Deutschen Sparkassen- und Giroverband finanzierten Projekts erstellt wurde. Die enthaltenen Empfehlungen zu den Grundregeln des Taschengelds, die Taschengeld- und Budgetgeld-Höhen haben die DJI-Wissenschaftlerinnen auf Grundlage neuer Daten sowie eines Workshops angepasst. Die Expertise bündelt aktuelles Wissen und praktische Erfahrungen zum Taschengeld in Deutschland. 

Aktuell gelten für Kinder und Jugendliche diese Taschengeld-Richtlinien: unter 6-Jährige 1 bis 2 Euro und 6- bis 7-Jährige 2 bis 3 Euro in der Woche, 8- bis 9-Jährige 3 bis 4 Euro in der Woche und 10- bis 11-Jährige 15 bis 25 Euro im Monat. Für Kinder von 12 bis 13 Jahren liegt die Empfehlung bei 20 bis 30 Euro monatlich, bei den 14- bis 15-Jährigen sind es 25 bis 45 Euro und bei den 16- bis 17-Jährigen 40 bis 60 Euro im Monat. Ab 18 Jahren liegt die Empfehlung bei 55 bis 75 Euro monatlich.

Wie Gelderziehung in der Familie funktioniert und warum Taschengeld zentral ist

Den ersten Umgang mit Geld und Finanzen lernen Kinder und Jugendliche vor allem zu Hause. Drei Mechanismen wirken hier zusammen: was Erwachsene vorleben, was gemeinsam über Geld und Finanzen besprochen wird sowie was Kinder selbst entscheiden und ausprobieren. Mit zunehmendem Alter ergänzt Budgetgeld diesen Lernraum für planbare Ausgaben. 

„Der pädagogische Sinn liegt nicht im ‚Geld zum Ausgeben‘, sondern in wiederkehrenden Übungssituationen, in denen Kinder ein begrenztes Budget planen und zwischen Wünschen und Notwendigem abwägen“, sagt Dr. Alexandra Langmeyer-Tornier, Leiterin der DJI-Fachgruppe „Lebenslagen und Lebenswelten von Kindern“ und Mitautorin der Expertise. Das frühe Erfahrungslernen mache das Taschengeld zum Schlüsselbaustein für die finanzielle Bildung, so die Wissenschaftlerin weiter.

Für Jugendliche ab 12 Jahren empfehlen die Wissenschaftlerinnen Budgets, die zusätzlich zum Taschengeld zweckgebunden ausgezahlt werden sollen. So erlernen sie eine größere finanzielle Eigenständigkeit und können im geschützten Raum der Familie Kompetenzen erwerben. Ein eigenes Konto sei dafür empfehlenswert, um auch den Umgang mit bargeldlosen Zahlungsmöglichkeiten zu trainieren.

„Taschengeld ist mehr als nur ein kleiner Beitrag zum Alltag – es ist eine Investition in die finanzielle Bildung von Kindern und Jugendlichen. Wer früh lernt, eigenverantwortlich mit Geld umzugehen, entwickelt wichtige Kompetenzen für das Erwachsenenleben: Finanzielle Entscheidungen werden souveräner getroffen, Chancen bewusster erkannt und genutzt“, so Karolin Schriever, Geschäftsführendes Vorstandsmitglied des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands. 

Darüber hinaus zeigt die Expertise, dass finanzielle Bildung nicht allein Aufgabe der Familie ist. Auch Schulen, Gleichaltrige, digitale Medien und erste Erwerbserfahrungen prägen das Finanzhandeln. Impulse aus der Schule oder von Institutionen sollten in der Familie aufgegriffen und mit Alltagserfahrungen verbunden werden.
 

Taschengeld- und Budgetgeld-Empfehlungen des DJI

Kontakt
Dr. Alexandra Langmeyer-Tornier
Leitung der Fachgruppe „Lebenslagen und Lebenswelten von Kindern“
089/62306-592
langmeyer@dji.de

Sophia Chabursky
Wiss. Referentin der Fachgruppe „Lebenslagen und Lebenswelten von Kindern“
089/62306-225
chabursky@dji.de

Sonja Waldschuk
Abteilung Medien und Kommunikation
089/62306-173
waldschuk@dji.de

]]>
News Pressemitteilung Startseiten Position Position 4 (klein)
news-1625 Tue, 26 Aug 2025 10:46:57 +0200 Frühe Bildung: Bedarfsgerechte Angebote fehlen weiterhin https://www.dji.de/veroeffentlichungen/pressemitteilungen/detailansicht/article/fruehe-bildung-bedarfsgerechte-angebote-fehlen-weiterhin.html Neue Ergebnisse der DJI-Kinderbetreuungsstudie belegen, dass Planung und Steuerung der Angebote trotz sinkender Geburtenzahlen vorangetrieben werden müssen Die vom statistischen Bundesamt aktualisierte Bevölkerungsberechnung zeigt, dass in Deutschland weniger junge Menschen leben. Der Ausbau der frühkindlichen Bildung, Betreuung und Erziehung (FBBE) muss aber trotzdem weitergehen. Denn obwohl Kinder ab dem vollendeten ersten Lebensjahr bereits seit dem Jahr 2013 das Recht auf einen Platz in der Kindertagesbetreuung haben, ist das Angebot an Plätzen auch über zehn Jahre später noch bei weitem nicht bedarfsdeckend. Das belegen aktuelle Auswertungen der DJI-Kinderbetreuungsstudie (KiBS) des Deutschen Jugendinstituts (DJI), die nun in Studie 1 des DJI-Kinderbetreuungsreports 2025 und in der zehnten Ausgabe von „Kindertagesbetreuung Kompakt“ des Bundesministeriums für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ) veröffentlicht wurden. Dabei muss vor allem die lokale Steuerung und Planung der Angebote zukünftig weiter priorisiert werden, wie die unterschiedlichen Ergebnisse in West- und Ostdeutschland zeigen: Während in Westdeutschland fast jede vierte Familie mit einem ein- oder zweijährigen Kind trotz Bedarf keinen solchen Platz nutzt (23 Prozent), sind es in Ostdeutschland 9 Prozent der Eltern. Weiteren 6 Prozent der Eltern in West- und 4 Prozent in Ostdeutschland reicht der Umfang ihrer aktuellen Betreuungszeiten nicht aus.

Nach Analysen der Arbeitsstelle Kinder- und Jugendhilfestatistik (AKJStat) an der Technischen Universität Dortmund könnten bei weiter absinkender Geburtenrate in Ostdeutschland zukünftig Platzkapazitäten von Kindern im Alter von drei Jahren bis zum Schuleintritt in Angebote für Kinder unter drei Jahren umgewandelt werden. In Westdeutschland bleibt hingegen die angespannte Situation durch die konstant hohe Lücke zwischen Angebot und Bedarf sowie durch den Personalmangel bestehen. Auch wenn ein Wandel in der Kitalandschaft, vor allem in Ostdeutschland, bereits spürbar ist und es zukünftig weniger Kinder gibt, muss die lokale Situation berücksichtigt werden. Denn auch in Teilen Ostdeutschlands fehlen bedarfsgerechte oder erreichbare Angebote weiterhin. Als eine Folge davon ist die Teilhabe an Angeboten der FBBE nach wie vor in beiden Bundesteilen ungleich verteilt.

Die Bedarfsplanung professionalisieren und für Chancengerechtigkeit im Zugang sorgen

Die Analysen der Daten aus der Elternbefragung im Jahr 2024 verdeutlichen, dass bei der Platzvergabe ausgerechnet diejenigen Familien häufiger leer ausgehen, die ohnehin bereits benachteiligt sind: Im Vergleich zu Familien ohne Migrationsgeschichte haben Familien, bei denen das Kind und/oder beide Elternteile im Ausland geboren sind, trotz ähnlich hohem Bedarf signifikant seltener einen Platz (-10 Prozentpunkte). Auch Familien, die Transferleistungen beziehen und Haushalte, in denen der höchste Schulabschluss maximal ein Hauptschulabschluss ist, nutzen für ihr ein- oder zweijähriges Kind trotz Bedarf seltener einen Platz in der Kindertagesbetreuung als Familien ohne diese Merkmale (-9 bzw. -8 Prozentpunkte). Dies war nicht nur im Jahr 2024 der Fall, sondern gilt für den gesamten untersuchten Zeitraum seit dem Jahr 2016.

Die Angebotsplanung, vor allem vor Ort in den Kommunen, muss professioneller werden, damit alle Kinder gleiche Chancen auf einen bedarfsgerechten Platz haben. Kommunen müssen ressourcenschonend auf die Bevölkerungsentwicklung und Zuzugswellen reagieren können und dürfen zugleich die Angebotsqualität nicht vernachlässigen.“, kritisiert DJI-Forschungsdirektorin Prof. Dr. Susanne Kuger und ergänzt: „Damit wurde eines der zentralen Ziele des Rechtsanspruchs – die Teilhabechancen aller Kinder zu verbessern und für mehr Chancengerechtigkeit beim Zugang zur Kindertagesbetreuung zu sorgen – bislang nicht erreicht“.

Der Bedarf der Eltern an einem Platz in Kita oder Tagespflege steigt mit dem Alter der Kinder und ist im Osten deutlich größer als im Westen

Bund, Länder und Kommunen laufen noch immer der Entwicklung der Elternbedarfe hinterher: Bundesweit ist der Bedarf der Eltern von Ein- und Zweijährigen seit dem Jahr 2013 deutlich angestiegen und liegt im Jahr 2024 bei 65 beziehungsweise 82 Prozent. Der Bedarf steigt mit zunehmendem Alter der Kinder und ist in Ostdeutschland deutlich größer als in Westdeutschland (Einjährige: 62 Prozent versus 82 Prozent; Zweijährige: 80 Prozent versus 92 Prozent). Darüber hinaus wünschen sich Eltern in den ostdeutschen Bundesländern mehrheitlich einen Ganztagsplatz im Umfang von mehr als 35 und bis zu 45 Stunden wöchentlich, wohingegen Eltern in den westdeutschen Ländern am häufigsten einen erweiterten Halbtagsplatz mit mehr als 25 und bis zu 35 Stunden wöchentlich bevorzugen. Nicht immer können die Eltern jedoch passgenaue Angebote nutzen und eine unzureichende Verlässlichkeit der Angebote, beispielsweise aufgrund ungeplanter Schließtage, belastet den Betreuungsalltag zusätzlich. Dies konnte in der vor kurzem veröffentlichten Studie 3 des DJI-Kinderbetreuungsreport 2024 gezeigt werden. Die Kinder- und Jugendhilfe-Planung muss daher unterschiedliche, kleinräumig angepasste Lösungen entwickeln, um auf der einen Seite den Eltern zunächst eine ausreichende Zahl an bedarfsgerechten Plätzen zur Verfügung zu stellen, auf der anderen Seite aber auch größeren Entwicklungen schnell begegnen zu können.

Die DJI-Kinderbetreuungsstudie

Die DJI-Kinderbetreuungsstudie (KiBS) ist eine jährliche bundeslandrepräsentative Befragung von etwa 33.000 Eltern von Kindern ab der Geburt bis zum Ende der Grundschulzeit. Die Untersuchungsschwerpunkte der Studie sind die aktuelle Betreuungssituation sowie die elterlichen Betreuungsbedarfe, die von den Eltern wahrgenommene Qualität der Kindertagesbetreuung und die Gründe dafür, weshalb Eltern kein Betreuungsangebot für ihr Kind nutzen. Das Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ) fördert die Studie.

Die neu erschienene Studie 1 des DJI-Kinderbetreuungsreports 2025 enthält vertiefende und umfangreiche Analyseergebnisse zur frühkindlichen Bildung, Betreuung und Erziehung und zum elterlichen Betreuungsbedarf in Bezug auf Kinder unter drei Jahren und von drei Jahren bis zum Schuleintritt sowie zu Ungleichheiten beim Zugang.

Die Ergebnisse der Studie fließen auch in die Broschüre „Kindertagesbetreuung Kompakt“ ein und werden dort den durch die AKJStat berechneten Beteiligungsquoten gegenübergestellt. 

FBBE: Elterlicher Bedarf und Ungleichheiten im Zugang, Studie 1 des DJI-Kinderbetreuungsreport 2025 (PDF)Kindertagesbetreuung Kompakt: Ausbaustand und Bedarf 2025 des BMBFSFJKommentierte Daten der Kinder und Jugendhilfe 2024/03 des AKJStat


Kontakt
Theresia Kayed
DJI-Kinderbetreuungsstudie (KiBS)
089/62306-490
kayed@dji.de

Sonja Waldschuk
Abteilung Medien und Kommunikation
089/62306-173
waldschuk@dji.de

]]>
News Pressemitteilung Startseiten Position Position 4 (klein)
news-1617 Wed, 30 Jul 2025 09:15:00 +0200 Viele junge Menschen werden benachteiligt, ausgegrenzt oder diskriminiert https://www.dji.de/veroeffentlichungen/pressemitteilungen/detailansicht/article/1617-viele-junge-menschen-werden-benachteiligt-ausgegrenzt-oder-diskriminiert.html Aktuelle Forschungsdaten des Deutschen Jugendinstituts machen die große Anzahl von Betroffenen deutlich. Wie gelingt mehr Chancengerechtigkeit in einer vielfältigen Gesellschaft, fragt deshalb die neu erschienene Ausgabe des Forschungsmagazins DJI Impulse Das Recht auf freie Entfaltung der Persönlichkeit ist im deutschen Grundgesetz verankert.  Dennoch werden viele Kinder und Jugendliche im Alltag beispielsweise aufgrund ihrer ethnischen Wurzeln oder ihres Geschlechts diskriminiert, aufgrund einer Behinderung ausgegrenzt oder aufgrund ihrer sozialen Herkunft benachteiligt. Die Auswirkungen solcher Erfahrungen sind tiefgreifend. Sie beeinflussen nicht nur das Selbstwertgefühl, sondern auch die Entwicklungs­möglichkeiten und Lebenschancen junger Menschen nachhaltig. „Und sie vergiften das soziale Klima“, warnt Prof. Dr. Sabine Walper, Direktorin des Deutschen Jugendinstituts (DJI), im Editorial der neu erschienenen Ausgabe des Forschungsmagazins DJI Impulse. 

Angesichts aktueller gesellschaftlicher Herausforderungen und wachsender Vielfalt beleuchtet die Ausgabe 2/2025 unterschiedliche Facetten von Benachteiligung, Ausgrenzung und Diskriminierung von jungen Menschen. DJI-Wissenschaftler:innen und Gastautor:innen beschreiben in ihren Beiträgen Ausmaß, Ursachen und Folgen – und zeigen auf Basis aktueller Forschungs­daten mögliche Lösungs­ansätze auf, wie mehr Chancengerechtigkeit erreicht werden könnte. 

Vor allem strukturell benachteiligte junge Menschen fühlen sich oft diskriminiert

Neue Auswertungen des DJI-Surveys „Aufwachsen in Deutschland: Alltagswelten“, kurz AID:A, liefern erstmals repräsentative Daten zu Diskriminierungs­erfahrungen junger Menschen in Deutschland. Ein erheblicher Anteil Jugendlicher und vor allem junger Erwachsener berichtet demnach von Diskriminierungs­erfahrungen, die oft mit anderen Formen sozialer Ausgrenzung einhergehen und sich negativ auf das Wohlbefinden auswirken. Nahezu zwei Drittel der 18- bis 25-Jährigen mit Behinderung oder körperlicher Beeinträchtigung und mehr als die Hälfte derselben Altersgruppe mit Migrationsgeschichte haben entsprechende Erfahrungen von Diskriminierung gemacht.

Unter allen jungen Menschen in Deutschland betrifft Diskriminierung den Daten zufolge besonders häufig jene, die in unserer Gesellschaft ohnehin strukturell benachteiligt sind. Neben jungen Menschen, die eine gesundheitliche Beeinträchtigung haben, und jenen, die selbst oder deren Elternteile beide im Ausland geboren sind, gilt dies auch für junge Menschen, die eine nicht-heterosexuelle Orientierung angeben oder deren Familien sich die für den üblichen Lebensstandard charakteristischen Ausgaben nicht leisten können.

Kinder und Jugendliche werden aufgrund der alternden Gesellschaft politisch übersehen 

Im DJI-Impulse-Interview berichtet Ferda Ataman, Leiterin der Antidiskriminierungsstelle des Bundes, über die häufigsten Beratungs­anfragen von jungen Menschen. Sie fordert insbesondere mehr Aufklärung an Schulen. Alle Bundesländer müssten dazu Antidiskriminierungsgesetze auf den Weg bringen. Außerdem empfiehlt sie, das Lebensalter als Merkmal im Grundgesetz aufzunehmen, um junge wie alte Generationen vor Altersdiskriminierung schützen zu können.

Dass Altersdiskriminierung nicht nur ältere Menschen, sondern zunehmend auch Kinder und Jugendliche betrifft, analysieren Prof. Dr. Aladin El-Mafaalani und Dr. Pia Jäger vom Bundesjugend­kuratorium (BJK), dessen „Arbeitsstelle Kinder- und Jugendpolitik“ am DJI angesiedelt ist. Durch den wachsenden Anteil älterer Menschen in der Bevölkerung werde die junge Generation politisch übersehen und gesellschaftlich vernachlässigt. Die Autor:innen belegen dies anhand vielfältiger empirischer Daten und halten vor diesem Hintergrund eine Orientierung an Prinzipien des Minderheiten­schutzes für plausibel. Kinder und Jugendliche könnten auf diese Weise systematisch in Gesetzgebungsverfahren eingebunden werden. 

Fast ein Viertel der Minderjährigen ist von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht

Fast ein Viertel der Minderjährigen in Deutschland ist von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht, zeigen die Auswertungen der Service- und Monitoringstelle am DJI, kurz ServiKiD, welche die Ausgestaltung und Umsetzung des Nationalen Aktionsplans „Neue Chancen für Kinder in Deutschland“ begleitet. Ihre Aussichten auf ein selbstbestimmtes Leben seien deutlich eingeschränkt, kritisieren die DJI-Wissenschaftler:innen und fordern trotz geteilter Zuständigkeiten eine gemeinsame Verantwortung der Fachressorts auf Bund-, Länder- und kommunaler Ebene, um allen Kindern und Jugendlichen ein chancengerechtes und gesundes Aufwachsen zu ermöglichen.

Notwendig sind der Abbau von Bildungsbarrieren und wirksame Schutzkonzepte

Dass strukturelle Benachteiligung und Diskriminierung den Zugang zu frühkindlicher Bildung, aber auch zu beruflicher Bildung erschweren, thematisieren zwei weitere wissenschaftliche Analysen – und sie zeigen zugleich aktuelle Entwicklungen, Initiativen und internationale Erfahrungen auf, die deutlich machen, wie Veränderung möglich ist. 

Das Forschungsmagazin DJI Impulse berichtet über die wissenschaftliche Arbeit am DJI, einem der größten sozialwissenschaftlichen Forschungsinstitute in Deutschland. Regelmäßig informieren Forschende über relevante Themen aus den Bereichen Kindheit, Jugend, Familie sowie Bildung und liefern Impulse für Politik, Wissenschaft und Fachpraxis. 

Alle Artikel aus dem DJI-Impulse-Schwerpunkt „Aufwachsen in Vielfalt - Wie gelingt in einer Realität voller Unterschiede mehr Chancengleichheit?“ digitalGesamtausgabe DJI Impulse 2/2025 „Aufwachsen in Vielfalt“ (kostenloser Download oder Print-Bestellung)

Kontakt
Birgit Lindner
Abteilung Medien und Kommunikation
089/62306-180
blindner@dji.de

Dr. Lisa Hasenbein
Leitung der Fachgruppe „Lebenslagen und Lebensführung Jugendlicher“
089/62306-292
hasenbein@dji.de
 
Prof. Dr. Sabine Walper
DJI-Direktorin
089/62306-289
walper@dji.de

]]>
Pressemitteilung Startseiten Position Position 1 (groß)
news-1592 Wed, 28 May 2025 09:24:26 +0200 Gestresste Jugendliche fühlen sich öfter einsam https://www.dji.de/veroeffentlichungen/pressemitteilungen/detailansicht/article/1592-gestresste-jugendliche-fuehlen-sich-oefter-einsam.html Mit dem DJI-Survey AID:A liegen erstmals repräsentative Daten zur Einsamkeit bei 12- bis 32-Jährigen vor, die deutlich machen, welche jungen Menschen besonders betroffen sind. Schulabschluss, Berufswahl, Auszug aus dem Elternhaus – die gesellschaftliche Erwartung, diese Schritte auf dem Weg des Erwachsenwerdens möglichst reibungslos und zielstrebig zu bewältigen, kann Zeit- und Leistungsdruck erzeugen. Dies geht bei jungen Menschen mit einer erhöhten Einsamkeit einher, wie aktuelle Auswertungen des DJI-Surveys „Aufwachsen in Deutschland: Alltagswelten“, kurz AID:A, erstmals belegen: Demnach fühlen sich unter den 12- bis 17-Jährigen diejenigen signifikant häufiger einsam, die stark oder sehr stark das Gefühl haben, sich mit dem Erwachsenwerden beeilen zu müssen, als Gleichaltrige, die weniger Stress und Zeitdruck empfinden (Mittelwert 5,0 vs. 4,3). Umgekehrt fühlen sich diejenigen seltener einsam, die stark oder sehr stark das Gefühl haben, sich auch mal eine Auszeit oder Zeiten des Nichtstuns leisten zu können als diejenigen, die sich das wenig oder überhaupt nicht vorstellen können (Mittelwert 4,3 vs. 4,7). Erfasst wurde die Einsamkeit anhand der Kurzform der UCLA-Einsamkeitsskala (University of California, Los Angeles) mit Ausprägungen von „3 = selten“ bis „9 = oft“.[1]

„Der Zusammenhang zwischen empfundenem Stress und Einsamkeit kann darauf zurückzuführen sein, dass junge Menschen unter Leistungsdruck weniger freie und selbstbestimmte Zeit für sich selbst und soziale Beziehungen haben“, erklärt DJI-Jugendforscherin Dr. Anne Berngruber, die zusammen mit Dr. Lisa Hasenbein und Dr. Christine Steiner die Daten auswertete. Umgekehrt sei aber auch möglich, dass die Erfahrung von sozialer Isolation bei den Betroffenen zu einer erhöhten Belastung bei der Bewältigung alterstypischer Herausforderungen führe. 

[1] Die Befragten konnten auf die drei Fragen „Wie oft fühlst Du, dass Dir andere Menschen fehlen?“, Wie oft fühlst Du Dich verlassen?“ und „Wie oft fühlst Du Dich von anderen isoliert?“ mit „1 = selten“, „2 = manchmal“ oder „3 = oft“ antworten. Daraus wurde die Summe gebildet. 


Menschen mit nicht-heterosexueller Orientierung oder Behinderung sind besonders betroffen

Überdurchschnittlich stark von Einsamkeit betroffen sind den Analysen zufolge zudem junge Menschen, die sich nicht der Norm zugehörig fühlen und die oft Diskriminierung oder Mobbing erleben: Junge Menschen, die eine nicht-heterosexuelle Orientierung angeben, also zum Beispiel queere junge Menschen sowie diejenigen, die eine Behinderung oder Beeinträchtigung haben, bei denen also lang andauernde körperliche, kognitive, psychische, emotionale oder gesundheitliche Umstände zu Einschränkungen im Alltagsleben führen. 

„Gefühle des Andersseins und des Nicht-Dazugehörens spielen für Einsamkeit eine zentrale Rolle“, betont Psychologin und Jugendforscherin Dr. Lisa Hasenbein. Dies trifft in etwas geringerem Maß auch auf diejenigen zu, die selbst oder deren Elternteile beide im Ausland geboren sind sowie auf diejenigen, die in materieller Deprivation leben, was bedeutet, dass sie oder ihre Familie sich notwendige und für den üblichen Lebensstandard charakteristische Ausgaben nicht leisten können. Der Zusammenhang lässt sich sowohl für die Altersgruppe der 12- bis 17-Jährigen als auch für die gesamte Gruppe der Jugendlichen und jungen Erwachsenen von 12 bis 32 Jahren nachweisen, für die mit den AID:A-Daten erstmals eine deutschlandweit repräsentative Stichprobe vorliegt. 

Freundschaften können vor Einsamkeit schützen

Ein wirksamer Schutzfaktor gegen Einsamkeit können den aktuellen Auswertungen zufolge Freundschaften sein, wobei es nicht allein auf die Anzahl der Kontakte ankommt. Zwar fühlen sich junge Menschen mit mindestens zwei guten Freund:innen deutlich weniger einsam als jene mit weniger engen sozialen Beziehungen, doch eine noch größere Anzahl an Freund:innen wirkt sich nicht weiter positiv auf das Einsamkeitsempfinden aus. Zudem bewahren Freundschaften Jugendliche nicht generell vor Einsamkeit: Mit soziale Beziehungen sind mitunter auch negative Erfahrungen wie Mobbing verbunden, die zu erhöhter Einsamkeit führen können. 

„Um Einsamkeit unter jungen Menschen zu bekämpfen, braucht es niedrigschwellige Unterstützungs­angebote, die die spezifischen Bedürfnisse von Risikogruppen berücksichtigen“, fordert DJI-Wissenschaftlerin Dr. Christine Steiner. Denn Einsamkeit kann erhebliche Konsequenzen für die psychische und physische Gesundheit sowie die soziale Teilhabe haben. Gerade bei jungen queeren Menschen zeigen die AID:A-Daten, dass eine erhöhte Einsamkeit mit einem deutlich eingeschränkten Wohlbefinden, einer deutlich geringeren Lebenszufriedenheit sowie einem subjektiv schlechter empfundenen Gesundheitszustand einhergeht. 

Factsheet zu Einsamkeit unter Jugendlichen und jungen ErwachsenenPublikation “AID:A 2023 Blitzlichter: Zentrale Befunde des DJI-Surveys zum Aufwachsen in Deutschland” (E-Book)APuZ-Artikel “Sozial eingebunden, trotzdem einsam? Einsamkeitsempfinden Jugendlicher und junger Erwachsener”DJI-Impulse-Artikel “Psychisches Wohlergehen von Jugendlichen – mehr als ein Gesundheitsthema”
Kontakt
Dr. Anne Berngruber
Stellv. Leitung der Fachgruppe „Lebenslagen und Lebensführung Jugendlicher“
089/62306-591
berngruber@dji.de 

Dr. Lisa Hasenbein
Leitung der Fachgruppe „Lebenslagen und Lebensführung Jugendlicher“
089/62306-292
hasenbein@dji.de 

Dr. Christine Steiner
Stellv. Leitung Forschungsschwerpunkt „Übergänge im Jugendalter“
089/62306-227
steiner@dji.de 

Uta Hofele
Abteilung Medien und Kommunikation
089/62306-446
hofele@dji.de  
 

]]>
News Pressemitteilung Startseiten Position Position 2 (klein)
news-1590 Mon, 26 May 2025 08:30:00 +0200 Bereits Kinder im Grundschulalter fühlen sich einsam https://www.dji.de/veroeffentlichungen/pressemitteilungen/detailansicht/article/1590-bereits-kinder-im-grundschulalter-fuehlen-sich-einsam.html Mehr als jedes fünfte Kind im Alter von 5 bis 11 Jahren fühlt sich zumindest manchmal alleine, zeigen aktuelle Auswertungen des DJI-Surveys AID:A anlässlich der Aktionswoche „Gemeinsam aus der Einsamkeit“ Einsamkeit ist in Deutschland weit verbreitet: Das subjektive Empfinden, dass die eigenen sozialen Beziehungen nicht den persönlichen Wünschen und Bedürfnissen entsprechen, hatten 19 Prozent der Erwachsenen im Jahr 2021/22 manchmal oder sogar häufiger. Dies betrifft nicht nur Angehörige der älteren Generation, sondern auch unter 30-Jährige. Die Werte liegen gerade bei den Jüngeren auch noch nach Ende der Coronapandemie auf erhöhtem Niveau. Über das Ausmaß des Einsamkeitsempfindens bei Kindern geben nun erstmals aktuelle Auswertungen des Surveys „Aufwachsen in Deutschland: Alltagswelten“, kurz AID:A, des Deutschen Jugendinstituts (DJI) Aufschluss: Demnach berichteten 17 Prozent der 5- bis 11-Jährigen im Jahr 2023, dass sie sich manchmal alleine fühlen und 5 Prozent, dass sie dieses Gefühl häufig oder sogar ganz oft haben. Insgesamt fühlen sich also 22 Prozent der Kinder im Grundschulalter mindestens manchmal einsam – das entspricht mehr als jedem fünften Kind. 

Einsamkeit betrifft besonders Kinder aus Trennungsfamilien und Haushalten mit finanziellen Problemen
 
Im Rahmen des AID:A-Surveys wurden im Jahr 2023 2.158 Kinder im Alter von 5 bis 11 Jahren in einem persönlichen, kindgerecht aufbereiteten Interview gefragt, wie oft sie sich in der letzten Woche alleine gefühlt haben, und sollten sich auf einer vierstufigen Skala von „gar nicht“ bis „ganz oft“ einordnen. Differenzierte Auswertungen machen deutlich, dass Kinder aus Trennungsfamilien besonders häufig Einsamkeit empfinden: So nennen 28 Prozent der Befragten, die bei nur einem Elternteil leben und 34 Prozent derer, die in einer Stieffamilie leben, dass sie sich manchmal, häufig oder ganz oft alleine fühlen, während das nur auf 22 Prozent der Kinder aus Kernfamilien zutrifft (siehe Abbildung). „Die Trennung der Eltern ist für Kinder ein erheblicher Umbruch in ihrem Leben und kann ein Grund sein, dass sie sich – zumindest vorübergehend – einsam und in ihrem Wohlbefinden beeinträchtigt fühlen“, erklärt Sozialwissenschaftlerin Dr. Alexandra Langmeyer, die zusammen mit Dr. Christine Entleitner-Phleps die AID:A-Daten ausgewertet und analysiert hat. 

Finanzielle Belastungen erschweren die Teilhabe der Kinder und führen oft zu mehr Stress und einem schlechteren Familienklima

Auch finanzielle Sorgen im Familienhaushalt schlagen sich den Daten zufolge in höheren Einsamkeitswerten nieder: Während sich unter den Kindern aus deprivierten Familien, die sich notwendige und für den üblichen Lebensstandard charakteristische Ausgaben nicht leisten können, 29 Prozent mindestens manchmal alleine fühlen, sind es in den Familien ohne solche materiellen Einschränkungen nur 21 Prozent. „Finanzielle Belastungen können die Teilhabemöglichkeiten von Kindern beeinträchtigen und gehen außerdem häufig mit erhöhtem Stress und einem schlechteren Familienklima einher, was das Risiko für Einsamkeit erhöhen kann“, erklären die Studienautorinnen. 



Einsamkeit geht mit auffälligem Verhalten einher

Auch wenn sich nicht alle Kinder gleichermaßen alleine fühlen, steht fest: Einsamkeit im Kindesalter erhöht das Risiko für die Entwicklung von Depressionen und Angststörungen und kann langfristig die psychosoziale Entwicklung sowie das subjektive Wohlbefinden beeinträchtigen. Diesen Zusammenhang belegen auch die AID:A-Daten: Kinder, die von ihren Eltern anhand eines etablierten Screening-Instruments (Strengths and Difficulties Questionnaire, kurz SDQ) in ihrem Verhalten als auffällig eingeschätzt werden, fühlen sich deutlich häufiger alleine als Kinder, deren Verhalten als normal eingestuft wird – das gilt für die Einsamkeitsausprägungen manchmal (25 versus 17 Prozent) sowie für häufig oder ganz oft (9 versus 5 Prozent)

„Ob Verhaltensauffälligkeiten, insbesondere im Umgang mit Gleichaltrigen, Auslöser für sozialen Rückzug und damit für ein erhöhtes Einsamkeitserleben sind, oder ob umgekehrt kindliche Einsamkeit das psychische Wohlbefinden beeinträchtigt und zu Verhaltensauffälligkeiten führt, lässt sich mit den vorliegenden Daten nicht klären“, erläutern Langmeyer und Entleitner-Phleps. Um diese Frage beantworten und passgenaue Unterstützungsangebote für Kinder entwickeln zu können, fordern die Sozialwissenschaftlerinnen eine belastbare längsschnittliche Datenbasis für Deutschland, bei denen die Lebensverläufe einzelner Personen über längere Zeiträume hinweg beobachtet werden.

DJI-Survey „Aufwachsen in Deutschland: Alltagswelten“Aktionswoche „Gemeinsam aus der Einsamkeit“ des Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ)


Kontakt
Dr. Alexandra Langmeyer
Leitung der DJI-Fachgruppe „Lebenslagen und Lebenswelten von Kindern“
langmeyer@dji.de
089/62306-592

Dr. Christine Entleitner-Phleps
Wissenschaftliche Referentin in der Fachgruppe „Lebenslagen und Lebenswelten von Kindern“ und Mitglied im Kompetenzteam „Kinder“ des AID:A-Surveys
entleitner-phleps@dji.de
089/62306-153

Uta Hofele
Abteilung Medien und Kommunikation
hofele@dji.de 
089/62306-446

]]>
Pressemitteilung Startseiten Position Position 5 (klein)
news-1579 Tue, 13 May 2025 08:56:42 +0200 Zwei Drittel der jungen Frauen fühlen sich diskriminiert https://www.dji.de/veroeffentlichungen/pressemitteilungen/detailansicht/article/1579-zwei-drittel-der-jungen-frauen-fuehlen-sich-diskriminiert.html Der DJI-Survey AID:A belegt erstmals das große Ausmaß von Diskriminierungserfahrungen bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen Am Ausbildungsplatz sexuell belästigt, bei der Wohnungssuche rassistisch beleidigt, wegen der sexuellen Orientierung beim Sport ausgegrenzt: Zwar soll das deutsche Antidiskriminierungsrecht davor schützen, dennoch werden viele Menschen diskriminiert. Während bislang ausschließlich für Erwachsene Forschungsdaten vorlagen, gibt der Survey des Deutschen Jugendinstituts (DJI) „Aufwachsen in Deutschland: Alltagswelten“, kurz AID:A, nun erstmals repräsentative Einblicke in das Ausmaß und die Folgen von Diskriminierungserfahrungen bei jungen Menschen. „Die Ergebnisse sind besorgniserregend“, fassen Jugendforscherin Dr. Lisa Hasenbein und DJI-Forschungsdirektorin Prof. Dr. Susanne Kuger und zusammen. Ein erheblicher Anteil Jugendlicher und junger Erwachsener berichtet demnach von Diskriminierungserfahrungen – beispielsweise aufgrund des Geschlechts, der nicht-deutschen Herkunft oder der sexuellen Orientierung. „Solche Erlebnisse gehen nicht spurlos an Menschen vorbei: Diskriminierungserfahrungen können langfristige Folgen für das Leben und Wohlbefinden junger Menschen haben“, betont DJI-Sozialepidemiologin Dr. Katrina Blindow.

Unter allen 12- bis 32-Jährigen in Deutschland betrifft Diskriminierung besonders häufig Jugendliche und junge Erwachsene, die in unserer Gesellschaft strukturell benachteiligt sind: Jene, die selbst oder deren Elternteile beide im Ausland geboren sind (27 Prozent mit häufigen Diskriminierungserfahrungen), die in materieller Deprivation leben, was bedeutet, dass sie aus Haushalten stammen, die sich notwendige und für den üblichen Lebensstandard charakteristische Ausgaben nicht leisten können (30 Prozent mit häufigen Diskriminierungserfahrungen), die eine Behinderung oder Beeinträchtigung haben, bei denen also lang andauernde körperliche, kognitive, psychische, emotionale oder gesundheitliche Umstände zu Einschränkungen im Alltagsleben führen (41 Prozent mit häufigen Diskriminierungserfahren) oder die eine nicht-heterosexuelle Orientierung angeben, also zum Beispiel queere, a- oder bisexuelle junge Menschen (43 Prozent mit häufigen Diskriminierungserfahrungen). 

Diskriminierung aufgrund des Geschlechts, der sexuellen Orientierung oder der nicht-deutschen Herkunft: deutliche Geschlechterunterschiede

In den neu vorliegenden differenzierten Analysen der AID:A-Daten wird außerdem deutlich, dass sich Diskriminierungserfahrungen bei Mädchen beziehungsweise jungen Frauen und Jungen beziehungsweise jungen Männern unterschiedlich darstellen (siehe Abbildung). So zeigen die Daten, dass Diskriminierung aufgrund des Geschlechts insbesondere für junge Frauen im Alter von 18 bis 25 Jahren eine weit verbreitete Erfahrung ist: Gut zwei Drittel geben an, manchmal, oft oder sehr oft davon betroffen gewesen zu sein. Zugleich gibt etwa die Hälfte der 12- bis 17-jährigen Mädchen an, dass sie sich bereits aufgrund ihres Geschlechts benachteiligt gefühlt haben. Auch aufgrund ihrer sexuellen Orientierung werden insbesondere Mädchen häufig diskriminiert – jede Fünfte berichtet davon.
 

Die Hälfte der 12- bis 17-jährigen Mädchen mit Migrationsgeschichte in der Familie berichtet, bereits Diskriminierung aufgrund ihrer nicht-deutschen Herkunft erfahren zu haben. Bei herkunftsbezogener Benachteiligung ist zudem auffällig, dass diese Art der Diskriminierung vom Jugend- ins junge Erwachsenenalter insbesondere bei jungen Männern stark ansteigt, während sie bei jungen Frauen auf hohem Niveau stabil bleibt. „Eine Stigmatisierung als potenziell gefährlich oder kriminell, von der besonders junge Männer mit Migrationsgeschichte betroffen sind, kann hierfür ein Grund sein“, erklärt Lisa Hasenbein. 

Geschlechterunterschiede zeigen sich über alle Diskriminierungsgründe hinweg: Insgesamt geben mehr Mädchen und junge Frauen an, bereits Diskriminierungserfahrungen gemacht zu haben als gleichaltrige Jungen und junge Männer. Besonders auffällig sind die Unterschiede bei Diskriminierung aufgrund des Geschlechts, der sexuellen Orientierung und auch aufgrund des Gewichts. Im Unterschied zu anderen Diskriminierungsgründen ist Gewicht kein gesetzlich geschütztes Merkmal im Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG), die AID:A-Daten machen jedoch deutlich, dass Diskriminierung aufgrund des Gewichts bereits im Jugendalter ein bedeutendes Thema ist, insbesondere für Mädchen. 31 Prozent der 12- bis 17-jährigen Mädchen geben an, davon schon einmal betroffen gewesen zu sein (im Vergleich zu 23 Prozent der gleichaltrigen Jungen).

Weitere differenzierte Auswertungen zu den AID:A-Daten, etwa zu den Folgen von Diskriminierung von Jugendlichen und jungen Erwachsenen, zur Zunahme der Diskriminierung im jungen Erwachsenenalter sowie zu Zusammenhängen mit Mobbing, Gewalt und Ausgrenzung erscheinen voraussichtlich im Juli in der Ausgabe 2/2025 (Nr. 140) des Forschungsmagazins DJI Impulse.


Publikation: AID:A 2023, Blitzlichter, Zentrale Befunde des DJI-Surveys zum Aufwachsen in Deutschland. Online-Version Projektseite: DJI-Survey „Aufwachsen in Deutschland: Alltagswelten“ (AID:A) 

Kontakt
Dr. Lisa Hasenbein
Leitung der Fachgruppe „Lebenslagen und Lebensführung Jugendlicher“
089/62306-292
hasenbein@dji.de 

Dr. Katrina Blindow
Wiss. Referentin im Zentrum für Dauerbeobachtung und Methoden am DJI
089/62306-118
blindow@dji.de 

Prof. Dr. Susanne Kuger
DJI-Forschungsdirektorin
089/62306-322
kuger@dji.de 

Birgit Lindner
Abteilung Medien und Kommunikation
089/62306-180
blindner@dji.de 

]]>
News Startseiten Position Position 6 (groß)
news-1568 Tue, 15 Apr 2025 12:30:00 +0200 Neue Studienergebnisse zum Thema Kinderschutz https://www.dji.de/veroeffentlichungen/pressemitteilungen/detailansicht/article/1568-neue-studienergebnisse-zum-thema-kinderschutz.html Wie sich Gewalt gegen Kinder und Jugendliche eindämmen lässt, zeigt die aktuelle Ausgabe des Forschungsmagazins des Deutschen Jugendinstituts „DJI Impulse“ auf Obwohl die Sensibilität der Gesellschaft für Kindes­vernachlässigung und -missbrauch wächst, bleibt die Zahl minder­jähriger Betroffener in Deutschland hoch. Im Zuge der Digitalisierung entwickeln sich zugleich neue Phänomene von psychischer und sexualisierter Gewalt. Aktuelle Forschungs­ergebnisse des Deutschen Jugendinstituts (DJI) über das Ausmaß von Gewalt gegen Kinder und Jugendliche und den Umgang damit in Jugend­ämtern, Schulen, Heimen und Wohn­gruppen liefern wichtige Hinweise für ein besseres Vorbeugen und ein schnelles Eingreifen im Falle von psychischer, körperlicher oder sexualisierter Gewalt. Sie werden in der neu erschienenen Ausgabe des Forschungsmagazins „DJI Impulse“ vorgestellt, um notwendige Konsequenzen für Politik und Fach­praxis abzuleiten.

Nur 17 Prozent der Schulen verfügen über umfassende Schutzkonzepte 

Ein zentrales Thema des Hefts ist die sexualisierte Gewalt: In der aktuellen Längsschnittstudie „Entwicklung und Wirkung von Schutzkonzepten an Schulen“ (SchuLae) gab knapp die Hälfte der befragten Schüler:innen der siebten bis neunten Klassen an, im zurück­liegenden Jahr eine Form von sexueller Gewalt erlebt zu haben. Dazu gehören beispiels­weise sexuelle Beleidigungen, verstörende Pornografie oder ungewollte Berührungen. Meist waren Mitschüler:innen die Gewalt­ausübenden. Ein bundesweites Monitoring zeigt: Zwei Drittel der etwa 2.000 befragten Schul­leitungen berichteten nur von einzelnen Präventions­maßnahmen, und lediglich 17 Prozent der Schulen verfügen über ein umfassendes Schutzkonzept.

Die wiederholten Befragungen im Rahmen der SchuLae-Studie belegen erstmals: An Schulen mit umfassenden Schutz­konzepten berichten Jugendliche seltener von Übergriffen als an den übrigen Schulen. Bislang verpflichten nur einige Bundes­länder Schulen dazu, Schutzkonzepte zu entwickeln und umzusetzen, die beispielsweise Fort­bildungen zur Problematik beinhalten, einen Verhaltens­kodex für Lehrkräfte und einen Handlungs­plan zum Vorgehen bei (vermuteter) sexualisierter Gewalt.

Auch in den stationären Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe, wie etwa Heimen oder Wohn­gruppen, haben sich Schutz­konzepte gegen Gewalt verbessert. Doch laut den Forschungs­ergebnissen zweier aktueller DJI-Studien profitieren noch nicht alle jungen Menschen davon. Insbesondere Kinder und Jugendliche mit Behinderung sowie Mädchen und junge Frauen gehören demnach zu den Risiko­gruppen, die über­durchschnittlich oft von Übergriffen betroffen sind. 

Etwa 7 Prozent der 12- bis 21-Jährigen berichten, Cybermobbing erlebt zu haben

Gerade beim Thema Cyber­mobbing besteht nicht nur in den Einrichtungen der Kinder- und Jugend­hilfe und in Schulen Handlungs­bedarf, sondern auch in Ausbildungs­betrieben sowie Berufs- und Hochschulen. Das zeigen die Ergebnisse des DJI-Surveys „Aufwachsen in Deutschland: Alltagswelten“, kurz AID:A. Etwa 7 Prozent der befragten 12- bis 21-Jährigen gaben im Jahr 2023 an, in den letzten Monaten Cyber­mobbing erlebt zu haben, wie etwa die digitale Verbreitung von diffamierenden Fotos und Filmen, Bedrohungen oder Beleidigungen in Online-Gruppen oder bewusstes Ausschließen davon. 

Über neue Gefahren im Netz spricht auch die Kommunikations­wissenschaftlerin Prof. Dr. Ruth Wendt im Interview mit DJI Impulse. Dabei betont die Professorin der Ludwig-Maximilians-Universität München, dass Verbote und Filter allein nicht vor sexualisierter Gewalt im Netz schützen. Vielmehr sei das Zusammen­spiel einer aktiven Medien­erziehung in Familie und Schule sowie technische Unter­stützung und Regulation seitens der Platt­formen selbst erforderlich. Jugendliche würden vor allem von sozialen Kompetenzen profitieren. Auch weil diese dazu beitrügen, dass sich Jugendliche aktiv für den Schutz anderer einsetzen. 

Vielen jungen Menschen fällt es schwer, bei sexualisierten Übergriffen unter Gleichaltrigen hilfreich einzugreifen, darauf deuten die bislang unveröffentlichten Ergebnisse des Verbund­projekts CHAT hin, an dem das DJI beteiligt ist. Teilweise werde sexualisierte Gewalt verharmlost oder sogar ignoriert, um den sozialen Status und die Zugehörigkeit innerhalb der Peer­gruppe nicht zu riskieren. Aufbauend auf den Studien­ergebnissen wurden Präventionsworkshops mit theater­pädagogischen Einheiten entwickelt, erprobt und evaluiert. Dabei zeigte sich, dass sich Präventions­arbeit nicht auf Wissens­erweiterung beschränken darf, sondern auch die Handlungs­fähigkeit unter sozialen Dynamiken berücksichtigen muss.

Aufgaben und Herausforderungen im Kinderschutz nehmen zu

„Es hat sich viel getan. Und gleichzeitig deutet sich an, dass mit den Aufgaben auch die Heraus­forderungen für den Kinderschutz gewachsen sind“, schreibt DJI-Direktorin Prof. Dr. Sabine Walper in ihrem Editorial und verweist unter anderem auf die großen Heraus­forderungen in den Jugend­ämtern, wie etwa den Personal­mangel. Nicht nur eine stabile und ausreichende Personalbasis sind den wissen­schaftlichen Analysen zufolge Grundlagen für einen gelingenden Kinderschutz, sondern auch aussagekräftige Einschätzungs­instrumente sowie wirksame Hilfen für Gefährdungs­fälle. Im Zusammen­spiel von Forschung und Praxis ließen sich in allen drei Bereichen noch Verbesserungen erreichen, bilanzieren die Autor:innen.

Das Forschungsmagazin DJI Impulse berichtet über die wissen­schaftliche Arbeit am DJI, einem der größten sozial­wissenschaftlichen Forschungs­institute in Deutschland. Regelmäßig informieren Forschende über relevante Themen aus den Bereichen Kindheit, Jugend, Familie sowie Bildung und liefern Impulse für Politik, Wissenschaft und Fachpraxis. <


Alle Artikel aus dem DJI-Impulse-Schwerpunkt „Kinder und Jugendliche wirksam schützen“ digitalGesamtausgabe DJI Impulse 1/2025 „Kinder und Jugendliche wirksam schützen“ (kostenloser Download oder Print-Bestellung)DJI-Kinderschutzexpertin und Psychologin Dr. Susanne Witte in Folge 7 des Videocasts Perspektiven


Kontakt
Dr. Susanne Witte, Kinderschutz-Expertin
089/62306-221
witte@dji.de 

Prof. Dr. Sabine Walper, DJI-Direktorin
089/62306-289
walper@dji.de

Birgit Lindner, Abteilung Medien und Kommunikation
089/62306-180
blindner@dji.de

]]>
News Position 6 (groß)
news-1530 Wed, 15 Jan 2025 12:33:13 +0100 Ökonomische Eigenständigkeit von Alleinerziehenden fördern https://www.dji.de/veroeffentlichungen/pressemitteilungen/detailansicht/article/1530-oekonomische-eigenstaendigkeit-von-alleinerziehenden-foerdern.html Die Kommission des Zehnten Familienberichts, in der DJI-Familienökonomin Christina Boll mitarbeitete, zeigt auf, wie allein- und getrennterziehende Eltern und ihre Kinder bestmöglich unterstützt werden können In jeder fünften Familie in Deutschland erziehen Eltern ihre Kinder allein oder getrennt. Dies entspricht etwa 1,7 Millionen Alleinerziehenden mit Kindern unter 18 Jahren. Der Großteil der Alleinerziehenden sind Mütter, aber der Anteil der Väter wächst und lag im Jahr 2023 bei 18 Prozent. Alleinerziehende Mütter sind besonders oft von Armut bedroht. Das zeigt der Zehnte Familienbericht, der von einer unabhängigen Sachverständigenkommission unter Mitarbeit von DJI-Familienökonomin PD Dr. Christina Boll erstellt und heute von Bundesfamilienministerin Lisa Paus dem Kabinett vorgelegt wurde.

Obwohl Alleinerziehende überwiegend erwerbstätig sind, sind viele auf ergänzende Sozialleistungen angewiesen. Zentrale Weichen werden häufig bereits mit der Familiengründung gestellt: Viele Mütter gehen durch die Fokussierung auf Sorgearbeit und Ausstieg oder Reduzierung ihrer Erwerbsarbeit hohe finanzielle Risiken ein. Entsprechend ist das Armutsrisiko von Alleinlebenden mit Kindern etwa drei Mal höher als das von Elternteilen in Paarbeziehungen. 

Lisa Paus, Bundesfamilienministerin: „Ich danke der Familienberichtskommission unter Leitung von Prof. Michaela Kreyenfeld für ihre hervorragende Arbeit. Der Familienbericht zeigt auf, wie es allein- und getrennterziehenden Familien in Deutschland geht. So macht der Bericht deutlich, dass gerade für Alleinerziehende das Armutsrisiko hoch ist. Daher ist es gut, dass die Bundesregierung die Leistungen für Familien massiv ausgeweitet hat. Kaum eine Bundesregierung hat so viel Geld für Familien bereitgestellt wie diese. Das zeigt sich auch in der größten Kindergelderhöhung seit 1996, von der insbesondere auch Alleinerziehende profitieren.

Der Kinderzuschlag unterstützt Alleinerziehende und Familien mit kleinen Einkommen. Seit 2021 wurde er mehrfach erhöht von maximal 205 Euro auf aktuell maximal 297 Euro pro Monat und Kind. Wir haben das Kindergeld deutlich aufgestockt - zuletzt im Januar dieses Jahres noch einmal auf 255 Euro im Monat. Ich halte nach wie vor eine gezielte Unterstützung für Alleinerziehende für notwendig, etwa durch eine Steuergutschrift. Das sollte auch Ziel einer kommenden Bundesregierung sein.

Der Familienbericht zeigt auch: Gerade Alleinerziehende sind auf eine verlässliche Kinderbetreuung angewiesen, um ökonomisch eigenständig zu sein. Nur wer sich auf die Kitas verlassen kann, kann auch arbeiten gehen. Daher braucht es auch künftig Investitionen in die Kindertagesbetreuung. Mit dem Kita-Qualitätsgesetz unterstützen wir deshalb die zuständigen Länder in diesem und dem kommenden Jahr mit insgesamt vier Milliarden Euro – für eine hochwertige Betreuung und ausreichend Fachkräfte. Dies kommt gerade auch Alleinerziehenden zu Gute. Die Mittel für das KiTa-Qualitätsgesetz sollten verstetigt werden, denn das ist eine wesentliche Voraussetzung, um Bildungsstandards anzugleichen. Es ist ein wichtiges gemeinsames Ziel von Bund und Ländern gemeinsame Qualitätsstandards zu entwickeln, um die Frühkindliche Bildung zu stärken.“

Prof. Dr. Michaela Kreyenfeld, Vorsitzende der Familienberichtskommission: „Die Vielfalt von Familien nach Trennung und Scheidung hat zugenommen. Auch wenn das Wechselmodell mit 5 bis 10 Prozent in Deutschland im Vergleich zu anderen europäischen Ländern noch wenig verbreitet ist, übernehmen die meisten Eltern Erziehungs-, Betreuungs- und Sorgeverantwortung. Es ist an der Zeit, Recht, Politik und Statistik an diese veränderten Bedingungen anzupassen, um mit den Lebensrealitäten von Familien Schritt zu halten und alle gut zu unterstützen. Der Familienbericht liefert hierzu wichtige Ansatzpunkte.“

PD Dr. habil. Christina Boll, kooptiertes Mitglied der Familienberichtskommission und Leiterin der Familienabteilung am Deutschen Jugendinstitut (DJI): „Neben der Bereitstellung existenzsichernder Sozialleistungen muss es Ziel einer nachhaltigen, lebenslaufkonsistenten Familienpolitik sein, Familien Wege in die ökonomische Eigenständigkeit zu bahnen. Das geht nur, wenn sich beide Elternteile von Anfang an substanziell an der Sorge- und Erwerbsarbeit beteiligen. Die Kommission macht Vorschläge, wie Politik und Wirtschaft hierzu weitere wichtige Beiträge leisten können.“

Die Familienberichtskommission hat Handlungsempfehlungen formuliert, die auf vier zentrale Ziele hinwirken sollen: 

1. die Förderung ökonomischer Eigenständigkeit von Müttern wie Vätern,
2. die Stärkung der gemeinsamen Elternverantwortung,
3. die Berücksichtigung von Vulnerabilitäten und
4. die Anerkennung sowie Förderung der Vielfalt von Familienformen.


1. Ökonomische Eigenständigkeit stärken

Familienpolitik sollte Rahmenbedingungen schaffen, die die ökonomische Eigenständigkeit beider Elternteile und insbesondere von Müttern durchgehend im Lebenslauf fördern. Dazu empfiehlt die Kommission unter anderem eine Elterngeldreform, die früh Anreize für eine egalitäre Aufteilung von Sorgearbeit in bestehenden Partnerschaften fördert. Die Kindertagesbetreuung soll weiter ausgebaut werden, sodass ein Rechtsanspruch auf institutionelle Betreuung von Kindern ab dem ersten Lebensjahr bis zum Ende der Grundschulzeit im Umfang von acht Stunden pro Werktag realisiert werden kann. Zudem spricht sich die Kommission dafür aus, Teilzeitausbildungen bekannter zu machen und fordert für Berufsrückkehrer:innen einen Anspruch auf Aus- und Weiterqualifikation sowie passgenaue Beratungsangebote an den Jobcentern. 

2. Gemeinsame Elternverantwortung fördern

Väter beteiligen sich heute stärker als früher an der Betreuung ihrer Kinder, gleichzeitig nimmt die Erwerbsbeteiligung von Müttern kontinuierlich zu. Familienrecht sollte die Vielfalt des sich verändernden Familienlebens abbilden und alle Betreuungsmodelle gleichberechtigt rechtlich regeln. Um außergerichtliche Einigungen zu fördern, sei es dringend nötig, die Ressourcen für Jugendämter und Beratungsstellen zu erhöhen. Zum verbesserten Schutz vor häuslicher Gewalt fordert die Kommission eine Reform, welche die Aussetzung von Umgangsrechten bei Gewaltverdacht erleichtert und den Opferschutz in familiengerichtlichen Verfahren priorisiert.

3. Armut bekämpfen und Vulnerabilitäten beachten

Für allein- und getrennterziehende Familien ist es besonders herausfordernd, Familie und Beruf zu vereinbaren sowie die belastende Lebenssituation nach einer Trennung zu meistern. Um Familien finanziell angemessen zu unterstützen, fordert die Kommission, die Beantragung von Unterstützungsleistungen wie Kinderzuschlag, Wohngeld und Bürgergeld zu vereinfachen und besser aufeinander abzustimmen. Darüber hinaus soll das Existenzminimum von Kindern und Jugendlichen neu bestimmt werden – durch ein transparentes Verfahren, an dem Kinder und Jugendliche angemessen zu beteiligen sind. Um Familien in belastenden Lebenssituationen besser zu unterstützen, fordert die Kommission den flächendeckenden Ausbau der Frühen Hilfen.

4. Familienvielfalt anerkennen und geteilte Betreuung berücksichtigen

Die Lebenswirklichkeiten von Familien sind heute sehr vielfältig. Die Kommission empfiehlt, die Familienvielfalt adäquat zu erfassen und die Statistik und Evaluationsforschung zeitgemäß weiterzuentwickeln, um Nachtrennungsfamilien und getrennte Betreuung in den Daten darstellen zu können. 

Der Zehnte Familienbericht – Hintergrund

Die Bundesregierung ist durch den Deutschen Bundestag beauftragt, mindestens in jeder zweiten Wahlperiode einen Bericht über die Lage der Familien in der Bundesrepublik Deutschland mit einer Stellungnahme der Bundesregierung vorzulegen. 

Mit der Erstellung des mehr als 400 Seiten umfassenden Zehnten Familienberichts wurde im Januar 2023 eine aus sieben Wissenschaftler:innen bestehende unabhängige Sachverständigenkommission beauftragt, zu der im Prozess noch zwei weitere Expertinnen hinzugezogen wurden. 

Für den Bericht wertete die Kommission eine Vielzahl an Datenquellen aus. Zu den zentralen amtlichen Datenquellen gehören der Mikrozensus sowie die Zeitverwendungsstudie. Zentrale sozialwissenschaftliche Befragungsdaten liefern unter anderen die Daten des vom Deutschen Jugendinstitut durchgeführten Surveys „Aufwachsen in Deutschland: Alltagswelten“ (AID:A), das Sozio-oekonomische Panel (SOEP), das Familiendemografische Panel (FreDA) sowie die DJI-Kinderbetreuungsstudie (KiBS).

Geschäftsstelle des Zehnten Familienberichts am DJI

Bei der redaktionellen Erstellung des Zehnten Familienberichts, der Auswertung von Daten und Recherchen sowie bei der Organisation des Arbeitsprozesses wurde die Kommission durch die Geschäftsstelle am DJI unterstützt. „Das DJI verfügt über langjährige Expertise und Forschungserfahrung im Themenfeld Trennung und Scheidung und kann mit dem DJI-Survey „Aufwachsen in Deutschland: Alltagswelten“, kurz: AID:A, auf eine einzigartige Datengrundlage zurückgreifen, die sich zur Erforschung von Kindern, Jugendlichen und Eltern in Nachtrennungsfamilien eignet“, sagt Dr. Claudia Zerle-Elsäßer, Leiterin der Geschäftsstelle am DJI. Bei acht von insgesamt zehn Familienberichten hat das DJI die Geschäftsführung übernommen.

 

Zusammenfassung zum Zehnten FamilienberichtInterview mit DJI-Familienökonomin Christina BollBericht der Süddeutschen Zeitung vom 15. Januar 2025 (€)Geschäftsstelle für den Zehnten Familienbericht am DJI

 

Kontakt
PD Dr. habil. Christina Boll
Kooptiertes Mitglied der Kommission zur Erstellung des Zehnten Familienberichts und Leiterin der DJI-Familienabteilung
089/62304-255
boll@dji.de

Dr. Claudia Zerle-Elsäßer
Leitung der Geschäftsstelle zum Zehnten Familienbericht
089/62304-317
zerle@dji.de 

Uta Hofele
Abteilung Medien und Kommunikation
089/62304-446
hofele@dji.de 

]]>
News Pressemitteilung Startseiten Position Position 5 (klein)
news-1518 Wed, 11 Dec 2024 09:00:00 +0100 UBSKM und DJI starten Zentrum für Forschung zu sexueller Gewalt an Kindern und Jugendlichen https://www.dji.de/veroeffentlichungen/pressemitteilungen/detailansicht/article/1518-ubskm-und-dji-starten-zentrum-fuer-forschung-zu-sexueller-gewalt-an-kindern-und-jugendlichen.html An dem Zentrum wird erstmals eine bundesweit repräsentative Befragung von Jugendlichen zum Ausmaß sexueller Gewalt und zu Tatkontexten durchgeführt. Nach mehrjährigen wissenschaftlichen Vorarbeiten hat das Amt der Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs (UBSKM) das Deutsche Jugendinstitut (DJI) e. V. mit dem Aufbau eines Zentrums für Forschung zu sexueller Gewalt an Kindern und Jugendlichen beauftragt. Das DJI hat jetzt mit dem Aufbau des Forschungszentrums begonnen. Es wird regelmäßig bundesweite Befragungen von Jugendlichen zu Ausmaß und Häufigkeit sexueller Gewalt und anderen Gewaltformen sowie zu unterschiedlichen Tatkontexten durchführen sowie Wissen und Expertise im Themenfeld bündeln.

Kerstin Claus, Unabhängige Beauftragte für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs (UBSKM): „Der Start des Zentrums für Forschung zur sexuellen Gewalt an Kindern und Jugendlichen ist ein Meilenstein. Seit über 10 Jahren wird kritisiert, dass es in Deutschland keine wissenschaftlich verlässlichen Zahlen zum Ausmaß sexueller Gewalt an Kindern und Jugendlichen gibt. Diese brisante Wissenslücke wird durch das neue Forschungszentrum geschlossen werden. Die Erkenntnisse und Daten des Zentrums werden in die Arbeit meines Amtes und auch in meine Berichterstattung gegenüber der Politik einfließen – und so ein evidenzbasiertes und zielgerichtetes Handeln der Politik ermöglichen.“

Claus betonte, sie freue sich sehr, dass mit der Beauftragung des DJI ein erfahrenes Forschungsinstitut mit der Erhebung und Analyse wissenschaftlich hochwertiger und international vergleichbarer Daten zur sexuellen Gewalt an Kindern und Jugendlichen beauftragt werden konnte. Mit der Beauftragung sei ein zentrales Vorhaben des UBSKM-Amtes noch in diesem Jahr auf den Weg gebracht worden. 

Prof. Dr. Sabine Walper, Direktorin des DJI: „Mit einer empirischen Bestandsaufnahme zur Verbreitung sexueller Gewalt an Kindern und Jugendlichen wollen wir zunächst prüfen, wo wir stehen und welche Verbesserungen künftig nötig sind. Die Trend-Daten eines längerfristigen Monitorings werden zeigen, wie erfolgreich die bisherigen gesellschaftlichen Anstrengungen zur Prävention sexueller Gewalt an Kindern und Jugendlichen waren. Dabei ist uns besonders wichtig, auf allen Ebenen unserer Forschungsarbeit Betroffene einzubeziehen.“

Partizipationskonzept sieht Beteiligung Jugendlicher vor

Das beim DJI angesiedelte Forschungszentrum setzt auf ein umfassendes Partizipationskonzept, das die Berücksichtigung verschiedener Perspektiven sicherstellt. Jugendliche, Erwachsene, die in ihrer Kindheit oder Jugend sexuelle Gewalt erlebt haben, sowie Vertreter:innen aus Wissenschaft und Fachpraxis werden aktiv in die Planung und Durchführung der Studie, die Interpretation der Ergebnisse und die Ableitung von Empfehlungen eingebunden. Hierfür werden drei eigenständige Gremien eingerichtet.

Mit der Durchführung der Befragung hat das DJI Prof. Dr. Andreas Jud, Epidemiologe im Kinderschutz am Universitätsklinikum Ulm, beauftragt. Die vertiefenden Analysen der Befragungsergebnisse übernehmen Forschende des DJI.

Die bundesweite Befragung ist als sogenannte „Dunkelfeldbefragung“ an Schulen geplant. Dort soll es Aufklärungs- und Informationsangebote zum Themenfeld geben, sowie Hilfe- und Unterstützungsangebote für die befragten Schüler:innen, die Eltern und Sorgeberechtigten sowie für schulische Fachkräfte. Hierzu ist UBSKM in enger Abstimmung mit der Kultusministerkonferenz (KMK) und den Kultusbehörden der Länder.

Das Forschungsprojekt ist zunächst bis 23.10.2027 befristet. Das UBSKM-Gesetz, das derzeit im Deutschen Bundestag beraten wird, sieht vor, das Zentrum als wichtige Datenquelle für die UBSKM-Berichterstattung gesetzlich zu verankern.

Der EU-weiten Ausschreibung des Zentrums für Forschung zu sexueller Gewalt an Kindern und Jugendlichen sind langjährige Beratungen und Vorarbeiten im „Nationalen Rat gegen sexuelle Gewalt an Kindern und Jugendlichen“ sowie mehrere Expertisen, Arbeitspapiere und ein Diskussionspapier für ein Konzept des Zentrums vorausgegangen. So sieht das Zentrum beispielsweise vor, entsprechend der „Leitlinien zur Konzeption von Häufigkeitsforschung des Nationalen Rates“, bei den Befragungen von Jugendlichen auch weitere Gewaltformen in Kindheit und Jugend zu erheben.
_____________________________________________________________________________

Hintergrund: Hell- und Dunkelfeldbefragungen
Das „Dunkelfeld“ ist die Summe aller sexuellen Übergriffe gegen Kinder bzw. Jugendliche, unabhängig davon, ob sie Behörden – etwa den Strafverfolgungsbehörden – bekannt werden. Das polizeiliche „Hellfeld“ der dort bekannt werden Delikte wird in der jährlich erscheinenden Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) dargestellt. Dort wurden für das Jahr 2023 rund 16.300 Fälle von Kindesmissbrauch und rund 45.000 Fälle von Missbrauchsdarstellungen, sog. Kinderpornografie, verzeichnet. Das Dunkelfeld ist um ein Vielfaches größer. 
_____________________________________________________________________________

Weitere Informationen

Zahlen und Fakten zu sexueller Gewalt  

DJI Diskussionspapier für ein Konzept zur Vorbereitung des Zentrums für Forschung zu sexueller Gewalt an Kindern und Jugendlichen und weitere Arbeitspapiere Leitlinien für die Konzeption von Häufigkeitsforschung zu (sexueller) Gewalt an Kindern und Jugendlichen des Nationalen Rates


Kontakt DJI
Uta Hofele
Abt. Medien und Kommunikation
089/62306-446
hofele@dji.de

Kontakt UBSKM
Friederike Beck
Pressestelle
030/18555-1554
friederike.beck@ubskm.de 
www.ubskm.de 

]]>
Pressemitteilung Position 6 (groß)
news-1516 Mon, 09 Dec 2024 11:21:00 +0100 Ein Großteil der jungen Menschen ist mit seinem Leben zufrieden https://www.dji.de/veroeffentlichungen/pressemitteilungen/detailansicht/article/1516-ein-grossteil-der-kinder-jugendlichen-und-jungen-erwachsenen-in-deutschland-ist-mit-seinem-leben-zufrieden.html Aktuelle Auswertung des DJI-Surveys AID:A zeigt, was es braucht, damit Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene in Deutschland die Gesellschaft mitgestalten und sich dazugehörig fühlen Junge Menschen in Deutschland sind trotz der Folgen der Corona-Pandemie, der Klimakrise und der wirtschaftlichen Unsicherheiten überwiegend mit ihrem Leben zufrieden. Das zeigen Auswertungen der Wissenschaftler:innen des Deutschen Jugendinstituts (DJI). Die junge Generation berichtet von einem überwiegend hohen Wohlbefinden: 87 Prozent der Kinder von 5-11 Jahren äußern in der Befragung, in den letzten Wochen viel gelacht und Spaß gehabt zu haben. Auch Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 12-32 Jahren sind mehrheitlich zufrieden mit ihrem Leben – dennoch fühlen sich 6 Prozent oft isoliert. Die Studie verdeutlicht, wie wichtig Mitschüler:innen, Freunde, gesellschaftliche Teilhabe und politisches Engagement für das Wohlbefinden junger Menschen sind. Wohlstand ist entscheidend, aber wahres Wohlbefinden geht darüber hinaus.

„In der Studie werden auch große Herausforderungen sichtbar: Besonders vulnerable Gruppen, etwa von Armut oder Diskriminierung betroffene junge Menschen, haben es bei ihrem Start in ein selbstbestimmtes Leben immer noch schwer. Für ihre Stärkung und die Sicherung guter Entwicklungsbedingungen für alle brauchen wir weiterhin breite Anstrengungen. Eine Schlüsselrolle für das Wohlergehen spielen Familie, Freunde und Bildungsorte. Sie geben Halt und tragen zur Resilienz bei,“ erklärt Prof. Dr. Sabine Walper, Direktorin des DJI. In Zeiten von Homeoffice und Vätermonaten zeigt die Studie auch, wie sich Familien in einem sich wandelnden Alltag organisieren. Doch auch die Belastung von Müttern, vor allem Alleinerziehenden, bleibt weiterhin ein zentrales Thema.

Diese und weitere Ergebnisse bietet die aktuelle Veröffentlichung des Deutschen Jugendinstituts (DJI) „AID:A 2023 Blitzlichter“. Das DJI stellte die Ergebnisse des Surveys „Aufwachsen in Deutschland: Alltagswelten (AID:A)“ am 9. Dezember 2024 in Berlin vor.

Bundesjugendministerin Lisa Paus: „Die junge Generation steht vor großen Herausforderungen, dennoch zeigen sich junge Menschen zuversichtlich. Indem wir Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene ernst nehmen und ihnen zuhören, stärken wir sie. Wir müssen wissen, was junge Menschen brauchen, was ihren Alltag ausmacht. Die Jugendstudie AID:A zeigt uns, wo die Familien- und Jugendpolitik Früchte trägt und wo wir noch handeln müssen. Es besorgt mich, dass viele junge Menschen über Diskriminierung berichten. Oder wie oft finanzielle Armut den Weg in ein selbstbestimmtes Leben verhindert. Das dürfen wir nicht tolerieren – jeder junge Mensch muss gerechte Chancen haben! Unsere Aufgabe ist es, auch die digitale Welt sicher und fair zu gestalten. Junge Menschen wollen sich einbringen, sie wollen die Demokratie von morgen mitgestalten. Unser gemeinsames Ziel muss es sein: politisches Handeln verlässlich an den Interessen künftiger Generationen auszurichten."


Bundesweit repräsentative Langzeitstudie
„Unser DJI-Survey legt den Fokus auf junge Menschen und ihre Familien. Er informiert über vielfältige Facetten ihrer Lebensbedingungen und deren Bedeutung für das Aufwachsen und ihr Wohlergehen. Die Daten liefern eine wichtige empirische Fundierung zur am DJI breit aufgestellten und langjährig etablierten Sozial- und Bildungsberichterstattung über junge Menschen,“ betont die DJI-Forschungsdirektorin Prof. Dr. Susanne Kuger.

AID:A-Daten bieten umfassende Einblicke in das Aufwachsen von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen sowie deren Familien. Der Survey, der im Rahmen der institutionellen Zuwendung vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) gefördert wird, beleuchtet dabei nicht nur aktuellen Lebenslagen, sondern knüpft an frühere Befragungen der Teilnehmenden an und wird auch deren zukünftige Entwicklungsbedingungen verfolgen. Die aktuelle Erhebungswelle aus dem Jahr 2023 umfasst fast 10.000 Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene von der Geburt bis zum 32 Lebensjahr sowie mehr als 6.000 Eltern aus insgesamt 5.400 Haushalten in Deutschland. Erfasst wurden Themen wie soziale Teilhabe, Bildung, Gesundheit, familiäre und finanzielle Verhältnisse sowie Herausforderungen wie Diskriminierung oder Cybermobbing.

Die AID:A-Ergebnisse fließen in zentrale Berichte wie den Kinder- und Jugendbericht sowie den Bildungsbericht der Bundesregierung ein und sind wichtige Grundlage für die Gestaltung von Familien- und Jugendpolitik.
 

Publikation: AID:A 2023, Blitzlichter, Zentrale Befunde des DJI-Surveys zum Aufwachsen in Deutschland. Online-Version Projektseite: DJI-Survey „Aufwachsen in Deutschland: Alltagswelten“ (AID:A)Infografiken
 

Pressekontakt:
Deutsches Jugendinstitut (DJI)
Marion Horn
Tel.: 089-62306-311
horn@dji.de

 

]]>
Pressemitteilung Startseiten Position Position 5 (klein)
news-1513 Thu, 05 Dec 2024 09:15:00 +0100 Kinder, Eltern und Familien bei Trennung und Scheidung beraten https://www.dji.de/veroeffentlichungen/pressemitteilungen/detailansicht/article/1513-kinder-eltern-und-familien-bei-trennung-und-scheidung-beraten.html Unterstützungsangebote wie die Online-Plattform „STARK“ sowie aktuelle Erkenntnisse zu Trennung und Scheidung standen im Mittelpunkt der Online-Fachtagung „STARK in der Paar- und Trennungsberatung“ am 5. Dezember 2024 Trennung und Scheidung führen häufig zu gravierenden Einschnitten im Leben von Paaren und Familien. Etwa jedes vierte Kind in Deutschland ist von einer Trennung der Eltern betroffen. Unterstützung ist in dieser Lebenssituation besonders wichtig. Beratungsangebote und aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse zu Trennung und Scheidung wurden auf der am 5. Dezember 2024 stattfindenden Online-Fachtagung „STARK in der Paar- und Trennungsberatung“ vorgestellt. STARK steht für die Online-Hilfeplattform des Verbund-Forschungsprojekts „Streit und Trennung meistern: Alltagshilfe, Rat und Konfliktlösung“, an dem das Deutsche Jugendinstitut (DJI) beteiligt ist.


Ekin Deligöz: „Online-Angebot unterstützt ergänzend zur Beratung vor Ort“
Eröffnet wurde die Fachtagung von Ekin Deligöz, Parlamentarische Staatssekretärin bei der Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ). Deligöz betonte die Bedeutung vielfältiger und niedrigschwelliger Unterstützungsangebote: "Trennungen haben nicht nur emotionale und soziale Auswirkungen auf die beteiligten Erwachsenen, sondern sie stellen besonders Kinder und Jugendliche vor große Herausforderungen. Die wissenschaftlich fundierte STARK-Plattform hilft Paaren dabei in Trennungssituationen respektvoll miteinander umzugehen, das fördert auch das Wohl der Kinder. Das Online-Angebot unterstützt damit Fachkräfte und Paare ergänzend zur Beratung vor Ort."


Sabine Walper: „Belastungen und Nachteile von Trennungskindern haben nicht abgenommen – eher im Gegenteil“
Dauerhafte Partnerschaftsprobleme und insbesondere Trennungen sind für Eltern und Kinder mit emotionalen, gesundheitlichen, sozialen und finanziellen Kosten verbunden. Prof. Dr. Sabine Walper, Direktorin des DJI, verwies hierzu auf die Forschung: „Väter in Trennungsfamilien sind heute stärker engagiert als noch vor zehn Jahren und den Eltern gelingt häufiger eine tragfähige Kooperation in der Verantwortung für die Kinder. Aber Belastungen und Nachteile von Trennungskindern haben nicht abgenommen – eher im Gegenteil. Finanzielle Probleme, offene und verdeckte Konflikte der Eltern bis hin zu langwierigen gerichtlichen Auseinandersetzungen können ihre Gesundheit und Entwicklung beeinträchtigen.“ Entsprechend groß ist der Beratungsbedarf und damit die Notwendigkeit, Informations- und Unterstützungsangebote für Eltern und Kinder bereitzustellen. Die neu entwickelte Online-Plattform www.stark-familie.info informiert interaktiv zu allen Themen rund um Beziehungskrisen und Trennungen - von Kommunikationstipps bei Partnerschaftsproblemen über Unterhaltsfragen bis hin zu Tipps der Gestaltung des Familienlebens bei einer Trennung mit Kindern.


Fast 800 Teilnehmende in 30 Workshops
Im Rahmen der Tagung stellten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler neben aktuellen wissenschaftlichen Befunden den neuen Bereich für die Fachpraxis des Portals www.stark-familie.info vor. Fast 800 teilnehmende Fachkräfte diskutierten in 30 Workshops Themen der Paar- und Trennungsberatung. Diese reichten von Methoden bei der Beratung von Paaren in der Krise bis hin zur Beratung bei Hochkonfliktfamilien und Umgangsverweigerung. In einer Podiumsdiskussion standen zudem die Chancen und Grenzen von Unterstützungsangeboten im Mittelpunkt.

Online-Ressourcen können die persönliche Beratung nicht ersetzen, aber unterstützend wirken und die Hemmschwelle zur Nutzung persönlicher Beratung verringern. Vor diesem Hintergrund hatte das Verbundprojekt „Streit und Trennung meistern: Alltagshilfen, Rat und Konfliktlösung“ von 2020 bis 2024 die Online-Plattform STARK entwickelt. Dem interdisziplinären Team gehörten Expertinnen und Experten des DJI, des Universitätsklinikums Heidelberg, der Georg-August-Universität Göttingen, der Ludwig-Maximilians-Universität München, des Universitätsklinikum Ulm und der Universität Ulm an. Das aktuelle Nachfolgeprojekt von STARK trägt den Namen STARKplus.


Online-Hilfeplattform STARKTagungsprogrammForschungsprojekt STARKplus (2024-2026)Vorgänger-Projekt STARK (2020-2024)Forschungsmagazin DJI Impulse 3+4/2024 zum Thema „Elternkonflikte meistern - wie Kinder gestärkt aus Familienkrisen hervorgehen können“DJI-Videocast Perspektiven mit Prof. Dr. Sabine Walper zu "Trennung und Scheidung: Wie sie sich auswirken und welche Unterstützungsangebote es gibt" (YouTube)


Kontakt
Dr. Ina Bovenschen
Fachgruppe Familienhilfe und Kinderschutz
bovenschen@dji.de

Martin Kern
Medien und Kommunikation
Tel.: 089/62306-397
mkern@dji.de

]]>
Pressemitteilung Startseiten Position Position 5 (klein)
news-1504 Tue, 05 Nov 2024 16:20:00 +0100 Kindheit und Jugend in Europa https://www.dji.de/veroeffentlichungen/pressemitteilungen/detailansicht/article/1504-kindheit-und-jugend-in-europa.html Die Lebensverhältnisse von Kindern und Jugendlichen im europäischen Vergleich waren Thema der DJI-Jahrestagung am 5. und 6. November in Berlin Viele Fragen zur Bekämpfung von Armut, zur Stärkung der Gesundheit junger Menschen, zur Gewähr­leistung eines gewaltfreien Aufwachsens und zur Förderung demokratischer Haltungen beschäftigen nicht nur Politik und Fachpraxis in Deutschland, sondern werden ähnlich intensiv in anderen europäischen Ländern verhandelt. Deshalb ist es aufschlussreich, die Lebensverhältnisse anderer Länder und deren Bedeutung für das Aufwachsen junger Menschen zu beleuchten und die dortige Ausrichtung des Bildungs-, Gesundheits- und Sozialsystems sowie speziell der Kinder- und Jugendarbeit mit den eigenen Strategien zu vergleichen.

„Wir starten mit einem Fokus auf den länderübergreifenden Jugendaustausch, erhalten Einblick in die unterschiedlichen Bedingungen des Aufwachsens und Wohlergehens von jungen Menschen aus der Perspektive von UNICEF und diskutieren in sechs thematischen Sessions neben eigenen Forschungs­ergebnissen die Erkenntnisse aus anderen Ländern“, beschreibt DJI-Direktorin Prof. Dr. Sabine Walper das Programm der wissenschaftlichen Jahrestagung des Deutschen Jugendinstituts (DJI) am 5. und 6. November in Berlin. Zum Abschluss der Tagung am 6. November diskutiert sie mit Lisa Paus, Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, und Mitgliedern des Jugendbeirats des DJI über diese Themen.

 

]]>
News Pressemitteilung
news-1497 Mon, 04 Nov 2024 09:00:00 +0100 Trennungskinder sind im Nachteil https://www.dji.de/veroeffentlichungen/pressemitteilungen/detailansicht/article/1497-trennungskinder-sind-weiterhin-im-nachteil.html Wenn eine Familie zerbricht, sind Kinder oft die Leidtragenden. Das Forschungsmagazin DJI Impulse zeigt auf, vor welchen Herausforderungen Politik und Fachpraxis aktuell stehen Ein Viertel aller Kinder in Deutsch­land erlebt bis zum Jugend­alter die Trennung oder Scheidung der Eltern – und die Folgen sind oft gravierend: Allein­erziehende haben beispiels­weise ein deutlich erhöhtes Armuts­risiko, was sich negativ auf die Ent­wicklung und Teilhabe­möglichkeiten der Kinder auswirkt. Insbesondere andauernde Konflikte zwischen den Eltern können die psychische Gesund­heit von Eltern und Kindern beeinträchtigen. Doch eine Trennung oder Scheidung muss nicht zwangsläufig zu lang­fristigen Belastungen führen, zeigen die wissen­schaftlichen Analysen der neu erschienenen Ausgabe des Forschungs­magazins DJI Impulse. Unter dem Titel „Elternkonflikte meistern: Wie Kinder gestärkt aus Familien­krisen hervorgehen“ beleuchten sie vor allem die Perspektive der Kinder.

„Den geeigneten rechtlichen Rahmen für Trennungs­familien zu schaffen und die erforderlichen Unterstützungs­­angebote verfügbar zu machen, gehört zu den wesentlichen Aufgaben der Politik“, schreibt Prof. Dr. Sabine Walper, psychologisch-pädagogische Paar-, Familien- und Kinderforscherin und Direktorin des Deutschen Jugendinstituts (DJI), in ihrem Einführungsbeitrag. Nicht nur das Armuts­risiko von Allein­erziehenden sei vielen strukturellen Faktoren geschuldet. Um es zu verringern, müsse die Politik an den entscheidenden „Schalt­stellen“ ansetzen, wie der Vermittlung von Angeboten der Aus- und Weiterbildung für Eltern in Teilzeit, der Ent­lastung von vollzeit­erwerbstätigen Allein­erziehenden durch haushalts­nahe Dienst­leistungen und dem weiteren Ausbau hoch­wertiger Kindertages­betreuung. Die aktuell geplanten familien­rechtlichen Reformen im Unterhalts­recht böten zudem die große Chance, Nachteile von Trennungs­familien zu entschärfen und die weitere gemeinsame Betreuung der Kinder zu erleichtern.

Das Erziehungsverhalten ist wichtiger Ansatzpunkt in Beratung und Elternkursen

Nicht nur existenzielle finanzielle Probleme, sondern auch psychische Belastungen können das Erziehungs­verhalten der Eltern beeinträchtigen und zu verschiedenen Problemen von Kindern beitragen. Oft geraten deren Bedürfnisse aus dem elterlichen Blick, weil die Ex-Partner:innen ihr Leben mühsam wieder neu ordnen müssen und emotional stark beansprucht sind. Angebote wie das inzwischen bundes­weit etablierte Eltern­training „Kinder im Blick“ oder die neue Online-Plattform STARK wollen Eltern vor, während und nach der Trennung unterstützen. Doch die Schwelle für eine Inanspruch­nahme von Paar- und Trennungs­beratung bleibt aktuellen Daten zufolge hoch. Außerdem sei die not­wendige Vernetzung der unter­schiedlichen Hilfe­systeme – von der Psychotherapie Erwachsener über Schuldner- und Erziehungs­beratung bis zur Schul­psychologie oder Sucht­beratung – eine noch ungelöste Aufgabe, betont Walper.

Die Kinderinteressen in familiengerichtlichen Verfahren stärker berücksichtigen 

Um Konflikt­verschärfungen im juristischen Verfahren zu vermeiden, ist laut DJI-Direktorin vor allem die gute Zusammen­arbeit von Familien­gerichten und psycho­sozialen Beratungs­diensten relevant, gerade im Fall hoch­strittiger Trennungen. Eine entscheidende Heraus­forderung in familien­gerichtlichen Verfahren bestehe darin, auch die Stimme der Kinder gebührend zur Geltung zu bringen. „Ihnen im Familienrecht systematisch größeres Gewicht zu geben, würde Kinderrechte stärken“, erklärt Walper.

In der aktuellen Ausgabe des Forschungs­magazins DJI Impulse schreiben sowohl Wissenschaftler:innen des Deutschen Jugendinstituts (DJI) als auch renommierte Trennungs- und Scheidungs­forscher:innen aus ganz Deutschland. Der thematische Zuschnitt der Sonder­ausgabe nimmt Bezug auf einen zentralen Forschungs­fokus von DJI-Direktorin Prof. Dr. Sabine Walper, die bei der wissen­schaftlichen Jahrestagung am 5./6. November 2024 in Berlin offiziell verabschiedet wird. Bis ihre Nachfolge geklärt ist, wird sie das DJI aber weiterhin leiten.

Das Forschungsmagazin DJI Impulse berichtet über die wissen­schaftliche Arbeit am DJI, einem der größten sozial­wissenschaftlichen Forschungs­institute in Deutschland. Regelmäßig informieren Forschende über relevante Themen aus den Bereichen Kindheit, Jugend, Familie sowie Bildung und liefern Impulse für Politik, Wissenschaft und Fachpraxis. 
 

Alle Artikel aus dem DJI-Impulse-Schwerpunkt „Elternkonflikte meistern“ digital Gesamtausgabe DJI Impulse 3+4/2024 „Elternkonflikte meistern“ (kostenloser Download oder Print-Bestellung)

Kontakt
Birgit Lindner, Abteilung Medien und Kommunikation
089/62306-180
blindner@dji.de

Prof. Dr. Sabine Walper, DJI-Direktorin
089/62306-289
walper@dji.de

]]>
Pressemitteilung Startseiten Position Position 6 (groß)
news-1484 Wed, 02 Oct 2024 09:00:00 +0200 Personalnot in der Kinder- und Jugendhilfe wächst https://www.dji.de/veroeffentlichungen/pressemitteilungen/detailansicht/article/1484-personalnot-in-der-kinder-und-jugendhilfe-waechst.html Das Forschungsmagazin DJI Impulse beleuchtet Ursachen und Folgen des zunehmenden Fachkräftemangels in der Kinder-und Jugendhilfe in Westdeutschland – und beschreibt Perspektiven und Lösungsansätze Der Fachkräftemangel in der Kinder- und Jugendhilfe spitzt sich zu – zumindest in Westdeutschland.  Obwohl Kinder­tages­betreuung, Kinderschutz und Hilfen zur Erziehung jahrelang stark ausgebaut wurden, schafft es die Kinder- und Jugendhilfe inzwischen nicht mehr, den unvermindert steigenden Bedarf an Personal zu decken. Dies zeigen die aktuellen Daten des Forschungsverbunds DJI/TU Dortmund, die in der neuen Ausgabe des Forschungsmagazins DJI Impulse analysiert werden. Demnach fehlen bis zum Jahr 2030 voraussichtlich allein in der Kindertagesbetreuung 51.000 bis 88.000 Fachkräfte in Westdeutschland, sofern keine neuen Maßnahmen zur Personalgewinnung erfolgreich entwickelt und durchgeführt werden. Darüber hinaus erzeugt der ab dem Schuljahr 2026/2027 stufenweise in Kraft tretende Rechtsanspruch auf ganztägige Betreuung und Förderung für Grundschulkinder weitere Personalbedarfe.

Ausbildungs- und Arbeitsmarktpotenziale sind weitgehend erschöpft

„Es ist derzeit offen, in welchem Maße und welcher Qualität die Träger im Bereich Kindertagesbetreuung, Ganztag, Kinder- und Jugendarbeit, Schulsozialarbeit, Hilfen zur Erziehung und Kinderschutz ihre Aufgaben zukünftig weiter erfüllen können“, warnen Dr.  Christiane Meiner-Teubner,  Erziehungs­wissenschaftlerin und Mitglied in der Geschäfts­führung des Forschungs­verbunds DJI/TU Dortmund, und Prof. Dr. Jens Pothmann, Leiter der Abteilung „Jugend und Jugendhilfe“ am Deutschen Jugendinstitut (DJI) sowie des Forschungsverbundes DJI/TU Dortmund. Denn die bisherigen Strategien, die zuletzt zu hohen Erfolgen bei der Gewinnung zusätzlichen Personals geführt hätten, würden keine weiteren Potenziale mehr bergen. Bisher hatten Bund und Länder vor allem darauf gesetzt, das Ausbildungssystem für Erzieher:innen und Sozial­assistent:innen auszubauen sowie früh- und kindheitspädagogische Studien­gänge einzuführen, schreiben Meiner-Teubner und Pothmann in ihrem Einführungsbeitrag der neu erschienenen Ausgabe des Forschungsmagazins DJI Impulse. Außerdem konnten viele Mütter nach dem Ausstieg in die Familienphase frühzeitig wieder zurück in ihren Job geholt werden.

Abhilfe kann nur ein Bündel an unterschiedlichen Strategien schaffen

Neben der Aufwertung und Profilierung sozialer Berufe sei ein Bündel an unterschiedlichen Strategien notwendig, um den wachsenden Personalmangel einzudämmen und gleichzeitig die Qualität der Angebote der Kinder- und Jugendhilfe sicherzustellen, erläutern Meiner-Teubner und Pothmann. Unter anderem bemängeln sie, dass Fachkräfte aus dem Ausland und die Anerkennung ihrer Qualifikationen für die nationale Kinder- und Jugendhilfe bislang so gut wie bedeutungslos seien. Außerdem empfehlen sie beispielsweise ein professionelles  Personal­management, multi­professionelle Teams sowie eine enge Begleitung und Weiterbildung von Quereinsteigenden oder geringer qualifiziertem Personal in der Praxis.

Die wissen­schaftlichen Analysen der neuen Ausgabe des Forschungs­magazins DJI Impulse mit dem Titel „Die Fachkräftelücke: Perspektiven und Lösungsansätze für die Kinder- und Jugendhilfe“ beleuchten einerseits Ursachen und Folgen des Personalmangels in den unterschiedlichen Arbeitsfeldern der Kinder- und Jugendhilfe, andererseits beschreiben die Expertinnen und Experten des DJI sowie des Forschungs­verbundes DJI/TU Dortmund auf Grundlage von verschiedenen Studienergebnissen Perspektiven und Lösungsansätze. Im Mittelpunkt stehen dabei die Personalgewinnung und -bindung in der Frühen Bildung, die schwierige Umsetzung des Rechts auf Ganztagsbetreuung für Grundschulkinder sowie die Zwangslage der Jugendämter aufgrund des Personalmangels.

Das Forschungsmagazin DJI Impulse berichtet über die wissenschaftliche Arbeit am DJI, einem der größten sozialwissen­schaftlichen Forschungsinstitute in Deutschland. Regelmäßig informieren Forschende über relevante Themen aus den Bereichen Kindheit, Jugend, Familie sowie Bildung und liefern Impulse für Politik, Wissenschaft und Fachpraxis.



Alle Artikel aus dem Schwerpunkt „Die Fachkräftelücke“ digitalForschungsmagazin DJI Impulse 2/2024 (kostenloser Download oder Print-Bestellung)

Kontakt

Birgit Lindner
Abteilung Medien und Kommunikation

089/62306-180
blindner@dji.de

Dr. Christiane Meiner-Teubner
Erziehungswissenschaftlerin und Mitglied in der Geschäftsführung des Forschungsverbundes DJI/TU Dortmund

0231/755-8188
christiane.meiner@tu-dortmund.de

Prof. Dr. Jens Pothmann
Leiter der Abteilung „Jugend und Jugendhilfe“ am DJI und Leiter des Forschungsverbundes DJI/TU Dortmund
089/62306-210
pothmann@dji.de  

]]>
News Pressemitteilung Startseiten Position Position 6 (groß)
news-1469 Tue, 10 Sep 2024 13:10:00 +0200 Ab wann sollten Kinder wie viel Taschengeld bekommen? https://www.dji.de/veroeffentlichungen/pressemitteilungen/detailansicht/article/ab-wann-sollten-kinder-wie-viel-taschengeld-bekommen.html Die neuen Empfehlungen des DJI zum Taschengeld und Budgetgeld liegen vor Süßes, Lesestoff oder ein Kinobesuch – mit dem Taschengeld können sich Kinder und Jugendliche individuelle Wünsche erfüllen. Dabei lernen sie auch, verantwortungsvoll mit Geld umzugehen. Doch für Eltern gibt es bei diesem Thema viele Fragen, beispielsweise ab wann Kinder überhaupt Taschengeld erhalten sollten und wie viel eigentlich angemessen ist.

„Die Höhe des Taschengelds ist nicht entscheidend. Viel wichtiger ist, dass Kinder und Jugendliche in regelmäßigen Abständen eine Geldsumme unaufgefordert und unabhängig von ihrem Verhalten bekommen, über die sie frei verfügen können“, sagt Dr. Alexandra Langmeyer-Tornier, Wissenschaftlerin am Deutschen Jugendinstitut (DJI). Für die jüngere Altersgruppe empfiehlt sie zudem, das Taschengeld wöchentlich auszuzahlen, damit es für Kinder übersichtlich bleibt. Außerdem sollten Eltern mit ihren Kindern offen über die finanzielle Situation der Familie und die Höhe des Taschengelds sprechen und nicht bewerten, wofür die Kinder das Geld ausgeben.  

Das DJI hat nun die Empfehlungen zum Taschengeld auf Basis der Inflationsraten angepasst. Aktuell gelten für Kinder und Jugendliche diese Richtlinien: unter 6-Jährige 1 bis 2 Euro und 6- bis 9-Jährige 2 bis 4 Euro in der Woche, 10- bis 11-Jährige 20 bis 25 Euro im Monat. Für Kinder von 12 bis 14 Jahren liegt die Empfehlung bei 25 bis 40 Euro monatlich, bei den 15- bis 16-Jährigen sind es 40 bis 60 Euro und bei den 17- bis 18-Jährigen 60 bis 75 Euro im Monat.

Die aktualisierten Empfehlungen zum Budgetgeld bieten Eltern Orientierung, wie viel zusätzliche Geldmittel für Anschaffungen, die Jugendliche regelmäßig selbst bestreiten, notwendig sind. Empfohlen wird eine klare Trennung zwischen Taschengeld und festgelegten Budgets. Aufgrund der Entwicklung des Geldverständnisses ist Budgetgeld ab einem Alter von zirka 14 Jahren sinnvoll.

 

Taschengeld- und Budgetgeld-Empfehlungen des DJI


Kontakt
Dr. Alexandra Langmeyer-Tornier
Abteilung Kinder und Kinderbetreuung
langmeyer@dji.de

Dr. Angelika Guglhör-Rudan
Abteilung Kinder und Kinderbetreuung
Tel.: 089/62306-216
guglhoer@dji.de

Sonja Waldschuk
Abteilung Medien und Kommunikation
Tel.: 089/62306-173
waldschuk@dji.de

]]>
News Pressemitteilung Startseiten Position Position 5 (klein)
news-1468 Fri, 06 Sep 2024 16:34:00 +0200 Frühe Bildung: Bedarf der Eltern mit Kindern unter drei Jahren erreicht neuen Höchstwert https://www.dji.de/veroeffentlichungen/pressemitteilungen/detailansicht/article/fruehe-bildung-bedarf-der-eltern-mit-kindern-unter-drei-jahren-erreicht-neuen-hoechstwert.html Die aktuelle Ausgabe „Kindertagesbetreuung Kompakt“ mit Daten des DJI und der Arbeitsstelle Kinder- und Jugendhilfestatistik (AKJStat) beschreibt Ausbaustand und Bedarf im Jahr 2023 Auch im Jahr 2023 äußerten viele Eltern mit einem Kind unter drei Jahren (U3) einen Bedarf an einem Platz in der frühkind­lichen Bildung, Betreuung und Erziehung (FBBE). „Dieser Bedarf ist im Vergleich zum Vorjahr erneut gestiegen und erreichte mit 51 Prozent einen neuen Höchstwert“, erklärt Prof. Dr. Susanne Kuger, Forschungsdirektorin des Deutschen Jugendinstituts (DJI). Eltern in Ostdeutschland äußerten dabei noch etwas häufiger einen Bedarf als Eltern in Westdeutschland (63 Prozent vs. 49 Prozent). Bei Kindern zwischen drei Jahren und dem Schuleintritt (U6) blieb der elterliche Bedarf im Jahr 2023 mit 97 Prozent auf einem konstant hohen Niveau. In dieser Gruppe sind die Bedarfe in Ost- und Westdeutschland ähnlich hoch. Dies sind zentrale Ergebnisse der DJI-Kinderbetreuungsstudie (KiBS), die parallel in der jetzt vorliegenden neunten Ausgabe von „Kindertagesbetreuung Kompakt“ des Bundes­ministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) sowie in Studie 1 des DJI-Kinderbetreuungsreports 2024 veröffentlicht wurden.

Die Lücke zwischen elterlichem Bedarf und Beteiligungsquote bleibt bestehen

Die elterlichen Bedarfe an einem Platz in der FBBE werden jährlich in der Broschüre „Kindertagesbetreuung Kompakt“ den durch die Arbeitsstelle Kinder- und Jugendhilfestatistik (AKJStat) der TU Dortmund berechneten Beteiligungsquoten gegenübergestellt. Die nun veröffentlichten Ergebnisse zeigen, dass die Beteiligungsquote bei U3-Kindern mit 36 Prozent deutlich unter dem elterlichen Bedarf liegt. Die Lücke zwischen elterlichem Bedarf und Beteiligungsquote betrug im Jahr 2023 rund 15 Prozentpunkte. Somit konnte – auch mehr als zehn Jahre nach Einführung des Rechtsanspruchs auf einen Betreuungsplatz für Kinder ab dem vollendeten ersten Lebens­jahr – ein großer Teil der Eltern, die sich einen Platz in der FBBE wünsch­ten, keinen solchen in Anspruch nehmen. Obwohl das Platzangebot stetig ausgebaut wurde, verringerte sich die Lücke nicht, denn auch der elterliche Bedarf stieg immer weiter an. So liegt die jetzige Beteiligungs­quote etwa auf dem Niveau, das der seitdem noch größer gewordene Bedarf vor zehn Jahren erreicht hatte. Im Gegensatz dazu ist die Lücke bei Kindern zwischen drei Jahren und dem Schuleintritt mit rund 5 Prozent­punkten gering.

Größere Betreuungsumfänge in Ostdeutschland im Vergleich zu Westdeutschland

Im Rahmen des DJI-Kinderbetreuungsreports werden die elterlichen Bedarfe noch genauer beschrieben. So zeigt sich, dass sich die ge­wünschten Betreuungsumfänge innerhalb beider Altersgruppen (U3 und U6) deutlich zwischen Ost- und Westdeutschland unterscheiden. In Ostdeutschland bevorzugte die Mehrheit der Eltern (jeweils 57 Prozent) einen Ganztagsplatz mit einem Umfang von mehr als 35 und bis zu 45 Stunden pro Woche. Dagegen wurde in Westdeutschland der erweiterte Halbtagsplatz mit einem wöchentlichen Umfang von mehr als 25 und bis zu 35 Stunden am häufigsten gewünscht (U3: 46 Prozent, U6: 49 Prozent).

U6-Eltern hatten häufiger einen gedeckten Bedarf als U3-Eltern

Die Gegenüberstellung von gewünschten und genutzten Betreuungs­umfängen zeigt, dass ein Fünftel der Eltern eines ein- oder zweijährigen Kindes (21 Prozent) trotz Wunsch keinen Platz in Anspruch nehmen konnte und somit einen gänzlich ungedeckten Bedarf äußerte. Dies war in Ostdeutschland seltener der Fall als in Westdeutschland (12 Prozent vs. 23 Prozent). Bei ungefähr der Hälfte der Eltern mit einem Kind dieser Altersgruppe (47 Prozent) deckt der genutzte Platz den zeitlichen Bedarf ab oder unterschreitet ihn um höchstens fünf Stunden wöchentlich (Ost: 74 Prozent, West: 41 Prozent). Der elterliche Bedarf kann bei Kindern zwischen drei Jahren und dem Schuleintritt dabei besser gedeckt werden: Auch im Jahr 2023 verfügte ein Großteil der Eltern eines U6-Kinds über einen zeitlich gedeckten Bedarf (86 Prozent). Nur sehr wenige Eltern gaben an, keinen Bedarf an einem Platz in der FBBE zu haben. Auch die Gruppe derjenigen, die – trotz Bedarf – zum Befragungszeitpunkt über (noch) keinen Platz verfügten, war sehr klein.

DJI-Kinderbetreuungsstudie (KiBS)

Seit 2016 erarbeitet das KiBS-Team am DJI jährlich eine Reihe von vertieften Analysen, die im Format des DJI-Kinderbetreuungsreports als Serie thematisch fokussierter Studien verfügbar sind. Die Auswertungen beschäftigen sich etwa mit außerunterrichtlichen Bildungs- und Betreuungsangeboten für Grundschulkinder, der Passgenauigkeit der Angebote oder der Einschätzung zu Fachkräften und zu Angeboten für Familien in der Kindertagesbetreuung aus der Perspektive der Eltern. Im Report 2024 werden die zentralen Indikatoren aus dem Befragungsjahr 2023 vorgestellt. Im Jahr 2023 wurden bundesweit 34.131 Eltern zur Betreuungssituation ihrer Kinder befragt.
 

Pressemitteilung des BMFSFJAllgemeine Informationen zur DJI-Kinderbetreuungsstudie (KiBS) Studie 1 des DJI-Kinderbetreuungsreports 2024 (PDF)„Kindertagesbetreuung Kompakt – Ausbaustand und Bedarf 2023“ des BMFSFJ (PDF)DJI-Themenseite Kinderbetreuung


Kontakt
Prof. Dr. Susanne Kuger
Projektleitung, Forschungsdirektorin und
Abteilungsleitung Zentrum für Dauerbeobachtung und Methoden
kibs@dji.de

Sonja Waldschuk
Abteilung Medien und Kommunikation
Tel.: 089/62306-173
waldschuk@dji.de

]]>
News Pressemitteilung Startseiten Position Position 4 (klein)
news-1448 Thu, 18 Jul 2024 07:00:00 +0200 Psychisch stark werden https://www.dji.de/veroeffentlichungen/pressemitteilungen/detailansicht/article/1448-psychisch-stark-werden.html Das Forschungsmagazin DJI Impulse beleuchtet Ursachen und Folgen von seelischen Belastungen im Kindes- und Jugendalter und zeigt Ansätze für eine bessere Gesundheitsförderung auf Psychische Erkrankungen gehören weltweit zu den häufigsten Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen. Studien zufolge ist etwa jeder sechste junge Mensch in Deutschland von Ein­schränkungen der psychischen Gesundheit betroffen. Ob solche Beein­trächtigungen zu vielfältigen Nach­teilen führen und wie Betroffene psychische Krisen bewältigen, hängt von ihrer individuellen Lebens­situation sowie damit verbundenen Belastungen und Ressourcen ab. Dies zeigen erste Ergebnisse des Forschungs­projekts „Care Leaver Statistics“ (CLS) des Deutschen Jugendinstituts (DJI), die in der neuen Ausgabe des Forschungs­magazins DJI Impulse veröffentlicht wurden.

Einsamkeit ist ein wesentliches Risiko für die psychische Gesundheit


Im Rahmen der CLS-Studie, an der Forschende des DJI, der Universität Hildesheim, der Gesellschaft für innovative Sozial­forschung und Sozial­planung (GISS) und der Internationalen Gesell­schaft für erzieherische Hilfen (IGFH) beteiligt sind, werden wiederholt bundesweit mehr als tausend 16- bis 19-Jährige befragt, die in Pflege­familien, Heimen und anderen betreuten Wohn­­formen untergebracht sind. Das Ergebnis der ersten Befragung im Jahr 2023: 37 Prozent von ihnen gaben an, psychisch erkrankt zu sein. Doch nicht alle dieser Jugendlichen fühlen sich auch krank. Die Hälfte von ihnen beschreibt ihren Gesundheits­zustand sogar als „ausgezeichnet“ oder „gut“. Das gilt insbesondere für jene, die bei Problemen immer vertraute Ansprech­­personen haben.

Der CLS-Studie zufolge wird der subjektiv empfundene Gesundheits­­zustand auch vom Einsamkeits­erleben stark beeinflusst: Jugendliche, die sich häufig einsam fühlen, schätzen die eigene Gesundheit erheblich schlechter ein als diejenigen, deren Bedürfnis nach Kontakt und Zugehörigkeit erfüllt ist. „Gerade mit Blick auf das Thema Einsamkeit ist es wichtig, jungen Menschen das Gefühl zu vermitteln, dass sie nicht allein sind mit ihren Erfahrungen“, folgern die DJI-Jugendforschenden Dr. Lisa Hasenbein und Dr. Mike Seckinger, der am DJI die CLS-Studie leitet. Neben der professionellen Behandlung erkrankter Kinder und Jugendlicher seien deshalb Hilfe- und Unterstützungs­maßnahmen wichtig, die auch die Lebens­umstände der jungen Menschen einbeziehen sowie deren soziale und psychologische Ressourcen stärken. Wertschätzende und diskriminierungs­freie Räume, beispielsweise in Jugend­gruppen, könnten als Quellen der Anerkennung, Akzeptanz und Freude dienen. Insgesamt sei für die Gesundheits­förderung junger Menschen entscheidend, gesellschaftlich ungleich verteilte Risiken, Stressoren und Belastungen zu reduzieren.

Wie Barrieren ins Hilfesystem abgebaut werden können


Die wissenschaftlichen Analysen des neu erschienenen Forschungs­magazins DJI Impulse mit dem Titel „Psychisch stark werden – Wie sich die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen fördern lässt“, beleuchten einerseits Ursachen und Folgen psychischer Erkrankungen im Kindes- und Jugendalter, andererseits benennen die Autorinnen und Autoren Lösungsansätze für eine bessere Gesundheits­förderung. Auf Grundlage von vielfältigen Forschungs­befunden und Praxis­erfahrungen analysieren Forschende des DJI sowie verschiedene Kooperations­partner in zehn Beiträgen die Situation von jungen Menschen mit seelischen Belastungen und diskutieren Barrieren ins Hilfesystem. Im Mittel­punkt stehen dabei Risiko­gruppen wie Kinder und Jugendliche finanziell benachteiligter Familien, Kinder psychisch kranker Eltern sowie Minderjährige, die ohne Eltern nach Deutschland geflüchtet sind. Aktuelle Ergebnisse zu einem neu entwickelten gestuften Versorgungs­modell für traumatisierte junge Geflüchtete schildert die Psychologin Prof. Dr. Rita Rosner, Leiterin des Forschungsprojekts „Better Care“. In dem Projekt arbeitetet das DJI mit der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt und dem Universitätsklinikum Ulm zusammen.

Das Forschungsmagazin DJI Impulse berichtet über die wissenschaftliche Arbeit am DJI, einem der größten sozial­wissenschaftlichen Forschungs­institute in Deutschland. Regelmäßig informieren Forschende über relevante Themen aus den Bereichen Kindheit, Jugend, Familie sowie Bildung und liefern Impulse für Politik, Wissenschaft und Fachpraxis.

Psychisches Wohlergehen von Jugendlichen – mehr als ein Gesundheitsthema, DJI Impulse-Artikel von Lisa Hasenbein und Mike SeckingerDJI-Jugendforscherin Dr. Lisa Hasenbein in Folge 4 des Videocast PerspektivenAlle Artikel aus dem Schwerpunkt „Psychisch stark werden“ digitalDJI Impulse 1/2024 „Psychisch stark werden“ (kostenloser Download oder Print-Bestellung)


Kontakt
Dr. Lisa Hasenbein
Leiterin der Fachgruppe „Lebenslagen und Lebensführung Jugendlicher“

089/62306-292
hasenbein@dji.de

Uta Hofele
Abteilung Medien und Kommunikation

089/62306-446
hofele@dji.de

]]>
News Pressemitteilung Startseiten Position Position 6 (groß)
news-1437 Wed, 10 Jul 2024 07:00:00 +0200 Jung, trans, nicht-binär: Zwischen Selbst- und Fremdbestimmung https://www.dji.de/veroeffentlichungen/pressemitteilungen/detailansicht/article/jung-trans-nicht-binaer-zwischen-selbst-und-fremdbestimmung.html Lebenssituationen von trans und nicht-binären Jugendlichen und jungen Erwachsenen in Deutschland Wie werden sich junge trans und nicht-binäre Personen der eigenen geschlechtlichen Identität bewusst? Wie leben sie diese in verschiedenen sozialen Kontexten und welche Erfahrungen machen sie damit? Wie blicken sie auf bestimmte soziale, rechtliche und/oder medizinische Transitionsschritte?

Junge Menschen, die trans und nicht-binär sind, haben geschlechtliche Zugehörigkeiten, die nicht dem Geschlecht entsprechen, welches ihnen bei ihrer Geburt zugewiesen wurde. Sie stehen einerseits vor allgemeinen Herausforderungen des Erwachsenwerdens und sind andererseits mit Marginalisierungen und Nicht-Zugehörigkeiten zu einer vermeintlichen Mehrheitsgesellschaft konfrontiert: Sie wachsen in einer Welt auf, die keinen adäquaten Platz für ihr Geschlecht zu lassen scheint und müssen sich in dieser zurechtfinden.

Nachhaltige Verbesserung der Lebenssituation von trans und nicht-binären Jugendlichen und jungen Erwachsenen ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe

Auf Basis von Studienergebnissen stellt die Publikation „Zwischen Fremd- und Selbstbestimmung. Zur Lebenssituation von trans und nicht-binären Jugendlichen und jungen Erwachsenen in Deutschland“ des Deutschen Jugendinstituts (DJI) Impulse für Politik, Fachpraxis und viele weitere Interessent:innen zusammen. Diese betreffen unter anderem die Förderung von Aufklärung und Vielfalt an Schulen, die Verbesserung der medizinischen Versorgungslandschaft sowie die Schaffung von inklusiven und zielgruppenorientierten Räumen und (Beratungs-)Angeboten unter anderem in Kontexten der Jugendhilfe.

Jungen trans und nicht-binären Menschen eine Stimme geben

Gesellschaftlich ist seit den 1990er-Jahren die Sichtbarkeit geschlechtlicher Vielfalt in der Öffentlichkeit gestiegen und es ist eine zunehmende Akzeptanz gleichgeschlechtlicher sowie transgeschlechtlicher Lebensweisen erkennbar. Gleichzeitig ist die öffentliche Debatte um den gesellschaftlichen Umgang mit nicht-heteronormativen und/oder nicht-cisgeschlechtlichen Lebensweisen insbesondere bei jungen Menschen oftmals kontrovers und teils sehr aufgeladen. Im deutschsprachigen Raum mangelt es an Studien zu den Lebenswelten von trans und nicht-binären Jugendlichen und jungen Erwachsenen, welche die Sichtweisen und Erfahrungen der jungen Menschen in den Mittelpunkt stellen. Hier setzt das DJI-Forschungsprojekt „Jung, trans nicht-binär – Zur Lebenssituation von trans und nicht-binären Jugendlichen und jungen Erwachsenen in Deutschland“ an. Die Forschenden führten bundesweit Interviews mit insgesamt 25 jungen trans und nicht-binären Personen zwischen 16 und 29 Jahren durch, um mehr über ihre Lebenssituationen herauszufinden.

Vielfalt individueller Bewusstwerdungsprozesse und Transitionswünsche

Die Studienergebnisse zeigen, dass die Bewusstwerdungsprozesse geschlechtlicher Identität bei trans und nicht-binären Jugendlichen sehr unterschiedlich ablaufen. Die interviewten trans und nicht-binären jungen Menschen berichten von der Suche nach einer positiv besetzten Identität, von Hürden und unterstützenden Faktoren sowie von der Aushandlung gesellschaftlicher Normen in diesen Prozessen. Auch die Wünsche und Erfahrungen in Bezug auf soziale, rechtliche und/oder medizinische Transitionsschritte der trans und nicht-binären jungen Menschen sind vielfältig. In deren Ausgestaltung sind die jungen Menschen in den Interviews reflektiert und wägen gesellschaftliche Erwartungen sowie eigene Bedürfnisse ab, heißt es im Abschlussbericht.

Alltagserfahrungen und mentale Gesundheit geprägt von Spannungsfeldern

Die interviewten Personen berichten von Einsamkeit und Scham, von diskriminierenden Erfahrungen in ihrer Familie und anderen sozialen Kontexten, aber auch von Ressourcen, Zugehörigkeiten zu Communitys sowie von den schönen Seiten des Trans-Seins. Der Wunsch, ein freies und selbstbestimmtes Leben zu führen, wird in vielen Interviews genauso deutlich wie die Hindernisse, die genau das erschweren.

Die Autor:innen des Abschlussberichts berichten, dass die Lebenssituation junger trans und nicht-binärer Personen insgesamt in Spannungsfeldern zu verorten ist: „Trans-Sein bedeutet immer ein Bewegen zwischen Normativität und Identitätsfindung, Unsichtbarkeit und Sichtbarkeit, Ausgrenzung und Zugehörigkeit, Pathologisierung und Entpathologi­sierung sowie zwischen Geschlechtsdysphorie und -euphorie.“


Das Forschungsprojekt wurde vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) gefördert.

 

Abschlussbericht „Zwischen Selbst- und Fremdbestimmung. Zur Lebenssituation von trans und nicht-binären Jugendlichen und jungen Erwachsenen in Deutschland“ (PDF)Forschung zu queerer Jugend am DJIDJI-Fachgruppe „Lebenslagen und Lebensführung Jugendlicher“


Kontakt
Dr. Lisa Hasenbein
Leitung der Fachgruppe „Lebenslagen und Lebensführung Jugendlicher“
Tel.: 089/62306-292
hasenbein@dji.de

Sonja Waldschuk
Abteilung Medien und Kommunikation
Tel.: 089/62306-173
waldschuk@dji.de

]]>
News Pressemitteilung Startseiten Position
news-1428 Fri, 14 Jun 2024 13:43:08 +0200 Bildungsbericht 2024: Sozial benachteiligte Familien können Bedarfe seltener decken https://www.dji.de/veroeffentlichungen/pressemitteilungen/detailansicht/article/1428-bildungsbericht-2024-fruehe-bildung-ganztag-und-ausserschulisches-lernen-sozial-stark-selektiv.html Bericht „Bildung in Deutschland 2024“ zeigt weiter starken Ausbau bei Kitas und Ganztag, diagnostiziert jedoch anhaltende Angebotslücken und Personalmangel Über 56.000 Kindertageseinrichtungen gibt es mittlerweile in Deutschland. Dies sind so viele wie noch nie. Zudem besuchen etwa 900.000 Kinder mehr als noch im Jahr 2006 ein Angebot der Frühen Bildung. Doch trotz dieses enormen Ausbaus können noch immer nicht alle Elternwünsche nach einem Platz erfüllt werden. Insbesondere bei den 1- und 2-Jährigen liegt der Elternbedarf noch deutlich über der Beteiligungsquote. Dies ist eines der Ergebnisse der Auswertungen des Deutschen Jugendinstituts (DJI) im Rahmen des Berichts „Bildung in Deutschland 2024“.

Grafik „Fortlaufende Expansion der Anzahl der Kitas regional unterschiedlich“

In Westdeutschland wird in den nächsten Jahren weiterhin ein Ausbaubedarf an Plätzen in der Kindertagesbetreuung bestehen. Zur Bedarfsdeckung müssten bis zum Jahr 2035 zwischen 374.500 und 505.000 Plätze zusätzlich geschaffen werden. In Ostdeutschland fällt aufgrund demografischer Rückgänge und einer im Vergleich zu Westdeutschland geringeren Lücke zwischen vorhandenen und gewünschten Plätzen insgesamt höchstens noch ein Mehrbedarf von bis zu knapp 12.000 Plätzen an.

Personalmangel trifft vor allem westdeutsche Bundesländer
Die unterschiedlichen Bedarfslagen in Ost- und Westdeutschland spiegeln sich auch in der Personalsituation wider. „In Ostdeutschland ist der Bedarf fast gedeckt. Dort kann mit zusätzlichem Personal die Qualität weiterentwickelt werden. In Westdeutschland dagegen werden in den kommenden zehn Jahren noch deutlich mehr Fachkräfte benötigt“, betont Prof. Dr. Susanne Kuger, Forschungsdirektorin und Leiterin der Nationalen Bildungsberichterstattung am DJI.

Soziale Selektivität in Früher Bildung, Ganztag und bei außerschulischen Lernangeboten
Wo Plätze Mangelware sind, entsteht Wettbewerb – in Deutschland mit Nachteilen für Familien mit Einwanderungsgeschichte, niedrigerem Bildungsabschluss und dort, wo Mütter nicht erwerbstätig sind. Kinder mit Migrationshintergrund sind in beiden Altersgruppen – also bei den unter 3-Jährigen als auch bei den 3- bis unter 6-Jährigen – in der Kindertagesbetreuung weiterhin deutlich unterrepräsentiert. Neben einer geringeren Teilhabe an Früher Bildung unterscheiden sich auch familiale Bildungsprozesse je nach Einwanderungsgeschichte und elterlichen Bildungsabschlüssen. Dies zeigt sich etwa daran, dass diesen Kindern zuhause weniger vorgelesen wird.

Grafik „Kinder mit Migrationshintergrund in Kitas unterrepräsentiert“Eine ähnliche soziale Selektivität zeigt sich beim außerschulischen Lernen etwa in Sportvereinen, Musikschulen, Museen und Bibliotheken sowie bei der Nutzung von Angeboten der Frühen Hilfen. Auch dort werden universelle Angebote wie Eltern-Kind-Gruppen weniger stark von formal niedrig gebildeten und armutsgefährdeten Familien genutzt. Dennoch haben diese Angebote positive Auswirkungen. „Mit aufsuchenden Hilfen, also dort, wo man auf die Familien zugeht, werden durchaus Eltern und Kinder erreicht, die sonst unter dem Radar fliegen und vielleicht verloren gehen würden“, erklärt Susanne Kuger.

Ganztägige Bildung und Betreuung im Schulalter
Wie in der Kindertagesbetreuung, so gibt es auch bei der ganztägigen Betreuung von Grundschulkindern eine Lücke zwischen Angebot und Nachfrage. Auch wenn die Teilnahmequote an ganztägigen Angeboten im Grundschulalter auf 56 % im Schuljahr 2022/23 (2006/07: 21%) angestiegen ist, deckt das noch nicht den Bedarf der Eltern von Grundschulkindern an einem Platz in der ganztägigen Bildung und Betreuung. Dieser liegt 2023 deutschlandweit bei 64 %. Der Anteil der Eltern, deren Ganztagsbedarf nicht gedeckt werden konnte, lag 2022 im Westen höher (11 %) als im Osten (6 %).

Auch im Ganztag wird ein Fachkräftemangel beklagt. Einige Bundesländer entwickelten Qualifizierungs-, Weiter- oder Fortbildungsmaßnahmen für die Arbeit in diesem Bereich. Die Maßnahmen ersetzen laut Bildungsbericht jedoch keine vollqualifizierende Ausbildung. „Diese Entwicklung ist kritisch zu beobachten, da auch die Aufhebung des Fachkräftegebots erwogen wird“, mahnt Susanne Kuger. Gleichzeitig entstehe eine Konkurrenzsituation zwischen dem frühpädagogischen und schulischen Bereich um das Personal.

Schwerpunktthema des Bildungsberichts und Analysen des DJI
Der Nationale Bildungsbericht erscheint zum zehnten Mal. Er bietet alle zwei Jahre eine systematische Bestandsaufnahme des gesamten deutschen Bildungswesens. Darin fließen Daten der amtlichen Statistik sowie groß angelegter, repräsentativer sozialwissenschaftlicher Surveys, am DJI beispielsweise die der Studien „Aufwachsen in Deutschland: Alltagswelten (AID:A)“, der Kinderbetreuungsstudie (KiBS) sowie „Entwicklung von Rahmenbedingungen in der Kindertagesbetreuung (ERiK)“, ein. Das DJI ist seit Beginn der nationalen Bildungsberichterstattung im Jahr 2006 mit umfangreichen Analysen beteiligt. Der aktuelle Bericht widmet sich im Schwerpunkt der beruflichen Bildung. Das DJI verantwortet seit jeher die Themen Frühe Bildung, Ganztagsbildung und -betreuung im Schulalter und non-formale Lernwelten neben der Schule.

Förderung und beteiligte wissenschaftliche Einrichtungen
Der Bildungsbericht wird von der Ständigen Konferenz der Kultusminister der Länder in der Bundesrepublik Deutschland (KMK) und dem Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert. Die Autorinnen und Autoren des Bildungsberichts gehören an verantwortlicher Stelle neben dem DJI den folgenden wissenschaftlichen Einrichtungen und Statistischen Ämtern an: dem Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation (DIPF), dem Deutschen Institut für Erwachsenenbildung – Leibniz-Zentrum für lebenslanges Lernen e. V. (DIE), dem Deutschen Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW), dem Leibniz-Institut für Bildungsverläufe (LIfBi), dem Soziologischen Forschungsinstitut an der Universität Göttingen (SOFI) sowie den Statistischen Ämtern des Bundes und der Länder (Destatis und StLÄ).

 

Bericht „Bildung in Deutschland 2024“ Prof. Dr. Susanne Kuger im Video-Interview zu den Untersuchungen des DJI im Bildungsbericht 2024Projekt „Nationaler Bildungsbericht“ am Deutschen Jugendinstitut (DJI)Nationale Bildungsberichterstattung am Forschungsverbund DJI/TU Dortmund
 

Kontakt
Prof. Dr. Susanne Kuger
Forschungsdirektorin/Leiterin Nationale Bildungsberichterstattung
kuger@dji.de

Dr. Susanne Lochner
Wissenschaftliche Referentin Nationale Bildungsberichterstattung
lochner@dji.de

Dr. Bettina Arnoldt
Wissenschaftliche Referentin Nationale Bildungsberichterstattung
arnoldt@dji.de

Martin Kern
Abteilung Medien und Kommunikation
Tel.: 089/62306-397
mkern@dji.de

 

]]>
Pressemitteilung Startseiten Position
news-1360 Wed, 13 Dec 2023 11:30:13 +0100 Wie die Qualität im Kinderschutz verbessert werden kann https://www.dji.de/veroeffentlichungen/pressemitteilungen/detailansicht/article/wie-die-qualitaet-im-kinderschutz-verbessert-werden-kann.html 25 Expertisen des DJI beschreiben Herausforderungen für Kinderschutz-Fachkräfte in Baden-Württemberg Mehrere Gesetzbücher, unter anderem das Bürger­liche Gesetzbuch, das Gesetz über das Verfahren in Familiensachen, das Jugendgerichtsgesetz sowie das Gesetz zur Kooperation und Information im Kinderschutz, stellen die Grundlagen für einen gelingenden Kinder­schutz in Deutschland dar und sollen die Situation von benachteiligten Kindern und Jugendlichen verbessern. Die Gesetzestexte sehen unter anderem einen professionellen Kinder- und Jugendschutz, eine gelingende Prävention vor Ort und mehr Beteiligung von Kindern, jungen Menschen, Eltern und Familien sowie eine enge Zusammenarbeit zwischen dem Allgemeinen Sozialen Dienst (ASD) und dem Gesundheitswesen, den Strafverfolgungsbehörden, den Familiengerichten, der Jugendstrafjustiz und anderen wichtigen Akteurinnen und Akteuren im Kinderschutz vor. Die Umsetzung stellt Jugendämter und dort tätige Fachkräfte, aber auch Familiengerichte und andere Fachpersonen im Kinderschutz immer wieder vor große Herausforderungen.

Hier setzt das Projekt „Qualitätsentwicklung im Kinderschutz in Baden-Württemberg“ des Deutschen Jugendinstituts (DJI) an: Forschende be­fragten Fachkräfte des ASD zu ihrer Arbeitssituation im Kinderschutz. Insgesamt beteiligten sich 84 Prozent der Fachkräfte mit Kinderschutz­aufgaben. Die Ergebnisse wurden vor Ort mit dem befragten Personal und den Leitungen diskutiert und interpretiert. Jedes Jugendamt legte auf dieser Grundlage bis zu drei Qualitätsentwicklungsbedarfe fest.

Themenfelder, die Jugendämter beschäftigen

Bei den Qualitätsentwicklungsbedarfen handelte es sich um Themen, die das jeweilige Jugendamt besonders beschäftigten. Häufig genannt wurden beispielsweise die Ausgestaltung der Beziehung zu Kindern und ihren Erziehungsberechtigten in Kinderschutzverfahren sowie die Vermittlung passender und spezialisierter Hilfen für verschiedene Bedarfe in den Familien. Zu weiteren Themen zählten die Zusammenarbeit mit den Gerichten und dem Gesundheits- und Bildungsbereich sowie Prozesse, die zu nachvollziehbaren und qualifizierten Entscheidungen in Kinder­schutzverfahren führen. Darüber hinaus thematisierten die Fachkräfte den Umgang mit Multiproblemfamilien und das Vorgehen bei Verdacht auf sexuelle Gewalt sowie Unterstützungsmöglichkeiten bei besonderen Belastungen und Kritik.    

Forschungsstand zu ausgewählten Kinderschutzthemen

Zu den genannten Qualitätsentwicklungsbedarfen analysierten DJI-Forschende zusammen mit Kinderschutz-Expertinnen und -Experten in insgesamt 25 Expertisen den Forschungsstand und gaben Empfehlungen für die Gestaltung einer qualifizierten Kinderschutzarbeit. Im Umgang mit Kindern ist es beispielsweise wichtig, eine Gesprächsatmosphäre zu er­zeugen, in der ihnen mit Zeit, Aufmerksamkeit und Interesse begegnet wird. Bei der Exploration der Bedürfnisse und Gefährdungslagen eines Kindes sollte zunächst eine positive Beziehungsebene geschaffen und offene, nichtleitende Fragestellungen bevorzugt werden. Für Entlastung der im Kinderschutz Tätigen können unter anderem Co-Arbeit, Wert­schätzung und Rückhalt im Team, klare Strukturen und Verfahrensabläufe sowie eine regelhafte Fallsupervision sorgen.

Das Projekt wurde vom Ministerium für Soziales und Integration Baden-Württemberg gefördert.
 

DJI-Projekt „Qualitätsentwicklung im Kinderschutz in Baden-Württemberg“25 Kinderschutz-Expertisen zum DownloadDJI-Themenseite Kinderschutz


Kontakt
Sabeth Eppinger
Fachgruppe „Familienhilfe und Kinderschutz“
Tel.: 089/62306-378
eppinger@dji.de

Dr. Stepanka Kadera
Fachgruppe „Familienhilfe und Kinderschutz“
Tel.: 089/62306-503
kadera@dji.de

Sonja Waldschuk
Abteilung Medien und Kommunikation
Tel.: 089/62306-173
waldschuk@dji.de

]]>
News Pressemitteilung Startseiten Position Position 5 (klein)
news-1355 Wed, 29 Nov 2023 09:55:12 +0100 Nicht nur in der Kita – Ungleichheiten im Zugang zu ganztägigen Angeboten setzen sich in der Grundschule fort https://www.dji.de/veroeffentlichungen/pressemitteilungen/detailansicht/article/nicht-nur-in-der-kita-ungleichheiten-im-zugang-zu-ganztaegigen-angeboten-setzen-sich-in-der-grundschule-fort.html Die neuesten Daten der DJI-Kinderbetreuungsstudie (KiBS) zeigen, dass weiterhin eine Lücke zwischen Platzangebot und Bedarf besteht und Angebote nicht für alle Eltern gleich zugänglich sind Ab 2026 gilt ein Rechtsanspruch auf einen Ganztagsplatz für Erstklässler, der bis 2030 auf alle Grundschulkinder ausgedehnt wird. Mit den neuesten Daten aus 2022 kann gezeigt werden, dass der Bedarf der Eltern an außerunterrichtlicher Bildung und Betreuung für ihre Grundschulkinder weiterhin nicht durch die vorhandenen Angebote gedeckt werden kann, dass aber ein Bedarf der Eltern auch nicht immer gleich ein Ganztagsbedarf ist. 5 Prozent aller Grundschulkinder in Deutschland besuchten kein außerunterrichtliches Angebot, obwohl die Eltern einen Bedarf hatten. Eine solche Lücke zeigt sich in nahezu allen Bundesländern. Weitere 3 Prozent nutzten zwar ein Angebot, dessen Umfang war jedoch mindestens fünf Stunden pro Woche geringer als die Eltern benötigten. Um Familien ein bedarfsgerechtes Angebot unterbreiten zu können, sind weitere Ausbaubemühungen nötig. 

Der derzeitige Platzmangel macht es einigen Familien besonders schwer, ihren eigentlich vorhandenen Bedarf in die Nutzung eines Angebots zu verwandeln: Die Ungleichheiten im Zugang verstärkten sich sogar über die letzten Jahre hinweg. Bei vorhandenem Bedarf gelingt es Familien mit Migrationshintergrund sowie solchen mit niedrigerer Bildung immer weniger gut, einen Betreuungsplatz zu bekommen als Familien ohne Migrationshintergrund oder mit höherer Bildung. Das Ziel, die Teilhabe für alle Kinder zu verbessern und so zu gleichwertigen Lebensbedingungen beizutragen, wird aktuell nicht erfüllt. Dies sind zentrale Ergebnisse der jetzt vorliegenden Studie „Bildungs- und Betreuungsangebote für Grundschulkinder – entsprechen sie den Bedarfen der Eltern?“ des DJI-Kinderbetreuungsreports 2023. Die Datengrundlage dafür bildet die Elternbefragung 2022 der DJI-Kinderbetreuungsstudie (KiBS).

Entwicklung des Betreuungsbedarfs stagniert

Bis zum Jahr 2018 stieg der Bedarf an außerunterrichtlichen Angeboten nahezu parallel zum Anteil der Kinder an, die ein solches Angebot nutzten. Seit 2019 stagniert dieser Anstieg jedoch sowohl in Ost- als auch in West­deutschland. Da im Zuge des Platzausbaus in Westdeutschland die Inanspruchnahme noch bis 2020 weiter gestiegen ist, hat sich die Lücke zwischen Bedarf und Inanspruchnahme in den letzten Jahren deutlich verringert. Trotzdem müssen weitere Betreuungsplätzen geschaffen werden.

Nur ein Teil der Eltern wünschte ganztägige Angebote

Der Ausbau der Betreuungsangebote in den vergangenen Jahren war sehr stark auf Ganztag fokussiert. Allerdings belegen die KiBS-Daten wiederholt, dass in einigen Bundesländern ein Teil der Eltern kürzere Betreuungs­angebote, zum Beispiel über die Mittagszeit, nachfragt, nutzt und damit seine Bedarfe decken kann. Die Entscheidungsträger in den Ländern sollten daher auch Konzepte entwickeln, wie eine solche Übermittags­betreuung von Grundschulkindern qualitätsvoll gestaltet werden kann.

DJI-Kinderbetreuungsstudie (KiBS)

Seit sieben Jahren erarbeitet das KiBS-Team jährlich eine Reihe von vertieften Analysen, die im Format des DJI-Kinderbetreuungsreports als thematisch fokussierte Studien frei verfügbar sind. Zu den jährlich wiederkehrenden Themen gehören dabei die Fortschreibung der elterlichen Bedarfe an und die aktuelle Nutzung von Angeboten der frühen Bildung durch Kinder ab der Geburt bis zum Ende des Grundschulalters. Die Auswertungen beschäftigen sich aber beispielsweise auch mit den Elternbeiträgen für die Nutzung von Angeboten, den Gründen für eine Nichtinanspruchnahme von Kindertagesbetreuung oder der Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

In Studie 5 des DJI-Kinderbetreuungsreports 2022 werden so Unterschiede im Eintrittsalter der Kinder in die frühe Bildung und in der Kontinuität der Angebotsnutzung bei Kindern bis zur Einschulung untersucht. Disparitäten finden sich beispielsweise in Bezug auf die Wohnregion der Familie oder das genutzte Betreuungsformat: Während Kinder in Ostdeutschland mit durchschnittlich 16 Monaten erstmalig ein Angebot der frühen Bildung außerhalb der Familie nutzten, waren die Kinder in Westdeutschland beim Eintritt durchschnittlich 23 Monate alt. Im Durchschnitt waren Kinder, die eine Kindertagespflege besuchten, beim Eintritt jünger als diejenigen, die ihre Bildungskarriere in einer Kindertageseinrichtung starteten. Darüber hinaus finden sich Zusammenhänge zwischen dem Eintrittsalter und dem Bildungsstand der Eltern sowie dem Migrationshintergrund des Kindes. Kinder mit Migrationshintergrund treten etwas später in die frühe Bildung ein, Kinder von Eltern mit höheren Bildungshintergründen deutlich früher.

In Studie 3 des DJI-Kinderbetreuungsreports 2022 wird die Situation rund um den Schuleintritt betrachtet. Vor dem Hintergrund des ab 2026 geltenden Rechtsanspruchs auf ganztägige Betreuung für Grundschul­kinder werden Einblicke in den zukünftigen Betreuungsbedarf der Eltern von Vorschulkindern gegeben. Zudem kann aufgezeigt werden, inwiefern diese Bedarfe nach dem Schuleintritt umgesetzt werden. Die meisten Eltern, die vor Schuleintritt ein außerunterrichtliches Angebot wünschten, nutzten ein solches auch nach der Einschulung ihres Kindes. Jedoch zeigen die Daten der Befragungen 2020 und 2021 auch, dass jede zehnte Familie, die vorschulisch einen Bedarf nach einem Angebot der außerunterricht­lichen Bildung und Betreuung angab, dies im ersten Schuljahr nicht tat. Ungedeckte Bedarfe im ersten Schuljahr äußerte trotzdem nur ein kleiner Teil der Eltern, da die meisten Eltern, die ihren vorschulischen Betreuungswunsch nicht umsetzen konnten, in der Zwischenzeit eine andere Betreuungslösung für ihr Kind gefunden hatten.

KiBS wird durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) gefördert. Die Forschungsergebnisse werden unter anderem in der jährlich erscheinenden Broschüre „Kindertagesbetreuung Kompakt“ des BMFSFJ publiziert, dort vor allem zu den Themen des Betreuungsbedarfs sowie zu Häufigkeit und Umfang der tatsächlichen Nutzung der Kindertagesbetreuung.

Bildungs- und Betreuungsangebote für Grundschulkinder – entsprechen sie den Bedarfen der Eltern? DJI-Kinderbetreuungsreport 2023, Studie 2 von 7, Katrin Hüsken, Kerstin Lippert, Susanne Kuger, 52 Seiten, ISBN: 978-3-86379-501-6Allgemeine Informationen zur DJI-Kinderbetreuungsstudie (KiBS) und Publikationen„Kindertagesbetreuung Kompakt – Ausbaustand und Bedarf 2022“ des BMFSFJThemenseite Kinderbetreuung


Kontakt

Katrin Hüsken
DJI-Kinderbetreuungsstudie (KiBS)
Tel.: 089/62306-288
kibs@dji.de

Prof. Dr. Susanne Kuger
DJI-Kinderbetreuungsstudie (KiBS), Projektleitung
Tel.: 089/62306-322
kuger@dji.de

Sonja Waldschuk
Abteilung Medien und Kommunikation
Tel.: 089/62306-173
waldschuk@dji.de

]]>
News Pressemitteilung Startseiten Position Position 6 (groß)
news-1349 Tue, 07 Nov 2023 14:00:37 +0100 Jungsein in unsicheren Zeiten https://www.dji.de/veroeffentlichungen/pressemitteilungen/detailansicht/article/jungsein-in-unsicheren-zeiten.html Neue Forschungsergebnisse zum Thema „Jungsein in unsicheren Zeiten“ wurden auf der DJI-Jahrestagung am 7. und 8. November 2023 in Berlin vorgestellt Die Coronapandemie, Kriege, Preissteigerungen und die Klima-Krise haben Unsicherheiten und Sorgen junger Menschen verschärft. Hinzu kommen Krisen in besonderen Lebenslagen, etwa durch Flucht und Migration, bei Armut, aber auch durch Instabilität von Partnerschaften, die Familien und ihren Mitgliedern eine Neuorientierung abverlangen. Vor welchen Herausforderungen Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene angesichts der aktuellen Ereignisse stehen und welche Probleme in der Kinder- und Jugendhilfe, in Kommunen und Politik zu bewältigen sind, diskutierten Expertinnen und Experten aus Wissenschaft, Politik und Fachpraxis auf der Jahrestagung des Deutschen Jugendinstituts (DJI) am 7. und 8. November in Berlin.

Die wissenschaftliche Tagung war gleichzeitig Anlass, das 60-jährige Bestehen des DJI zu feiern. Am ersten Abend der Fachtagung hielt Lisa Paus, Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ), ein Grußwort. DJI-Direktorin Prof. Dr. Sabine Walper präsentierte Einblicke in die Geschichte des DJI und erläuterte Forschungsthemen und Herausforderungen der Zukunft. Auch der neu eingerichtete Jugendbeirat des DJI wurde vorgestellt.

Am 8. November, stellten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ihre Forschungsprojekte und -ergebnisse vor, unter anderem zu den Themen „Folgen der Pandemie und anderer Krisen für Schulen“, „Kommunale Unterstützungsstrukturen und Perspektiven junger Geflüchteter und Migrantinnen und Migranten“, „Langzeitstudien für die Kinder- und Jugendhilfe“, „Familien in Umbruchsituationen“, „Armutserfahrungen von Kindern und Jugendlichen“ und „Politische Sozialisation“. Im Folgenden eine Auswahl an Forschungsthemen und -ergebnissen.


Ergebnisse der Ukraine-Forschung am DJI

Aktuelle Forschungsbefunde des DJI geben Einblick in die Lebenslagen von Kindern, Jugendlichen und Müttern, die aus der Ukraine nach Deutschland geflüchtet sind, und analysieren die Unterstützungsstrukturen, vor allem in der Kinder- und Jugendhilfe sowie in den kommunalen Verwaltungen.

Die Befunde zeigen: Die Kommunen bieten vielfältige Hilfen an und versuchen, durch Netzwerkarbeit ihre zu geringen Ressourcen und Kapazitäten zu kompensieren. Helferinnen und Helfer aus der Zivilgesellschaft sind eine wesentliche Säule der Integration. Die Jugendlichen betonen die Bedeutung von Freunden, Familie und Lehrkräften als wichtiges Unterstützungsnetzwerk. Mitarbeitende der Kommunen heben die Bildungsmotivation der Geflüchteten hervor, sehen aber Hindernisse in der angespannten Situation des deutschen Bildungssystems. Jugendliche spüren die Limitationen durch die begrenzten Ressourcen der Schulen. Sprach-, Kultur- und Freizeitangebote seien essentiell für Integration und Normalitätserfahrungen.

Auch zum Thema Gesundheit liegen Ergebnisse der DJI-Ukraine-Forschung vor: Laut der Mitarbeitenden der Kommunen ist der allgemeine Gesundheitszustand Geflüchteter bei ihrer Ankunft gut. Interviews zeigen jedoch einen hohen psychischen Beratungsbedarf bei den Jugendlichen. Auch die Frage der Ungleichbehandlung zwischen Geflüchteten-Gruppen, also Geflüchteten aus der Ukraine und Geflüchteten, die unter den Rahmenbedingungen des Asylbewerberleistungsgesetzes in Deutschland leben, beschäftigt die jungen Menschen. Die Ungleichbehandlung ist den Mitarbeitenden der Kommunen bewusst. Sie suchen nach Lösungen und werfen die Frage auf, ob Angebote für alle gleich zugänglich gemacht und bedarfsgerecht gestaltet werden könnten.

Trotz vieler Koordinationsanstrengungen aller Beteiligten fehlt es an Platzangeboten, Fachkräften und finanziellen Ressourcen sowie teilweise auch an ausreichender Angebotskenntnis seitens der Zielgruppe. Positiv bewertet werden die zügige Unterbringung der Geflüchteten sowie die Möglichkeit, ihre Bildungskarrieren möglichst bruchlos fortzusetzen. Zudem erweisen sich niedrigschwellige, mehrsprachige Angebote der Zivilgesellschaft häufig als Schlüssel für eine gelungene Integration.


Unsichere Zeiten: Gestaltungsmuster und Beratungsbedarfe von Familien in Umbruchsituationen

Trennung, Scheidung oder Flucht stellen Umbruchsituationen dar, die das Familienleben stark verändern können. DJI-Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler untersuchen in einer Vielzahl von Projekten die Lebenslagen der Familienmitglieder, ihren Zugang zu Unterstützungsangeboten und deren Wirkung – von der Kindertagesbetreuung über Frühe Hilfen bis zur Beratung von konfliktbelasteten Nachtrennungsfamilien. Ob und welche Unterstützungsangebote gesucht und angenommen werden, erweist sich dabei oft als selektiv, das heißt als abhängig von Ressourcen der Betroffenen, aber auch von regionalen Faktoren.

Alleinerziehende sind im Alltag besonders gefordert und haben oft nur eingeschränkte Möglichkeiten, zusätzliche Erschwernisse abzufedern. In der Coronapandemie verloren insbesondere alleinerziehende Mütter an Wohlbefinden und waren weniger mit ihrem Leben zufrieden als Mütter in Paarhaushalten. Aktuell sind viele aus der Ukraine nach Deutschland geflüchtete Mütter alleinerziehend. Sie tragen neben der Alleinverantwortung für die Kinder auch die Sorge um zurückgelassene Angehörige und müssen oft belastende Kriegs- und Fluchterfahrungen verarbeiten. Trotz überwiegend mäßiger Deutschkenntnisse sind die Erwerbswünsche der Mütter hoch. Unkenntnis, Sprachdefizite und fehlende Kitaplätze stehen der Inanspruchnahme von Unterstützungsangeboten entgegen.


Armutserfahrungen bei Kindern und Jugendlichen

Mit dem Nationalen Aktionsplan „Neue Chancen für Kinder in Deutschland“ (NAP) setzt Deutschland die EU-Ratsempfehlung zur Ein­füh­rung einer Europäischen Garantie für Kinder um. Ziel ist es, Kindern und Jugendlichen, die von Armut und sozialer Ausgrenzung bedroht sind, bis zum Jahr 2030 Zugang zu hochwertiger frühkindlicher Bildung, Betreuung und Erziehung, zu schulbezogenen Aktivitäten, einer hochwertigen Gesundheitsversorgung, ausreichender und gesunder Ernährung sowie angemessenem Wohnraum zu gewährleisten. Dabei sollen Kinder und Jugendliche kontinuierlich als Experten in eigener Sache an der Umsetzung des NAP beteiligt werden.

Forscherinnen und Forscher der am DJI angesiedelten Service- und Monitoringstelle (ServiKiD), die die Ausgestaltung und Umsetzung des NAP unterstützt, erörterten im Rahmen der wissenschaftlichen Jahrestagung unterschiedliche Blickwinkel von Kindern und Jugendlichen auf gesellschaftliche Teilhabemöglichkeiten. Sie zeigten, wie wichtig es ist, die befragten Kinder und Jugendliche über ihre Bedürfnisse, Wünsche und Bedarfe im Kontext von Armutslagen zu Wort kommen zu lassen. Kinder und Jugendliche, die von Armut betroffen sind, berichten häufig von familialen Konflikten sowie gesundheitlichen und psychischen Belastungen in Familien, die ihre gesellschaftliche Teilhabe maßgeblich beeinträchtigen. Eines von vielen Beispielen sind hierbei die Perspektiven aus einer Jugendeinrichtung aus dem Münchner Norden. Sowohl die pädagogische Leitung als auch die Jugendlichen selbst berichteten – als wahre Expertinnen – über ihre Erfahrungen.


Folgen der Pandemie und andere Krisen verändern Schule

Gesellschaftliche Wandlungsprozesse der vergangenen Jahre haben im Leben und der Entwicklung von Kindern und Jugendlichen deutliche Spuren hinterlassen. Umfassende wissenschaftliche Befunde zeigen, wie sehr Kinder und Jugendliche unter den Zeiten strenger Einschränkungen der Sozialkontakte während der Pandemie gelitten haben und dass die anhaltenden Krisen wie Kriege, Inflation sowie Klimakrise zu Unsicherheit, Frustration und Resignation bis hin zu deutlichen Beeinträchtigungen des Wohlbefindens führen. Wenngleich sich in einigen Bereichen des psychischen Wohlbefindens eine leichte Erholung gegenüber den Einschränkungen der Pandemie abzeichnet, bestehen in anderen Bereich doch bedenkliche mittelfristige Folgen.

Dazu zählen gravierende Lernrückstände, fehlende Lern- und Arbeitstechniken sowie Auffälligkeiten in der Selbstregulationsfähigkeit und im Sozialverhalten für substanzielle Anteile der jetzigen Generation von Schülerinnen und Schülern. Die Forscherinnen und Forscher kombinieren Befunde aus der Wissenschaft, der Bildungsadministration und der Schulpraxis, um zu überlegen, welche Konsequenzen dies für die Gestaltung von Bildungsprozessen haben muss und wie Forschung, Steuerung und Fachpraxis darauf reagieren können.


Kinder- und Jugendhilfe im Wandel – 30 Jahre Forschung zur Kinder- und Jugendhilfe

Die Kinder- und Jugendhilfe hat in den vergangenen dreißig Jahren erheblich an Bedeutung gewonnen und ist heute für junge Menschen und ihre Familien ein normaler Bestandteil des Aufwachsens und der Unterstützungsinfrastruktur. Im DJI-Projekt „Jugendhilfe und sozialer Wandel“ werden seit dreißig Jahren Angebote, Strukturen und Verfahren der Kinder- und Jugendhilfe empirisch abgebildet und analysiert. Dazu werden Jugendämter sowie Einrichtungen und Dienste in öffentlicher und freier Trägerschaft verschiedener Arbeitsfelder, zum Beispiel in der Kinder- und Jugendarbeit oder auch den Hilfen zur Erziehung, wiederholt befragt. Hinsichtlich vieler Aspekte zeigt sich in der Kinder- und Jugendhilfe Stabilität. Veränderungen werden oft erst über einen längeren Zeitraum sichtbar.

Ein Beispiel für Neuerungen insbesondere als Folge der Fachdiskussion und der Konkretisierung der gesetzlichen Vorgaben des Sozialgesetzbuches SGB VIII sind Mitbestimmungsgremien in Einrichtungen der stationären Hilfen zur Erziehung. Im Jahr 2019 haben fast zwei Drittel der größeren Einrichtungen ein solches Gremium und damit doppelt so viele wie im Jahr 2004. An diesem Beispiel zeigt sich auch, dass die Umsetzung gesetzlicher Regelungen in der Praxis Zeit benötigt. Ein anderes Beispiel für längerfristige Veränderungen ist die Trägerstruktur. Im Bereich der offenen Kinder- und Jugendarbeit, vor allem in Jugendzentren, ist über einen langen Zeitraum eine Abnahme der Trägerpluralität erkennbar. An der Entwicklung der Aufnahmehindernisse und Ausschlusskriterien, die von Einrichtungen der stationären Hilfen zur Erziehung benannt werden, ist erkennbar, wie die Bearbeitbarkeit von Problemkonstellationen eingeschätzt wird und sich das Ausmaß der Spezialisierung von Einrichtungen entwickelt.


Politische Sozialisation, Demokratie und Engagement im Jugendalter

Das Jugendalter ist geprägt von zahlreichen Entwicklungen der Selbstwahrnehmung, Selbstpositionierung und Verselbstständigung. Auch in Bezug auf ihre Haltungen zu Politik und Engagement durchlaufen Jugendliche zahlreiche Veränderungen, die sie teils für lange Zeit prägen. Der Begriff politische Sozialisation beschreibt diese Entwicklungen und verweist auf empirische Befunde und Forschungen, die diese Prozesse sichtbar und verstehbar machen wollen. Schule, Kinder- und Jugendhilfe, außerschulische politische Bildung sind Systeme und Ansätze, in und mit denen politische Sozialisation verläuft. DJI-Forscherinnen und Forscher begleiten diese Entwicklungsschritte und empirischen Befunde und machen die unterschiedlichen Facetten sichtbar. Im Mittelpunkt steht zum einen die Frage, wie die politische Sozialisation von Jugendlichen verläuft. Zum anderen werden aber auch institutionelle Sozialisationskontexte betrachtet. Mit Blick auf verschiedene Bundesprogramme des BMFSFJ wird analysiert, wie Sozialisationskontexte gezielt gestaltet werden sollen, um die politische Sozialisation von Jugendlichen zu beeinflussen. Dabei wird deutlich, dass sich die Schwerpunktsetzungen wie auch die Ziele der Programme im Laufe der Zeit verändert haben.

weitere Informationen zu den Projekten und Inhalten der DJI-Jahrestagung 2023Meldung BMFSFJ: Deutsches Jugendinstitut feiert 60-jähriges Bestehen60 Jahre Deutsches JugendinstitutProgramm der wissenschaftlichen Jahrestagung 2023 des DJI
Fotos DJI-Jahrestagung 2023


Kontakt
Marion Horn
Abteilung Medien und Kommunikation
Tel.: 089/62306-311
horn@dji.de

]]>
Pressemitteilung Startseiten Position Position 5 (klein)
news-1348 Thu, 02 Nov 2023 10:01:34 +0100 60 Jahre Forschung über Kinder, Jugendliche und Familien https://www.dji.de/veroeffentlichungen/pressemitteilungen/detailansicht/article/1348-60-jahre-forschung-ueber-kinder-jugendliche-familien-und-die-institutionen-die-sie-im-leben-begleiten.html Das Forschungsmagazin DJI Impulse berichtet darüber, wie sich zentrale Themen des Deutschen Jugendinstituts durch gesellschaftlichen Wandel und politische Reformen verändert haben Gesellschaftliche Debatten und politische Reformen haben die Forschung des Deutschen Jugendinstituts (DJI) geprägt, seit es im Jahr 1963 seine Arbeit aufgenommen hat – das zeigt die aktuelle Ausgabe des Forschungsmagazins DJI Impulse. Und umgekehrt haben auch Forschungsergebnisse des Instituts politische Prozesse und Einstellungsänderungen in der Bevölkerung angeregt, wie etwa das Autor:innenteam um Dr. Felix Berth und Prof. Dr. Bernhard Kalicki aus der Abteilung „Kinder und Kinderbetreuung“ in einem Beitrag über die Entwicklung der Kindertagesbetreuung veranschaulicht.

So evaluierten Wissenschaftler:innen des DJI in den 70er-Jahren das Modellprojekt „Tagesmütter“ und bilanzierten, dass die Kleinkinder – entgegen großer gesellschaftlicher Vorbehalte gegenüber außerfamiliärer Betreuung – in ihrer sozialen Entwicklung davon profitierten. Und Anfang der 2000er Jahre belegte eine DJI-Studie erstmalig empirisch den Betreuungsbedarf der Eltern ein- und zweijähriger Kinder, der damals nicht annährend gedeckt war und zur Zielmarke für den folgenden Krippenausbau wurde: 30 Prozent der Eltern artikulierten für ihre einjährigen Kinder Bedarf an Betreuungsplätzen; bei Zweijährigen erreichte dieser Wert sogar 60 Prozent. Heute erhebt die DJI-Kinderbetreuungsstudie (KiBS) für alle Bundesländer die aktuelle Betreuungssituation und den elterlichen Betreuungsbedarf für Kinder bis zum Grundschulalter. Die Ergebnisse zeigen, dass das Angebot trotz massiven Ausbaus immer noch nicht ausreicht: 49 Prozent der befragten Eltern äußerten im Jahr 2022 den Wunsch nach einem Platz in der Kindertagesbetreuung für ihre Kinder unter drei Jahren. Doch nur rund 36 Prozent der Kinder dieser Altersgruppe wurden tatsächlich in einer Kindertageseinrichtung oder in der Tagespflege betreut.

Mütter im Balanceakt

„Obwohl sich Mütter heute stärker am Arbeitsmarkt beteiligen, sind sie nach wie vor die Familienmacherinnen – und ihre Herausforderungen im Wesentlichen dieselben wie vor 60 Jahren“, schreibt PD Dr. Christina Boll, Leiterin der DJI-Familienabteilung in ihrem Artikel über die Familienforschung am DJI. Denn ungeachtet der gestiegenen Bildung und Erwerbsintegration der Mütter leisten diese noch immer den Löwenanteil der unbezahlten Care- und Hausarbeit. Dass es die Frauen sind, die im Job kürzertreten oder ihn ganz aufgeben, wenn sich Nachwuchs ankündigt oder die Pflege von Angehörigen ansteht, erweise sich angesichts hoher Scheidungsraten und Armutsrisiken von Frauen als Alleinerziehende und im Alter als kurzsichtig. Jede fünfte Frau ab 65 Jahren war im Jahr 2022 armutsgefährdet. Die Familien- und Arbeitsmarktforscherin Christina Boll fordert vor diesem Hintergrund nicht nur ein funktionierendes Betreuungssystem, „sondern auch eine lebensformunabhängige soziale Absicherung durch familientaugliche Erwerbsmöglichkeiten und eine stärkere Honorierung von Care-Arbeit, insbesondere von geleisteter Pflegearbeit, im sozialen Sicherungssystem“.

Väter zwischen alten Idealen und neuen Rollen

Dass die vielfach – und verstärkt von jungen Eltern – geäußerten Wünsche nach einer gleichmäßigeren Aufteilung bezahlter und unbezahlter Arbeit derzeit kaum realisiert werden, zeigt auch der Artikel über Väter von Dr. Anna Buschmeyer und Dr. Claudia Zerle-Elsäßer. Das zu Beginn der Coronapandemie gestiegene Engagement von Vätern bei der Kinderbetreuung sei mit dem Ende des „Notfallmodus“ wieder zu den Ursprungswerten zurückgekehrt. Die DJI-Wissenschaftlerinnen erklären dies mit beharrlichen Vorstellungen von Mutter- und Vaterschaft, aber auch mit unzureichenden Rahmenbedingungen, etwa in der Kindertagesbetreuung, die für eine gleichberechtigte Teilhabe von Müttern und Vätern an Erwerbsarbeit essentiell ist. Und wegen des Ehegattensplittings lohne sich unter finanziellen Gesichtspunkten eine stärkere Beteiligung von Müttern an der Erwerbsarbeit oft nicht.

Kinderschutz mit blinden Flecken

Zum Kinderschutz und der Einschätzung von Kindeswohlgefährdungen schreiben Prof. Dr. Heinz Kindler, Dr. Susanne Witte und Dr. Regine Derr aus der Fachgruppe „Familienhilfe und Kinderschutz“ am DJI: Gewalt gegenüber Kindern könne erst besser bekämpft werden, wenn sowohl das Ausmaß von Vernachlässigung, Missbrauch und Misshandlung als auch die Wirksamkeit von Schutzkonzepten umfassend empirisch geklärt werden. Bislang lassen sich die Daten verschiedener Institutionen wie Jugendämter und Krankenhäuser weder vergleichen noch zusammenführen. Auch sei die Entwicklung des Dunkelfelds, das heißt die Differenz zwischen den der Polizei und den Jugendämtern bekannt gewordenen und den tatsächlich geschehenen Fällen, aufgrund fehlender Forschung unklar. DJI-Forschende entwickeln im Rahmen eines von der Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs (UBSKM) geförderten Projekts zurzeit Vorschläge für ein Zentrum für Prävalenzforschung im Kinderschutz. In diesem Rahmen erarbeiten sie Empfehlungen für ein nationales Monitoring, mit dem es künftig besser gelingen soll, Präventionsmaßnahmen gegen sexuelle Gewalt am tatsächlichen Bedarf auszurichten und passgenau einzusetzen.

Neue Barrieren beim Berufseinstieg

Wie sich die Herausforderungen für junge Menschen am Übergang von der Schule in Ausbildung und Erwerbsarbeit seit den 1950er Jahren verändert haben, beschreibt das Autor:innenteam um Prof. Dr. Birgit Reißig, Leiterin des Forschungsschwerpunkts „Übergänge im Jugendalter“ am DJI. Aktuell stehen einer hohen Zahl unbesetzter Lehrstellen fast ebenso viele Ausbildungssuchende ohne Ausbildungsplatz gegenüber. Die demografisch bedingt rückläufige Zahl der Schulabgänger:innen können das Problem der Ausbildungslosigkeit von Jugendlichen allerdings allein nicht lösen, schreiben die Autor:innen. Unterstützende Faktoren für einen gelingenden Übergang seien neben dem sozialen Status günstige regionale Rahmenbedingungen, aber vor allem auch Berufsberatung, die an Bedeutung gewinnt. Denn (scheinbar) vielfältige berufliche Optionen und deren fragliche Passung zum regionalen Ausbildungs- und Arbeitsmarkt führen zu einer steigenden Verunsicherung bei Jugendlichen. Das zeigte das „Übergangspanel“ des DJI, mit dem Jugendliche, die höchstens über einen Hauptschulabschluss verfügen, zu mehreren Erhebungszeitpunkten befragt wurden.

Weitere Beiträge der aktuellen Ausgabe des Forschungsmagazins DJI Impulse thematisieren die Vermessung des Wohlergehens von jungen Menschen, die Kinder- und Jugendhilfeforschung sowie die diversitätsorientierte Jugendforschung, die die Lebensbedingungen junger Menschen mit Behinderung und Fragen der Geschlechtsidentität berücksichtigt. Nicht zuletzt stellt ein Beitrag die Geschichte der Surveyforschung dar, in dessen Zentrum die umfangreiche Erhebung „Aufwachsen in Deutschland: Alltagswelten“ (AID:A) steht. Daten daraus fließen unter anderem in die nationale Bildungsberichterstattung, den DJI-Kinder- und Jugendmigrationsreport sowie in die Familienberichte und die Kinder- und Jugendberichte der Bundesregierung ein.

Im Forschungsmagazin DJI Impulse berichten Wissenschaftler:innen über relevante Themen des DJI aus den Bereichen Kindheit, Jugend, Familie sowie Bildung und lieferen Impulse für Politik, Wissenschaft und Fachpraxis. In einer Videoreihe, die die thematischen Schwerpunkte in DJI Impulse begleitet, benennen DJI-Forschende auf Basis der Analysen im Forschungsmagazin zentrale Herausforderungen.

Die DJI Impulse-Ausgabe mit dem Schwerpunkt „60 Jahre Forschung über Kinder, Jugendliche, Familien und die Institutionen, die sie im Leben begleiten“ kann kostenlos bestellt und heruntergeladen werden: www.dji.de/impulse

Folge 3 der Videoreihe mit DJI-Direktorin Prof. Dr. Sabine Walper:  www.dji.de/videocast-perspektiven-folge3

Mehr Angebote zum DJI Impulse-Schwerpunkt: www.dji.de/60jahre

Kontakt
Uta Hofele
Abteilung Medien und Kommunikation
089/62306-446
hofele@dji.de

]]>
Pressemitteilung Startseiten Position Position 6 (groß)
news-1347 Wed, 25 Oct 2023 09:30:45 +0200 Personalkrise in der Kindertagesbetreuung spitzt sich zu https://www.dji.de/veroeffentlichungen/pressemitteilungen/detailansicht/article/personalkrise-in-der-kindertagesbetreuung-spitzt-sich-zu.html Das neue Fachkräftebarometer Frühe Bildung präsentiert aktuelle Befunde zu Personal, Arbeitsmarkt und Ausbildung in der Kindertagesbetreuung Zehn Jahre nach Einführung des Rechtsanspruchs auf einen Kita-Platz für unter Dreijährige erscheint das Arbeitsfeld Kita stark wie nie: Die amtliche Statistik zu Einrichtungen, Personal und Auszu­bildenden verzeichnet jährlich neue Höchstwerte. Trotz beeindruckender Zahlen herrscht Krisenstimmung. Die Personalnot in den Einrichtungen wächst ebenso wie die Sorge um eine Absenkung fachlicher Standards sowie Ausfälle in der Bildung, Betreuung und Erziehung der Kinder. Zusätzlich erhöht der 2026 beginnende Rechtsanspruch auf Ganztags­betreuung für Grundschulkinder den Druck auf das System der Kinder­tagesbetreuung. Welche Hinweise liefern die amtlichen Daten bereits heute in Hinblick auf das Krisenszenario? Wie attraktiv ist eine Beschäftigung in der Kindertagesbetreuung für den dringend benötigten pädagogischen Nachwuchs? Kann die Institution Kita ihrem Bildungsauftrag auch zukünftig gerecht werden? Diese Fragen ordnet das neu erschienene Fachkräftebarometer Frühe Bildung 2023 der Weiterbildungsinitiative Frühpädagogische Fachkräfte (WiFF) empirisch ein und gibt Hinweise auf Entwicklungspotenziale.

Personalwachstum in Kitas hält an

Die Covid-19-Pandemie hat das Personalwachstum in Kindertagesein­richtungen nicht zum Stillstand gebracht. 2022 arbeiteten in Deutschland in knapp 59.500 Kindertageseinrichtungen fast 842.000 Beschäftigte. Dies entspricht einen Anstieg um 7% seit 2019. 722.000 Personen sind pädago­gisch und leitend tätig; 257.800 Personen mehr als noch zehn Jahre zuvor. Mit einem Männeranteil von lediglich 8% ist das Arbeitsfeld nach wie vor weiblich dominiert. Dennoch ist es zuletzt gelungen, verstärkt männliche Nachwuchskräfte zu gewinnen. So liegt der Männeranteil bei den unter 30-Jährigen bei knapp 13% und ist damit deutlich höher als bei den über 30-Jährigen mit 6%.

Rückgänge bei der Kindertagespflege

In der Kindertagespflege setzt sich der Wachstumstrend nicht mehr fort. Zwischen 2020 und 2022 ist die Zahl der Tagespflegepersonen sogar von rund 44.800 auf 41.900 gesunken. Anders als in den Vor-Corona-Jahren nahm auch die Zahl der betreuten Kinder ab. Zuletzt waren es noch 166.300 gegenüber rund 174.000 Kindern im Jahr 2020 (-4%). Eine Tagespflegeperson betreut aktuell im Schnitt vier Kinder. Damit liegt die Betreuungsrelation auf dem gleichen Niveau wie bei Krippenkindern in Kitas. Mit dem Rückgang in der Tagespflege erhöht sich der Druck auf das Kita-System, den U3-Ausbau weiter voranzutreiben.

Das Arbeitskräftereservoir ist weggeschmolzen

Der arbeitnehmerfreundliche Arbeitsmarkt hat sich positiv auf die Beschäftigungsbedingungen ausgewirkt. Waren 2015 noch 15% aller pädagogisch und leitend Tätigen befristet angestellt, lag dieser Wert 2022 nur noch bei 11%. Zwischen 2012 und 2021 sind die Gehälter in der Frühen Bildung um 26% gestiegen. Dennoch wächst die Lücke zwischen offenen Stellen und Personen, die diese besetzen könnten. Kamen im Jahr 2012 noch 142 arbeitslos gemeldete Erzieherinnen und Erzieher auf 100 offene Stellen, so waren es zuletzt nur noch 62. Die Zahl der Stellenangebote für diese Berufsgruppe ist in den letzten drei Jahren um 20% gestiegen, während die Zahl der arbeitslos gemeldeten Personen um 4% zurück­gegangen ist. Die berufsspezifische Arbeitslosenquote liegt in der Frühen Bildung bei gerade mal 1,1%.

Ausbildungssystem stößt an Kapazitätsgrenzen

In den letzten zwei Jahren wurden 44 Fachschulen für Sozialpädagogik neu gegründet. Die dort angebotene Ausbildung zur Erzieherin und zum Erzieher verzeichnete im selben Zeitraum ebenfalls steigende Zahlen von Anfängerinnen und Anfängern. Die jährlichen Zuwächse lagen mit jeweils 3% allerdings deutlich unter denen von vor 10 Jahren (+9%). Für den weiteren Ausbau fehlen zunehmend Räumlichkeiten und Lehrkräfte, wie Studien der WiFF zeigen. Die akademisch ausgebildeten Kindheits­pädagoginnen und -pädagogen bilden im Arbeitsfeld weiterhin eine kleine Gruppe. Im Jahr 2022 verfügten nur 1,5% der Kita-Fachkräfte über ein entsprechendes Studium. Dieser Befund korrespondiert mit dem Umstand, dass die Ausbaudynamik kindheitspädagogischer Studiengänge in den vergangenen fünf Jahren zum Stillstand gekommen ist. Im Jahr 2021 haben 3.800 Studierende ein Bachelor- und 423 ein Master-Studium aufge­nommen. Die Zahlen der Absolventinnen und Absolventen eines Bachelor-Studiengangs sind seit 2019 rückläufig: 2021 schlossen 2.162 Personen ein solches Studium ab – 10% weniger als im Vorjahr.

„Bei der Fachkräftegewinnung muss eine höhere Aufmerksamkeit darauf liegen, dass Schülerinnen und Schüler sowie Studierende die einschlägigen Ausbildungsgänge auch erfolgreich abschließen. Dafür benötigen wir eine engere individuelle Begleitung während Ausbildung und Studium, aber auch in der Phase der Einmündung in den Beruf“, sagt Professorin Dr. Kirsten Fuchs-Rechlin, Leitung der WiFF und der Autorengruppe Fachkräftebarometer.

Bildungs- und Betreuungsqualität hängt weiterhin vom Wohnort ab

Immer noch gibt es große regionale Unterschiede hinsichtlich der Qualität in den Einrichtungen. So variiert die Zeit, die Leitungskräften in Einrich­tungen vergleichbarer Größe für ihre Tätigkeit zur Verfügung steht, in den Bundesländern um bis zu 15 Wochenstunden. Auch der Personal-Kind-Schlüssel unterscheidet sich – trotz erzielter Verbesserungen – stark. Pro Fachkraft liegt die Varianz in Krippengruppen bei bis zu drei Kinder, in Kindergartengruppen bei bis zu fünf und in Schulkinder-gruppen bei bis zu elf Kindern. Unterschiedliche Wege gehen die Länder zudem beim Qualifikationsniveau des Personals und dem Einsatz von Assistenz- und Hilfskräften.

„Insgesamt zeigt das Fachkräftebarometer Frühe Bildung einmal mehr, wie wichtig es ist, eine Grundlage an verlässlichen und fortschreibbaren Daten zur Verfügung zu haben, die dabei behilflich sind, Erfolge und Errungen­schaften ebenso zu würdigen wie ausstehende Herausforderungen klar beim Namen zu nennen. Nur so lassen sich Krisen konstruktiv bewältigen“, bilanziert Professor Dr. Thomas Rauschenbach, der die Autorengruppe Fachkräftebarometer gemeinsam mit Professorin Dr. Fuchs-Rechlin leitet.

Fachkräftebarometer Frühe Bildung

Das Fachkräftebarometer Frühe Bildung liefert alle zwei Jahre auf Basis amtlicher Daten ausführliche Informationen über Personal, Arbeitsmarkt, Erwerbssituation sowie Ausbildung und Qualifizierung in der Früh­pädagogik sowie im Ganztag. Mit dem aktuellen Band erscheint die nunmehr fünfte Ausgabe des Berichts. 

Die Weiterbildungsinitiative Frühpädagogische Fachkräfte (WiFF) ist ein Projekt des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF), der Robert Bosch Stiftung und des Deutschen Jugendinstituts (DJI). WiFF wird in Kooperation mit dem Forschungsverbund DJI/TU Dortmund durch­geführt und aus Mitteln des BMBF gefördert.

Fachkräftebarometer Frühe Bildung 2023 Weiterbildungsinitiative Frühpädagogische Fachkräfte (WiFF)


Kontakt
Annemarie Schuldt
Projektmarketing
Weiterbildungsinitiative Frühpädagogische Fachkräfte (WiFF)
Tel.: 089/62306-249
schuldt@dji.de

Julia Pollert
Projektmarketing
Weiterbildungsinitiative Frühpädagogische Fachkräfte (WiFF)
Tel.: 089/62306-248
pollert@dji.de

Sonja Waldschuk
Abteilung Medien und Kommunikation
Tel.: 089/62306-173
waldschuk@dji.de

]]>
News Pressemitteilung Position 5 (klein)
news-1313 Wed, 06 Sep 2023 08:00:00 +0200 60 Jahre an der Schnittstelle von Politik, Fachpraxis und Grundlagenforschung https://www.dji.de/veroeffentlichungen/pressemitteilungen/detailansicht/article/60-jahre-an-der-schnittstelle-von-politik-fachpraxis-und-grundlagenforschung.html Das Deutsche Jugendinstitut feiert sein 60-jähriges Bestehen Im Jahr 1963 nahm das Deutsche Jugendinstitut (DJI) in München seine Arbeit auf und entwickelte sich innerhalb weniger Jahre zu einem der bedeutendsten sozialwissenschaftlichen Institute der Bundesrepublik. Seit vielen Jahren zählt das DJI zu einem der größten sozialwissenschaftlichen Forschungsorganisationen Europas. Die Lebenslagen von Kindern, Jugendlichen und Familien sowie damit zusammenhängende sozialstaatliche Angebote und Maßnahmen stehen seit Beginn im Mittelpunkt der Forschung.

„Das DJI arbeitet an der Schnittstelle zwischen Wissenschaft, Politik und Fachpraxis. Zum einen tragen unsere Forscherinnen und Forscher mit den zurzeit etwa 90 laufenden Projekten zu einer fundierten wissenschaft­lichen Basis für politische Entscheidungen bei. Zum anderen richten sich viele unserer Veröffentlichungen direkt an die Fachpraxis“, betont Prof. Dr. Sabine Walper, Direktorin und Vorstandsvorsitzende des DJI. „Eine unserer Stärken ist der Transfer wissenschaftlicher Erkenntnisse für verschiedene Hilfeformen, wie beispielsweise bei Qualitätskriterien der stationären Jugendhilfe, dem Handbuch Pflegekinder oder umfangreichen Handreichungen zum Thema Adoption.“

Daten und Analysen für die Sozialberichterstattung

Die Analyse sozialer Ungleichheiten im Aufwachsen von Kindern und Jugendlichen sowie der Lebensbedingungen von Familien liefert auch in Zukunft wesentliche Grundlagen für die Sozialberichterstattung. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bearbeiten Probleme wie Armutsrisiken, Bildungsungleichheiten, digitale Zugänge und Kompetenzen, Migration und vieles mehr.

Das DJI unterstützt die Sozialberichterstattung der Bundesregierung zum Beispiel bei der Erstellung der Kinder- und Jugendberichte sowie der Familienberichte, die am DJI geschäftsführend betreut werden, aber auch bei den nationalen Bildungsberichten. Neben der Beratung von Politik und Fachpraxis der Kinder-, Jugend- und Familienhilfe evaluiert und begleitet das DJI eine Vielzahl von Modellvorhaben.

Die umfassenden DJI-Erhebungen „Aufwachsen in Deutschland: Alltagswelten“, kurz AID:A, sowie weitere Surveys, etwa die DJI-Kinderbetreuungsstudie (KiBS) oder das Projekt „Entwicklung von Rahmenbedingungen in der Kindertagesbetreuung“ (ERiK) bieten detaillierte Einblicke in die Lebensbedingungen und die Entwicklung von Kindern, Jugendlichen, jungen Erwachsenen und Familien. Die DJI-Daten ergänzen die Analysen der amtlichen Statistik. Damit leistet das Institut einen wichtigen wissenschaftlichen Beitrag zur Beschreibung gesellschaftlicher Trends in Deutschland.

Nationale und internationale Kooperationen

Wissenschaftliche Erkenntnisse entstehen auch durch interdisziplinäre Forschung und Wissenstransfer. Deshalb kooperiert das DJI national und international mit Universitäten und Fachhochschulen, beispielsweise mit den beiden großen Münchner Universitäten, der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) und der Technischen Universität München (TUM), sowie der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU). Seit dem Jahr 2002 besteht ein Forschungsverbund mit der Technischen Universität Dortmund. International kooperiert das DJI in langjährigen Partner­schaften unter anderem mit der Tokyo Metropolitan University (TMU), mit der Manchester Metropolitan University, dem University College Dublin und der School of Education der Macquarie University in Sydney. Zudem unterstützen Mitarbeitende des DJI die „Partnerschaft Jugend der Europäischen Union und des Europarats“.

Die Arbeiten des DJI werden größtenteils durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) und zu einem kleineren Teil durch die Bundesländer gefördert. Weitere Förderer im Rahmen der Drittmittelakquise sind das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG), die Europäische Union sowie Stiftungen.

Die Wissenschaftliche Jahrestagung des DJI widmet sich in diesem Jahr am 7. und 8. November verschiedenen Aspekten des Themas „Jungsein in unsicheren Zeiten".
 

60 Jahre DJI ‒ Geschichte des DJI und eine Auswahl an ForschungsthemenWissenschaftliche Jahrestagung 2023 „Jungsein in unsicheren Zeiten" am 7. und 8. November 2023 in BerlinJahresbericht 2022

 

Kontakt
Marion Horn
Abteilung Medien und Kommunikation
Tel.: 089/62306-311
horn@dji.de

]]>
Pressemitteilung