Das DJI trauert um Dr. René Bendit

Der Jugendforscher und Sozialpsychologe ist im Alter von 73 Jahren verstorben

Dr. René Bendit in seinem Büro im DJI

27. Februar 2018 -

Mit dem Tod von René Bendit am 22. Februar dieses Jahres ist ein „Urgestein“ des Deutschen Jugendinstituts verstorben. Gut 33 Jahre lang stand er in verschiedenen Funktionen im Dienst des DJI, bis er sich im Sommer 2009 in den Ruhestand verabschiedete.

Von 1974 bis 1976 erstellte René Bendit zunächst Expertisen für das DJI, vorwiegend zu Bildungsthemen bzw. Problemen der Bildungsreform im Zusammenhang mit curricularen Fragen. Ausgehend von diesen Arbeiten veröffentlichte er damals (zusammen mit Achim Heimbucher) das Buch „Von Paulo Freire lernen. Ein neuer Ansatz für Sozialpädagogik und Sozialarbeit“ (Juventa 1977).

1976 wurde aus der freien Mitarbeit eine Festanstellung als wissenschaftlicher Referent beim DJI. Dort befasste sich René Bendit bis Mitte der 1980er Jahre mit praxisbezogenen Forschungsprojekten zu interkulturellen Themen. Aufgrund seiner eigenen Zuwanderung war der gebürtige Argentinier einer der ersten in Deutschland und im DJI, der sich mit der Integration von ausländischen Kindern und Jugendlichen befasste. Ab 1986 rückten dann die Jugendberichterstattung, Jugendforschung und Jugendhilfe bzw. -politik stärker in den Vordergrund, unter anderem durch die Tätigkeit als Geschäftsführer der Sachverständigenkommission für den 8. Jugendbericht.

Ab Mitte der 1990er Jahre begann René Bendit, sich intensiv der Europäischen Jugendberichterstattung und der internationalen Forschungskooperation zu widmen. Seine Reisen führten ihn als Gastprofessor und Berater verschiedener Institutionen und Universitäten auch häufig in seine Heimat Lateinamerika. 1994 wurde ihm die kommissarische Leitung der Abteilung Jugend und Jugendhilfe am DJI übertragen. Parallel dazu hat er an der Ludwig-Maximilians-Universität in München das Zweitdiplom als Diplom-Psychologe erworben und später an der Universität Kassel zum Thema „Berufliche Ausbildung und Lebensbewältigung bei jungen Arbeitsmigranten in Deutschland“ promoviert. René Bendit war Mitglied der Task Force „Europäische Jugendpolitik“ beim Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend und gehörte zu den Gründungsmitgliedern des europäischen Forschungsnetzwerkes EGRIS (European Group for Integrated Social Research), das mehrere EU-Forschungsprojekte durchgeführt hat.

Eine polyglotte Persönlichkeit

René Bendit wurde am 25. Juni 1944 in Argentinien geboren. Als er 15 Jahre alt war, gingen seine Eltern aus beruflichen Gründen ins Nachbarland Chile, wo er 1962 sein Abitur machte. In den folgenden Jahren bereiste er als junger Mann Europa und wohnte längere Zeit in Paris, Rom, Frankfurt, London und Kopenhagen. Durch diese Auslandsaufenthalte wurde die Grundlage für eine polyglotte Karriere gelegt. Zur Muttersprache Spanisch kamen nach und nach Englisch, Französisch, Italienisch und Deutsch hinzu.

1965 ging René Bendit nach Chile zurück und begann, Psychologie mit Soziologie im Nebenfach zu studieren. Nach dem Abschluss arbeitete er zunächst als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Sozialpsychologie an der Hochschule für Journalismus und Kommunikationswissenschaft der Universidad de Chile. Parallel dazu absolvierte er ein Post-Graduierten Studium der Soziologie und Sozialpsychologie an der Lateinamerikanischen Fakultät für Sozialwissenschaften in Santiago de Chile.

Auf Grund der politischen Ereignisse kam er Ende 1973 nach dem gewaltsamen Sturz der Regierung des Präsidenten Salvador Allende nach München. Dort verbrachte seine Frau Eva, die er während des Studiums in Santiago de Chile kennen gelernt und 1972 geheiratet hatte, ein Jahr als Stipendiatin am Goethe-Institut und der Ludwig-Maximilian-Universität. Das Ehepaar entschied sich, in der bayerischen Hauptstadt zu bleiben. Hier sind auch ihre beiden Töchter zur Welt gekommen.

Auf die Frage, ob Deutschland eine neue Heimat für ihn geworden sei, antwortete er einmal: „Heimat ist für mich dort, wo die wirklichen Freunde sind. Heimat ist dort, wo man sich sprachlich zu Hause bzw. frei fühlt, wo man ohne zu fragen, die Dinge versteht, die hinter den Worten stehen. Schließlich ist Heimat dort, wo man nicht gefragt wird: Wo kommst Du her? Aus allen diesen Gründen sollte man die Heimat am besten mit sich tragen, wie die Schnecke ihr Haus.“

Text: Susanne John