Der Projektbereich "Versorgungsforschung" ist Teil der Fachgruppe F4 "Frühe Hilfen" in der Abteilung "Familie und Familienpolitik" im Deutschen Jugendinstitut (DJI).  

Die "Versorgungsforschung" ist zentraler Bestandteil der wissenschaftlichen Begleitung der Bundesinitiative Frühe Hilfen. Ziel ist es, Erkenntnisse über die Adressatinnen und Adressaten von Frühen Hilfen (Prävalenzforschung) mit dem Wissen über den Ausbau kommunaler Angebotsstrukturen (Implementierungsforschung) in Beziehung zu setzen. Die Zusammenführung der Ergebnisse der verschiedenen Forschungszugänge soll Aufschluss über den Stand der psychosozialen Versorgung von Familien mit Säuglingen und Kleinkindern bis zur Vollendung des dritten Lebensjahres in Deutschland geben. Auf dieser Wissensbasis können Unterstützungsangebote weiter zielgerichtet ausgebaut und auf die tatsächlichen Bedarfe von Eltern und Kindern zugeschnitten werden.

Aufbauend auf den Erkenntnissen der Versorgungsforschung wird derzeit ein Konzept ausgearbeitet für eine indikatorengestützte regelmäßige Berichterstattung zum Stand des Ausbaus der Frühen Hilfen in Deutschland.

Prävalenzforschung

Die nationale Hauptstudie "KID 0-3: Kinder in Deutschland“ ist eine repräsentative, epidemiologische Erhebung, die sich Familien mit Säuglingen und Kleinkindern bis drei Jahren widmet. Deutschlandweit wurden 8061 Familien zu Lebenslage, spezifischen objektiven Belastungsmerkmalen, subjektivem Belastungserleben und sozialer Unterstützung sowie Inanspruchnahme von Angeboten der psychosozialen Versorgung, insbesondere von Frühen Hilfen, befragt. Es wurden Daten zur Häufigkeit verschiedener Risikofaktoren gewonnen, die, vor allem wenn sie kumuliert auftreten, zu Entwicklungsbeeinträchtigungen, Erziehungsschwierigkeiten und der Gefährdung des Wohls von Kindern durch Erfahrungen von Vernachlässigung oder Misshandlung führen können. Ergänzend wurden Informationen über Ressourcen und konkrete Unterstützungsbedarfe ermittelt.

Im Rahmen von Vertiefungsstudien wurde eine Teilstichprobe von Familien intensiver und über einen längeren Zeitraum wissenschaftlich begleitet. Es wurden Elternbefragungen sowie Entwicklungstests bei Kindern im häuslichen Umfeld durchgeführt, um die konkrete Lebenssituation von Familien mit unterschiedlichen Belastungen zu vergleichen und deren Auswirkungen auf die Entwicklung des Kindes ermitteln zu können.

Ein Teil der befragten Familien hatte sich bereit erklärt, an einer zweiten Befragung mitzuwirken. Mit Blick auf die Längsschnittuntersuchungen wurde der Fragebogen inhaltlich komprimiert und überarbeitet. 2017 wurde die zweite Befragungswelle mit rund 1.700 Familien durchgeführt. Weitere Auswertungen werden bis Ende 2019 vorliegen.

Insgesamt liefern die Studien umfangreiches empirisches Datenmaterial über die Adressatinnen und Adressaten von Frühen Hilfen. Diese werden kontinuierlich ausgewertet, um die Frühen Hilfen bedarfsgerecht und gezielt weiterzuentwickeln.

Implementierungsforschung

Im Rahmen der "Dokumentation und Evaluation der Bundesinitiative Frühe Hilfen" wird der Auf- und  Ausbau von Frühen Hilfen in Ländern und Kommunen dokumentiert und analysiert.

Zu diesem Zweck werden regelmäßig standardisierte Onlinebefragungen aller von der Bundesinitiative bzw. der Bundesstiftung geförderten Kommunen durchgeführt. Diese Kommunalbefragungen geben einen fortlaufenden Einblick in die strukturelle Ausgestaltung von kommunalen Systemen im Bereich Frühe Hilfen, insbesondere hinsichtlich des Auf- und Ausbaus von Netzwerken und dem Einsatz von Familienhebammen und vergleichbaren Gesundheitsfachkräften. Bisher wurden diese Erhebungen in den Jahren 2013, 2014, 2015 und 2018 durchgeführt.

Ergänzend zur Kommunalbefragung wurde von 2013 bis 2015 an der Stiftung Universität Hildesheim die Vertiefungsstudie „Multiperspektivische Analyse von kommunalen Netzwerken Frühe Hilfen“ im Auftrag des DJI mit dem Ziel durchgeführt, kommunale Kooperationsbeziehungen und -strukturen sozialwissenschaftlich zu rekonstruieren und Gelingensbedingungen für die multidisziplinäre Netzwerkarbeit zu identifizieren.

Konzeptionelle und empirische Grundlagen der Implementierungsforschung lieferte die von 2008 bis 2015 in mehreren Teilprojekten im DJI durchgeführte "Bestandsaufnahme Frühe Hilfen".

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Veröffentlichungen

Psychosocial factors associated with symptoms of depression, anxiety and stress among single mothers with young children. A population-based study. Liang. et al. (2019)

Is the Brief Child Abuse Potential Inventory (CAPI) a valid measure of child abuse potention among mothers and fathers of young children in Germany? Liel, Meinck et al (2019)

Psychosoziale Belastungsfaktoren und negative Emotionalität in der frühen Kindheit: die Perspektive der Mütter. Birgit Fullerton, Gabriela Gniewosz, Andreas Eickhorst und Sabine Walper. In: Praxis der Kinderpsychologie und Kinderpsychiatrie (67/2018)

Väter und familiäre Gewalt. Christoph Liel. München 2018.

Aufwachsen unter familiärer Belastung in Deutschland, in: Bundesgesundheitsblatt Schwerpunktheft Frühe Hilfen in Deutschland - Chancen und Herausforderungen (10/2016)

Inanspruchnahme von Angeboten der Frühen Hilfen und darüber hinaus durch psychosozial belastete Eltern, in: Bundesgesundheitsblatt Schwerpunktheft Frühe Hilfen - Chancen und Herausforderungen (10/2016)

Publikationen der Bestandsaufnahme Frühe Hilfen

Publikationen zur Kommunalbefragung

Datenreport Frühe Hilfen

Publikationen des NZFH