Weitere Informationen zur Studie

Kinderbetreuung in Deutschland

Durch eine bundesweite repräsentative Erhebung soll eine Übersicht über die Vielfalt von Formen und Arrangements der Betreuung von Kindern zwischen 0 und 6 Jahren geschaffen werden.

1. Ausgangslage

Im Hinblick auf die aktuelle Situation der Kinderbetreuung hat sich die Ausgangslage – gebunden an ein traditionelles Verständnis von Betreuung als Aufgabe von Familie und Frauen – deutlich gewandelt; Gründe sind insbesondere die steigende Müttererwerbstätigkeit, flexible Arbeitszeiten, sinkende Kinderzahlen sowie die Notwendigkeit der Förderung und Bildung schon im Kleinkindalter. Diese Veränderungen des gesellschaftlichen Kontexts machen es erforderlich, die planerischen Grundlagen für den weiteren Ausbau der öffentlichen Kinderbetreuung zu verbessern. Von entscheidender Bedeutung sind dabei Informationen über Umfang und Ausprägung der unterschiedlichen Formen und Konstellationen von privater und öffentlicher Kinderbetreuung sowie die für die Familien damit verbundenen Vor- und Nachteile.

Die Gestaltung der Kinderbetreuung in den ersten sechs Lebensjahren ist eine der vordringlichsten familienpolitischen Aufgaben, die in ganz verschiedenen Familienkon­stellationen – vor allem einem stark zunehmenden Anteil von Alleinerziehenden – bewältigt werden muss. Eine Vielzahl von Familien hat bei den bestehenden beruflichen und familialen Gegebenheiten Probleme mit der Bewältigung dieser Aufgabe und löst sie zur Zeit durch einen eher intransparentenMix familialer, informeller und öffentlicher Betreuungsformen. Ein wichtiger Grund dafür sind die Anforderungen des Arbeitsmarktes, die bei der steigenden Erwerbstätigkeit von Frauen eine entsprechend große Rolle spielen. Dass neben der Familie auch die Öffentlichkeit für das Aufwachsen der Kinder verantwortlich ist, wird aber auch unabhängig von Fragen der Erwerbstätigkeit inzwischen anerkannt. Weitgehend einhellig wird ein Ausbau der Plätze zur Betreuung, Bildung und Erziehung von Kindern gefordert. Dabei spielen bei den jüngsten Kindern (in den alten Bundesländern) vor allem die Angebote für Kinder unter drei Jahren und Ganztagsangebote im Kindergartenalter eine besondere Rolle.

Wichtige Eckdaten unter dem Blickwinkel der Balance von Familie und Erwerbstätigkeit sind eine Quote von 30% aktiv erwerbstätigen Müttern von Kindern unter 3 Jahren (in Westdeutschland) bei einer Versorgungsquote mit Plätzen für unter Dreijährige in Kindertageseinrichtungen von knapp 3%. Deutlich günstiger sind die Relationen bei den Kindergartenkindern. Einer Quote von 56% aktiv erwerbstätigen Müttern von Kindern zwischen drei und fünf Jahren steht hier eine Versorgungsquote mit Kindergartenplätzen von 88% gegenüber. Allerdings sind nur rund ein Fünftel davon Ganztagsplätze. Der Großteil kann also nicht auf das für eine Erwerbstätigkeit notwendige Betreuungsangebot zurückgreifen. Die Ergebnisse des DJI-Kinderpanels zeigen entsprechend, dass rund zwei Drittel der Eltern von fünf- bis sechsjährigen Kindern zusätzlich zum Kindergarten noch auf andere (private) Betreuungspersonen angewiesen sind. Eltern sind gezwungen, oft komplizierte und nicht selten auch fragile Arrangements zu organisieren und mehrfache Betreuungswechsel vorzunehmen. Über deren Art und Ausmaß liegen keine zuverlässigen Informationen vor, ebenso wenig über die Probleme, die für Eltern damit verbunden sind.

Neben der Betreuungsaufgabe ist auch der Bildungsauftrag von Kindertageseinrichtungen in jüngster Zeit zunehmend ins Blickfeld geraten. Er ist in seiner Bedeutung durch Ergebnisse der IGLU-Studie bestätigt worden, die gezeigt hat, dass ein mehr als einjähriger Kindergartenbesuch mit besseren Schulleistungen zusammenhängt. Dies gilt in besonderem Maße für Kinder aus sozial benachteiligten Familien und mit Migrationshintergrund. Die Jugendministerkonferenz hat in der Folge einen mindestens dreijährigen Besuch des Kindergartens empfohlen. Vorliegende Studien weisen darauf hin, dass aber gerade Kinder aus benachteiligten Familien vergleichsweise seltener diese Angebote in Anspruch nehmen.

Mit Blick auf eine optimale Nutzung vorhandener Mittel für den Ausbau von Angeboten scheint eine Bestandsaufnahme der Vielfalt praktizierter Formen und Arrangements unerlässlich. Informationen über Umfang, Form, Ort, Stabilität und Akzeptanz bestehender Arrangements zur Betreuung, Bildung und Erziehung von Kindern sind eine wichtige Grundlage für einen zielgenauen Ausbau der unterschiedlichen Angebotsformen sowohl unter dem Blickwinkel der Erleichterung der Erwerbstätigkeit der Eltern als auch unter dem des Bildungsauftrags von Kindertageseinrichtungen sowie der Tagespflege. Sie geben Aufschluss über kritische, störanfällige bzw. mit Belastungen für Eltern und Kinder verbundene Aspekte und auf Lücken bestehender Regelungen. Aus ihnen lassen sich aber auch Hinweise auf Ursachen für den Verzicht auf die Nutzung von Angeboten durch bestimmte Bevölkerungsgruppen gewinnen.

2. Zur Datenlage

Im Hinblick auf das skizzierte Untersuchungsthema liegen bisher wenige quantitative Untersuchungen vor, die sich auf der Basis eines repräsentativen Mikrodatensatzes mit der Bestandsaufnahme der praktizierten Formen und Arrangements der Kinderbetreuung beschäftigen und die spezifischen Erwerbsmuster der Eltern berücksichtigen.

(a) Im Mikrozensus (Statistisches Bundesamt) finden sich Angaben zur Inanspruchnahme von Kinderbetreuung, die mit der Erwerbstätigkeit (und auch mit dem Beschäftigungsumfang) der Eltern verknüpft werden können. Es wird jedoch nur nach öffentlichen Betreuungssystemen gefragt; der zeitliche Umfang dieser Betreuung sowie die sonstigen Formen informeller Kinderbetreuung werden nicht erhoben.

(b) In der Zeitbudgetstudie (Statistisches Bundesamt) ist die Betreuung von Kindern nicht durch das Zeitbudget von Kindern direkt erfasst, da nur Personen ab dem 10. Lebensjahr eigenständig befragt worden sind. Realistische Informationen über die Zeitstruktur der Betreuung von Kindern lassen sich durch die Befragung von Eltern bzw. Erziehungsberechtigten einerseits und Betreuen­den anderseits nur eingeschränkt ableiten.

(c) In der amtlichen Kinder- und Jugendhilfestatistik (Statistisches Bundesamt) werden bislang nur die vorhandenen Plätze der Kindertagesbetreuung (Plätze in Kindertageseinrichtungen, jedoch nicht in Tagespflege) erhoben, während über deren tatsächliche Inanspruchnahme nichts ausgesagt wird. Auch wenn diese ab 2006 evtl. in das Erhebungsprogramm mit aufgenommen werden sollte, bleibt als zentrale Schwachstelle für eine Auswertung der gesamten Kindertagesbetreuung, dass der informelle Betreuungsbereich nicht Bestandteil der amtlichen Statistik ist.

(d) Das Sozioökonomische Panel (Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung, DIW) ist demgegenüber in der Lage, das Erwerbsmuster von Eltern differenziert kalendarisch darzustellen und die Betreu­ungssituation nach den jeweiligen Betreuenden zu gliedern sowie die wöchentlichen Stundenan­teile von außerfamilialen Betreuungszeiten auszurechnen. Außerdem lässt die laufende Erfassung der jüngsten Geburtskohorten eine umfassende altersgruppenspezifische Auswertung über Geburtsjahrgänge zu. Dennoch ist zu beachten, dass die erforderliche Verknüpfung der Erwerbs- und Betreuungsdaten auf Basis eines Kalendertags nicht verfügbar ist. Dies ist aber eine notwendige Voraussetzung dafür, den Wochenablauf erwerbstätiger Mütter adäquat abzubilden.

(e) Das Kinderpanel des DJI wiederum verfügt über Daten, die Aussagen über die Betreuungssi­tuation von Müttern zulassen. So kann z. B. das von Müttern genutzte Netz von Betreuungsformen quantitativ erfasst werden. Wie die Betreuungssituation für Kinder unter 5 Jahren organisiert ist, kann mit den vorliegenden Daten allerdings nicht untersucht werden, da jüngere Kinder nicht in der Stichprobe berücksichtigt sind.

(f) Der Familiensurvey des DJI hat in seiner letzten Welle Kinderbetreuung nicht zum Thema gemacht, da das Thema in den ursprünglich geplanten „Entwicklungsbus“ integriert werden sollte. Daher ist das Thema Kinderbetreuung gewissermaßen nur komplementär erschließbar. Bei 3.000 Familien mit Kindern unter 18 Jahren stellen die ein- bis sechsjährigen Kinder (in ca. 1.000 Haushalten) eine zu kleine Untersuchungspopulation dar.

(g) Im Freiwilligensurvey werden 15.000 Interviews mit Personen ab 14 Jahren geführt. Der Freiwilligensurvey ist als Personenstichprobe ausgelegt, d.h. jeder Befragte antwortet für sich selber und beschreibt seine eigene Situation. Mit der Erweiterung um die Kinderbetreuungssituation wird der Versuch gemacht, auch Antworten repräsentativ für den eigenen Haushalt bzw. die eigene Familie zu geben. Ist die Befragte die Mutter eines im Haushalt lebenden Kindes unter 6 Jahren, wird man akzeptable Beschreibungen bekommen, ist der oder die Befragte kein Elternteil eines im Haushalt lebenden Kindes wird bei Geschwistern und anderen die Betreuungsfragen nicht beantwortet. Da nur in 9,5 % aller Haushalte Kinder bis zum 6. Lebensjahr leben, werden auch nur 1.400 solcher Haushalte mit Kindern in dieser Alterskohorte erreicht, ein erheblicher Teil davon wird nicht zur Betreuungssituation befragt werden. Insgesamt ist die Stichprobe viel zu klein, um differenzierte Aussagen zur Betreuung abhängig von der Partnerschaftssituation, der Erwerbsituation und der Gelegenheitsstruktur von verfügbaren Betreuungspersonen im Haushalt zu erhalten. Um zu einer differenzierten Beschreibung zu gelangen, wird die Untersuchung des DJI eine mehr als sechsfach höhere Zielstichprobe befragen.

(h) In der Bilanz heißt das, dass es zurzeit keine vergleichbare Untersuchung gibt, die es erlaubt, auch Aussagen über kleine Betroffenengruppen (Variation über Familienkonstellation und Erwerbsstatus der erwachsenen Haushaltsmitglieder) zu machen, so dass mit dieser Untersuchung Neuland beschritten wird.

Selbst bei hoher Qualität der skizzierten Einzeldaten gilt: Das zentrale Problem aller Daten für die Frage nach der Gesamtsituation der Kinderbetreuung in Deutschland bleibt, dass es bislang keinen mit spezifischen Indikatoren (Erfassung der täglichen Erwerbs- und Betreuungsstrukturen auf individueller Basis) aufgeschlossenen, ver­knüpf­baren Datensatz gibt, der über die 0- bis 6-jährigen Kinder annähernd die Arten und den Umfang der unterschiedlichen Kombinationen der Kinderbetreuungsformen (im informellen und formellen Bereich) mit ihren zeitlichen und finanziellen Rahmenbedingungen abbildet.

3. Vergleich zum Freiwilligensurvey

Die Ausweitung der Freiwilligenstudie auf die bezahlte Kinderbetreuungssituation gibt erste notwendige Informationen zur Problematik, bleibt aber weit hinter einer differenzierten Beschreibung zurück. So wird nur in relativ groben Kategorien die Teilnahme an bezahlter Kinderbetreuung erfasst. Selbst Kinderbetreuung als ehrenamtliche Tätigkeit lässt sich aus dem Fragebogen nicht erschließen, da die Kinderbetreuung mit anderen Pflegetätigkeiten zusammengefasst wird. Die Beschreibung der Kinderbetreuungssituation umfasst aber nicht nur die bezahlte Kinderbetreuung, sondern auch die familiale Kinderbetreuung, sonstige Zeiten und insbesondere auch die Zeiten, in denen die Kinder nicht betreut werden. Um die aktuelle Situation zu verstehen bzw. um Rechnungen für einen Bedarf für die Zukunft durchzuführen, sind als notwendige Hintergrundvariablen die Partnerschaftssituation (Familienstand, Haushaltskonstellation), die Erwerbssituation (Vollzeit-, Teilzeiterwerbstätigkeit der erwachsenen Haushaltsmitglieder) und die Gelegenheitsstruktur von verfügbaren Betreuungspersonen im Haushalt sowie im Wohnumfeld zu erfassen. Nur unter Kenntnis dieser spezifischen Situation ist die aktuelle Kinderbetreuungssituation verstehbar und bezogen auf Veränderungen dieser Situation für die Zukunft berechenbar. Im Vergleich zur geplanten Kinderbetreuungsstudie ist der Freiwilligensurvey (als Personenstichprobe) nicht in der Lage, das Erwerbsmuster von Eltern differenziert darzustellen und die Betreuungssituation nach den jeweiligen Betreuenden zu gliedern, sowie die außerfamilialen Betreuungszeiten zu berücksichtigen. Die geplante Kinderbetreuungsstudie soll als Haushalts- bzw., wenn möglich, als Familienstichprobe angelegt werden, d.h. jede berichterstattende (inter­viewte) Person soll repräsentativ ihre Situation, aber auch die des gesamten Haushalts und bezogen auf die Kinderbetreuung die gesamte im Wohnumfeld erreichbare Familie umfassen, z.B. in der Nähe wohnende Großeltern.

Soweit möglich, sollen in der Kinderbetreuungsstudie, neben einer durchschnittlichen Tagesbetreuung, auch bezogen auf alle Wochentage, Daten erschlossen werden. Dies ist eine notwendige Voraussetzung dafür, die Dynamik des Wochenablaufs erwerbstätiger Mütter und Väter abhängig von der Partnerschaftssituation adäquat abzubilden. Überdies ist es im Freiwilligensurvey nicht vorgesehen, die unbezahlte Kinderbetreuung als Basis des Bedarfs für bezahlte Kinderbe­treuung zu erfassen, z.B. von Verwandten (Großeltern), die außerhalb des Familienhaushalts leben. Damit ist es mit dem Freiwilligensurvey nicht möglich, auch nur annähernd die Arten und den Umfang der unterschiedlichen Kombinationen der Kinderbetreuungsformen (im informellen und formellen Bereich) mit ihren zeitlichen und finanziellen Rahmenbedingungen abzubilden.

Eine weitere wichtige Quelle für zukünftige Bedarfe wird die Frage nach der geplanten Kinderbetreuung im nächsten Jahr, bzw. in den Jahren, bis die Kinder sechs Jahre alt sind, sein. Diese Frage, ausdifferenziert über die Partnerschaftssituation, die Erwerbsituation und die Gelegenheitsstruktur von verfügbaren Betreuungspersonen im Haushalt, wird erstmals etwas mehr Licht in die Bedarfssituation der nächsten Jahre bringen, da hier wirklichkeitsnah und wirklichkeitsrelevant zukünftige Bedarfe abgefragt und erklärt werden können. Abhängig von den Erwartungen zukünftiger Partnerschaftssituationen und zukünftiger Erwerbskonstellationen wird damit eine Verbesserung der Prognosemöglichkeiten angestrebt.

4. Untersuchungsdesign

4.1 Zur Erhebung der Daten

Die Kosten von Umfragen lassen sich im Wesentlichen über drei Faktoren beeinflussen:

  • Dauer des Erhebungszeitraums,
  • Ausschöpfung der Stichprobe,
  • Länge des Fragebogens.

Die angesprochene Untersuchung soll unter einem sehr engen Zeitplan noch in diesem Jahr durchgeführt werden. Die Zielstichprobe von 8.000 Kindern im Alter von 1 bis 6 Jahren ist nur mit einer Ausgangsstichprobe von etwa 150.000 Haushalten zu erreichen. Beides zusammen macht die geplante Untersuchung teurer als eine generelle, nicht ausgelesene Bevölkerungsumfrage.

4.2 Untersuchungsdesign

Um auch die Varianz der Betreuungsalternativen bei kleineren Gruppen ausweisen zu können (z.B. bestimmte Partnerschafts- oder Erwerbskonstellationen), ist vorgesehen, die Situation von etwa 8.000 Kindern mit einem Interview von etwa 20 Minuten Länge bis Ende 2004 zu erfassen. Vorbereitet wurde hierfür eine EU-weit, öffentlich ausgeschriebene Telefonumfrage mit einem Screening über alle Haushalte.

Laut Mikrozensus leben in etwa 9,5% aller Haushalte Kinder bis zum 6. Lebensjahr. Bei einer erwarteten Ausschöpfung von etwa 50% (d.h., dass jeder zweite angesprochene Haushalt an der Erhebung teilnimmt) bedeutet dies eine Screeningstichprobevon 154.000 Haushalten, die angesprochen werden müssen, um 8.000 Interviews in Haushalten mit Kindern unter 6 Jahren zu erhalten. Der Umfang von 8.000 Interviews hat den Vorteil, dass auch kleinere Teilgruppen (männliche Alleinerziehende, Alleinerziehende in besonderen Erwerbskonstellationen, Arbeitslo­senhaushalte usw.), die etwa 5% bis 6% aller Kinder (bzw. 0,0003% aller Haushalte) ausmachen, noch mit rund 50 Interviews in der Stichprobe vertreten und damit aussagekräftig sind.

5. Bedeutung und Nutzung der Kinderbetreuungsstudie

Unter der Voraussetzung, dass die Betreuungsstudie kurzfristig und zeitnah durchgeführt werden kann und bis zu Beginn des Jahres 2005 die ersten Ergebnisse vorliegen, ergeben sich auf  meh­reren Ebenen wichtige Anknüpfungspunkte für die geplante Kinderbetreuungsstudie:

a)      12. Kinder- und Jugendbericht: Der 12. Kinder- und Jugendbericht der Bundesregierung steht unter der Themenstellung „Bildung und Erziehung außerhalb der Schule“, so dass die Kinderbetreuung einen zentralen Aspekt darstellt. In den bisherigen Arbeiten der Sachverständigen­kommission ist auf die defizitäre Datenlage hinsichtlich der Kinderbetreuung hingewiesen worden, so dass die Kommission ausdrücklich die Bemühungen um eine systematische empirische Untersuchung dieses Feldes unterstützt. Differenzierte Informationen zur unterschiedlichen Ausgestaltung und zum Zusammenspiel der verschiedenen Betreuungsverhältnisse wären für den Bericht sehr hilfreich. Allerdings ist für die Aufnahme in den Kinder- und Jugendbericht eine erste Aufbereitung der Ergebnisse bis zum März 2005 erforderlich.

b)      7. Familienbericht: Auch für die Sachverständigenkommission zur Erstellung des 7. Familienberichts „Zukunft der Familie und gesellschaftlicher Zusammenhalt“, der im Juni 2005 fertig gestellt werden soll, können die Daten der Kinderbetreuungsstudie wichtige vertiefende Informationen liefern. Anknüpfungspunkte ergeben sich für verschiedene Berichtsthemen wie zum einen der Zusammenhang von Familie, Erwerbstätigkeit und Kinderbetreuung, zum anderen das Thema „Familie im Lebensverlauf“ oder auch in der Frage nach familialen Ressourcen für die Kinderbetreuung.

c)      Tagesbetreuungsausbaugesetz (TAG): Für die zum 01.01.05 geplante Änderung des KJHGs im Rahmen des Tagesbetreuungsausbaugesetz (TAG) kann die Erhebung detaillierte Informationen zur Ausgangssituation und Bedarfen für den in den § 24 und § 24a des Gesetzesentwurfs der Bundesregierung vorgesehen Aufbau eines bedarfsgerechten Betreuungsangebots für Kinder unter drei Jahren und im Schulalter geben. Mit dem geplanten Erhebungszeitpunkt wird eine systematische Analyse der Ausgangssituation zum Jahresbeginn 2005 ermöglicht. Sie bietet – bei entsprechenden Wiederholungen der Untersuchung – zudem die Chance eines Monitorings der Umsetzung der im TAG bis 2010 vorgesehen Ausbaustufen (vgl. Begründung zum TAG, Abschnitt C). Die in der Studie geplante Untersuchung unterschiedlicher familialerLebensverhältnisse wird auch detaillierte Informationen über die Erwerbssituation der Erziehungsberechtigten liefern, die für die Pflicht zur Bereitstellung von Plätzen in Kindertageseinrichtungen bzw. Kindertagespflege (vgl. § 24, Absatz 3) eine wichtige Rolle spielt.

Darüber hinaus liefert die Kinderbetreuungsstudie für die familienpolitischen Innovationsimpulse der Bundesregierung eine wertvolle Grundlage für die weitere Planung und politische Entscheidungen im Bezug auf institutionelle und öffentlich organisierte Kinderbetreuung sowie die Frage der monetären Unterstützung von Familien. Sie wird, anders als alle verfügbaren Untersuchungen, dringend benötigte Daten über die institutionellen, öffentlich organisierten und informellen Betreuungsformen von Kindern erheben und auch Aussagen über das Zusammenspiel der verschiedenen Betreuungsformen ermöglichen. Gleichzeitig wird sie ein umfassenderes Bild über die Dynamik zwischen Familiensituation und Erwerbstätigkeit entwerfen und auch wichtige Daten über die privat aufgewendeten Kosten liefern. Überdies werden erstmals qualifizierte Daten zur Tagespflege, deren Örtlichkeit und Umfang sowie der Altersabhängigkeit von verschiedenen Betreuungsformen ermittelt.

In internationaler Perspektive wird die Studie eine sinnvolle Ergänzung und Erweiterung der bisherigen Forschungsbemühungen zur OECD-Studie „Starting Strong“ darstellen, insbesondere da über das von der OECD-Studie erhobene Angebot der Kinderbetreuung in der geplanten Studie die tatsächliche Inanspruchnahme in den Blick gerät und die Ergebnisse in die zukünftige Berichterstattung für die OECD aufgenommen werden können. In Erweiterung und im Unterschied zu den bisher für die OECD erhobenen Daten wird durch die bundesweite Stichprobenziehung gewährleisten, dass für die Bundesrepublik einerseits repräsentative Daten erhoben und andererseits auch Vergleiche auf der Ebene der Bundesländer und der Kreise möglich werden. Gleichzeitig können die Daten der Kinderbetreuungsstudie mit den Daten der im DJI durchgeführten Erhebung „Jugendhilfe im Wandel“ auf Kreisebene verknüpft werden und so wichtige zusätzliche In­formationen über die existierende sozialpolitische Infrastruktur und ihre Nutzung liefern.

6. Untersuchungsinhalt

Die Studie soll inhaltlich folgende Dimensionen differenziert berücksichtigen:

  • Betreuungssituation (familial, informell und institutionell)
  • Partnerschaftskonstellationen
  • Erwerbssituation (und erwerbsbedingte Abwesenheitszeiten)

In ungefähr 20 Minuten soll die aktuelle Betreuungsform – bezahlt/nicht bezahlt, innerhalb/­außerhalb der Familie (insbesondere Tagespflege, Kinderkrippen, Kindergärten) in Umfang und abhängig von Erwerbstagen und Nichterwerbstagen – im Tagesverlauf erfasst werden. Die Zufriedenheit mit der aktuellen Situation in Bezug auf Qualität, Kosten, Erreichbarkeit und Verfügbarkeit (Öffnungszeiten) soll ebenfalls erfragt werden, ergänzt um Erwartungen einer Verbesse­rung der aktuellen Situation sowie dem zu erwarteten Bedarf mit Blick auf die verbleibenden Jahre bis zur Vollendung des sechsten Lebensjahres des Kindes.

Neben den üblichen soziodemographischen Hintergrundvariablen (inklusive räumliche Ausdifferenzierung) soll die Erwerbssituation der Eltern (Erwerbstätigkeit, erwerbsgebundene Zeiten), verfügbare Zeit (ohne Erwerbsarbeit und Rüstzeiten (Fahrzeit) an den einzelnen Wochentagen), das Vorhandensein bzw. die Verfügbarkeit von Geschwistern, Großeltern, Tanten usw. sowie Nachbarn und Freunden für die Betreuung erfasst werden. Eine solche Übersicht ist aus den vorliegenden Daten nicht erschließbar, und da die Fragen zur Kinderbetreuung im Mikrozensus künftig entfallen, bleibt eine Erhebung der geplanten Art die vorerst einzige Möglichkeit für die Politik, relevante Planungsinformationen zu bekommen.

 

Kontakt

+49 89 62306-322
Deutsches Jugendinstitut
Nockherstr. 2
81541 München

Mehr zum Projekt