Kurzbeschreibung der App

Mit der iOS-App „Green Screen by Do Ink“ (DK Pictures, Inc.) können bereits Kindergartenkinder mit ein bisschen Unterstützung Foto- oder Videosequenzen mit Greenscreen-Technik aufnehmen. Vor einem grünen Hintergrund werden Fotos oder kurze Videosequenzen aufgenommen. Alles Grüne wird transparent, die Akteure können vor einen neuen Hintergrund gesetzt werden – und z. B. auf einem fliegenden Teppich durch die Luft segeln.

Beim Freistellen hilft in der App ein Farbrad mit einem Schieberegler. Wird dieser hoch- oder heruntergeschoben, werden mehr oder weniger Grüntöne aus dem Foto ausgeblendet. Neben dem Farbrad ist das Zuschneidesymbol angeordnet, mit dem das Foto oder Video zugeschnitten werden kann, falls zu viel Umgebung mit aufgenommen wurde. Außerdem sind einfache Bildbearbeitungen möglich.

(c) Do Ink (DK Pictures, Inc.)

Über das Pluszeichen unten rechts in der Ecke wird ein Hintergrund gewählt – auch dieser kann selbst aufgenommen werden – und als zweite Ebene hinter das Foto oder Video gelegt. Mit zwei Fingern kann die auf dem Hintergrund platzierte Figur verschoben, gedreht und vergrößert oder verkleinert werden. Über das Pluszeichen können bis zu drei Ebenen angelegt werden: Also kann noch ein zweites Foto in die Szene integriert werden. Das Ergebnis wird wahlweise als Foto oder Video gespeichert.

Die App ist kostenpflichtig und offline nutzbar. Sie ist relativ einfach und übersichtlich im Aufbau, allerdings ist es hilfreich, sich zuvor eine Einführung anzusehen (es gibt eine Vielzahl von Tutorials im Internet, z. B. www.filmothek-nrw.de/tutorials/greenscreen-videotutorial). Kindergartenkinder benötigen bei der Nutzung Begleitung, Grundschulkinder können die App nach kurzer Einführung auch selbstständig bedienen. Die Einsatzmöglichkeiten sind vielseitig, sie kann verwendet werden, um frei erfundene Geschichten, Nachrichten- oder Magazinsendungen zu inszenieren. Sie eignet sich auch, um digitale „Fantasiereisen“ zu unternehmen oder Themen wie Weltraum, Dschungel, verschiedene Lebenswelten o. Ä. kreativ assoziativ zu bearbeiten. Sie ist sehr nüchtern und klar gestaltet. Das Ergebnis kann direkt im Anschluss angesehen werden, so dass die Kinder schnell ein Erfolgserlebnis haben.

Rahmenbedingungen

Gruppengröße: zwei Kleingruppen mit je sieben und acht Kindern

Alter: drei bis sechs Jahre

Dauer: jeweils 45 Minuten

Material: ein Tablet mit der App „Green Screen by Do Ink“ (iOS), ein Stativ, ein großes grünes Tuch (ca. 2 x 3 Meter)

Idee: eine digitale „Fantasiereise“ unternehmen

Die App wurde im Mai 2018 in einer Bremer Kita mit insgesamt 16 Kindern im Alter von vier  bis sechs Jahren getestet.

 

Zur Kita

Die Kita ist ein Elternverein mit einer Krabbelgruppe für acht ein- bis dreijährige und einer Kindergartengruppe für 15 drei- bis sechsjährige Kinder. Träger ist ein gemeinnütziger Elternverein.

Der Kindergarten bietet eine Ganztagsbetreuung von 7.45 - 15.45 Uhr. Die meisten Kinder des Elternvereins leben in einer Familie mit beiden Elternteilen, es gibt keine Alleinerziehenden. Die Zahl der Einzelkinder beträgt ca. 40 Prozent, bei allen Kindern sind beide Eltern berufstätig.

 

Vorbereitung

Für die Aktion steht ein etwa 40 qm großer Raum zur Verfügung, in dem die Kleingruppe ungestört arbeiten kann. Die Gesamtgruppe von 15 Kindern wird in zwei Kleingruppen geteilt. Während die eine Hälfte der Gruppe mit der App arbeitet, kann die andere Hälfte in der angrenzenden Mehrzweckhalle und auf dem Freigelände spielen.

Vor Beginn checken:

-      Akku geladen?

-      grünes Tuch spannen und gut ausleuchten

-      App starten und eine Probeaufnahme machen

Start: Fotografieren

Die Kinder setzen sich im Kreis zusammen, in der Mitte liegt das Tablet. Die Erzieherin fragt die Kinder, ob sie wissen, was wir heute vorhaben. Alle wissen, dass eine Aktion mit dem Tablet geplant ist. Aber wofür ist das grüne Tuch, das an der Wand gespannt ist? „Keine Ahnung!“ Und was steht davor? Ein Kind ruft: „Ein Ständer!“ Ja, ein Ständer für das Tablet, das nennt man Stativ. Wir wollen zusammen Fotos machen. Aber nicht ganz normale Fotos, sondern wir wollen zusammen an den Strand, guckt mal: Die Erzieherin startet ein Video auf dem Tablet, das eine andere Erzieherin der Kita zeigt. Sie steht am Strand, winkt und sagt: „Schön, dass ihr alle da seid! Ich bin schon mal vorgegangen, ich hatte so eine Lust auf Strand! Kommt ihr auch?“

Die Kinder sind überrascht und fasziniert! „Aber wie soll das denn gehen?! Hier gibt es doch keinen Strand!“ Ein Kind ruft „hinbeamen“, ein anderes „zaubern“. Ja, das ist ein bisschen wie zaubern, wir probieren es zusammen aus.

Die Kinder stellen sich in einer Reihe hinter dem Stativ auf, ein Kind stellt sich davor auf das grüne Tuch. Nun wird ein Foto aufgenommen. Das kann mit der normalen Kamera-App geschehen oder direkt aus der Greenscreen-App. Da wir alle Fotos der Kinder auf einmal machen wollen, nutzen wir die Kamera-App. Manche Kinder beginnen vor der Kamera ein bisschen zu spielen, sie nehmen verschiedene Haltungen ein: liegen, hocken, Beine hoch …

 

Einführung in die App

Als alle Kinder mindestens ein Foto aufgenommen haben und mindestens einmal selbst fotografiert wurden, legen sich alle zusammen im Kreis auf den Boden mit dem Tablet in der Mitte.  Gemeinsam wird die Greenscreen-App gestartet. Die App ist komplett auf Englisch und kommt mit wenigen Symbolen und knappen Erläuterungen aus. Es gibt ein Beispielprojekt, das man sich ansehen kann, aber wir starten direkt, indem wir oben rechts in der Ecke auf das Pluszeichen drücken. Mit „create an new project“ können wir unsere digitale Fantasiereise beginnen. Es öffnet sich ein Arbeitsfenster, in dem unten drei Zeilen zu sehen sind. Wir zeigen den Kindern, dass über das Pluszeichen unten rechts unsere Fotos aufgerufen werden können. Das erste Kind sucht sein Foto aus der Galerie. Noch ist kein Strand zu erkennen, nur der grüne Hintergrund. Aber wenn wir nun das Farbrad antippen und dort den Schieberegler betätigen, sehen wir, wie das Grün verschwindet und schwarz zu werden scheint. Aber nun tippen wir auf das Pluszeichen in der zweiten Reihe und holen noch ein Foto in die App: den Strand. Und nun ist es hinter dem Kind nicht mehr schwarz, sondern man sieht den Strand. Das fasziniert die Kinder. Die Erzieherin führt vor, wie sich das Foto des Kindes mit zwei Fingern auf dem Hintergrund verschieben, drehen, vergrößern und verkleinern lässt.

 

Kreativ-Phase: eigene Versuche mit der App

Nach dieser kurzen Einführung wird für jedes Kind ein eigenes „Reiseprojekt“ angelegt. Die größeren Kinder, die demnächst zur Schule kommen, könnten das nach zwei, drei Vorführungen sicher selbst, aber die Kleineren nicht. Für sie ist die Oberfläche zu abstrakt. Das Auswählen der Fotos und auch das Verschieben, Drehen und Verkleinern und Vergrößern der Fotos klappt bei allen Kindern gut. Sie haben viel Spaß beim Experimentieren auf den verschiedenen Hintergründen und mit Größen und Positionen.

Und sie stellen erstaunt fest, dass ja auch das grüne T-Shirt, das das eine Kind trägt, verschwindet. Das Kind wird teilweise durchsichtig. Ein anderes Kind hat einen grüngestreiften Pullover an und gewährt so streifenweise Durchblick und ein drittes Kind hat auf seinem grünen T-Shirt einen Dinoaufdruck, der dafür sorgt, dass der Rumpf durchsichtig ist und ein Dino zu sehen ist sowie die Mondlandschaft, für die es sich als Hintergrund entschieden hatte.

 

Abschluss

In der Abschlussrunde werden die Fotos nochmal angesehen. Wir fragen die Kinder, wie ihnen die Aktion gefallen hat. Alle sind begeistert. Sie sollen erklären, wie die Fotos entstanden sind. Die Beschreibung der Arbeitsschritte macht den Kindern die Abläufe bewusst und regt sie dazu an, sich nochmal mit dem zu befassen, was sie in dieser Aktion gelernt haben. Sie erklären, dass alles, was grün ist, durchsichtig wird. Aber dann ist Essenszeit und wir machen Platz, damit die Tische gedeckt werden können. Die Aktion hat insgesamt etwa anderthalb Stunden gedauert.

 

Auswertung

Obwohl die App auf den ersten Blick eher komplex und wenig spielerisch wirkt, erschließt sie sich den Kindern schnell. Voraussetzung ist allerdings, dass die Betreuungspersonen sich vorher ausführlich mit der App befasst haben und die Grundfunktionen und Einstellungen verstanden haben. Sie zeigen, welche Symbole als nächstes angetippt werden müssen.

Für die altersgemischte Gruppe war es gut, dass wir sie in zwei Kleingruppen geteilt haben, mit 15 Kindern wäre es zu unruhig geworden. Die räumlichen Bedingungen und die Betreuungssituation ermöglichten es, eine Gruppe draußen spielen zu lassen, während die andere mit dem iPad arbeitete. Wenn nur mit Vorschulkindern gearbeitet wird, kann die Inszenierung der Szene intensiver ausgestaltet werden. Dann sind auch kurze Filmsequenzen mit Verkleidung u. Ä. realisierbar und die Kinder können auch dazu sprechen.

Die App eignet sich sowohl, um in Kleingruppen kooperativ ein Gemeinschaftsprojekt zu gestalten, als auch dazu, mit einzelnen Kindern kreativ zu werden.

Es sind Absprachen zwischen den Kindern notwendig, die Aushandlung von Reihenfolgen und die Einigung über Zuständigkeiten. Medienarbeit ist Teamarbeit und stärkt soziale Kompetenzen und Kommunikationsfähigkeiten sowie technisches Verständnis und regt die Auseinandersetzung mit medialen Inszenierungen an.

 

Bericht und Fotos: Susanne Roboom im Auftrag des DJI e. V.