Im Fokus der Fachgruppe stehen zum einen Fragen nach den Bedingungen des Aufwachsens für Jugendliche und junge Erwachsene in Deutschland: Was sind günstige, was weniger günstige Lebenslagen bezogen auf Dimensionen wie Einkommen, Bildung, Gesundheit, gesellschaftliche Partizipation oder Zugang zu sozialstaatlichen Angeboten, darunter denen der Kinder- und Jugendhilfe? Lebenslagen werden dabei als gesellschaftlich gestaltbare Rahmenbedingungen des Aufwachsens Jugendlicher im Sinne eines Handlungsspielraums (vgl. Weisser 1978) verstanden.

Die Fachgruppe analysiert, welche Bedeutung gesellschaftliche Entwicklungen wie eine zunehmende Pluralisierung und Individualisierung von Lebenswelten Jugendlicher, Verdichtungsprozesse in der Jugendphase, demografische Veränderungen oder sich verstärkende Prozesse sozialer Ungleichheit für das Aufwachsen der jungen Generation haben (vgl. exemplarisch Lüders, 2007). Zum anderen stehen die Reaktionen der Jugendlichen und jungen Erwachsenen sowie deren Umgang mit den genannten Entwicklungen im Mittelpunkt: Mit welchen Einstellungen, Orientierungen, Verhaltensweisen und Handlungsmustern begegnen sie diesen?  So stellen beispielsweise Individualisierung- und Pluralisierungstendenzen die Anforderung an Jugendliche, ihren Lebenslauf und ihre Lebensführung im Sinne des „unternehmerischen Selbst“ (Bröckling 2007) eigenständig zu gestalten.

Forschungsprojekte zu enger eingegrenzten Teilgruppen Jugendlicher und junger Erwachsener sowie der breit angelegte DJI-Survey Aufwachsen in Deutschland: Alltagswelten (AID:A) bilden die empirische Basis für die DJI-Lebenslagenforschung im Jugendalter.

Bröckling, Ulrich (2007): Das unternehmerische Selbst. Soziologie einer Subjektivierungsform. Frankfurt (Main)

Lüders, Christian (2007): Entgrenzt, individualisiert, verdichtet. Überlegungen zum Strukturwandel des Aufwachsens. In: SOS Dialog. Fachmagazin des SOS-Kinderdorf e.V. 2007, S. 4–10

Weisser, Gerhard (1978): Beiträge zur Gesellschaftspolitik. Göttingen, S. 361

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