Besteht der Verdacht, dass Kinder und Jugendliche misshandelt, missbraucht und vernachlässigt werden, so müssen Fachkräfte adäquat und schnell handeln (Gilbert u.a. 2009). Die Entscheidung über eine Meldung an staatliche Behörden erweist sich dabei als komplexer Entscheidungsprozess (Benbenishty u.a. 2011; Walsh u.a. 2008), der auch mit Unsicherheiten bezüglich der Einschätzung auf der Seite der Fachkräfte verbunden ist.

Die Kinderschutz-Hotline für ärztliches und heilberufliches Personal bietet bei Verdachtsfällen von Kindesvernachlässigung, ‑misshandlung und sexuellem Missbrauch kompetente und rechtssichere Beratung rund um die Uhr. Dabei werden professionsnahe „insoweit erfahrene Fachkräfte“ eingesetzt, die spezielle Qualifizierungen zu Problemlagen, Fragen des Kinderschutzes sowie Besonderheiten der Kommunikation über Professionsgrenzen hinweg absolviert haben. Die Kinderschutz-Hotline soll als Modell für eine im ärztlichen Alltag funktionierende Ausgestaltung des im Bundeskinderschutz verankerten Rechtsanspruchs auf Beratung von Berufsgeheimnisträgern erprobt werden.

Die externe Evaluation der Kinderschutz-Hotline durch das DJI dient dazu, eine Datengrundlage für die Bewertung des Erfolgs oder Misserfolgs des Angebots der Kinderschutz-Hotline zu schaffen. Die Analyse der fortlaufend geführten Nutzungsdaten der Hotline ermöglichen ei ne Einschätzung der Bekanntheit der Hotline, der tatsächlichen Nutzung, sowie der jeweiligen Anliegen und Beratungsstrategien. In Kombination mit einer nachträglichen Online-Befragung der Anruferinnen und Anrufer zur Bewertung der erbrachten Beratungsleistungen kann Nutzung, Potential und Qualität der Beratung evaluiert werden. In Gruppendiskussionen mit den Beraterinnen und Beratern werden zusätzlich die Thematiken der Anrufe evaluiert.

Die zu erwartenden Befunde liefern Hinweise für die Weiterentwicklung des Kinderschutzsystems an der Schnittstelle zwischen Gesundheitswesen und Jugendhilfe. Handlungsempfehlungen zur flächendeckenden Weiterentwicklung des Angebots der Kinderschutz-Hotline oder einer Erweiterung des Hotline-Angebots um weitere Professionen wie beispielsweise die Jugendhilfe und Familiengerichte sind denkbar.

 

Literatur

Benbenishty, Rami/Davidson-Arad, Bilha/Chen, Wendy/Glasser, Saralee/Tzur, Shmuel/Lerner-Geva, Liat (2011): The decision of hospital-based child protection teams to report to community child protective services. In: British Journal of Social Work, 41. Jg., H. 7, S. 1232–1250

Gilbert, Ruth/Kemp, Alison/Thoburn, June/Sidebotham, Peter/Radford, Lorraine/Glaser, Danya/MacMillan, Harriet L./(Keine Angabe) (2009): Recognising and responding to child maltreatment. In: The Lancet, 373. Jg., H. 9658, S. 167–180

Walsh, Kerryann/Bridgstock, Ruth/Farrell, Ann/Rassafiani, Mehdi/Schweitzer, Robert (2008): Case, teacher and school characteristics influencing teachers' detection and reporting of child physical abuse and neglect. Results from an Australian survey. In: Child Abuse & Neglect, 32. Jg., H. 10, S. 983–993

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