Sprache in der Kita: Expertentagung im DJI

Wie aussagekräftig sind Studien, die die Wirksamkeit von Sprachförderkonzepten in der Kita messen? 

14. Juni 2017 -

Unterstützung beim Spracherwerb in der frühen Kindheit gilt derzeit als wichtige Maßnahme, späteren Disparitäten im Bildungserfolg entgegenzuwirken. Welche Wege aber gibt es, um Sprachförderung empirisch zu beobachten und deren Wirksamkeit vergleichbar zu messen bzw. zu belegen? Um den hierzu notwendigen wissenschaftlichen Diskurs für die Entwicklung angemessener Forschungsstandards zu befördern, fand am 29. und 30. Mai 2017 am DJI in München eine Expertentagung zum Thema „Evidenzbasierte Überprüfung von Sprachförderkonzepten bei ein- und mehrsprachigen Kindern im Vorschulalter“ statt.

Zu diesem intensiven Arbeitstreffen kamen 3o geladene Expertinnen und Experten aus ganz Deutschland sowie Vertreterinnen der Politik zusammen, um sich über aktuelle Erkenntnisse, methodische Ansätze, Vorgehensweisen sowie Evidenzstandards in der bildungswissenschaftlichen Forschung auszutauschen. Die Tagung war ein großer Erfolg und ermöglichte den offenen, ergebnisorientierten Austausch zwischen allen Beteiligten. Die intensive, interdisziplinäre Zusammenarbeit wird fortgesetzt und in eine gemeinsame Tagungspublikation münden.

Hintergrund

Von Bund- und Länderseite werden seit einigen Jahren vielfältige Bemühungen unternommen, um die Sprachentwicklung von Kindern, die ihre Unterrichts- bzw. Bildungssprache nicht ausreichend beherrschen, bereits vor der Einschulung stärker zu unterstützen. Ziel ist es, für diese Kinder bessere Ausgangsbedingungen und damit größere Chancen auf Bildungserfolg zu schaffen. Mittlerweile werden für Kinder mit Förderbedarf im Deutschen in Kindertageseinrichtungen zahlreiche Sprachfördermaßnahmen angeboten. Trotz eines großen finanziellen und personellen Einsatzes ist jedoch nicht sichergestellt, dass diese Maßnahmen die erstrebte Wirkung erzielen. So wird die Forderung nach evidenzbasierten Nachweisen der Wirksamkeit von Bildungsansätzen und Fördermaßnahmen nicht nur von Seiten der Forschung, sondern auch von Seiten der Politik und Praxis immer lauter. Eine notwendige Bedingung für belastbare Evidenzbasierung ist jedoch eine hochwertige empirische Forschung, die gegenstandsangemessen ist und zugleich hohen methodischen Standards genügt. Gerade in den Bildungswissenschaften müssen diese teilweise neu definiert und etabliert werden, da die häufig aus dem medizinisch-therapeutischen Bereich übertragenen Konzepte, der Spezifität und Komplexität des pädagogischen Alltags nicht gerecht werden.

Die Expertentagung wurde von den DJI-Mitarbeiterinnen Dr. Katarina Groth und Dr. Kristine Blatter (Abt. Kinder und Kinderbetreuung), konzipiert und durchgeführt. Extern gefördert wurde die Tagung durch die Fritz Thyssen Stiftung.

Weitere Informationen

Tagungsprogramm mit Abstracts der Vorträge

Fotodokumentation der Tagung

Kontakt
Dr. Katarina Groth
Deutsches Jugendinstitut
Abteilung Kinder und Kinderbetreuung
Projekt: Sprachbildung und -entwicklung im Kita-Alltag (SEIKA-NRW)
groth@dji.de