Systemischer Forschungspreis für Susanne Witte

Studie über die Situation von Geschwistern bei Missbrauch, Misshandlung und Vernachlässigung in der Familie wurde ausgezeichnet

Susanne Witte (Foto: David Ausserhofer)

07. Juni 2018 -

Für ihre Dissertation über die Situation von Geschwistern bei Missbrauch, Misshandlung und Vernachlässigung in der Familie hat die DJI-Wissenschaftlerin Susanne Witte den mit 3.000 Euro dotierten Systemischen Forschungspreis erhalten. Er wurde ihr am 6. Juni 2018 von der Systemischen Gesellschaft (SG), einem Fachverband zur Vertretung und Weiterentwicklung des Systemischen Ansatzes und der Deutsche Gesellschaft für Systemische Therapie, Beratung und Familientherapie (DGSF) verliehen. Mit ihrer Studie konnte Susanne Witte nachweisen, dass das Risiko für Geschwister, ebenfalls Opfer zu werden, vier Mal so groß ist wie in anderen Familien.

Die Gutachterinnen und Gutachter, die in Praxis, Forschung und Lehre tätig sind, loben in ihrer Begründung das innovative Forschungsdesign von Wittes Arbeit und die differenzierte Auswertung. Als besonders nützlich werten sie die praxisorientierten Schlussfolgerungen für die Arbeit in der Kinder- und Jugendhilfe sowie im Kinderschutz: „Es werden Fragen der Risikoabklärung diskutiert und Präventionsangebote gefordert, die beispielsweise stärker auch die Väter und die Geschwister einbeziehen. Insbesondere jüngere Geschwister gilt es in der Beratung und Therapie, sowie bei weiterführenden Unterstützungsangeboten stärker in den Blick zu nehmen“.

Trotz der erhöhten Missbrauchsgefahr und psychischer Beeinträchtigungen bis ins Erwachsenenalter berücksichtigen Kinderschutzverfahren die Belange von Schwestern und Brüdern derzeit nur unzureichend, erläutert Preisträgerin Susanne Witte. Dies sei zeitintensiv und passiere je nach personellen Ressourcen aktuell nur teilweise im Rahmen einer familienbasierten Fallbearbeitung im Jugendamt. Stattdessen wäre es sinnvoll, diese Prüfung in den Leitlinien und Handlungsanweisungen für Kinderschutzverfahren zu verankern.

Für die Studie wurden mehr als 4.500 Erwachsene anhand des vielfach erprobten „Childhood Trauma Questionnaire“ online zu möglichen Misshandlungs- und Missbrauchserfahrungen befragt sowie zu ihrer Geschwisterbeziehung, zum Verhalten der Eltern und zur aktuellen psychischen Belastung. Bei 870 Teilnehmenden war es möglich, zusätzlich einen Bruder oder eine Schwester zu interviewen. Dadurch konnten erstmals verschiedene Erfahrungen in einer Familie berücksichtigt werden.

Die Ergebnisse der Studie sind 2018 unter dem Titel „Geschwister im Kontext von Misshandlung, Missbrauch und Vernachlässigung“ im Verlag Beltz Juventa erschienen.

Kontakt
Dr. Felicitas von Aretin
089-62306-258
aretin@dji.de

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