Raus aus der Teilzeitfalle

Das geplante Rückkehrrecht auf Vollzeit ist überfällig, sagt Familienforscherin Karin Jurczyk. Allerdings gilt es für viele Mütter nicht

12. Oktober 2018 -

Viele Frauen in Deutschland landen derzeit in der Teilzeitfalle: Haben sie ihre Arbeitszeit einmal für die Familie reduziert, wird eine Rückkehr auf eine Vollzeitstelle schwierig. Laut dem Statistischen Bundesamt waren im September 2018 mehr als zwei Drittel der erwerbstätigen Mütter in Teilzeit tätig. Erstaunlich ist, dass die Teilzeitquote von Frauen nur geringfügig sinkt, wenn deren Kinder größer werden. Dies – und vor allem auch der große Anteil einer kurzen Teilzeit von weniger als 20 Wochenstunden – sei eine wesentliche Ursache für die Altersarmut von Frauen und die Armut von Alleinerziehenden, erklärt Karin Jurczyk, Familienforscherin am Deutschen Jugendinstitut (DJI). Zudem habe Teilzeitarbeit negative Konsequenzen für den beruflichen Aufstieg.

Um mehr Gleichberechtigung in der Arbeitswelt zu erzielen, plant die Bundesregierung nun einen Rechtsanspruch auf Rückkehr von einem Teilzeit- in einen Vollzeitjob. Am Montag, 15. Oktober 2018, findet im Bundestagsausschuss für Arbeit und Soziales eine öffentliche Anhörung zur sogenannten Brückenteilzeit statt. „Das Rückkehrrecht von Teilzeit auf Vollzeit ist ein seit langem überfälliger Start, um insbesondere Frauen in Deutschland aus der Teilzeitfalle zu holen, allerdings bleibt es für viele betroffene Mütter wirkungslos“, bedauert Karin Jurczyk. Denn die Brückenteilzeit soll nur für Beschäftigte in Firmen ab 46 Mitarbeitern gelten. Laut der Beschäftigtenstatistik der Bundesagentur für Arbeit sind aber bundesweit 42 Prozent aller Frauen in einem Betrieb tätig, der nicht die im Gesetz geforderte Mindestgröße hat.

Im September 2018 arbeiteten 69 Prozent der erwerbstätigen Mütter und 6 Prozent der erwerbstätigen Väter mit minderjährigen Kindern in Deutschland in Teilzeit. Bei den erwerbstätigen Frauen insgesamt sind es knapp 40 Prozent. Dies spricht dafür, dass Teilzeitarbeit von vielen als Lösung zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie genutzt wird mit allen negativen Folgen im Lebensverlauf, betont Jurczyk. Bereits der 1. und der 2. Gleichstellungsbericht der Bundesregierung von 2011 und 2017 haben auf diesen engen Zusammenhang verwiesen.

Dass es auch anders geht, belegen beispielsweise Länder wie Frankreich oder Slowenien. Dort arbeitet lediglich ein Anteil von gut 20 Prozent beziehungsweise 6 Prozent der erwerbstätigen Mütter in Teilzeit, wie Daten des European Union Labour Force Survey zeigen. Aber auch innerhalb Deutschlands gibt es starke Differenzen: Nach wie vor unterscheiden sich Ost- und Westdeutschland bei der Erwerbsbeteiligung deutlich. Während im Osten 49 Prozent der erwerbstätigen Mütter in Teilzeit arbeiten, sind es im Westen 74 Prozent. Eine ausreichende Versorgung mit Kinderbetreuungsplätzen auch für unter Dreijährige ist dabei der Schlüssel. Gleichzeitig wird es in Ostdeutschland kulturell als selbstverständlicher angesehen, dass Mütter erwerbstätig sind.

Im Sommer passierte der Gesetzentwurf zur neuen Brückenteilzeit von Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) bereits das Kabinett und den Bundesrat. Im Bundestag wurde der Gesetzentwurf Ende September kontrovers diskutiert. Das Gesetz soll Anfang 2019 in Kraft treten.

Kontakt

Karin Jurczyk
Leiterin der Abteilung Familie und Familienpolitik
089/62306-255
jurczyk@dji.de

Dr. Felicitas von Aretin
Abteilungsleitung Medien und Kommunikation
Tel. 089/62306-258
aretin@dji.de

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