Quereinstiege in Altenpflege und Kindertagesbetreuung

Eine DJI-Studie zeigt, dass sich auf diesem Weg engagierte Fachkräfte gewinnen lassen, sofern sich die Einrichtungen weiterentwickeln

02. November 2018 -

In der Kindertagesbetreuung und Altenpflege fehlt Personal. Die Politik setzt unter anderem auf Menschen, die sich beruflich umorientieren wollen. Die Erfahrungen mit Quereinsteigenden sind oft gut, zeigt eine neue Studie des Deutschen Jugendinstituts (DJI). Allerdings müssen sich Kitas und Heime organisatorisch weiterentwickeln. „Gelungene Quereinstiege erfordern neue Personalkonzepte und eine gezielte Teamentwicklung in den Einrichtungen“, sagt DJI-Wissenschaftlerin Birgit Riedel, eine der Autorinnen der Studie.

Nach Berechnungen des Forschungsverbunds Deutsches Jugendinstitut/TU Dortmund fehlen bis zum Jahr 2025 noch mindestens 310.000 zusätzliche pädagogische Fachkräfte in Kindertageseinrichtungen. Eine ähnliche Situation ist in der Altenpflege zu erwarten. Quereinsteigende alleine reichen nicht aus, um diese Personallücke zu schließen. Doch seien diejenigen, die im Laufe ihres Berufslebens mit einer Erzieher- oder Altenpflege-Ausbildung noch einmal neu anfangen, meist eine große Bereicherung, konstatiert Riedel. Für die von der Hans-Böckler-Stiftung finanzierten Studie führten DJI-Wissenschaftlerinnen in den Jahren 2014 bis 2016 Gruppendiskussionen mit Quereinsteigenden sowie Interviews mit Leitungen von Fachschulen und Einrichtungen der Kindertagesbetreuung und der Altenpflege.

Lehrkräfte in der theoretischen Ausbildung erleben Quereinsteigende als sehr reflektiert und engagiert, in der betrieblichen Praxis gelten sie als strukturiert, zielorientiert und belastbar. Zuweilen kommt es zu Überforderungen, weil in Vergessenheit gerät, dass es sich bei den Quereinsteigenden trotz Lebenserfahrung um Auszubildende handelt. Zudem tun sich jüngere Vorgesetzte sowie Praxisanleiterinnen und -anleiter mitunter schwer im Umgang mit älteren Quereinsteigenden. Leitungskräften kommt deshalb die wichtige Aufgabe zu, die Integration von Quereinsteigenden zu unterstützen und Konflikten im Team vorzubeugen. Die Befürchtung, dass durch Quereinsteigende das fachliche Niveau sinken könnte, habe sich bislang als unbegründet erwiesen, betont Riedel. Anders als in der Altenpflege sind in der Kindertagesbetreuung nur Quereinstiege über eine Ausbildung möglich.

Was die Vermittlung von Quereinsteigenden betrifft, merken befragte Leitungen von Kitas und Pflegeheimen kritisch an, dass die Arbeitsagenturen die persönliche Eignung zu wenig berücksichtigen würden und die Quereinsteigenden oft nicht genügend über die Anforderungen im Tätigkeitsfeld informiert seien. Das führe zu erhöhten Abbruchquoten in der Ausbildung. Die DJI-Expertinnen halten es für nötig, dass sich die Arbeitsagentur, die ausbildenden Schulen und die Einrichtungen auf gemeinsame Anforderungen an Bewerberinnen und Bewerber verständigen und dann entsprechend informieren. Das könne Enttäuschungen wegen falscher Erwartungen an die Tätigkeit vorbeugen. Denn nur, wenn Quereinsteigende langfristig in der Altenpflege und Kindertagesbetreuung bleiben, profitieren diese Arbeitsfelder von ihnen.

Quereinsteigende auf dem Weg zur Fachkraft, Study der Hans-Böckler-Stiftung Nr. 392
Quereinstieg mit Perspektive, Wissenschaftliche Analyse

Hartnäckige gesucht, Süddeutsche Zeitung, 01.11.2018


Kontakt
Birgit Riedel
Abteilung Kinder und Kinderbetreuung
Leitung der Fachgruppe Bildungsorte und sozialstaatliche Leistungen für Kinder
089/62306-196
riedel@dji.de

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