Kulturelle Folgen der künstlichen Befruchtung

Andreas Bernard erklärt, warum die Reproduktionsmedizin das Konzept der Familie stärkt

04. Dezember 2017 -

Theoretisch ist es heute möglich, dass ein Kind drei Mütter und zwei Väter hat: einen Samenspender, eine Eizellspenderin, eine Leihmutter und dann noch die sozialen Eltern, bei denen das Kind aufwächst. Der Kulturwissenschaftler Andreas Bernard untersuchte, wie die die Techniken assistierter Empfängnis unser Verständnis von Familie und Elternschaft beeinflussen.

Bei den Recherchen für seine Habilitationsschrift besuchte er zahlreiche Schauplätze der Reproduktionsmedizin, Kliniken, Samenbanken und Leihmutter-Agenturen – und kam zu überraschenden Ergebnissen, wie er in einem Audio-Statement und einem ausführlichen Interview im Forschungsmagazin „DJI Impulse“ darlegt.

Für Bernard ist die heute zu beobachtende Renaissance der Familie untrennbar mit der Reproduktionsmedizin verbunden. Denn nach seinen Beobachtungen entwickeln Eltern, die mithilfe von künstlicher Befruchtung ein Kind bekommen, Strategien, die Familie – trotz teilweise ausufernder oder stark fragmentierter Familienkonstellationen – aufrechtzuerhalten. Sie lebten nicht selten eine auffällige Bürgerlichkeit. Ein altes, in Folge der 1968er-Bewegung ausgedientes Familienmodell, sei dadurch wiederbelebt worden.

Audiofile Andreas Bernhard

DJI Impulse „Mehr als Vater, Mutter, Kind“