Hinwendung junger Menschen zu gewaltbereiten radikalisierten Gruppen verhindern

19. April 2016 -

Der große Zulauf, den extremistische Gruppierungen jeglicher Ausrichtung derzeit erfahren, ist auch für Ärzte und Therapeuten eine Herausforderung. Das Phänomen wurde auf dem jüngsten Kongress der Deutschen Gesellschaft für Verhaltenstherapie diskutiert, zu dem Michaela Glaser (DJI) als Referentin geladen war. Eine Anfälligkeit für extremistische Gruppen, so die Soziologin, könne aus gesellschaftlichen Desintegrationserfahrungen wie ökonomischer Randständigkeit, Diskriminierung, aber auch aus individuellen Ausgrenzungserlebnissen in Schule, Familie oder sozialem Umfeld resultieren. Auslöser könnten zudem persönliche Krisenerlebnisse, z.B. der Verlust von Angehörigen oder ein Gefängnisaufenthalt, sein. „Die Jugendlichen suchen nach sozialen Bindungen und werden von der vermeintlichen Attraktivität der Gemeinschaft angezogen: von der ‚Kameradschaft‘ in rechtsextremen Zusammenhängen, der ‚brotherhood‘ oder ‚sisterhood‘ islamistischer Gruppen“, wird sie im Deutschen Ärzteblatt zitiert. Aber es gäbe gerade bei jungen Menschen immer die Möglichkeit von Distanzierung und Ausstieg, betont Glaser. Hier kommen Beratungs- und Hilfsangebote für Betroffene, Angehörige und Fachkräfte ins Spiel, die im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ 2015 gefördert werden. Die Fördergelder des Programms fließen u.a. in den Auf- und Ausbau lokaler „Partnerschaften für Demokratie“ und landesweite „Demokratiezentren“. Die Programmevaluation wurde dem Deutschen Jugendinstitut übertragen.

Arbeits- und Forschungsstelle Rechtsextremismus und Radikalisierungsprävention am DJI in Halle