Familienrecht: Wechselmodell statt Residenzmodell bei Trennungsfamilien als Regelfall?

27. April 2016 -

In den meisten Fällen wohnen Kinder nach der Trennung ihrer Eltern überwiegend bei einem Elternteil (Residenzmodell). Mehr als die Hälfte aller Trennungskinder haben mindestens einmal pro Woche Kontakt zum anderen Elternteil. Knapp fünf Prozent der Eltern erziehen die Kinder mehr oder weniger paritätisch gemeinsam. In 20 Prozent der Fälle gibt es gar keinen Kontakt zum anderen Elternteil – so die Ergebnisse des DJI-Surveys AID:A (Aufwachsen in Deutschland: Alltagswelten). Die FDP möchte das Residenzprinzip kippen. Sie will die Betreuung durch beide Eltern im Wechselmodell als gesetzlichen Regelfall festschreiben. Unumstritten ist die paritätische Betreuung von Trennungskindern allerdings nicht. „Früher dachte man ja auch, das gemeinsame Sorgerecht würde viele Konflikte heilen. Das war nicht der Fall. Jetzt werden an das Wechselmodell ähnliche Erwartungen geknüpft", gibt die stellvertretende DJI-Direktorin Prof. Dr. Sabine Walper gegenüber der Zeitung DIE WELT zu bedenken. „Ich bin skeptisch, ob es zugelassen werden sollte, dass Gerichte dieses Modell auch gegen den Willen der Eltern anordnen dürfen.“ Gerade bei einem konflikthaften Verhältnis der Eltern würden die Kinder zu potenziellen Frontgängern.

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Sabine Walper zu Gast im SWR2 Forum: Wie sollen Trennungskinder aufwachsen? (Audio)