Bei Missbrauchsverdacht mit dem Kind direkt reden

Dr. Heinz Kindler empfiehlt, Jugendamtsmitarbeiter für Gespräche zu schulen

15. Februar 2018 -

Anfang des Jahres wurde bekannt, dass sich eine Mutter in Staufen im Breisgau gemeinsam mit ihrem pädophilen Lebensgefährten an ihrem eigenen Sohn vergangen hat und dem Neunjährigen von Sexualstraftätern gegen Bezahlung Gewalt antun lies. Auf der Suche nach den Gründen dafür, dass die Behörden diesen Fall nicht verhindern konnten, hat die Süddeutsche Zeitung mit Dr. Heinz Kindler vom Deutschen Jugendinstitut gesprochen.

„In Jugendämtern gibt es generell eine große Hemmschwelle, bei Verdacht auf Missbrauch mit Kindern direkt zu reden“, sagt der Diplom-Psychologe. „Wenn man das Kind suggestiv exploriert, kann man Aussagen so verfälschen, dass sie später in einem Strafverfahren nicht mehr verwertbar sind". Gleichzeitig biete aber die Exploration eines Kindes oft die beste Chance, einen Verdacht zu klären. Und besonders ausgebildete Sachverständige seien oft nicht verfügbar. Deshalb müssten, nicht nur in Freiburg, Jugendamtsmitarbeiter dringend für solche Gespräche geschult werden, empfiehlt Kindler.

Jenseits der kurzfristigen Inobhutnahme seinen Jugendämter zudem auf die Gerichte angewiesen, wenn sie Kinder aus der Familie nehmen wollen. Deshalb stellt sich auch die Frage, wie dafür gesorgt werden kann, dass Richterinnen und Richter ihr Wissen über Kinderschutz aktuell halten.

Schließlich gelte es, die Kommunikation zwischen Jugendamt, Staatsanwaltschaft und Gericht verbindlich zu regeln. Das "Gesetz zur Kooperation und Information im Jugendschutz" sollte in der vergangenen Legislaturperiode ergänzt werden, so dass die Information des Jugendamts dann verpflichtend wäre. Doch der Gesetzentwurf steckt zwischen Bundestag und Bundesrat fest.

Dr. Heinz Kindler ist Leiter der Fachgruppe „Familienhilfe und Kinderschutz“ am DJI und gehört als Sachverständiger u.a. der Enquete-Kommission zur Stärkung von Kinderrechten und Kinderschutz in der Hansestadt Hamburg an.


Problem erkannt, Gefahr nicht gebannt, Süddeutsche Zeitung vom 15.02.18Forschungsmagazin DJI Impulse 2/2017 über sexuelle Gewalt in Heimen und Schulen
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Abteilung Medien und Kommunikation
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