Höhe des Taschengeldes und sonstiger Geldmittel

Das Taschengeld der Kinder ist zwar begrifflich abgrenzbar, empirisch aber kaum erfassbar, weil es nur ein Teil der Geldmittel in den Taschen der Kinder ist. Empirische Befunde zu den verfügbaren Geldmitteln von Kindern liegen vor allem von Marktforschungsinstituten vor, die sich für das Kaufkraftpotential der Kinder und Jugendlichen als Voraussetzung für das Kinder- und Jugendmarketing interessieren.

Das Taschengeld bildet den Grundstock des „Einkommens“ der Kinder. Auch bei den weiteren Geldzuwendungen sowie bei den Geldgeschenken gibt es Unterschiede zwischen Mädchen und Jungen sowie zwischen Ost und West: Im Durchschnitt über die gesamte Altersgruppe erhielt im Jahr 2007 jedes 6- bis 12-jährige Kind 299 €. Die Mädchen bekamen etwas weniger als die Jungen; ostdeutsche Kinder erhielten rund ein Drittel weniger als Kinder in den alten Bundesländern.

Aber nur knapp 70% der 6- bis 12-Jährigen erhalten ein Taschengeld von ihren Eltern ausgehändigt, wobei die Zuwendungspraxis deutlich vom Alter der Kinder abhängt: Der Anteil der Taschengeldempfänger unter den 6- bis 8-Jährigen beträgt 52%, bei den 9- bis 10-Jährigen 75% und bei den 11- bis 12-Jährigen schließlich 83%.

Während in Westdeutschland der Anteil der Taschengeldempfänger bei 70% liegt, können in Ostdeutschland nur 54% der Kinder mit einem Taschengeld kalkulieren. Auf diesen Unterschied ist letztlich ein großer Teil der Differenz zwischen West und Ost in den jährlichen Geldsummen pro Kopf zurückzuführen.

 

Taschengeld pro Woche
(€)

Sonstige Geldzuwendungen pro Woche (€)

Geldgeschenke

Gesamtbetrag
pro Kopf im Jahr (€)

Geburtstag

Weihnachten

Gesamt

3,40

2,80

66

62

299

           
6- bis 8-Jährige

2,50

2,30

50

47

197

9- bis 10-Jährige

3,10

3,10

67

67

317

11- bis 12-Jährige

4,70

3,20

83

74

419

           
Jungen

3,70

3,00

66

66

312

Mädchen

3,20

2,50

66

58

269

 

 

 

 

 

 

Alte Bundesländer

3,50

2,90

69

64

308

Neue Bundesländer

3,10

2,10

50

47

210

Quelle: Synovate Research reinvented: Synovate Taschengeldkalender 2007. Ergebnisse des Synovate Kids­ + Teens Sommerbus 2007. München 2007

Im Jugendalter nimmt der Anteil der Taschengeldempfänger nur noch geringfügig zu. Im Jahr 2005 erhielten 87% der 13- bis 17-jährigen von ihren Eltern regelmäßige Geldzuwendungen; 12% bezogen ein regelmäßiges Arbeitseinkommen. Darüber hinaus hatten 29% der Jugendlichen Einkünfte aus Jobs und Nebentätigkeiten. Im Durchschnitt betrug das elterliche Taschengeld 37 € pro Monat, das regelmäßige Arbeitseinkommen 239 €, der Verdienst aus Jobs 65 €. Dazu kamen Geldgeschenke (36 € monatlich). Insgesamt verfügte der „Durchschnittsjugendliche“ im Jahr 2005 über rund 1.100 €, also 92,35 € im Monat.

 

 

Taschengeld und andere elterliche Geldzuwendungen pro Monat (€)

Regelmäßiges Gehalt netto pro Monat (€)

Einnahmen aus Jobs und Nebentätigkeiten netto pro Monat (€)

Geldgeschenke
pro Monat (€)

Gesamtbetrag pro Kopf/ im Jahr (€)

Gesamt

37

239

65

36

1.108

           
Jungen

35

225

71

36

1.145

Mädchen

40

259

58

37

1.071

 

 

 

 

 

 

Alte Bundesländer

38

182

65

38

1.101

Neue Bundesländer

34

349

64

29

1.141

Quelle: Institut für Jugendforschung (Roland Berger Market Research) (Hrsg.): Die Finanzkraft der 13- bis 17-Jährigen in der Bundesrepublik Deutschland. München 2005

Anders als bei Kindern enthält das „Taschengeld“ für Jugendliche häufig auch Geld, um Teile des Lebensbedarfs (z.B. Kleidung, Kinobesuche) zu bestreiten. Hierfür verwenden die Jugendlichen gerne auch die Einnahmen aus Jobs. Zieht man die „laufenden Kosten“ ab, haben Jugendliche im Schnitt monatlich 76 € zur freien Verfügung. Hochgerechnet auf alle Jugendlichen summieren sich die innerfamiliären Transfereinkünfte und Arbeitseinkommen in dieser Altersgruppe auf 4,2 Milliarden Euro. Dabei verfügen weibliche Jugendliche durchschnittlich über geringere Geldmittel als männliche (rund 6 € weniger pro Monat). Jugendliche in Ostdeutschland erzielen insgesamt etwas größere Einkommen (rund 95€ pro Monat) als jene im Westen (rund 92€ pro Monat). Dies dürfte darauf zurückzuführen sein, dass ostdeutsche Jugendliche häufiger und früher ein geregeltes Arbeitsverhältnis aufnehmen. Westdeutsche Jugendliche jobben neben der Schule doppelt so häufig wie ihre östlichen Altersgenossen.

Obwohl es sich beim Taschengeld der Kinder um pädagogisches Geld handelt, dessen Höhe grundsätzlich unabhängig von den finanziellen Verhältnissen der Eltern ist, spiegeln die Geldbeträge mikro- und makroökonomische Veränderungen wider. Die Geldzuwendungen der Eltern entsprechen zwar im Durchschnitt den pädagogischen Taschengeldempfehlungen, dennoch zeigt sich, dass Kinder aus ärmeren Regionen in Deutschland knapper gehalten werden. Ferner widerlegen die Daten zu den „Einkünften“ der Kinder und Jugendlichen, über mehrere Jahre betrachtet, das Vorurteil, Kinder bekämen in unserer Gesellschaft immer mehr Geld. Beispielsweise sind die Einnahmen der 6- bis 12-Jährigen pro Kopf von 349 € im Jahr 2003 auf 254 € im Jahr 2004 gesunken und im Jahr 2005 wieder leicht auf 270 € angestiegen; im Jahr 2007 wurde dann ein Betrag von 299 € erreicht. Auch wenn die Marktforschungsinstitute mit Blick auf die verfügbaren Geldsummen der Kinder zu recht unterschiedlichen Ergebnissen kommen, ist ein stetiger Aufwärtstrend nicht belegbar. Aber auch Schlagzeilen wie „Krise kürzt Kindern das Taschengeld“ (Tagesspiegel 12.8.2009), „Krise: Eltern kürzen Taschengeld“ (Focus online 11.8.2009), die zum Erscheinungstermin der KidsVerbraucherAnalyse 2009 zu lesen waren, sind kritisch zu bewerten. Die mediale Öffentlichkeit will nicht mehr zwischen „Taschengeld“, das der Gelderziehung der Kinder dient, und „monatlichen Geldbezügen“ der Kinder unterscheiden. Sicherlich haben die Kinder insgesamt weniger Geld als im letzten Jahr erhalten, darauf verweisen auch andere Studien wie die „Trend Tracking Kids® 2009“ (iconkids & youth). Von den Eltern wird allerdings weniger beim knapp bemessenen regelmäßigen Taschengeld der Kinder „gespart“ als vielmehr bei den pädagogisch eher umstrittenen zusätzlichen Geldzuwendungen und bei den Geldgeschenken.