Arbeits- und Forschungsstelle Rechtsextremismus und Radikalisierungsprävention

Die Auseinandersetzung mit demokratiefeindlichen Orientierungen sowie mit politisch begründeter und vorurteilsmotivierter Gewalt ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die auch Jugendpolitik, Jugendbildung und Jugend(sozial-)arbeit immer wieder mit sich verändernden Anforderungen konfrontiert. Unverändert kommt dabei der pädagogischen Auseinandersetzung mit Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit hohe Relevanz zu. Die seit 2014 wieder wachsende Zahl fremdenfeindlicher (Gewalt-)Straftaten, das Erstarken rechtspopulistischer Strömungen, aber auch in der Gesamtbevölkerung verbreitete rechtsextreme, fremden- und islamfeindliche Einstellungen unterstreichen dies. 

Seit einigen Jahren steht zudem mit gewaltorientiertem Islamismus ein weiteres demokratiefeindliches und gruppenabwertendes Phänomen im Fokus der gesellschaftlichen Aufmerksamkeit. Auch für die pädagogische Fachpraxis sind damit neue, spezifische Herausforderungen verbunden: Auf der einen Seite besteht hier hoher gesellschaftlicher Handlungsdruck, auf der anderen Seite liegt in Deutschland bisher nur wenig gesichertes Wissen zu diesem Phänomen vor, und auch pädagogische Ansätze werden in diesem Handlungsfeld erst seit wenigen Jahren entwickelt.

Weiterer Handlungs- und Entwicklungsbedarf für die pädagogische Praxis resultiert aktuell auch aus gesamtgesellschaftlichen Polarisierungen im Zusammenhang mit Migration und Religion, die sich unter anderem in sozialräumlichen Konflikten niederschlagen. Die Praxis muss hier Wege finden, um Polarisierungs- und Entfremdungstendenzen entgegenzuwirken.

Aufgabe der Arbeits- und Forschungsstelle Rechtsextremismus und Radikalisierungsprävention ist es, (nationales und internationales) fachliches Wissen zu diesen pädagogischen Handlungsfeldern für Wissenschaft, Fachpraxis und Politik zu generieren und aufzubereiten. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf praxisrelevantem Wissen zu jugend(-phasen)spezifischen Dimensionen der Phänomene sowie auf der Sicherung und Systematisierung von Praxiserfahrungen, die in der pädagogischen Auseinandersetzung mit diesen Phänomenen gewonnen wurden.

Dieser Aufgabe begegnet das Projekt durch

  • systematische Aufarbeitung vorliegender Erkenntnisse,
  • qualitative Erhebungen zu praxisrelevanten Fragestellungen,
  • Förderung des fachlichen, professionen- und disziplinenübergreifenden Austauschs im bundesweiten und internationalen Kontext,
  • praxisorientierte Wissensaufbereitung und Transmission von Erkenntnissen in die Fachpraxis und
  • Beratungstätigkeiten für Fachpraxis, Politik und andere themenrelevante Professionen.

Seit dem Jahr 2000 werden diese Aufgaben im Themenfeld Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit und seit 2011 ebenfalls im Themenfeld gewaltorientierter Islamismus bearbeitet (zunächst hier Projektmodul).

Die zentralen Ergebnisse der Arbeits- und Forschungsstelle können als gedruckte Berichte bezogen werden und stehen als Download zur Verfügung. Die Schriftenreihe und einen Überblick über alle weiteren Publikationen der Projektmitarbeiter/innen finden Sie unter Publikationen.

Weitere Ergebnisse der AFS wie Arbeitspapiere, Vortrags- und Medientätigkeiten der Projektmitarbeiter/innen sowie von der AFS beauftragte Expertisen und vom Projekt durchgeführte Fachveranstaltungen finden sie in der Rubrik Wissenstransfer.

Aktuelle Arbeitsschwerpunkte:

  • Gewaltorientierter Islamismus - Herausforderungen für die Jugendhilfe
  • Politisch-weltanschauliche Extremismen im Internet
  • Distanzierungs- Deradikalisierungsarbeit im europäischen Vergleich
  • Aktuelle sozialräumliche Konfliktkonstellationen und -lösungsansätze im Kontext von Migration und Religion (in Vorbereitung)

Köttig, Michaela (2004): Lebensgeschichten rechtsextrem orientierter Mädchen und junger Frauen: Biografische Verläufe im Kontext der Familien- und Gruppendynamik (Forschung psychosozial). Gießen.

Ceylan, Rauf/Kiefer, Michael (2018): Radikalisierungsprävention in der Praxis. Antworten der Zivilgesellschaft auf den gewaltbereiten Neosalafismus. Wiesbaden.

Khosrokhavar, F. (2016): Radikalisierung. Leipzig.

Schmid, Alex P. (2013): Radicalisation, de-radicalisation, counter-radicalisation. A conceptual discussion and literature review. ICCT Research Paper. The Hague.

Rieker, Peter (Hrsg.) (2014): Hilfe zum Ausstieg? Ansätze und Erfahrungen professioneller Angebote zum Ausstieg aus rechtsextremen Szenen. Weinheim/Basel.


News


NEUE PROJEKTPHASE DER AFS BEGINNT

Unter dem neuen Titel „Arbeits- und Forschungsstelle Demokratieförderung und Extremismusprävention“ startet die AFS im Jahr 2020 in eine neue Projektphase. Die AFS nimmt dabei wieder aktuelle fachliche und gesellschaftliche Fragen im Themenfeld Demokratieförderung und Extremismusprävention in den Blick. Dabei stehen in den kommenden Jahren vor allem die pädagogische Praxis der Demokratieförderung sowie die politische Sozialisation junger Menschen im Fokus. Die AFS nähert sich diesen Themen u.a. mit einer an Sozialräumen orientierten Jugendstudie und der Erweiterung des Forschungsspektrums auf quantitative Methoden und Mixed Methods Designs. Mit Schwerpunkten zu pädagogischer Praxis der Auseinandersetzung mit Rechtsextremismus und islamistischem Extremismus knüpft die AFS zugleich an ihre fast 20-jährige Forschungserfahrung an.

Mit der neuen Projektphase freuen wir uns, Dr. Maren Zschach, Ina Weigelt und Marco Schott als neue Mitarbeiter/innen der AFS begrüßen zu dürfen!


VERABSCHIEDUNG

Zum Ende der Projektphase 2015-2019 haben Dr. Anja Frank, Anna F. Scholz, Felix Pausch und Jens Paßlack die AFS verlassen. Wir danken ihnen sehr für ihren wichtigen Beitrag zur Forschungsarbeit der AFS und zur Weiterentwicklung des Projekts und wünschen Ihnen für ihre neuen beruflichen Aufgaben alles Gute!


Vorträge


Expertise „Neue Medien und politischer Extremismus im Jugendalter: Die Bedeutung von Internet und Social Media für jugendliche Hinwendungs- und Radikalisierungsprozesse“ von Klaus Boehnke, Özen Odağ und Anne Leiser

Im Auftrag der AFS haben sich Prof. Dr. Klaus Boehnke, Dr. Özen Odağ und Anne Leiser von der Bremen International Graduate School of Social Sciences (BIGSSS) mit der Frage beschäftigt, welche Bedeutung Internet und Social Media für jugendliche Hinwendungs- und Radikalisierungsprozesse haben. In der Expertise wurden der Stand der Forschung zum Thema aufgearbeitet und zentrale weiterführende Erkenntnisse aus anderen themenrelevanten Forschungsdisziplinen zusammengetragen. Interessierte können diese Expertise im Bereich "Wissenstransfer" im pdf-Format herunterladen.


Band 13 der Schriftenreihe der AFS.

Aktuelle Ausprägungen von politisch-weltanschaulichem Extremismus weisen oftmals eine enge Verknüpfung mit digitalen Medien auf. Jugendliche nutzen digitale Medien ständig und kommten dort mit extremistischen Inhalten in Kontakt oder setzen sie selbst - als Teil extremistischer Gruppierungen - zu Kommunikationszwecken ein, woraus auch ein großer Handlungsbedarf für die pädagogische Praxis entsteht. Der Band bündelt phänomen- und praxisbezogene Wissensbestände zum Themenfeld. Es werden Befunde der derzeitigen Erscheinungsformen von Rechtsextremismus und (gewaltorientiertem) Islamismus im Kontext digitaler Medien vorgestellt. Zum anderen bieten Praktiker/innen Einblicke in ihre Arbeit und reflektieren, welche Anforderungen an pädagogische Akteure aus rechtsextremen und islamistischen Aktivitäten im Netz resultieren und welche pädagogischen Gegenstrategien bislang erprobt werden. Anschließend werden Wissensstand, Praxislandschaft und Entwicklungsperspektiven resümiert. Kostenloser Bezug über Renate Schulze (schulze@dji.de). Eine digitale Version steht zum Download bereit.


Kontakt

+49 345 68178-46
Deutsches Jugendinstitut Außenstelle Halle
Franckeplatz 1
Haus 12/13 06110 Halle

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