Ein Bericht der Europäischen Kommission (2000, S. 29) stellt fest, dass psychische und psychosoziale Probleme in der Jugend häufig nicht erkannt und nicht ausreichend behandelt werden. Psychische Erkrankungen haben bei jungen Menschen ähnliche Krankheitsbilder wie bei Erwachsenen.
Des weiteren verweist der Bericht darauf, dass die Inzidenz vieler Erkrankungen (Depressionen, Suchterkrankungen, suizidales Verhalten, Ess-Störungen und psychotische Störungen) von der Kindheit bis zum Jugendalter ansteigt, und die Prävalenz aufgrund von Rückfällen bis ins Erwachsenenalter zunimmt. Dem Bericht liegen zwar nur spärliche Daten aus den Mitgliedstaaten zugrunde, aber Schätzungen zufolge beträgt die allgemeine Prävalenz der psychischen Erkrankungen in der Jugend ca. 15 bis 20%. Bei Jugendlichen aus benachteiligten und schwach integrierten Bevölkerungsgruppen (wie Migranten) ist sie tendenziell noch höher.
Der Suizid stellt bei jungen Menschen zwischen 15-24 Jahren die zweithäufigste Todesursache nach dem Tod im Straßenverkehr dar und bildet - zusammen mit Suizidversuchen - eine beträchtliche Belastung für die betroffenen Familien und die umgebenden Netzwerke. Die seit zwei Dekaden konstant hohe, inzwischen etwas zurückgehende Suizidrate von jungen Menschen zwischen 15 und 24 Jahren stellt für die EU-Mitgliedsländer ein erhebliches, doch unterbewertetes Problem der öffentlichen Gesundheit dar. Der Suizid ist bei jungen Männern als auch bei jungen Frauen stärker in unteren als in gehobenen sozio-ökonomischen Statusgruppen verbreitet (Acheson 1998).