SCHWERPUNKT Besser beteiligen Prof. Dr. Dagmar Hoffmann ist Professorin für Medien und Kommunikation sowie Gender Media Studies an der Philosophischen Fakultät der Universität Siegen. Ihre Forschungsschwerpunkte sind unter anderem Medien- sozialisation, Bild- und Medienpraktiken im Social Web, Jugend- und Gendermedienforschung sowie politische Partizipation und Empowerment. Dagmar.Hoffmann@uni-siegen.de Literatur BRUNS, AXEL (2019): Are filter bubbles real? Cambridge, Medford, MA COUSSERAN, LAURA u.a. (2023): Kompass: Künstliche Intelligenz und Kompetenz 2023. Einstellungen, Handeln und Kompetenzentwicklung im Kontext von KI. München ECKSTEIN, KATHARINA / NOACK, PETER (2018): Politische Sozialisation. In: Gniewosz, Burkhard/Titzmann, Peter F. (Hrsg.): Handbuch Jugend. Psychologi- sche Sichtweisen auf Veränderungen in der Adoleszenz. Stuttgart, S. 371–387 GESCHKE, DANIEL u.a. (2019): #HASS IM NETZ: Der schleichende Angriff auf unsere Demokratie. Eine bundesweite repräsentative Untersuchung. Berlin HAJOK, DANIEL (2026): Kinder und Jugendliche in der digitalen Welt. Stuttgart HOFFMANN, DAGMAR (2018): Hass-Postings, Fake News und konfrontative Meinungsmache im Social Web. Deutscher Kulturrat KUTSCHER, NADIA (2021): Digitalität, Digitalisierung und Bildung. In: Bauer, Ulrich/Bittlingmayer, Uwe/Scherr, Albert (Hrsg.): Handbuch Bildungs- und Erziehungssoziologie. Wiesbaden, S. 1–17 MAU, STEFFEN / LUX, THOMAS / WESTHEUSER, LINUS (2023): Triggerpunk- te. Konsens und Konflikt in der Gegenwartsgesellschaft. Frankfurt am Main MEDIENPÄDAGOGISCHER FORSCHUNGSVERBUND SÜDWEST (mpfs) (2025): JIM-Studie. Jugend, Information, Medien. Basisuntersuchung zum Medienumgang 12- bis 19-Jähriger. Stuttgart OBERLE, MONIKA u.a. (2023): Politische Sozialisation im Jugendalter. Ein Systematic Review des internationalen Forschungsstands auf Basis empirischer Studien in englisch-sprachigen Zeitschriften. München ROBERTSON, CLAIRE / DEL ROSARIO, KAREENA / VAN BAVEL, JAY J. (2024): Inside the Funhouse Mirror Factory: How Social Media Distorts Perceptions of Norms. RYSINA, ANNA / LEVEN, INGO (2024): Leben in der digitalen Informations- gesellschaft − Jugendliche und ihr Umgang mit Fakenews und KI. In: Albert, Mathias/Quenzel, Gudrun/de Moll, Frederick (Hrsg.): Jugend 2024. 19. Shell Jugendstudie. Weinheim SACHS-HOMBACH, KLAUS / ZYWIETZ, BERND (Hrsg.) (2018): Fake News, Hashtags & Social Bots. Neue Methoden populistischer Propaganda. Wiesbaden ZICK, ANDREAS / BERGHAN, WILHELM / MOKROS, NICO (2020): Jung, feindselig, rechts!? Menschenfeindliche, rechtspopulistische und -extreme Orientierungen im intergenerativen Vergleich. In: Zeitschrift für Erziehungs- wissenschaft 23 (6), S. 1149–1178 26 DJI Impulse 3+4 | 2025 und sich einig sind. Meist sind die angebotenen Lösungen für einen Konflikt einfach, so können sie eher als Deutungsmuster übernommen werden, als wenn sie komplex, ambivalent und vielschichtig sind. Anzunehmen ist, dass insbesondere (junge) Menschen für populistische Denkmuster anfällig sind, die ein starkes Bedürfnis nach einem stabilen Werterahmen, sozialer Zugehörigkeit, Ordnung und Sicherheit verspüren. Auch Her- anwachsende mit einem hohen Maß an Anomie, also einem Gefühl fehlender klarer gesellschaftlicher Orientierung und schwacher verbindlicher Normen, neigen vermehrt zu antide- mokratischen Orientierungen (unter anderem Zick 2020). Es gilt, Digital- und Medienkompetenzen kontinuierlich zu fördern In Zeiten der zunehmenden Verbreitung von Fake News, Hassbotschaften und viralen Hetzkampagnen in Sozialen Medien kommt sowohl der instrumentell-qualifikatorischen, kognitiven, sozialen als auch der kritisch-reflexiven Dimension von Medien- und Digitalkompetenz eine zentrale Bedeutung zu (Cousseran u.a. 2023, S. 16). Niemand ist dauerhaft davor gefeit, auf Desinformationen und Manipulationsversuche her- einzufallen. Umso wichtiger ist es, das eigene Informations- verhalten kontinuierlich und kritisch zu reflektieren. Hier füh- len sich Jugendliche im Alter zwischen 12 und 19 Jahren in der letzten Kompass-Befragung 2023 im Rahmen des Verbundpro- jekts „Digitales Deutschland“ zwar insgesamt recht gut ge- wappnet. Unter anderem tricksen sie den Algorithmus auch mal aus, damit ihnen nicht immer wieder die gleichen Inhalte zugespielt werden. Trotzdem regen die befragten jungen Men- schen in Anbetracht der Entwicklungen von kommunikativer und generativer KI einen kontinuierlichen Aufklärungs- und Lernbedarf der Bevölkerung insgesamt an (ebd., S. 37). Angesichts der demokratietheoretischen Probleme, die die beschriebenen Entwicklungen mit sich bringen, wird vielfach der Ruf nach Förderung einer umfassenden Medien- und Di- gitalkompetenz laut. Diese beinhaltet neben anderen Aspek- ten etwa die Überprüfung von Quellen und der Glaubwürdig- keit der postenden Nutzer:innen ebenso wie den Abgleich unterschiedlicher Informationen, um Falschmeldungen und Manipulationen identifizieren zu können. Bestimmte visuelle Hinweisreize – sogenannte News Cues – wie Gesten, Posen oder Symbole können erste Anzeichen dafür liefern, dass Dar- stellungen verfälscht wurden, eine Fotomontage oder ein Deepfake vorliegt. Darüber hinaus sollten Nutzer:innen auch in familiären, schulischen sowie Peer-Kontexten ermutigt und ermächtigt werden, Hass und nachweislich falsche Informati- onen, die an sie oder andere adressiert werden, gegebenen- falls zu markieren oder bei Beschwerdestellen (beispielsweise internet-beschwerdestelle.de oder jugendschutz.net) oder den jeweiligen Plattformbetreibenden zu melden. Zudem ist die Bedeutung von Gegenrede (Counter Speech) zentral, das heißt, es gilt, Zivilcourage zu zeigen und Normverletzungen nicht un- widersprochen zu lassen (Bystander-Intervention). Dabei ist jedoch zu beachten, dass die Beteiligung an solchen Interventi- onen durchaus mit Risiken verbunden sein kann. Wer öffent- lich Stellung bezieht, macht sich mitunter angreifbar. Umso wichtiger ist es, sich der potenziellen Dynamiken bewusst zu sein und idealerweise nicht allein zu agieren. y h p a r g o t o h P a W a K / t d u a t S n i r t a K 4 2 0 2 ©