PRESSEINFORMATION

11. April 2002

Fremdenfeindliche Täter: Prävention muß früh, individuell und an Emotionen ansetzen

Fremdenfeindliche Gewalttäter sind das Ergebnis typischer Entwicklungsprozesse. Das zeigen neueste Studien des Deutschen Jugendinstituts und der Universitäten Jena und München:

  1. Vielfach wuchsen diese Gewalttäter in zerbrochenen Familien mit einem kalten, gewalttätigen Erziehungsklima und in Heimen auf, wo sie Gewalt als Hauptmittel zur Regulierung alltäglicher Situationen erfuhren und sich aneigneten. Auffällig sind die starken Emotionen der Angst, Ohnmacht, Wut und Trauer, die sie als Kinder erlebten und in Aggressivität umsetzten. Rechtsextreme Einstellungen werden in dieser Phase noch kaum angenommen.
  2. Die schulische Sozialisation war durch zunehmendes Leistungsversagen, Aggressivität, Schulabbruch und Delinquenz gekennzeichnet (neun von zehn Gewalttäter fielen bereits in der Grundschule durch Gewaltanwendung auf).
  3. Im Jugendalter kam der Gruppensozialisation in fremdenfeindlichen und rechtsextremen Cliquen die stärkste Bedeutung zu. Die meist schon seit der Kindheit vorhandene Aggressivität richtete sich jetzt nicht mehr nur gegen Mitschüler und Lehrer, sondern zunehmend gegen Minderheiten (ethnisch Fremde, Punks, "Linke" usw.).

Und wie steht es allgemein mit fremdenfeindlichen, antisemitischen und rechtsextremistischen Tatverdächtigen und Tätern, die Asylbewerber zusammenschlagen, "Linke" verprügeln, Hakenkreuze schmieren oder Nazi-Parolen brüllen? Im Verlauf der 1990er Jahre änderte sich ihre Struktur wenig, wenn man den verfügbaren Polizeidaten trauen darf. Immer noch ist danach der größte Teil männlich, ledig und zwischen 15 und 24 Jahren alt. Zugenommen hat der Anteil der weiblichen Tatverdächtigen. Wenn junge Frauen wegen entsprechender Delikte verurteilt wurden, waren deren Gewalttaten so brutal wie die der männlichen Täter.

Klaus Wahl (Hrsg):
Fremdenfeindlichkeit, Antisemitismus, Rechtsextremismus
. Drei Studien zu Tatverdächtigen und Tätern. Berlin: Bundesministerium des Innern 2001- Reihe: Texte zur Inneren Sicherheit, Band III/2001. Kostenlos zu beziehen bei: ibro Funk- und Marketing Kastanienstr. 1, 18184 Roggentin, Tel.: 038204/66543, Fax: 038204/66219, E-Mail: bmi@ibro.de

Weitere aktuelle Publikationen des Deutschen Jugendinstituts zu diesem Thema:

DISKURS - Studien zu Kindheit, Jugend, Familie und Gesellschaft, Jahrgang 11, 2001, Heft 2
(Heftthema:
Bunte Gesellschaft - braune Gewalt - mit Forschungs- und Praxisbeiträgen). ISSN 0937-96144 (nur über Buchhandel).

Klaus Wahl, Christiane Tramitz, Jörg Blumtritt:
Fremdenfeindlichkeit: Auf den Spuren extremer Emotionen.
Opladen: Leske + Budrich 2001. ISBN 3-8100-3137-2 (nur über Buchhandel)

 

Kontakt:
Deutsches Jugendinstitut e.V.
PD Dr. Klaus Wahl
Nockherstraße 2, 81541 München,
Telefon 089/62306-128,
E-Mail
wahl@dji.de