PRESSEINFORMATION

Sperrfrist 22. April 2002 10.00

Symposium am 22. April in Berlin: Neue Diskurse Alte Praxis.

Gleichstellungspolitik, Gender Mainstreaming, Geschlechterverhältnisse

Das Deutsche Jugendinstitut (DJI) stellt auf seinem diesjährigen Symposium "Neue Diskurse - alte Praxis?" das politische Instrument des Gender Mainstreaming zur Diskussion. Gender Mainstreaming öffnet den Blick auf die Verhältnisse zwischen den Geschlechtern, Chancengerechtigkeit und Geschlechtergleichheit. Das Symposium möchte einen Beitrag zu seiner gesellschaftlichen Anerkennung und Durchsetzung leisten.

Gender Mainstreaming ist seit 1996 zur Durchsetzung von Chancengleichheit zwischen den Geschlechtern in allen EU-Mitgliedsstaaten verbindlich. Es erweitert politische Maßnahmen und Konzepte der Gleichstellungspolitik um eine neue Perspektive, die Chancengleichheit als Aufgabe aller politischen Handlungsfelder und Ebenen verbindlich macht und die vermeintliche Geschlechtsneutralität von Entscheidungen und Maßnahmen in frage stellt. Doch wie kann Gender Mainstreaming in der Realität umgesetzt werden? Welches sind die ersten Erfahrungen? Ist es ein geeignetes Instrument, um Gleichstellung zu erreichen? Welcher Stellenwert kommt ihm im Verhältnis mit den bestehenden Instrumenten von Gleichstellungspolitik zu? Und wie steht die heutige Generation junger Frauen dazu? AkteurInnen und kritische BeobachterInnen aus Wissenschaft, Politik und Jugendhilfe wurden vom DJI eingeladen, um das Konzept des Gender Mainstreamings vorzustellen, Widersprüche und Ambivalenzen zwischen Verlautbarungen und Lippenbekenntnissen einerseits und der Praxis des Geschlechteralltags andererseits aufzuspüren und eine Bestandsaufnahme vorzunehmen. Die über 250 Anmeldungen zur Tagung aus Praxis, Wissenschaft, Verwaltung und Politik spiegeln das breite Interesse an diesem Thema.

Prof. Dr. Ursula Rabe-Kleberg, Vorsitzende des Wissenschaftlichen Beirats des DJI, und Prof. Dr. Sigrid Metz-Göckel, Universität Dortmund, gehen in ihren Vorträgen auf das Verhältnis von feministischer Diskussion, Geschlechterforschung und Geschlechterpolitik ein. Gender Mainstreaming erhebe, so Rabe-Kleberg, die Analyse des in Strukturen eingelassenen Geschlechterverhältnisses nicht nur zum politischen Programm, sondern zur gesetzlichen Aufgabe: "Diese Wendung kam auch für manche Feministin eher überraschend und führte nicht nur zu Optimismus über gewonnene Chancen." Metz-Göckel macht Ungleichzeitigkeiten, Widersprüche und Dissonanzen zwischen Wissenschaft und Politik aus und bezieht sie auf Ergebnisse der geschlechtervergleichenden Jugendforschung: "Für den Erfolg dieses Konzepts wird es daher wesentlich darauf ankommen, auch kritisches Wissen zu kommunizieren, ein unabhängiges Kontrollsystem zu etablieren und Diskurse sowohl im Mainstream als auch außerhalb zu initiieren."

Prof. Dr. Ingo Richter, der sich mit seinem Vortrag gleichzeitig als Direktor des Deutschen Jugendinstituts verabschiedet, plädiert angesichts der politischen und theoretischen Entwicklung des Geschlechterverhältnisses für eine neue Auslegung des Gleichberechtigungsartikels im Grundgesetz.

In den Workshops wird das Thema des Symposiums vertieft mit Blick auf die Lebensentwürfe und Lebenslagen von Mädchen und Jungen, die anhaltende Gewalt gegen Mädchen und Möglichkeiten der Prävention, Sexualität und Aushandlungsprozesse im Geschlechterverhältnis sowie Gleichstellungspolitik und Ethnie.

Weitere Informationen unter www.dji.de