PRESSEINFORMATION

3. September 2002

Neuer Direktor am Deutschen Jugendinstitut: Außerschulische Bildung - ein vergessenes Thema in der PISA-Debatte


Der neue Direktor des Deutschen Jugendinstituts, Prof. Dr. Thomas Rauschenbach, wird am 3. September im Rahmen der Veranstaltung "Außerschulische Bildung ein vergessenes Thema der PISA-Debatte" von der Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Dr. Christine Bergmann, offiziell in sein Amt eingeführt. Der Dortmunder Erziehungswissenschaftler und Leiter der Dortmunder Arbeitsstelle für Kinder- und Jugendhilfestatistik trat am 1. August 2002 die Nachfolge von Prof. Dr. Ingo Richter an.

Prof. Rauschenbach benennt als wissenschaftliche Herausforderungen im Anschluß an die PISA-Debatte zwei altbekannte und dennoch vielfach vernachlässigte Forschungsgegenstände: zum einen die Ursachen und Entstehungszusammenhänge von sozialer Ungleichheit, nicht-gelingender sozialer Integration, Bildungsbenachteiligung und gescheiterten Bildungsverläufen; zum anderen die Bildungsprozesse und Bewältigungsstrategien von Kindern, Jugendlichen und ihren Familien sowie die Wirkungen der öffentlichen Unterstützungsangebote, der sozialen Infrastruktur und der sozialstaatlichen Leistungen und Leistungssysteme. "Biografien und Lebensverläufe von Kindern und Jugendlichen sind zu gestaltende Bildungsprozesse, sie basieren auf lebenslagenabhängigen Gelegenheitsstrukturen. Bislang haben Wissenschaft und Forschung darauf mit Spezialisierung reagiert. Gegen die damit notgedrungen verbundene wechselseitige Abschottung und monothematische Ausrichtung sieht das Deutsche Jugendinstitut seine Stärke in der Verknüpfung der isolierten Wissensbestände, der thematischen Schnittmengen und Übergänge." Diesen Aufgaben fühlt sich das 1963 gegründete außeruniversitäre sozialwissenschaftliche Forschungsinstitut verpflichtet. Es untersucht die Lebenslagen von Kindern, Jugendlichen, Frauen und Familien und darauf bezogene staatliche und gesellschaftliche Angebote zur Unterstützung und Förderung.

Vortrag von Prof. Rauschenbach

Bundesministerin Bergmann geht in ihrer Rede auf die politischen Herausforderungen der Bildungsdebatte ein. Der öffentlichen Verantwortung für das Aufwachsen von Kindern und Jugendlichen sei nur gerecht zu werden, wenn die Bildung im vorschulischen Bereich und die Rolle der außerschulischen Bildung in der Organisation der Ganztagesangebote neu bestimmt werden. Es sei ein zeitgemäßes Erziehungs- und Bildungskonzept für Kinder unter 6 Jahren erforderlich unter Einbeziehung aller Perspektiven und Verantwortlichen im frühpädagogischen Bereich. Die Zeit sei reif für einen Bildungsplan für alle Kindertageseinrichtungen und für bundesweite Bildungsstandards für den vorschulischen Bereich. Gerade Forschungseinrichtungen wie das Deutsche Jugendinstitut leisteten dazu einen wesentlichen Beitrag.

Prof. Dr. Thomas Rauschenbach (49) ist verheiratet und hat eine achtzehnjährige Tochter. In den letzten 13 Jahren lehrte und forschte er an der Universität Dortmund als Professor und Lehrstuhlinhaber für Sozialpädagogik, Fachbereich Erziehungswissenschaft und Soziologie. Seine Arbeitsschwerpunkte sind Theorie der Sozialen Arbeit, Wohlfahrts- und Jugendverbände, soziales Ehrenamt, Ausbildung und Arbeitsmarkt für soziale Berufe. Neben der Weiterentwickung der bisherigen Forschungsschwerpunkte des DJI wird Prof. Rauschenbach auch neue inhaltliche Akzente am DJI setzen: bürgerschaftliches Engangement und die Neugestaltung des Verhältnisses von familialer und außerhäuslicher Erziehung. Darüber hinaus möchte er die Zusammenarbeit mit den Hochschulen und anderen Forschungseinrichtungen sowohl auf nationaler wie auf internationaler Ebene intensivieren.