Auch wenn das Thema in den letzten Jahren aus dem politischen Blickfeld geraten ist, so gibt es nach wie vor eine Gruppe von Jugendlichen, die über einen längeren Zeitraum auf der Straße lebt und dadurch für Bildungseinrichtungen und andere institutionelle Einrichtungen kaum oder gar nicht zu erreichen ist. Häufig kommen die Betroffenen aus schwierigen, meist ressourcenarmen, Elternhäusern oder auch aus Familienzusammenhängen, die durch seelische Kälte geprägt sind. Manche der Jugendlichen haben Erfahrungen in Heimen gemacht und viele haben sich schon frühzeitig der Schule verweigert.  Oftmals bestimmen Suchtkrankheiten, aber auch psychische Problemlagen den Alltag der Betroffenen. Sie leben zumeist in Großstädten (auch wenn sie nicht notwendig aus einem großstädtischen Umfeld stammen), sind sehr mobil und wechseln zwischen verschiedenen Städten (Mögling et al. 2015).

Im Rahmen des Innovationsfonds des Kinder- und Jugendplans wurden im Bereich der Jugendsozialarbeit vier Projekte gefördert, die in der Arbeit mit dieser Zielgruppe neue Wege gehen. Diese versuchen, die Betroffenen über modellhafte Ansätze zu erreichen und ihnen Perspektiven jenseits der Straße zu eröffnen, die möglichst dauerhaft tragen. Die Projekte wurden vom Deutschen Jugendinstitut durch eine formative (prozessbegleitende) Evaluation begleitet. Zu drei Zeitpunkten wurden die Projektmitarbeiter/innen zu ihren Methoden und Ansätzen, Erfahrungen der Umsetzung sowie der Zusammenarbeit mit anderen Angeboten und Akteuren befragt. Weiterhin wurde die Arbeit der Projekte durch teilnehmende Beobachtungen analysiert. Darüber hinaus wurden zu zwei Zeitpunkten Gruppendiskussionen mit den Projektteilnehmer/innen geführt. In diesen standen die Erfahrungen im Projekt sowie die zukünftigen Lebenspläne im Fokus.

Zusätzlich wird der Frage nachgegangen, wie sich die untersuchten Angebote in bestehende Strukturen vor Ort einfügen und welche Angebotslücken für Straßenjugendliche bestehen.

Die Erkenntnisse der wissenschaftlichen Begleitung stellten die Basis für einen Praxisbericht zur Projektarbeit mit  Straßenjugendlichen dar. In komprimierter Form flossen die Erkenntnisse zudem in die Broschüre „Straßenjugendliche in Deutschland“ ein.

Mögling, Tanja/Tillmann, Frank/Reißig, Birgit (2015): Entkoppelt vom System. Jugendliche am Übergang ins junge Erwachsenenalter und Herausforderungen für Jugendhilfestrukturen. Eine Studie des Deutschen Jugendinstituts im Auftrag der Vodafone Stiftung Deutschland. Hg. v. Vodafone Stiftung Deutschland

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