Mit der Diskussion um die erste PISA-Erhebung hat das Thema (schulische) Bildung seit den 2000er Jahren noch einmal deutlichen Auftrieb erfahren. Auch gut eineinhalb Jahrzehnte nach der ersten PISA-Untersuchung muss wiederholt ein bereits damals zutage getretener Befund als zentral erachtet werden. So wurde der bedeutsame Einfluss der sozialen Herkunft auf den schulischen Bildungserfolg, auf die Zuweisung von Bildungs- und damit Lebenschancen, auch im Vergleich zu anderen OECD-Staaten, nachgewiesen (Baumert/Stanat/Watermann, 2006; Prenzel u. a., 2004). Daneben spielen weitere Aspekte eine oftmals benachteiligende Rolle, wenn es um den Bildungserwerb geht. Dabei sind zu nennen die ethnische Herkunft (Diefenbach 2007) oder auch die räumliche/regionale Herkunft (Weishaupt 2010). Aber auch sozial-räumliche Bedingungen können eine benachteiligende Wirkung beim Bildungserwerb junger Menschen haben. „In der Gemeinde wird die vertikale soziale und ethnische Schichtung der Bevölkerung horizontal ‚verräumlicht‘. Dieser Prozess kann zu einer Konzentration sozialer Risiken/Probleme in einzelnen Stadtteilen führen“ (Radke 2007, S. 19). Die schärfste Form der Segregation ist die Herausbildung sogenannter „sozialer Brennpunkte“. Dabei handelt es sich um Stadtviertel mit einer besonders hohen Konzentration sozial benachteiligter Menschen.

Als problematisch gestalten sich in diesen Quartieren auch die dort ansässigen Schulen, weil diese ebenso einer Spirale der Segregation ausgesetzt sind. Die Konzentration von Schülerinnen und Schülern mit schwierigen Herkunftsbedingungen führt dazu, dass im Stadtteil ansässige Familien mit besseren Ressourcen sich mehr und mehr in andere Quartiere zurückziehen und ihre Kinder damit auch andere Schulen besuchen.

Es stellt sich die Frage, wie Schulen in Brennpunkten nicht zu Orten werden, an denen Bildungswege des Scheiterns vorgezeichnet sind.

Die skizzierte Debatte wird nun wieder verstärkt durch das BMBF aufgegriffen. Das DJI unterstützte diesen Prozess und erstellte einen wissenschaftlich fundierten Beitrag zum Thema „Schulen in benachteiligten sozialen Lagen“. Die Ziele des Textes gingen dabei in zwei Richtungen. Zum einen sollten Informationen generiert werden, die helfen, belastete Schulen in sozialen Brennpunkten zu identifizieren. Ein weiteres Ziel bestand in der Identifikation und Beschreibung von „good practice“ in diesem Feld.

Folgende Themen wurden durch das Projekt aufgegriffen:

- Sozialräume und soziale Brennpunkte: Hierbei ging es v.a. um die theoretische Auseinandersetzung der Entstehung und Beschreibung sozial benachteiligter Räume. Es ging um die Identifizierung der wesentlichen Kriterien, an Hand derer sich Brennpunkte definieren lassen.

- Schulen in sozial benachteiligten Räumen: Ziel war es hier, Indikatoren zu identifizieren, mittels derer belastete Schulen in sozial benachteiligten Räumen bestimmt werden können. Um dies herauszuarbeiten, wurden verschiedene Herangehensweisen auf nationaler, aber auch auf internationaler und kommunaler Ebene vorgestellt und analysiert.

 - Ansätze auf regionaler/ kommunaler Ebene: Hier ging es um Strategien und Initiativen zur Verbesserung der Situation vor Ort.

Die Ergebnisse wurden in einem Bericht veröffentlicht und flossen in die Fachkonferenz „Schulen in benachteiligten sozialen Lagen und mit besonderen Aufgaben der Integration“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung am 07.05.2019 ein.

Baumert, Jürgen/Stanat, Petra/Watermann, Rainer (Hrsg.) (2006): Herkunftsbedingte Disparitäten im Bildungswesen: Differenzielle Bildungsprozesse und Probleme der Verteilungsgerechtigkeit Vertiefende Analysen im Rahmen von PISA 2000. Wiesbaden

Diefenbach, Heike (2007): Kinder und Jugendliche aus Migrantenfamilien im deutschen Bildungssystem. Erklärungen und empirische Befunde. Wiesbaden

Prenzel, Manfred u. a. (Hrsg.) (2004). PISA 2003. Der Bildungsstand der Jugendlichen in Deutschland. Ergebnisse des zweiten internationalen Vergleichs. Münster

Radke, Frank-Olaf (2007): Lokales Bildungs- und Integrationsmanagement Plädoyer für eine zielorientierte Schulentwicklungsplanung. In: vhw FW 1, S. 19-22

Weishaupt, Horst (2010): Bildung und Region. In: Tippelt, Rudolf/Schmidt-Herta, Bernhard (Hrsg.): Handbuch Bildungsforschung. 3. durchges. Auflage. Wiesbaden, S. 217-231

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